Das Vater unser
in Begleitung
von Evangelien und uralten christlichen Chorälen,
wie solches in der
Weimarischen Sonntagsschule
mit den Kindern gesungen, durchsprochen und gelebt wird.
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Acht Bogen Text, mit dreyzehn Noten- und zehn Kupfer-Tafeln.
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Im Anhange eine kurze Geschichte der Anstalt der Freunde
in der Noth zu Weimar.
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Zum Besten eines von den Kindern selbst zu erbauenden Beth- und Schulhauses
herausgegeben
von
Johannes Falk.
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(Preis bis zu Neujahr 1823 1 rthl. Sächsisch, oder 1 fl. 48 Kr. Rheinisch.
Illuminierte Exemplare, auf feinem Papier, im Futteral, mit vergoldetem
Schnitt, das Stück 1 thlr. 12 gr. Sächs. oder 2 fl. 42 Kr. Rheinisch.)
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Zu finden in der Expedition der Freunde in der Noth zu Weimar, zu Leipzig, bei Brockhaus, zu Hamburg bei Perthes und Besser, zu Frankfurt in der Herrmannschen Buchhandlung. {III}
Plan
Edle Freunde in der Noth zu Weimar versorgten, wie solches längst aus den öffentlichen Blättern bekannt ist, nach den Schlachten von Jena, Lützen und Leipzig, eine Menge, durch den Krieg
unglücklich gewordener, oder verwilderter Kinder. Fast 200 derselben haben Handwerke gelernt, und sind sehr geschickte Schlösser, Mäurer, Tischler, Tüncher, Zimmerleute, Steinmetzen u. s. w.
geworden. Wie die gedruckten Namensverzeichnisse ausweisen, sind unter denselben nicht nur kleine Sachsen, sondern auch Russen, Preußen, Baiern, Rheinländer, Böhmen, Katholiken, Lutheraner,
Reformirte und Juden gewesen, die der Sturm des Zufalls in die Nähe der drey großen Schlachtfelder, wo die furchtbaren Krieg'sloose Europa's geschüttelt wurden, unter und durch einander warf. Wie
Christus diese Küchlein gesammelt: darüber ist das Weitere in der Chronik der Anstalt nachzulesen. Nun haben wir den Plan, zum Andenken jener ernsten Zeit, durch die frommen Hände der besagten
Kinder selbst, einen Bethsaal, nebst Schulhaus, erbauen zu lassen, wo jeder Ziegel im Dach, jeder Nagel an der Wand, jedes Schloß an der Thür, jeder Stuhl {IV}
und Tisch in der Stube von ihnen und ihrem Fleiß herrühre. Eine schwarze Marmortafel soll ganz einfach die folgende Inschrift erhalten: Nach den Schlachten von Jena, Lützen und Leipzig, erbauten
die Freunde in der Noth, durch 200 gerettete Knaben, dieses Haus dem Herrn, zu einem ewigen Dankaltar.
Das, auf Subscription, zum Besten dieser Unternehmung, angekündigte Vater unser, acht Bogen stark, mit dreizehn Noten-Blättern und zehn Kupferstichen, im Anhang die Geschichte der Anstalt, bietet
jedem hochherzigen deutschen Mann, besonders jedem frommen Hausvater Gelegenheit dar, durch Einsammlung von Subscribenten, thätig in seinem Kreise für dieses Werk der reinen, sich selbst
aufopferndern Liebe, zu seyn. Darum rechnen wir auch besonders auf den Beistand frommer Jungfrauen, Frauen und Hausmütter, auf daß an den Tag komme, und zur Lüge werde, was Einige sagen: die Zeit
zu solchen frommen Anstalten sey unwiederbringlich in unserm Volk verloren gegangen; es möchten in demselben, wie die Sachen standen, jährlich wohl eher Millionen, zur Ausspielung neuer
Lotterieloose, als 1 Thlr. jährlichen Beitrag's, zu einem neuen Frankischen Waisenhause, auszumitteln seyn. Solches Zwischenreden nun soll unser Herz nicht in Betrübniß oder Traurigkeit
versetzen; nein, ihr zerstreuten Edlen unsers Vaterlandes, aus allen Ständen und von allen Religionen, schließt euch fester und fester an uns an, die wir, im Verlauf der letzten Neun Jahre, im
reinen Vertrauen auf Gott, was freilich an das Unglaubliche grenzt, ein halb {V}
Tausend armer Kinder, zu versorgen im Stande waren; eine Unternehmung, die wir, ohne selbst zu wissen, wohin es uns führen würde, im gewaltigen Druck der Zeit, mit ein Paar uns von edlen und
frommen Menschenfreunden vertrauten Zwanzigkreuzern anfingen. So stehet uns denn auch kräftig in diesem neuen Vorhaben zur Seite, damit, unter dem Prunk müssiger Denkmäler der Gegenwart, des
Spieles, des Tanzes, der Lust, die so üppig vor unsern Augen emporwuchern, außer dem Klange von Trillern und weltlichen Saitenspielen, auch einmal wieder ein Psalterklang, zu Gottes und unsers
frommen Volkes Ehren erklinge und laut werde; ein ernstes Denkmal, im Geist unserer Vorfahren, das, wie ein weinender Engel, in den Schutt der verfallenen Städte, mit freundlichen Kinderaugen,
herunter schaut; und das, wenn es uns, mit leuchtenden Cherubsflügeln, über die verdunkelte Stunde Zeit und die bald vergessene Spanne Grab, hinwegträgt, allen Ständen die höhere Besinnung
prediget, welche die Gegenwart fordert, die Zukunft ahnet und die dem Geist einer echt veredelten, christlich fortschreitenden Menschenbildung gemäß ist.
Weimar im May 1822.
Johannes Falk {VI}
Nachschrift.
Man bittet alle Schulen, Geistliche, so wie besonders auch alle verehrte Buchhandlungen, Zeitungsexpeditionen, nicht minder alle einzeln zerstreuten christlichen Menschenfreunde in Deutschland,
denen die Sache Gottes und der Religion am Herzen liegt, dieses Vater unser möglichst im Druck zu verbreiten, und sich deßhalb an Herrn Brockhaus zu Leipzig, Herrn Perthes und Besser in Hamburg,
die Herrmannsche Buchhandlung zu Frankfurt, oder an die Freunde in der Noth zu Weimar, zu wenden. Der Preis bleibt bis Neujahr 1823 derselbe, nämlich 1 thl. Sächsisch, oder 1 fl. 48 Kr.
Rheinisch. Illuminirte Exemplare, auf feinem Papier, im Futteral, mit vergoldetem Schnitt 1 thl. 12 gr. Sächs., oder 2 fl. 42 Kr. Rhein. Man glaubt, im Betreff des allgemeine Theilnahme
erweckenden Gegenstandes, einer geneigten Gewährung seiner Bitte, von Seiten ihres Edelmuthes, auch ohne Darbietung von Rabat, im Namen der Kinder, gewärtig zu seyn. {1}
Das
Vaterunser
mit
Evangelien und alten Chorälen. {2}
Sey mit uns mit deinem Volke, Gott Vater {3}
Segne dein Volk, dein Erbe, Jesus Christus {4}
Heil‘ger Geist! heil‘ger Geist! Sey mit uns mit deinem Volke {5}
„Vater unser, der du bist im Himmel.“
Christus und die Samariterin am Brunnen.
Joh. 4, 5. 6. 7. 8. 9. 20. 21. 22. 23. 24.
Da kam er in eine Stadt, Samariä, die heißet Sichar, nahe bei dem Dorfe, das Jakob seinem Sohne Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war, von der Reise, setzte er
sich also auf den Brunnen, und es war um die sechste Stunde. Da kommt ein Weib von Samariä, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: gib mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt
gegangen, daß sie Speise kauften. Spricht das Samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir trinken, so du ein Jude bist und ich ein Samaritisches Weib? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft
mit den Samaritern. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet; und ihr sagt: zu Jerusalem sey die Stäte, da man anbeten solle. Jesus spricht zu ihr: Weib glaube mir: es kommt die Zeit, daß
ihr weder auf diesem Berge, noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet: wir wissen aber, was wir anbeten, denn das Heil kömmt von den Juden. Aber es kömmt die
Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten, im Geist und in der Wahrheit, denn der Vater will auch haben, die ihn also anbeten. Gott ist ein Geist, und die
ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. {6}
Drey Knaben (im Chor.)
Vater unser der du bist im Himmel.
Ges. Wachet auf, ruft uns die Stimme etc.
Wachet auf, ruft uns die Stimme der Wächter
sehr hoch auf der Zinne,
wach auf Du Stadt Jerusalem,
Mitternacht heißt diese Stunde,
sie rufen uns mit hellem Munde:
wo seyd ihr klugen Jungfrauen? {7}
Wohlan! der Bräut‘gam kömmt, steht auf,
die Lampen nehmt, Halleluja!
Macht euch bereit, zu der Hochzeit,
Ihr müsset ihm entgegen gehen. {8}
„Geheiliget werde dein Name,"
Christi Abschied von seinen Jüngern.
Joh. 17.
Solches redete Jesus und hob seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater die Stunde ist hier, da du deinen Sohn verklärest, auf daß dich dein Sohn auch verkläre: gleich wie du ihm Macht gegeben
hast, über alles Fleisch, auf daß er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast,
Jesum Christum, erkennen. Ich habe dich verkläret, auf Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich thun sollte. Und nun verkläre mich, du Vater, bey dir selbst, mit der
Klarheit, die ich bey dir hatte, ehe denn die Welt war. Ich habe deinen Namen geoffenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie
haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, daß alles was du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; und sie haben es angenommen, und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin, und
glauben, daß du mich gesandt hast. Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Und alles was mein ist, das ist dein, und was dein
ist, das ist mein, und ich bin in ihnen verkläret. Und ich bin nicht mehr in der Welt, sie aber sind in der Welt und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir
gegeben hast, daß sie eins seyn, gleich wie wir. Dieweil ich bey ihnen {9}
war in der Welt , erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich bewahret und ist keiner von ihnen verloren, ohne das verlorne Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun
aber komme ich zu dir, und rede Solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich habe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset sie, denn sie sind nicht von der
Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Uebel. Sie sind nicht von der Welt, gleich wie ich auch
nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleich wie du mich gesandt hast, in die Welt; so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für
sie, auf daß auch sie geheiligt seyn in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden auf daß sie alle eins seyn, gleichwie du,
Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eines seyn, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eines
seyn, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen seyn in Uns und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast, und liebest sie, gleich wie du mich liebest. Vater,
ich will, daß, wo ich bin, auch die bey mir seyn, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet war.
{10}
Erste Bitte.
Drey Knaben (im Chor.)
„Geheiliget werde dein Name."
Ges. Hier ist mein Herz etc.
Hier ist mein Herz, Herr nimm es hin;
dir sey es ganz ergeben
Was hat die Seele für Gewinn
vom schnöden Sündenleben
Der Wettlust Tand, hat nicht Bestand, und,
statt den {11}
Geist zu nähren,
füllt er das Herz mit Reu und Schmerz:
wie sollt‘ ich‘s so beschweren? {12}
„Dein Reich komme!"
Christus und Nikodemus oder von der Wiedergeburt und dem Reiche Gottes.
Johan. 3, 1 - 8.
Es war aber ein Mensch, unter den Pharisäern, mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden. Der kam zu Jesu bey der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, von
Gott kommen; denn Niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sey denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: wahrlich, wahrlich, ich sage dir: es sey denn, daß Jemand von Neuem
geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren
werden? Jesus antwortete: wahrlich, wahrlich ich sage dir: es sey denn, daß Jemand geboren werde, aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren
wird, das ist Fleisch; was vom Geist geboren ist, das ist Geist. {13}
Laß dich nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von Neuem geboren werden. Der Wind bläset, wohin er will und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißest nicht, von wannen er kommt und
wohin er fähret. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. {14}
„Dein Reich komme!"
Zweite Bitte.
Drey Knaben (im Chor.)
„Dein Reich komme!"
Einst ist Noth! ach, Herr, dies Eine,
lehre mich bedenken doch!
Alles Andre, wie‘s auch Scheine
ist ja nur ein schweres Joch
darunter das Herze sich naget und {15}
plaget,
und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget:
erlang‘ ich dies Eine, das Alles ersetzt:
so werd‘ ich mit Einem in Allem ergötzt. {16}
„Dein Wille geschehe."
Von den Kindern und wer im Himmelreich der Größte ist.
Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu und sprachen: wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich, und stellete es mitten unter sie und sprach: wahrlich ich sage
euch, es sey denn, daß ihr umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie dieses Kind, der ist der größeste im
Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.
Gesang aus dem Liebe Nro. 263
Die Engel die im Himmelslicht.
Mel. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut etc.
Ach! werdet doch den Engeln gleich,
ihr Sterblichen auf Erden
auch hier in diesem Gnaden-Reich,
an Herzen und Gebehrden; {17}
Es ist der Engel Amt und Pflicht,
daß Gottes Will' allein geschieht,
im Himmel und auf Erden.
Dritte Bitte.
Drey Knaben im Chor.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. {18}
„Unser täglich Brod gib uns heute,"
Wie Christus, der Herr, seine Apostel zu Blumen und Vögeln in die Schule schickte.
Matth. 6, 26. 34.
Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie erndten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seyd ihr denn nicht vielmehr, denn sie? Wer
ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht,
auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo, in aller seiner Herrlichkeit, nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch
heute stehet und morgen wieder in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: was werden wir essen? was werden
wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Nach solchem Allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach
seiner Gerechtigkeit: so wird euch solches alles gefallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine
eigene Plage habe.
Vierte Bitte.
Drey Knaben im Chor.
Unser täglich Brod gib uns heute. {19}
Ges. 294 Lobe den Herren etc. v. 2.
Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret,
der dich auf Adelers Fittigen sicher geführte,
der dich erhält, wie es dir selber gefällt;
Hast du nicht dieses gespürte? {20}
„Und vergib uns unsere Schuld,"
Von einem König, der mit seinem Knecht rechnen wollte.
Matth. 18 , 23 — 35.
Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm Einer vor, der war ihm 1000 Pfund schuldig. Da er's nun nicht hatte,
zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib, und seine Kinder, und Alles was er hatte und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: „Herr, habe Geduld mit mir,
ich will dir Alles bezahlen." Da jammerte den Herrn desselben Knecht's, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand Einen seiner Mitknechte, der
war ihm 100 Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgete ihn, und sprach: „bezahle mir, was du mir schuldig bist." Da fiel sein Mitknecht vor ihm nieder, bat ihn, und sprach: „habe Geduld
mit mir, ich will dir Alles bezahlen." Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn in's Gefängniß, bis daß er bezahlt hatte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte Solches sahen,
wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn Alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: „du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich
dir erlassen, dieweil du mich batest. Solltest {21}
du dich denn nicht auch erbarmen, über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe?" Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte Alles, was er
ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet, von euerm Herzen, ein Jeglicher, seinem Bruder, seine Fehle.
Fünfte Bitte.
Drey Knaben im Chor.
Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigem.
Ges. Nachsicht, Langmuth etc. {22}
1) Nachsicht, Langmuth, stilles Dulden,
kehre täglich bey uns ein,
daß dem Bruder seine Schulden
wir von Herzen gern verzeihn.
2) Güte, Wohlthun, Herzensmilde,
Mitleid, das sich gern erbarmt,
Decke sanft mit deinem Schilde,
den, der auch den Feind umarmt. {23}
„Und führe uns nicht in Versuchung,"
Wie der Hahn krähet und Petri Gewissen erweckt.
Matth. 26, 69—75.
Petrus aber saß draußen im Palaste und es trat zu ihm eine Magd und sprach: „und du warest auch mit dem Jesu von Galiläa!" Er läugnete aber vor ihnen allen: „ich weiß nicht was du sagest!" Als er
aber zur Thür hinaus gieng, sah ihn eine Andere und sprach zu denen, die da waren: „dieser ist auch mit dem Jesu von Nazareth!" Und er läugnete abermal und schwur dazu: „ich kenne des Menschen
nicht!" Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petro: „wahrlich, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verräth dich!" Da hub er an sich zu verfluchen
und zu verschwören: „ich kenne des Menschen nicht!" Und alsbald krähete der Hahn. Da dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: „ehe denn der Hahn krähet, wirst du mich dreymal
verläugnen." Und ging hinaus und weinte bitterlich.
Sechste Bitte.
Drey Knaben im Chor.
Und führe uns nicht in Versuchung. {24}
Herzlich lieb hab’ ich dich, o Herr!
ich bitt’, sollst seyn von mir nicht fern,
mit deiner Hülf’ und Gnade.
Die ganze Weit erfreut mich nicht;
nach Himmel und Erde frag’ ich nicht,
wenn ich dich nur kann haben.
Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht:
so {25}
bist du doch mein Zuversicht,
mein Heil und meines Herzens Trost,
der mich, durch sein Blut, hat erlöst.
Herr Jesu Christ! mein Gott und Herr,
mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr! {26}
„Sondern erlöse uns vom Uebel,"
Petri Befreiung aus dem Gefängniß.
Apostelgeschichte 12, 5—17.
Und Petrus ward zwar im Gefängniß gehalten, aber die Gemeine betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselbigen Nacht schlief Petrus, zwischen zwoen
Kriegsknechten, gebunden mit zwo Ketten, und die Hüter hüteten die Thür des Gefängnisses. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher und ein Licht schien im Gemach, und schlug Petrum an die Seite
und weckte ihn auf und sprach: „stehe behende auf." Und die Ketten fielen ihm von den Händen. Und der Engel sprach zu ihm: „Gürte dich und thue deine Schuhe an!" Und er that also. Und er sprach
zu ihm: „wirf deinen Mantel um und folge mir nach." Und er ging hinaus und folgte ihm, und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschehe, durch den Engel; sondern es däuchte ihm, er sehe ein
Gesicht. Sie gingen aber, durch die erste und andere Hut, und kamen zu der eisernen Thür, welche zur Stadt führet, die that sich ihnen von ihr selber auf, und traten hinaus und gingen eine Gasse
lang, und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu ihm selber kam, sprach er: „nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt hat und mich errettet, aus der Hand Herodes
und von allem Warten des jüdischen Volk's." Und als er sich besann, kam er vor das Haus Maria, der Mutter Johannis, der mit dem Zunamen Marcus hieß, da viele bey einander waren {27}
und beteten. Als aber Petrus an die Thür des Thores klopfte, trat hervor eine Magd, mit Namen Rhode. Und als sie Petrus Stimme erkannte, that sie das Thor nicht auf, vor Freuden, lief aber hinein
und verkündigte es ihnen „Petrus stünde vor der Thür." Sie aber sprachen zu ihr: „du bist unsinnig!" Sie aber bestand darauf, „es wäre also." Sie sprachen: „es ist sein Engel." Petrus aber
klopfte weiter an. Da sie aber aufthaten, sahen sie ihn und entsetzten sich. Er aber winkte ihnen, mit der Hand, zu schweigen, und erzählte ihnen, wie ihn der Herr hätte aus dem Gefängniß
geführet und sprach: „verkündiget dieß Jakobo und den Brüdern!" Und ging hinaus, und zog an einen andern Ort.
Siebente Bitte.
Drey Knaben im Chor.
Sondern erlöse uns von dem Uebel.
Ges. Aus dem Liede: Befiehl du deine Wege v. 6. {28}
Hoff', o du arme Seele, hoff' und sey unverzagt,
Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken; erwarte {29}
nur der Zeit, so wirst du schon erblicken, die Sonn‘ der schönsten Freud‘.
Drei Knaben im Chor:
Denn dein ist das Reich, und die Kraft,
und die Herrlichkeit, in Ewigkeit {30}
Das Amen,
wie es in den Kirchen gesungen wird,
Amen, Amen.
Altes Gloria.
Gloria, dir Dreieinigkeit {31}
in Ewigkeit! Gloria!
Du bist, Du warst, vor aller Zeit,
und bleibst es bis in Ewigkeit! Gloria! Gloria! Gloria!
„Gloria!" {32}
Vater unser,
wie es in den Kirchen gesungen wird«
Vater unser, der du bist im Himmel,
geheiliget werde dein Name! Zu uns komme dein Reich!
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!
Unser täglich Brod gib uns heut! {33}
Und vergib uns unsere Schuld,
wie wir vergeben unsern Schuldigem!
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Uebel! {34}
Gespräch eines Hausvaters
mit
seinen Kindern.
"Vater unser, der du bist im Himmel."
Aber nicht bloß im Himmel, sondern auch auf Erden; auch um Uns; in Uns; bey Uns, alle Tage, bis an der Welt Ende! Auch ihr habt dieß erfahren, lieben Kinder! Erinnert euch an den 22. Februar
1819. wo 40 bis 50 Knaben, um Vesperzeit, in meinem Hause versammelt waren, und plötzlich Jemand ein Licht in den Saal brachte. Einer von Euch rufte damals: „Wir brauchen keins! Es singt sich so
angenehm im Finstern!" Ich gebe nach und fahre fort: „Das Auge des Herrn umstrahlt uns, mitten in der Finsterniß; sein Ohr hört und vernimmt unser Gebet; Er würde es vernehmen, und wenn dieser
Betsaal ein Grab wäre, und fünfzehn Klafter tief unter der Erde läge. Ja, Gott ist ein lebendiger, allgegenwärtiger Gott; er hört das Gebet der Lebenden und zugleich der Todten! „Beten denn die
Todten auch?" fragte hier eine zitternde, verschüchtert kindliche Stimme im Finstern. Alle Creatur und Natur; die Berge; die Gräber; die Blumen; die darauf wachsen, die Todten, so in den Gräbern
ruhn, Alles, alles, mein Kind, ist in einem großen Gebet begriffen! Schramm, aus Eisenach — dein Vater ist in den Gebirgen von Spanien begraben; Strasburg, mein armes Kind— deiner schläft in den
Bergen von Tyrol; Funke, aus Jena, armer Junge, Rußlands Erde bedeckt den Deinen! Verbrannt, verfroren, gesteinigt, ruhen sie nun aus, von dem Lärm der Reisigen und Rosse; von Feuer, Schwert und
Verfolgung. Und könnten wir ihre Gräber öffnen; könnten wir den Deckel von ihren Särgen hinwegheben: so würden wir Alle diese Todten zu Gott rufen und beten hören. Und für wen beten sie, lieben
Kinder? Diese gebrochnen Augen und Herzen eurer Väter schreyen unablässig: „Herr erbarme dich unserer zurück- {35}
gebliebenen Jugend!" Diese blassen, geschlossenen Lippen, sie rufen Tag und Nacht: „Herr erbarme dich unsrer nachgelassenen Söhne!" Diese fromm gefalteten Hände werden ihr: „Herr erbarme dich
unserer verwaisten Töchter!" so lange und so brünstig zu beten nicht müde werden, bis sie völlig in Staub und Asche zerfallen sind. Und glaubt ihr, daß unser Gott und Vater, wenn er allmächtig
die Finsterniß der Gräber durchschreitet, diesem stummen und doch zugleich so lauten Gebet der Todten sein Ohr verschließe? daß sein Herz vor Jammer nicht breche, wenn er diese stummen Beter
sieht und Euch? Nein, Kinder, er hat sich eurer erbarmt, und wird sich eurer auch in Zukunft erbarmen! Unten in der Finsterniß hat das ewige Licht eure Leiden gesehen; in den stummen Gräbern, bei
den Todten, hat es sich die ewige, Alles durchwaltende Liebe, gelobt, euer Vater in Zukunft zu seyn. Du Schramm, aus Eisenach, du Funke, aus Jena; du Straßburg, aus Weimar, weinet nicht so!
Tröstet euch! Ihr seyd nicht ganz verwaist und vaterlos! Jesus Christus, dieses weinende Mutterherz Gottes in der Zeit, will euer Vater seyn! Mit Thränen habt ihr angefangen; aber mit Freuden
werdet ihr erndten! Hier erhub sich ein so lautes Schluchzen, unter den Kindern, daß sie lange einhalten mußten. Endlich nahm ich das Wort und fuhr weiter fort: danken wir Gott, für diese selige
Vesperstunde, wo sein Engel, mitten in der Finsterniß, um uns gewesen ist und uns erleuchtet hat. Da kamen, wie ich dieses Wort gesagt hatte, die weinenden Knaben zu mir gelaufen; drängten sich
an mich heran; hingen an meinem Hals. Der Eine sprach: „Ach lieber Herr, ich will mein Lebtage nicht wieder stehlen!" Wer bist du? „Ach, ich bin der unglückliche ***, der Gott und Sie so oft
betrübt hat!" Alles verziehen, mein liebes Kind! Und Du? *** „Ebenfalls! Alles verziehen! Ich küßte sie auf die Stirn und segnete sie. Da wollten auch die andern Kinder, im weinenden, ja
ungestümen Schmerz an mich heran. Jedes faßte meine Hand, und schrie, mit Schluchzen, seinen Namen, und begehrte ebenfalls gesegnet zu seyn. Wie soll ich Euch, geliebte Freunde, mein Ge-
{36}
fühl, wie das des jungen Fremden, beschreiben, der in dieses Meer von Kinder-Thränen an meiner Seite, heiß die seinigen niederweinte? Nun wurde auch Licht in den Saal gebracht. Ein armes
elternloses Kind, von kaum sieben Jahren, betete: „Vater Unser.“
O gewiß, sein kindliches Herz hat nun gefühlt, was es heißt: einen Vater, einen Versorger im Himmel haben, und der himmlische Vater der sich, aus Dem Munde der Kinder und Säuglinge, so gern ein
Lob zubereitet, verschmähte das stille Opfer gewiß nicht, was wir ihm, in dieser Abendstunde, so feyerlich darbrachten!
„Geheiliget werde dein Name,"
„Gott schuf den Menschen, ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn."
Sieh Mensch, du bist ein Kind Gottes; er ist dein Vater; ein Engel auf Erden zu seyn, das ist deine Bestimmung; das dein Adelsbrief! Der bleibt dir aber nicht, sobald du Fleisch und Blut und der
Sünde Gehör gibst, sobald du seinen Namen entheiligst, und, aus einem Engel, ein Thier wirst. Wie oft kommt ihr zu mir, lieben Kinder, wenn die Feiertage nahe sind, und bittet euch einen Rock,
oder ein anderes Kleidungsstück aus. Da heißt es denn: "Wir möchten gern in die Kirche gehn; da können wir doch nicht so schmutzig und zerlumpt, wie wir sind, vor den Altar treten; wir würden
Ihnen selbst dadurch wenig Ehre machen." Lieben Kinder, von außen wollt ihr euch ändern; nur von innen nicht; mir, einem armen Menschen, wollt ihre Ehre; Gott euerm himmlischen Vater hingegen
wollt ihr Schande machen. Ihr wollt nicht aussehen, wie die Sau, die sich im Kothe wälzt; aber ihr wollt es seyn! Scheinen? Bei Leibe nicht! Im Gegentheil, die Leute, wenn sie euch zu Pfingsten,
in der mit Maien schön geschmückten Kirche erblicken, sollen verwundert stehen bleiben und ausrufen: „Ey, welch ein allerliebstes Kind! Sieht es nicht {37}
aus, wie ein Engelchen!" Das kützelt euch das Ohr! Das hört ihr lieber, als alles Andere. Ihr möchtet nämlich gar zu gern den Leuten weiß machen, daß ihr ein Engel Gottes, daß ihr das leibhafte
Ebenbild eures himmlischen Vaters wäret! „Was soll der Sau ein güldenes Halsband?" Was meint ihr, was Jesus Sirach damit gemeint hat? Komm, mein Kind! Ich will dir, durch eine Geschichte, hierauf
die Antwort geben. Gesetzt: du bist Einer von den Knaben, die Handwerke lernen; du hast ausgelernt; du bist Gesell, und ich habe dir, damit du nicht aussehen sollst, wie die wüste Sau, die sich
im Kothe wälzet, wo nicht ein güldenes Halsband doch zu den Pfingstfeyertagen, einen schönen Tuchrock gegeben. Den mußt du zeigen. Vormittag's in der Kirche Nachmittag's in der Schenke. So machen
es die Andern: warum solltest du es nicht eben so machen? Nun merk' auf! Jetzt kömmt Jesus Sirach und hinter ihm drein die Sau, mit dem güldenen Halsband — und das bist du! Indeß ich in der
Kirche war, gingst du in die Schenke. Nun stehe ich, zu Abend, mit meinem fünfjährigen Kinde an der Thür, und du, blind, toll und voll, kommst, des nämlichen Weges, aus dem Schwan, dem Hirsch,
dem Einhorn, oder irgend einem andern wilden, unvernünftigen Thier, daher getaumelt; hörst und siehst nicht, sondern schlägst, mit Händen und mit Füßen um dich; ja triffst zuletzt mein armes Kind
und brichst demselben ein Paar Rippen entzwei. Siehst du? Nun ist das güldene Halsband entzwei und die Rippen auch, und die Sau steht, ohne Halsband da! Nun verstehst du auch, was Jesus Sirach
damit gemeint hat? Nicht wahr, mein Kind, er will sagen? Es ist recht gut, wenn du dich, von außen, mit Gold, Purpur und Seide, schmückst: was hilft es aber, wenn du die Borsten und die Hörner
inwendig trägst? Was soll der Sau das güldene Halsband!
Denn, kommen wir auf diesen Fall zurück, sprich: was bin ich dadurch gebessert, daß es kein Horn eines wilden Ochsen; daß es kein Zahn einer wilden Sau; kein Rachen eines Löwen oder Bären,
sondern eine Men- {38}
schenhand gewesen ist, die mir und meinem Kinde dies Herzeleid zufügte? Ich würde sogar einen Trost darin finden, wenn du mir lieber, in der Gestalt eines wilden, ungarischen Ochsen, der die Erde
mit seinen Hörnern aufbohrte, als Tiger, Panther, oder irgend ein anderes wüthiges und wildes Raubthier, erschienen wärest. Wenigstens hätte mich dann dein Gang, dein Brüllen, dein tückisch zur
Erde gehängter Kopf und die übrigen thierischen Abzeichen gewarnt, und ich würde mein Kind schnell von der Thür hinweggenommen und mich mit demselben in mein Haus geflüchtet haben. So bin ich
draußen stehen geblieben; das Ebenbild Gottes in dir; deine aufrechte Stellung; dein leuchtendes Auge; deine Sprache: — Alles an dir hat mich getäuscht, betrogen, und wie ich jetzt, aber zu spät
sehe, bist du doch weiter nichts, als ein wildes, reißendes Thier gewesen, und ich muß, wie Jacob von seinem Sohne Joseph, eben so, von dem meinigen, ausrufen: „Ein wildes Thier hat ihn
gefressen, ein reißendes Thier hat ihn zerrissen!" –
„Dein Reich komme."
Es war im harten Winter des Jahres 1819. als ich, mit einigen meiner Kinder, zu Abend, in einem kleinen Gartenhause, am Ettersberge, dasaß. Wir hatten kurz zuvor einen Spaziergang in's Freie
gemacht, und die muntern Knaben hatten sich, rechts und links, auf dem frischgefallenen Schnee, eins ausgetrabt. Im Kamin knisterte das Feuer und auf dem Tische stand eine erwärmende Suppe
aufgetragen. Eben gedachten wir uns daran zu setzen und eins von den Kindern schickte sich an, das uralte Tischgebet: „Komm, Herr Jesu, sey unser Gast," einfältig und kindlich herzusagen, als
sein jüngerer Bruder die Frage aufwarf: „Sage mir doch, lieber Vater: wer ist denn der Herr Christus, den du alle Tage so sorgfältig zu Tische bittest? Wo wohnt er? Und warum kommt er nicht? Wenn
du mir sagst, wo er sich aufhält: so will ich wohl hingehen und ihn abrufen!" {39}
Vater.
Du bist ein liebes Kind! Unser Gast kömmt schon noch! Glaube ja nicht, daß er unsere Einladung verschmäht!
Kind.
So wollen wir einen Stuhl für ihn leer lassen!
Vater.
Thue so wohl!
Kind.
Es klopft vor der Thür.
Vater.
Sieh zu, wer es ist.
Kind.
Ein armer, reisender Handwerksbursch!
Vater.
Komm näher, Freund! Woher des Weges, so spät über den Thüringer Wald, und in dieser rauhen Jahreszeit?
Wanderer.
Erbarmen, lieber Herr! Ich habe meine beiden Füße erfroren! Der Abend ist vor der Thür, und es fehlt mir an Zehrgeld und einem Groschen zur Nachtherberge. Auch fühle ich mich ganz hinfällig. Seit
3 Tagen ist kein warmer Bissen über meine Lippen gekommen!
Kind.
Setze dich, fremder Mann! Du wirst müde seyn!
Vater.
Du sollst eine warme Suppe essen.
Kind.
Die meinige!
Vater.
In einem warmen Bette schlafen.
Kind.
O, daß das meinige zu klein ist!
Wanderer.
Guter, lieber Engel!
Kind.
Warum weinst du? friert dich etwa? Ich will nicht eher ruhen, bis die Mutter dir ein Paar warme Strümpfe, an deine beiden nackenden Füße, geschenkt hat.
Wanderer.
Ich weine, vor Freude, daß ich hier, mitten im Thüringerwald, zu so guten und frommen Christeleuten gekommen bin!
Kind.
Wie ist es Vater? Mir fällt etwas ein. Weil Christus nicht selbst kommt: hat er darum vielleicht diesen armen Mann an uns abgeschickt?
Vater.
So recht, mein Kind! Christus ist die Liebe, das Erbarmen, die Nachsicht, die Sanftmuth selbst! Jeden Trunk Wasser; jeden Bissen Brod; jede Erquickung, einem armen Kranken, oder Gefangenen
verabreicht, will er vergelten, als ob er Alles dieses selbst, aus unseren Händen, empfangen hätte. Denn so heißt es Matth. 25. „Ich bin hungrig gewe- {40}
sen und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir kommen.
— Was ihr gethan habt, Einem, unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan!" Darum ist denn auch das Reich, was Christus stiften wollte, kein Reich von dieser Welt. Denn, wie
es in den Reichen dieser Welt hergehet: das hast du, armes Kind, nach den Schlachten von Lützen und Leipzig, als deine beiden Eltern am Nervenfieber dahin starben, zur Gnüge erfahren.
Kind.
Das war damals, als die wilden Soldaten, aus den fremden Reichen, unser armes Sachsenland, von allen Seiten, durchschwärmten!
Vater.
Ist dir das wohl noch erinnerlich?
Kind.
O ja, als ob es heute wäre! Die todten Menschen und die todten Pferde lagen, unter und übereinander, auf den Straßen unseres Dorfes. Das Schießen, Hauen und Stechen nahm, drei Tage hindurch, vom
frühsten Morgen, bis spät in die sinkende Nacht, kein Ende. Und obwohl es ein hoher Festtag war: so ging dennoch Niemand in die Kirche, sondern, vor Furcht und Erwartung der Dinge, die da kommen
sollten, blieb Jedermann zu Hause.
Vater.
Was meinst du, Kind? Der Krieg, wo es so wüst darin hergeht, sollte der wohl das Reich Gottes seyn, was wir so brünstig, jeden Morgen und jeden Abend, in dem Gebet, was uns Christus gelehrt hat,
von unserm himmlischen Vater herabrufen?
Kind.
Nein, lieber Vater, gewiß nicht! Es macht mich schon ganz traurig, wenn ich nur an jene Zeit denke!
Vater.
Und das sollte, meinst du, das Reich Gottes nicht! Freilich wohl ist dieses Friede und Freude im Heilgen Geist! Da ist kein Haß, kein Zorn und keine Zwietracht! Statt dessen, erwacht in uns ein
göttlicher Trieb, wohlzuthun, die Menschen zu lieben, und selbst unsern Feinden zu vergeben. Ein grenzenloses Erbarmen, mit aller Kreatur und Natur, bemächtiget sich unserer verborgensten
Neigungen und — {41}
Kind.
Es pickt etwas drinnen an unser Kammerfenster!
Vater.
Sieh zu, was es ist!
Kind (das freudig zurückkehrt).
Vater, Vater, ein halb erfrornes Rothkehlchen!
Vater.
Was meinst du, Kind? Sollte das vielleicht auch eine Frage der Liebe und Barmherzigkeit seyn, die der himmlische Vater, aus dem verschneiten Walde, an uns zu bestellen hatte?
Kind.
Ich will das Fenster öffnen! Ich will es herein lassen! Ich will ihm Futter streuen!
Vater.
Mir fällt dabei der schöne Spruch in der Schrift ein, den uns ebenfalls Christus gelehrt hat: „Sehet die Vögel, unter dem Himmel an" —
Kind (hastig).
„Sie säen nicht; sie erndten nicht; sie sammeln nicht in die Scheuren und euer himmlischer Vater nährt sie doch!"
Vater.
Wenn du diesen Spruch nur einigermaßen verstehst, liebes Kind: so wirst du auch bald einsehen lernen: daß es nicht bloß ein Vater unser, für Menschen, sondern auch ein Vater unser, für Blumen und
Vögel gibt. Wenn nämlich ihr Vater auch zugleich unser Vater ist: wenn jeder Arme, der an unsre Thür klopft, nach dem Evangelio, als von Christus gesandt, erscheint: so wird auch wohl das arme,
halberfrorne Vöglein dort, das an unser Fenster pickt, den nämlichen Gruß der Liebe und Barmherzigkeit, an uns zu bestellen haben!"
Wanderer (der, mit gefallteten Händen und entblößtem Haupt vom Tisch aufsteht.)
„Deß walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen!"
Kind.
Komm, fremder Mann, und laß dir nun deine Schlafstätte von mir anweisen!
Vater.
Vorher wollen wir noch, mein liebes Kind, indeß dein Rothkehlchen die übrig gebliebenen Brosamen, von dem weißen Tischtuch, aufpickt, jenen schönen Abendgesang singen, der, so oft ich ihn höre,
mir das Herz aufschließt, und mich vergessen macht, daß ich noch im Reich dieser Welt bin, wo der arme Mensch, mit tausenderley Dingen zu kämpfen hat, die dem Reiche Gottes, wenigstens nur sehr
von Weiten angehören. {42}
Gesang.
Melodie. Heil'ge Liebe u. s. w. Seite 22.
Urquell seel'ger Himmels Freuden,
Jesus, dem mein Herz entbrennt;
Dich zu speisen; dich zu kleiden,
Ist, mein Heiland, mir vergönnt!
Die ihr Brod dem Armen brechen;
Ihm eröffnen Herz und Thür:
Ja, zu Ihnen wirst du sprechen:
„Seyd gesegnet, kommt zu mir!"
Laßt, in Noth und Tod, uns schwören,
Jesus Christ, mit dir vereint,
Abzutrocknen Menschenzähren,
Wo ein Bruderauge weint!
Nachsicht, Langmuth, stilles Dulden,
Kehre täglich bei uns ein;
Daß dem Bruder seine Schulden
Wir von Herzen gern verzeihn!
Güte, Wohlthun, Herzensmilde;
Mitleid, das sich gern erbarmt;
Decke sanft, mit deinem Schilde,
Den, der auch den Feind umarmt!
Heil'ges Herz, an dem ich hange!
Stillberedter Liebeszug;
Stern, im Weltenuntergange;
Licht, im dunkeln Aschenkrug:
Wie ein Vöglein, das, verschlagen,
Weint im stillen Ocean,
Komm, zur Heimat mich zu tragen!
Liebe, dir gehör' ich an!
Vor mir fliegt die weiße Taube,
Die vor keinem Sturm erbleicht,
Weil ich an die Heimat glaube,
Hab' ich sie auch schon erreicht.
Hab' ich deinen Wink verstanden,
Ist mein Hafen auch nicht weit:
Unten seh' ich Schiffe stranden;
Mich empfängt die Ewigkeit! {43}
"Dein Wille geschehe,"
Weimar, den 15. October 1819
Da sitz' ich wieder auf meinem grauen Sorgenberg, zu Weimar! Wie ich von hier nach Eisenach, und von dort, nach Frankfurt, in eure Arme gelangt, theuersten Freunde, sollt ihr sogleich hören. Der
Herr, den ich im Kreuz anbete; ja er ist es, der mich zu euch geführt, Bittet für mich! Ich muß ihm noch lange nicht recht seyn, weil er mich immer wieder auf den Ambos bringt, und an mir
herumschmiedet. In acht Tagen, roth und todt, mußt' ich meinen geliebten, neunzehnjährigen, hoffnungsvollen Sohn, Paul Eduard Falk, vor einem halben Jahre, begraben lassen; eben als er die
Universität beziehen wollte. Damit sich seine Mutter, mein edles und frommes Weib, schon vom Jammer voriger Verluste so hart danieder gedrückt; [Im Jahr 1813 verlor diese arme Mutter, nach der
Schlacht von Leipzig, im Laufe von vier Wochen, vier blühende Kinder. Im Jahr 1819 wurde dem armen Mutterherzen, durch den Verlust unsers neunzehnjährigen Sohnes, eine fünfte Wunde geschlagen. Im
Frühling 1821 begruben wir unser sechszehnjähriges, liebliches Kind, Angelica.] jetzt von Schmerz und Sehnsucht völlig verzehrt; da sie von Natur zart und solchem unvergänglichen Schmerz wenig
gewachsen ist, nicht auch zu dem blühenden Sohne in die Grube legte; besonders da sie bereits so geschwächt war, daß sie kaum vier Schritte gehen, oder aufrecht stehen konnte — so daß ihr, um
einem selig abgeschiedenen Geiste ähnlich zu seyn, fast nichts fehlte, als daß man ihr die sanften und fromm ausgeweinten Mutteraugen zudrückte: — in diesem, alle Flügel und jeden höhern
Aufschwung der Seele lähmenden Zustand, floh ich, nach dem Rath der Aerzte, auf einige Zeit, Weimar; diese Stäte des Trauerns, die unserm Herzen, nach vierfach vorangegangenem, geliebten
Kinderverlust, nun auch die fünfte, die tiefste, die schmerzhafteste Wunde schlug. Ich versetzte, zu dem Ende, mich und meinen Gram und die mir noch zurückgelassenen Lieben, an den Fuß der alten
Wartburg, gen {44}
Eisenach. Hier im Umgang einer schönen Natur; zwischen dem Grün der ewigen Berge und dem Blau eines unbewölkten Himmels, hat ein gnadenvoller Stern, derselbe, der, alle hundert Jahr, wie man
sagt, erscheint, und einst, bey Christi Geburt, geleuchtet haben soll, uns wieder Hoffnung gelächelt. Es verzogen sich allmählich die Wolken des verfinsterten Grames, die mich und meine fromme
Gefährtin unablässig zu den Todesschatten herunterzogen. Wir schöpften neue Kräfte und lernten noch einmal, fremden Seufzern und Thränen wieder angehören und unsern eigenen Schmerz, wo nicht
gänzlich vergessen, doch im fremden Mitgefühl mildern. Wie gesagt: in diesen schönen Sommertagen des für uns so verhängnißvollen Jahres 1819 saß ich, in einem schönen grünen Laubengange, am Fuße
der Wartburg; weinte mich zuweilen still aus, und blickte dann wieder beruhigt, zu dem Wagen, der Deichsel und dem ewigen Polarstern, der, zwischen den hohen Bergen und den friedsamen Thälern der
Wartburg, gerade eben so glänzend, wie zu den Zeiten unsers Herrn und seiner Apostel, über Thabor und Golgatha, aufging, und sein Bild, in dem kleinen Wasser, an welchem meine Wohnung lag, ruhig
abspiegelte. —
Aber so sind wir Menschen! Die Verklärung, auf Thabor, mit Moses und Elias Hütten bauen, das wollen wir Alle; aber die Nächte auf Golgatha; die Prüfungen; die bittern Stunden des Oelgartens, mit
unserm Herrn, durchwachen; ihm das Kreuz und die Dornenkrone mit Geduld nachtragen; Blut schwitzen; das wollen wir nicht; das jagt unserm natürlichen Menschen Furcht, Angst, Schauder und
Entsetzen ein.
O wie schwer ist es doch, in solchen bittern Prüfungsstunden, das:
„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!"
aus rechtem stillen, aufrichtigen und gottergebenen Herzen zu beten!
Sonnabend den 20. März 1819 Nachmittag um 2 Uhr hatte unser damals einzige Sohn Eduard, kaum 19 Jahr alt, sanft und selig, in den Armen seiner geliebten Mutter, ausgeathmet. Es war das {45}
erste Mal, daß er sie betrübte. Zu Gespenstern ausgeweint, saßen wir Eltern und Geschwister einander gegenüber. Da klopfte es plötzlich, gegen 3 Uhr Nachmittags, an unsere Thür. „O, daß du mir
nur noch ein Mal erschienest, daß du nur noch ein Mal in diese Thür trätest, mein Eduard, nur noch ein Mal!" So schrie die arme Mutter, ihre Augen unbeweglich auf die stumme Leiche geheftet, in
einem Tone, der jedes Herz in Stücken schneiden mußte, und wenn es ein Stein gewesen wäre. Siehe, da öffnete sich die Thür und es trat ein feiner, wohlgebildeter Knabe, von ungefähr 14 Jahren, in
unsere Stube. Er kam jenseits Vach, aus dem Oberlande, arm, hülfsbedürftig und bloß, wie schon viele arme Kinder von dorther früher zu uns gekommen waren. Du warst es, Bennewitz. Du schriest uns
an, in deiner Noth, wie das cananitische Weib den Herrn. „Sie haben sich so vieler armer Kinder, aus unsern Gegenden, erbarmt! Erbarmen sie sich nun meiner auch! Seit meinem 7ten Jahr, habe ich
keinen Vater und keine Mutter mehr!'' So lautete deine Anrede, die mit Thränen anfing und mit lautem Schluchzen endete. Da verdeckte die arme Mutter, die noch immer, zu den Füßen ihres erblaßten
Sohnes, dalag und, in diesen Augenblicken des höchsten Schmerzes, keinen andern Trost suchte oder wußte, als den selbst zu erblassen, da sie diese Worte hörte, plötzlich, mit beyden Händen, ihr
Gesicht. Dann erhub sie sich von der Erde, richtete ihr ausgeweintes Auge gen Himmel und seufzte, mit leiser und kaum hörbarer Stimme, die schmerzvollen Worte: „O mein Gott! So schickst du uns
die fremden Kinder, die wir so gern aufnehmen, unablässig in unser Haus, und die eignen nimmst du uns!" Was meint ihr Kinder? Sollte Gott, auf diese stille Anklage eines armen gepreßten
Mutterherzens nichts zu antworten haben? — Himmlischer Vater:
„Dein Wille geschehe!"
„Unser tägliches Brod gib uns heute!"
Es war zur Zeit der großen Theurung, vor 4 Jahren, an einem traurigen Novembertage. Es regnete, schneite und stürmte {46}
was nur vom Himmel herunter wollte. Da tritt ein armer Knabe; blassen Ansehens; auf zwey Krücken; die verwundeten Hände und Füße mit Lumpen umwickelt; mitten unter unsere Kinder, in den Betsaal,
wo wir so eben versammelt sind. „Lieber Herr," so hebt er, mit einer Stimme an, die sich bald in ein lautes und anhaltendes Weinen verlor, „wollten Sie mir nicht helfen und beistehen, in meiner
großen Noth? Ich gehe nun schon, in das 3te Jahr, an den weißen Stecken, im Lande herum! Ich bin aus dem Schwarzburgischen! Meine Eltern haben zwölf Kinder, und kaum Brod für Eins! Zu meinem
größten Unglück mußte ich, mit einem schweren Salzbündel, unter Arnstadt, auf einen faulen Eichenfleck gerathen. Da bin ich denn, weil es so morsch war, eingesunken, und wäre ganz gewiß
umgekommen, hätten mich nicht noch, wie wohl ganz spät, Arnstädter Fuhrleute, in dem sumpfigten Geländ, worin ich stak und nicht wieder heraus konnte, schreien und wimmern gehört. Es ging schon
tief in den Herbst hinein. Die Kälte und Feuchtigkeit mochten mir geschadet haben; denn meine Beine brachen kurz nachher mit 7 Löchern auf. Von Tage zu Tage wurde es gefährlicher mit mir und
meine Eltern, da sie sahen, daß mir nicht zu helfen war, gaben mir ein Paar Krücken und einen Sack und schickten mich betteln. So hohlte ich mir 3 Jahre Brod, durch Sachs. Meinungen, Coburg und
das ganze Thüringer Land. Weil der Regen immer auf mich herab ging: so wollten auch meine Wunden, die bereits an Knochenfraß grenzten, nimmer zuheilen. Nun sind auch noch zu Grafenhain, böse
Hunde, welche die Bettelbuben nicht leiden können, über mich hergefallen und haben mich blutig gebissen! Das begegnet mir oft in den Dörfern! Ich fürchte, weil ich so klein bin, so werden mich
die großen Bauer- und Jägerhunde, am Thüringer-Wald, wohl noch am Ende zerreissen! O lieber Herr, ich bitte Sie, um Christi Wunden willen, haben Sie Mitleid mit mir, bringen Sie mich zur Ruhe!
Setzen Sie mich in eine Werkstätte! Ich will gut thun! Ich will ein Schneider werden, oder was Sie sonst wollen." Hier schloß die Rede des {47}
Ludwig Minner, aus dem Schwarzburgischen, im Amte Gehren. Ich aber bedachte mich keinen Augenblick, sondern wandte mich getrost zu meinen Kindern, und sprach zu ihnen, voll freudiger Zuversicht,
diese Worte: „Lieben Kinder, wir schweben jetzt zwar, in großer Noth und Drangsal, und gehen, einer noch größeren Heimsuchung, in dieser harten Theurung, entgegen. Obwohl nun das Pfund Brod
bereits so viel, als sonst ein Pfund Fleisch kostet, und ich, menschlicher Weise, kaum weiß, wo ich nur Brod, geschweige denn die andern Lebensbedürfnisse, für euch alle, in Zukunft hernehmen
soll: so sei doch der allerbarmende Gott davor, daß ich auch nur Einen von Euch deßhalb unbarmherzig fortschicken, und dem grenzenlosen Elend an der Landstraße, wovon ihr so eben, aus dem Munde
dieses Ludwig Minner, aus dem Schwarzburgischen, gehört habt, Preis geben sollte! Sehet zu! Das Wasser des Trübsals streichet nicht klein, und die Wellen gehen uns fast über unserm Kopf zusammen;
aber ich achte dafür, weil diese Prüfung vom Herrn kömmt: so wird auch die Hülfe dessen, der Himmel und Erde gemacht hat, für dies Mal nicht außen bleiben. Wir beten ja täglich zu ihm: „Unser
täglich Brod gib uns heute!" Wie sollte wohl der ewige Vater, der die Lilien auf dem Felde kleidet, und die Vögelein unter dem Himmel nicht vergißt, so vieler armer Kinder in Thüringen vergessen,
die seinem Schutz-Schirm und gnadenreichen Beistand so dringend empfohlen sind! Nicht nur, lieben Kinder, will ich Keins von euch, in diesen harten Zeitläuften, fortschicken, sondern auch eure
Anzahl noch, mit diesem Ludwig Minner, in Gottes Namen, vermehren, der ein Fremder, ein Schwarzburg-Rudolstädter ist, und, wie die Welt sagt, uns nichts weiter, als die Christenheit, angeht. Ich
aber sage euch dieses Wort, und werde, zu seiner Zeit, euch an diese Stunde, worin ich es gesagt habe, wieder freudig erinnern: Segen und Heil wird, aus der Aufnahme dieses Ludwig Minner,
reichlich auf unsere Anstalt fließen, und Gott, der ihn, über den Thüringerwald, durch Schnee und Regen, wohl nicht {48}
vergeblich Heute zu uns gesandt hat, wird auch für Brod, nicht nur für ihn, sondern auch für uns Alle sorgen."
So geschah es denn auch in der That. Ein barmherziger Samariter, ein armer Schneider, auf dem Lande, nahm den Ludwig Minner, gegen ein mäßiges Lehrgeld, in seine Werkstatt auf. Seine Wunden
wurden sämmtlich geheilt. Schon um Johanni des nämlichen Jahres ging er, ohne Krücken. Um dieselbe Zeit begab es sich, daß die hochgesinnte Rudolstädtisch-Schwarzburgische Fürsten-Familie der
Anstalt ein Geschenk von 500 Thalern verehrte; mit dem echt menschenfreundlichen Zusatz: wofern irgend ein verirrtes Schwarzburg-Rudolstädtisches Kind uns jetzt, oder in Zukunft begegnete,
demselben liebend unsere Hand zu reichen. Also rechtfertigte der himmlische Vater abermals unser so unumschränkt in ihn gesetztes Vertrauen. Wir aber, in der Mitte unserer, im Betsal versammelten
Kinder, schlugen freudig die Augen gen Himmel, und erinnerten sie sämmtlich an das Wort, was wir, an jenem merkwürdigen November-Nachmittage, zu ihnen gesprochen hatten. Sodann ließen wir, nicht
ohne eine allgemeine und sichtbare Herzenserhebung, ein
„Gloria sei dir gesungen,
„Mit Menschen und mit Engelzungen"
von ihnen anstimmen.
„Und vergib uns unsere Schuld!"
Es ist ein großes Wort in der heiligen Schrift: „Die Liebe überwindet Alles." Dafür kann auch Johann Wilhelm Stellenberg, aus Wiegendorf, bei Weimar, einen schönen Beweis abgeben. Hätte sein
strenger, aber sehr rechtschaffener Meister, der Leineweber Büchner zu Weimar, in der Breitengasse, nicht Nachsicht, Langmuth und Erbarmen, mit diesem verirrten Knaben, ausgeübt; wäre die Anstalt
nicht eben so unermüdlich, in ihren Nachforschungen, gewesen, wo es galt, den Stellenberg, wieder auf den rechten Weg d. h. in seine {49}
Werkstätte zurück zu bringen: so ging dieser Knabe eben so gewiß verloren, wie einer seiner älteren Brüder, der, in seinem 8ten Jahr, als er in der Schule Schläge bekam, plötzlich verschwand,
ohne daß seitdem irgend ein Mensch etwas weiter von ihm gehört hat. Die Eltern zu Wiegendorf sind nämlich arme Leute und kämpfen, mit allen Nahrungssorgen, die, mit der Erhaltung, von 10
lebendigen Kindern, verknüpft sind. Auch Wilhelm Stellenberg wurde früh in die umliegenden Dörfer ausgeschickt, um sich selber sein Brod zu holen. Dadurch war ihm die herumschweifende Lebensart,
in Wäldern, Wiesen und Bergen, gleichsam zur andern Natur geworden. In keiner Werkstätte wollte es ihm behagen. Eben so wenig in einem Herrendienst. Wenn er im Frühling an seiner Arbeit, oder an
seinem Weberstuhl saß: so war es ihm, wie er mir selbst erzählte, als ob jedes Vögelein, das piepend an ihm vorüberflog, zu ihm sagte: „Wilhelm Stellenberg, wo bleibst du? Die Kirschbäume zu
Lützendorf blühen längst: warum kömmst du nicht? Der Sommer ist vor der Thür! Gedenke der Obsthütten, und wie schön es im Grünen ist! Ich pfeife auf einem Baum und du kannst indeß auf einem Blatt
pfeifen!" Weinend gab er dann dieser Einladung Gehör. Die Sehnsucht, nach Wald und Bergen, befiel ihn so gewaltig, wie das Heimweh den Schweizer. — Er nahm sein Nachtlager nicht selten im Freyen.
Windmühlen und grüne Büsche waren sodann seine Schlafstätte. Wohin dieß wilde Leben führt; welche gefährliche Verbindungen es die Jugend, besonders in unsern Waldgegenden, anknüpfen läßt, ist
durch mehr, als hundert Aktenstücke, die vor unsern Augen liegen, sattsam erwiesen. Geduld und Liebe besiegen aber doch endlich auch diesen tief eingewurzelten Trieb der Natur: man muß aber
freylich nicht müde werden, den zum zwanzigsten Mal entlaufenen Knaben gütig wieder aufzunehmen!
Stellenberg ist dermalen ein sehr ordentlicher und arbeitsamer Webergesell, der die Vögel ihren Gesang pfeifen und die Windmühlen ihren Gang gehen läßt, und Alles, aus jener wilden Zeit,
vergessen hat, außer der ihm von seinem Meister erwiesenen großen Liebe und Treue, die noch, Gott sey Dank, {50}
wie das hier unten beigefügte Zeugniß beweist, bei ihm im frischen Gedächtniß ist
„Ich, Johann Wilhelm Stellenberg, bekenne hierdurch, wie mir Anfangs der Weg zum Guten so sauer geworden, daß ich mir gar oft am Hackeklotz habe die Finger abhacken wollen, um nur kein Leineweber
werden zu dürfen; aber Gott und guten Menschen sey es ewig gedankt, daß der Teufel, der mich so schwer versucht, von mir hat weichen müssen. Künftige Pfingsten habe ich, mit Gottes Hülfe,
ausgelernt, und will mich bestreben, Meister und Vorgesetzten, auch als Gesell, Ehre und Freude zu machen, darum ich dieses auch eigenhändig unterzeichne.
Johann Wilhelm Stellenberg.
„Und führe uns nicht in Versuchung."
Das ist ein wohl zu bedenkendes, inhaltschweres Wort! Das ist ein Gebet, das jeder Mensch, hundert Mal des Tages, für sich im Stillen sprechen kann, ohne daß desselben je zu viel wird. Und wenn
du dich in ein Kloster verschließest; und wenn du vor jedes Astloch eine Auge steckest; und wenn du vor jeden Blutstropfen eine Schildwache stelltest; der Versucher wird doch zu dir, wie zu
Christus in der Wüste, seinen Zugang finden! Darum sey auf deiner Hut! „Wachet und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallet!" Ja, wenn die Hölle gleich so im Anfang ihre Pforten angelbreit
aufthäte, und mit Feuer und Schwefel rauchte: so würden wohl Manche, aus Furcht, davon laufen: aber so sollte man denken, wenn man sie zuerst erblickt, daß es weiter nichts, als eine lustig
bemahlte Schenke wäre; auch der Geruch, der aus derselben heraus kömmt, hat nicht das Geringste an sich, was ihn als Schwefel verdächtig machen könnte; zuweilen könnte man ihn sogar für Portorico
halten! Wer in aller Welt sollte auch glauben, daß die Hölle zuweilen in einer Tabackspfeife glummte, und daß der Teufel sich in ein Pfeifenrohr verkröche? Und doch, lieben Kinder, ist dem so!
Hört {51}
zu, ich will euch eine Geschichte erzählen, die, in unserer eigenen Mitte, vorgefallen ist! Ihr kennt ihn alle mit einander den unglücklichen Burschen, neunzehn Jahr alt, der kürzlich einen
Ochsen gestohlen hat, und nun gerechter Weise dafür zu W. im Zuchthause sitzt. Nun laß uns doch ein wenig sehen, wie es der Teufel anfing, ehe er denselben, wie die Spinne eine Fliege, so listig
umspann und in sein Garn brachte! Merkt wohl! Es ist kein falsches Wort, in dem, was ich euch sage, und wenn ihr diese Geschichte, die ihr selbst erlebet, recht zu Herzen nehmt: so könnt ihr den
Teufel daraus, von Kopf bis zu Fuß, kennen lernen, und euch vor seinen Versuchungen und seiner Arglist, weil es noch Zeit ist, in Acht nehmen. Ihr wißt, daß, in unsern Sonntagsschulen, die Bibel
fleißig gelesen und zuweilen, durch kurze Zwischenreden und kernhafte Sprüche, erläutert wird. Bibel und Gesangbuch sind eine Gabe Gottes; wir haben uns beider, seit Neun Jahren, mit großem
Segen, in unserer Anstalt bedient. Während Herr Dr. Martin Luther, Paul Gerhard, und Philipp Melanchton, auf der einen Seite, mit Bibel und Gesangbuch, standen, und dem armen Volke: „Bethe!
Bethe! Bethe!" fleißig in's Ohr riefen: antworteten zwei hundert Weberstühle, Mahl- Schneide- Schmiede- und Säge-Werke, mit ihren Hämmern Blasebälgen und Amboßen, sausend, brausend, schmiedend
und klopfend, auf der andern Seite: „Arbeite! Arbeite! Arbeite!" In diesem verworrenem Getöse konnte sich wohl zuweilen, während einer Pause, zwischen den Schlägen und Hämmern, ein kernhafter,
kurzer Spruch; ein Psalm, oder ein alter Choral, recht erbaulich und auferwecklich, schwerlich aber ein langer und breiter Sermon hören lassen. In spitzfündige oder gar gelehrte, Untersuchungen,
über die Wahrheit oder Nicht-Wahrheit des Christenthums, das ja Jedem, von Innen sein Herz, von aussen aber sein Kirchthurm und sein Taufstein, den er ja doch nicht abtragen kann, am Besten
beweist, mit dem armen Volk, das ganz anders beschäftigt war, in diesen Erbauungsstunden einzugehn: daran war vollends gar nicht zu denken! Das wollte, das konnte und das verstand auch Niemand
von den Unsrigen. Und wenn {52}
wir's auch gewollt, und wenn wir's auch verstanden hätten: die Hämmer und Blasebälge litten es nun einmal nicht. Obgenannter Bursch nun war ein Schuhmacher und lernte zu Weimar in einer
Werkstätte. Das „Arbeite! Arbeite! Arbeite!" hatte er wohl und tüchtig aufgefaßt; nur, daß er von dem „Bethe! Bethe! Bethe!" wenig, oder gar nichts wissen wollte. Er folgte dabei seiner
natürlichen Neigung und ließ sich das Beispiel solcher lustigen Gesellen zum Muster dienen, die lieber ihren Sonntag in den Schenken, als in den Kirchen zubringen, und wenn zuletzt alle Stränge
reißen, mit einem Strick, oder wie neulich der Schlosser S. mit einem Pistolenschuß, enden. Das sind die Früchte, die wir im Reiche dieser Welt erndten; süß im Anfang, aber vom bittersten
Nachgeschmack. Wie der Meister, dem man dient, so der Lohn! Was könnt ihr vom Teufel anders erwarten, als daß er euch zuletzt den Hals bricht! Von Gott kömmt das nicht! Denn der euch, nach seinem
Ebenbilde, geschaffen hat, wird sein eignes Werk nicht so grausam zu vernichten trachten. Wenn ihr dieß bedenkt, so wißt ihr auch, wer solchen Leuten die Pistolen ladet. Glücklich alle Bursche,
bei denen solche verkehrte Neigungen mit Gewalt heraus wollen, wenn sie noch, zu rechter Zeit, einen braven Meister finden, der sie in Zucht, Ordnung und Schranken hält! Salomo, oder Jesus Sirach
sagt: „Gebrauche der Ruthe, mit deinem Kinde!" Man kann aber auch dafür: „Gebrauche des Knieriemens mit deinem Lehrburschen" setzen, und Salomo wird es gewiß nicht übel nehmen. Und Salomo war
doch gewiß ein weiser Mann, der wußte, was zu einem guten Regiment gehörte! Zweihundert Bibeln und Gesangbücher, auf der einen, und zweihundert Knieriemen auf der andern Seite; das ist eine
uralte, feine, löbliche, ächtdeutsche, christliche Zucht, die eine Erfahrung, von neun Jahren, mehr als hinlänglich, in unsrer Anstalt bestätigt hat. Wo die Meister dagegen schlaff und nachgiebig
in diesem Punkte sind, und das junge Blut, wie manche sagen, das doch auch des Sonntag's ein Vergnügen und eine Erhohlung genießen will, anstatt es zu Kirchen und Schulen anzuhalten, ganz
{53}
ohne Aufsicht, in Schenken und Kegelbahnen, in der Irre herumlaufen und in Gährung übergehen lassen: da wird die Geschichte, die ich euch erzählen will, die, mit einer Pfeife Portorico und dem
Wirthshaus anfängt, und, mit einem gestohlenen Ochsen und dem Zuchthaus, aufhört, häufig genug wiederkommen.
Es war zu Johanni 1815. Die Mayen grünten und die Vögel sangen lustig in den Bäumen: da begegnete dem Andreas aus Umpferstedt, der eben in die Sonntagsschule gehen wollte, ein anderer Lehrbursch,
aus der Stadt, der nicht zu uns gehört, und fragte denselben: wo er hin gedächte? Andreas gab ihm zur Antwort: In die Sonntagsschule! „Was lernt ihr da?" Schreiben, Rechnen; besonders aber Bibel
und Gesangbuch. „Das hört man ja in der Kirche genug! Dafür geh' ich lieber in die Schenke! Rauchst du Tabak?" Ich rauchte gern, aber ich habe keinen! „Und auch wohl keine Pfeife? Ich besitze
deren zwei. Da, nimm eine davon und stopfe sie dir!" Sie waren indeß eine Strecke weiter und schon vor das Thor gekommen. „Ich dächte, du ließest heute Sonntagsschule Sonntagsschule seyn, sprach
der Versucher, und gingst mit mir nach Lützendorf." Andres war noch eine Weile unentschlossen. Wie der Versucher dies merkte, nahm er Feuer, ich weiß nicht recht, ob aus der Hölle, oder aus
seiner Schwammdose: genug, nachdem er Feuer mit seinem Stahl aufgeschlagen hatte, gab er dem armen Schusterjungen ein Stück brennenden Schwammes, damit er seine Pfeife ebenfalls anstecken konnte.
Andreas roch den Portorico und zog den lieblichen Geruch recht begierig, mit beyden Nasenlöchern, in sich. Das ist ein herrlicher Taback! Wo bekömmst du den her? befragte ihn Andreas. „Ja sieh" —
(antwortete der Versucher, indem er, einmal über das andere, herzhafte Züge aus seinem Pfeifenkopf that und dabei eine so lange Pause machte, daß der Teufel sich indeß ganz bequem auf den
Pfeifendeckel, worunter die ganze Hölle schon glummte, obwohl es von aussen nach dem schönsten Portorico roch, setzen konnte) „Ja sieh — du mußt es aber Niemand verwaschen: es könnte mich sonst
in Verdruß und Schaden bringen." Andreas versprach es ihm auf's {54}
Heiligste und mit einem Handschlage: und nun fuhr Jener vertraulicher fort: „So oft ich, siehst du, ein Paar Schuhe forttrage, die 16 Gr. kosten: so laße ich mir von den Kunden 18 oder 20 dafür
geben. Dem Meister geb' ich, was ihm zukömmt; das Uebrige ist mein: dafür kaufe ich mir Portorico." Andreas war, bei diesen Worten, ganz Ohr, und bemerkte nicht, daß der Teufel indeß richtig, von
dem Pfeifendeckel in's Pfeifenrohr, kroch, und, mit dem angenehmsten Geruch von der Welt, mit dem von Portorico, die Nase des armen Schusterjungen kitzelte und ihm zu gleicher Zeit in's Ohr
flüsterte: „Schuhmacher, so kannst du es auch machen!" Andres merkte seinerseits das Höllenfeuer nicht, das, für ihn angeschürt, in seinem kleinen Pfeifenkopf rauchte, und ging gutmüthig in die
Schlinge. Den Morgen darauf trug er ein Paar Schuhe fort und 4 Gr. waren sein. Die verrauchte er in Portorico, und nächsten Sonntag war seine Blase, oder sein Tabacksbeutel, so voll, wie der von
seinem Kammeraden. Die Bibel und Sonntagsschule ruhte nun gänzlich. Der Kaufmann wunderte sich, wo der Schusterjunge, zu all dem Portorico, den er in seinem Kramladen hohlte, nur daß Geld
hernähme. Andres fing nun auch an Solo zu spielen. Einstmahls wollte es nicht langen. Da stahl er dem Meister ein Paar neue Sohlen und auch diese wurden in Solo verspielt und in Portorico
verraucht. Um diese Zeit, wo sein Lehrmeister schon anfing, auf die Ehrlichkeit seines Lehrburschen einigen Verdacht zu werfen, traf es sich, daß gerade die Schwester des Meisters, die lange Zeit
unter Leuten diente, nach W. zu ihrem Bruder zum Besuch kam. Der Versucher, der nun einmal den Andres auf's Korn gefaßt hatte, wußte es auch richtig so zu karten, daß diese Person ihre Lade,
worin 50 Rthlr., mit sauer verdientem Lohn lagen, auf den Boden, wo der Lehrbursch schlief, nicht weit davon, in eine Ecke hinstellen mußte. Eines Morgens, bey'm Aufstehen, sagte der böse Geist
zu dem Lehrburschen: „Andres, möchtest du nicht gerne wissen, was in dieser Lade enthalten ist!" Andres war gleich mit der Antwort bei der {55}
Hand und sagte: O ja! „So nimm einen Schlüssel," fuhr der Böse fort und schließe sie hurtig auf, ehe Jemand kömmt!" Aber ich habe keinen Schlüssel. „Das verschlägt nichts. Ein Nagel thut
dieselben Dienste! Es gehört nur einiges Geschick dazu! Komm, ich will dir es zeigen!" Alsbald suchte Andres einen Nagel, und wie dieser gefunden war, so sprang auch der Deckel der Lade — denn
der Teufel ist ein gar geschickter Schlosser — in einem Hui auf. Die fünfzig Thaler, woran die arme Dienstmagd 49 Jahr gesammelt hatte, lagen blank und baar vor seinen Augen. Andres, ich weiß
nicht, ob vor Angst oder freudiger Erwartung, zitterte an seinem ganzen Leibe, wie er des Mammons ansichtig wurde Er schob das Geld gierig in seinen Sack und dachte bei sich selbst: Das soll mir
ein lustiger Sonntag werden! Der böse Geist bestätigte ihn in diesem guten Vorsatz und meinte: „Nun müsse er nicht bloß bey'm Bauer-Solo und Portorico stehen bleiben; es müßten nun auch Kegel,
Wein, Tanz, Mädchen in der Stadt und mit der Zeit auch wohl Billard und alle Sorten von doppeltem Bier an die Reihe kommen." Andres war schon von dem bloßen Gedanken so berauscht, daß er sich in
der Kammer mehrmals auf einem Bein herumdrehte. Seine Kammeraden waren es zwar von je her an ihm so gewohnt, daß Andres, wie sie zu sagen pflegten, Geld wie Heu hatte: aber dießmal trieb er es
denn doch gar zu arg. Es wußte Keiner recht, was er davon denken sollte. Es ging zu, wie um Fastnacht. Nicht nur ließ er sich ein Stück nach dem andern aufspielen, sondern zog auch alle Mädchen
auf der Diele herum, klapperte mit Geld in allen Taschen; schrie, lärmte, juchhete, nannte alle ehrliche Bursche, die Nichts auf den Musikteller auflegen konnten, Lumpenhunde und schwur hoch und
theuer: Nächsten Sonntag wolle er die ganze Sonntagsschule zu Lützendorf frey in der Zeche halten. Aber die Woche ist lang — und ehe es noch wieder Sonntag war, ging des Meisters Schwester in's
Crimininal und gab ihn, als ihren Dieb an, weil man stark auf ihn muthmaßte. Die Sache wurde näher untersucht, und Andres mußte diesmal die Zeche allein {56}
bezahlen, und wurde sogar, ein ganzes Vierteljahr hindurch, mit Wasser, Brod und Kofent, und wenn auch nicht mit allen Sorten von doppeltem Bier, doch, mit allen Sorten von Prügeln, doppelt und
dreyfach bedient und frei gehalten. — Wie ich dieß hörte, dauerte mich des armen Burschen und der Gedanke ging mir im Kopf herum: daß es doch schrecklich sey, daß ein junger Kerl schon so
frühzeitig, und kaum 17 Jahr alt, der Hölle in ihren offenen Rachen laufen sollte. Freilich eröffneten sich die Pforten derselben nun schon etwas weiter und breiter, wie damals, als ihr Feuer zum
erstenmal unter seinem Pfeifendeckel aufglummte, und den armen Andres, mit dem süßen Geruch von Portorico, zugleich seine Besinnung nahm. Ich versuchte es daher, ihn von der Kette und vom
Zuchthause bei der Regierung loszubitten. Man willfahrte liebreich meinem Gesuch und Andres mußte öffentlich dem Handwerk eine Ehrenerklärung thun, und somit war es gut! Aber auf wie lange?
Andres konnte nun zwar als Schumacher richtig auslernen und Gesell werden; aber darum hatte ihn doch sein eigentlicher Lehrmeister und Oberältester, der Teufel, nicht losgegeben. Es dauerte kaum
2 Jahre: so wurde Andres, eines gestohlnen Ochsen wegen, den er, bei Nacht und Nebel, aus seinem Dorfe weggetrieben, ihn verkauft, und das Geld dafür in einer Schenke vertrunken hatte, wieder
eingebracht. Jetzt sitzt er zu W. im Zuchthause, und wollt ihr ihn besuchen: so kann er euch seine ganze Geschichte haarklein, wie sie anfing, von dem Pfeifendeckel, vom Portorico, von den
Sohlen, die er seinem Meister veruntreute, und dafür Solo in der Schenke spielte, bis dahin, wo sie mit den 50 Thalern, der Dienstmagd und dem gestohlenen Ochsen endete, der Länge nach, wieder
erzählen. Es heißt zwar im Evangelio: „Kein Kamel könne durch ein Nadelöhr gehen; aber der Teufel ist ein Möglichmacher, wie keiner! Dießmal ist, durch seine Kunst, oder vielmehr, durch den
blauen Dunst von Portorico, eine Ochse durch ein Pfeifenrohr gegangen und Niemand hat es groß gemerkt.
„Und führe uns nicht in Versuchung." {57}
"Sondern erlöse uns von dem Uebel"
So oft uns eine Noth, oder ein Uebel betrifft, sollen wir fleißig beten, lieben Kinder, daß uns Gott von demselben erlösen möge. Aber es ist nicht genug zu beten und dabei in Müssigang zu
verharren, oder die Hände feig und kleinmüthig in den Schoos zu legen. Wir müssen auch selbst rüstig ans Werk gehn, und, so viel an uns ist, dem Uebel zu steuern und alle Hindernisse aus dem Wege
zu räumen suchen. Hört zu, lieben Kinder, was ich euch, bei dieser Gelegenheit, von einem tüchtigen Schiffersmann, mit Namen Vanderschmissen, erzählen will. Die Geschichte schreibt sich noch aus
meiner frühesten Jugend, von S. Petri-Paulskirchhof zu Danzig her. Um die Zeit der Aequinoctien 1778 gab es eines Tages einen argen Sturmwind. Die ältesten Schiffersleute, an der Ostsee, konnten
sich kaum, auf ein ähnliches Wetter an diesen Küsten besinnen. Ich wohnte damals, mit meinen Eltern, nahe an den Schiffswerften, dem Memnonisten aus der blauen Hand gegenüber, dem die Seeleute
fleißig zusprechen. Früh Morgens sagte mein Vater zu mir: "Johannes, komm an den Strand: es wird heute Unglück's die Menge geben." Ich folgte ihm. – Nach einer Stunde erreichten wir die Danziger
Münde: von da ging's weiter an das offene Meer. Es war ein kläglicher und herzzerreißender Anblick! Koffer, Trümmer von Schiffen, Tonnen, Ballen von Waaren trieben unter und durcheinander. Der
alte Schiffsherr Petersen, der auch an der Lestadie in unserer Nachbarschaft wohnt, begegnete uns hier und erzählte meinem Vater: „Vierzehn bemannte Fahrzeuge, eins schmucker wie das andere,
Engländer, Dänen, Schweden, seyen in dieser wilden und stürmischen Nacht, mit Mann und Maus, untergegangen. Indem wir noch so miteinander sprachen, trieb, mitten unter den Planken eines
gescheiterten Schiffes, ein männlicher Leichnam ans Ufer. Weinende Schiffsweiber, mit ihren Kindern, umringten ihn sogleich, um zu sehen, ob es ein Bekannter, Vater, Freund oder Bruder von ihnen
wäre: aber, {58}
in den von Schaum, Moos und Meergras verstellten Gesichtszügen, hielt es schwer, eine Aehnlichkeit zu entdecken, oder die entdeckte weiter zu verfolgen. So traurig beschäfftigt, erscholl uns
plötzlich ein Gesang, aus dem Meer. Drey nackende Schiffsmänner saßen in einem Boot, und ruderten, mit beygelegtem Segel, dem Ufer zu. Aus dem gräßlichen Tumult der vergangenen Nacht gerettet,
brachten sie dem Herrn, mitten unter Sturmwind, Blitzen und Leichen, ein fröliges Lied zur Morgengabe. Hier ist es.
Altes Schiffslied von der Ostsee.
Nach dem Sturme, fahren wir sicher durch die Wellen,
lassen, großer Schöpfer dir, unser Lob erschallen,
Lobt ihn, mit Herz und Mund, lobt ihn zu jeder Stund',
Christ, Kyrie, komm zu uns auf den See!
Einst in meiner letzten Noth, laß mich nicht versinken,
soll ich von dem bittern Tod, Well' auf Welle trinken.
Reich mir dan Lieb' entbrannt, Herr, deine Glaubenshand,
Christ, Kyrie, komm zu uns auf den See! {59}
Die nähere Geschichte dieses Liedes ist folgende: Drei Matrosen, Peter aus dem frischen Haf, Classen aus Amsterstam und Vanderschmissen aus Haarburg, verloren im Sturme der vergangenen Nacht, wie
ihr Schiff, so ihre gesammten Habseligkeiten. Kaum noch, daß sie selbst ihr Leben, in einem kleinem Boot, nothdürftig davon brachten. Wie sie nun in demselben traurig dasaßen, begab es sich, daß
der Wind immer heftiger strich und das Boot sich gänzlich auf die eine Seite legte. Da erschraken sie alle; am meisten aber Peter aus dem frischen Haf. Dieser nahm das Wort und sprach: „O Herr
hilf! Nun werden wir wohl verloren seyn, wenn wir {60}
noch um einige Faden näher an die Brandung gerathen!" Hierauf nahm er das Gesangbuch zur Hand und wollte nicht weiter handthieren. Desselbengleichen auch Classen aus Amsterdam. Dieser
versicherte: „Nun gehe ihm erst, über den Spruch in der Bibel: „Der du machest deine Engel zu Winden und deine Diener zu Feuerflammen." das rechte Licht auf: von Steuer und Ruder wollte auch er
nichts mehr wissen, sondern lieber ein andächtiges Vaterunser beten. Somit zog er seinen Hut ab, Classen und Vanderschmissen ebenfalls, und so beteten alle drei. Als sie aber an die Bitte kamen:
„Sondern erlöse uns vom Uebel" sagte Vanderschnissen: „Halt, Brüder, da fällt mir was ein! Eins thun und das Andere nicht lassen. Legt das Gesangbuch aus der Hand! Beten ist gut Ding! Wir sollen
aber nicht bloß in den Himmel, sondern auch in unsere eigenen Hände schauen, die Gott ja nicht umsonst, dahier an unserm Leibe erschaffen hat! Der Wind ist konträr: aber was geht uns das an, wenn
uns nur unser Herr Gott seine Gunst schenkt! Vor Feuer, Wasser und Luft fürchte ich mich just nicht; sie sind ja nur eine Creatur, wie ich. So mächtig sie daher auch ihre Riesenfaust ballen und
auf unser kleines Schiff losschlagen: so sind das doch alles nur eitle Drohungen. Alle Haare auf unserm Haupte sind gezählt, und so können sie uns nichts anhaben, wenn es nicht Gottes
ausdrücklicher Wille und Geheiß ist. Engel sind sie, das steht in der heiligen Schrift und hat seine Richtigkeit; aber es gibt auch böse Engel, und das ist auch wahr. Von welcher Art diese sind,
die in der vergangenen Nacht so garstig mit uns und unserm Schiffe umsprangen, weiß ich nicht; aber das weiß ich, daß der Mensch, wenn er auf guten Wegen geht, sich weder vor Engeln noch Teufeln
zu fürchten braucht. Darum gedenke ich auch, mit Gottes Hülfe, mir diese trotzigen Kammeraden, durch ein kleines Stück ausgespannter Leinewand, vom Halse zu schaffen, und so dienstbar zu machen,
daß sie uns nach Danzig, Pillau, oder in irgend einen andern Hafen der Ostsee, wohin wir unsern Curs richten, tragen sollen" Als der allenthalben mannhafte und dennoch fromme Vanderschmis-
{61}
sen dieses Wort gesagt hatte, zog er sein Wamms aus, und sein Hemde dazu, zerriß es, nahm eine Packnadel und flickte sich daraus ein Segeltuch zusammen. Sogleich folgten auch die Andern seinem
Beispiele, und, in weniger als einer Viertelstunde, flatterten drey Segel, an ein Paar Stangen aufgezogen. Seht ihr, lieben Kinder, das waren die drey Schifferleute, von heute früh, die nackend
im Boote dasaßen und ihr:
„Christ Kyrie,
Komm zu uns auf den See!" u. s. w.
aus dem offenen Meere erschallen ließen. Ja, edler und frommer Vanderschmissen, du hattest Recht! Die ewige Liebe und grundlose Barmherzigkeit unsers Gottes, die in der Menschensprache Jesus
Christus genannt wird, will gewiß nicht, daß wir im Meere umkommen, oder ein Spiel dieses blinden und gemüthlosen Elementes werden sollen. Eben, in dem sie uns Geist und Vernunft gab, hat sie uns
auch zugleich die Mittel, zu unserer eigenen Rettung, in die Hände gelegt.
„Erlös' uns von dem Uebel"
so hattest du den himmlischen Vater, mitten im Tumult des wilden Meeres, angerufen; aber dabey hattest du es nicht bewenden lassen, sondern auch selbst, um dich vom Uebel zu befreien, männlich
Anstalt getroffen. Du hast nicht nur:
„Christ Kyrie,
Komm zu uns auf den See!''
auf dem wilden Meer gesungen; sondern, als der Herr nun kam, um dir die Hand zu reichen, bist du ihm auch selbst muthig entgegen geschritten.
„Denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit
Es war ein schöner Sommerabend. Wir saßen am hohen Ettersberge; die Stadt unter; ein hellgestirnter Himmel über uns. Da bemerkten einige Knaben den Angelstern und Wagen und machten auch die
Andern aufmerksam, auf dieß herrliche {62}
Sternbild. Es erfolgten Fragen auf Fragen, wie sie die kindliche Neugier und Einfalt nicht selten zu machen pflegt. Z. B.: „Woher denn dieser Wagen eigentlich komme? Wohin er seinen Weg nehme?
Wie lange er nun wohl schon, ohne weiter zu rücken, am Himmel gestanden habe? Und wie lange er wohl noch dastehen würde? Anstatt mich auf die Beantwortung aller dieser Dinge im Einzelnen
einzulassen, hieß ich die Kinder, im Kreis herum, neben dem Baum, wo ich lag, auf dem Rasen Platz nehmen. Sodann zog ich eins von ihnen aus der Menge hervor und befragte dasselbe: „Glaubst du
wohl, liebes Kind, daß Adam und Noah dieß schöne Gestirn, was du so bewunderst, mit ihren leiblichen Augen, eben so gesehen haben, wie du, oder ich?
Kind.
Nicht anders!
Vater.
Und unsere Enkel und Urenkel, nach tausend und aber tausend Jahren: was meinst du, werden sie wohl auch noch den Wagen und die Deichsel dort am blauen Himmel erblicken?
Kind.
Gewiß.
Vater.
Wie aber, wenn nun, nach einem unendlichen Zeitraum von Jahren, dieß Sternbild doch plötzlich verschwände und seine Stätte am Himmel nicht weiter gefunden würde? Wie lange, meinst du, würde wohl
die Zwischenzeit, von seiner Entstehung, oder seinem ersten Aufgang, bis zu seinem Untergang, vor Gott gedauert haben?
Kein Othem in der Versammlung.
Vater.
Weiß keins hierauf zu antworten? Wohlan, ich will euch ein Lied mittheilen, lieben Kinder, was trefflich zu der ernsten und heiligen Stimmung paßt, die der heutige Abend in uns erweckt hat. Es
ist von dem ehrwürdigen, alten Schweizer Haller verfaßt. Ich habe die erhabenen und großen Gedanken unverändert beibehalten und nur die Worte so gestellt, daß sie sich, nach der einfältig schönen
und uralten Kirchenmelodie, „Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut;" singen lassen. (S. 16)
Die Kinder.
Laß uns singen! Wir wollen singen! {63}
Die Sterne blicken so freundlich. Es singt sich noch eins so schön, unter freyem Himmel?
Andere.
Ich kenne diese Melodie! Ich will sie mit meiner Flöte begleiten!
Andere.
Ich mit der Clarinette!
Andere.
Hörner und eine Posaune sind auch da!
Alle.
Laßt uns anfangen! Wir wollen anfangen!
Einige.
Den Text, Vater, den Text!
Vater.
Der Sterne stille Majestät,
Die uns, zum Ziel erhoben,
Am Firmament befestigt steht,
Die leuchtend stillen Globen,
Sie eilen weg, sie werden blaß,
Vor dir, mein Gott, wie welkes Gras,
In schwülen Sommertagen.
Wie Rosen, die, am Morgen jung,
In schönster Blüthe prangen;
Doch Abend's, in der Dämmerung,
Verwelkt die Häupter hangen:
So welken hin, im Lauf der Zeit,
Vor dir, du Herr der Ewigkeit,
Der Angelstern und Wagen.
Was ist die Macht der höchsten Zahl,
Die ich mir ausgesonnen?
Verdoppelt Millionenmal,
Das Licht von tausend Sonnen,
Und fliegender Kometen Eil'? — ,
Auch nicht der allerkleinste Theil,
Von deinem Werk und Wesen!
Warst du's nicht, liebes Kind, das vorhin fragte: „Wie lang wohl dieß schöne Gestirn, der Wagen genannt, nun schon am blauen Himmel gestanden habe? und wie lange es wohl noch dastehn würde?“ Hier
hast du nun die Antwort, auf deine Frage. Was meinst du, wie lang der Zwischenraum, vom Aufgang des Angelsterns, bis zu seinem einstigen Untergang, wenn wir unserm Dichter glauben wollen, vor
Gott, in dem Fall, möchte gedauert haben? {64}
Erster Knabe.
Vater, ich glaube —
Vater.
Laß hören:
Zweiter Knabe.
Ich hab' es verstanden. Der Dichter vergleicht Gott mit einem Gärtner.
Erster Knabe.
Ja — und den Himmel, mit einem Garten.
Zweiter Knabe.
Wie des Gärtners Hand Blumen: so pflanzt Gottes Hand Sterne.
Erster Knabe.
Als dann wandelt er zwischen den Sternen, wie der Gärtner zwischen den Rosen.
Zweiter Knabe.
Und wenn die Sterne nun abfallen; so ist ihm ohngefähr so dabei zu Sinn, wie dem Gärtner, wenn er, auf den Abend, in den Garten kommt und sieht, daß die Rose, die seine Hand gepflanzt hat und die
eben noch zu Mittag so schön blühte, von ihrem Stocke abgefallen und verwelkt ist.
Vater.
Recht Kinder! Und erinnert ihr euch wohl eines schönen Spruches der Bibel, der mit andern Worten völlig dasselbe sagt!
Alle.
O ja! „Tausend Jahre, o Herr, sind vor dir, wie ein Tag, und ein Tag, wie tausend Jahre."
Indem klopfte ein alter und würdiger Bekannter und Landsmann — ich glaube, er war von Königsberg und trug einen etwas bestaubten Schulrock — mir plötzlich, wie ein Geist, auf die Schulter und
raunte mir, wie ich so im lebendigen Kindergewühl, unter der grünen Linde dasaß, traulich in's Ohr. „Vergiß nicht ihnen zugleich zu bemerken: daß Zeit und Raum bloße Formen des menschlichen
Denkens sind!" Ich mußte ihm aber, auf diese gelehrte Einrede, billig die Antwort schuldig bleiben; denn die Kindern stimmten so eben den Hallerschen Gesang wieder auf's Neue an. Der Wagen und
Angelstern funkelten lieblich drein und neigten sich immer tiefer über den alten Ettersberg. Und wie nun eben die letzte Strophe:
„So welken hin, im Lauf der Zeit,
Vor dir, du Herr der Ewigkeit,
Der Angelstern und Wagen!" {65}
unter den alten Eichenwipfeln, verklungen war, mußte ich gleichsam unwillkührlich zum Gebet meine Hände falten und ausrufen:
„Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit! Amen!"
Die Kinder werden, mein' ich, nun auch wohl ahnen, was es mit der Ewigkeit und der Zeit, den Rosen und den Sternen, der Erde und dem Menschen darauf, eigentlich für eine Bewandniß habe.
{66}
Kurze Geschichte
der Freunde in der Noth zu Weimar
und wie dieselben es anfangen, durch eine mit 200 christlichen Werkstätten eingeleitete fromme Verbindung, eine große Anzahl armer und verwilderter Kinder, vom Untergang und der Schmach
öffentlicher Gefängnisse zu erretten. {67}
I. Brod, Wasser, Schande, Kofent, Prügel, für einen Knaben im Criminal, kosten jährlich (Siehe Johannes Falks Aufruf 1818 Leipzig bei Brockhaus, das 14te Aktenstück S. 128.)
52 Thlr. 16 gr. 6 pf.
II. Dagegen kosten Fleisch, Brod, Ehre, Bibel, Christenthum u. s. w. in einer christlichen Werkstätte, ein für allemal
25 Thlr. Sächs.
und es werden um diesen Preis fortwährend, sobald sie confirmirt sind, arme Kinder von uns angenommen, und als Schneider, Schmiede, Schlösser, Leineweber, Schuhmacher u. s.w. untergebracht. Es
sind fast immer mehr Werkstätte, als Knaben vorhanden.
III. Es ist, durch einen Anhang von 19 Aktenstücken von Magistraten, Aemtern, Gerichten u. s. w. (Siehe obigen Aufruf S. 104.) unwiderleglich erwiesen, daß junge Leute, die schon dem Criminal und
Zuchthaus verfallen waren, in den Werkstätten, durch strenge Zucht und Aufsicht, dennoch zuletzt umkehrten und brave Menschen wurden. Andere, die im Vagabundenleben den Bettelstecken so lieb
gewannen, daß sie sich lieber ein Paar Finger von ihrer Hand abhacken, als denselben wollten fahren lassen, und die dazu schon die Hände auf dem Hauklotz liegen hatten (Man sehe das S. 84 in dem
Vater Unser angeführte, höchst wichtige Aktenstück), kamen, nach mehrmaligem Davonlaufen, durch Geduld und christliche Sanftmuth, dennoch wieder zur Besinnung und loben und preisen jetzt Gott
dafür, mit andern ehrbaren Gesellen unserer Sonntagsschule, daß seine Gnade, die nicht will den Untergang des Sünders, sondern, daß er sich bekehre und lebe, auch an ihnen offenbar geworden
ist.
IV. Auf diese unläugbaren Erfahrungssätze gestützt, forderte Johannes Falk edle Menschenfreunde, zu Weimar, Jena, Eisenach u. s. w. zu einer monatlichen Subscription auf, wodurch alsbald eine
Casse entstand, die, für Unterbringung armer Knaben in Werkstätten und bei frommen Handwerkern, Sorge trug und so dem Elend des Volkes, von dieser Seite, gleichsam durch Abschneiden seiner
Wurzeln, Einhalt that. Männer, die eine ge- {68}
reifte Erfahrung im pädagogischen Fach, zugleich mit einer echt christlichen Gesinnung verbanden, und deren Namen längst auch dem Publiko rühmlichst bekannt sind, ein Köthe, ein Schott, ein Hand
zu Jena; ein Nebbe, ein Voppel zu Eisenach, ein Horn zu Weimar, schlossen sich in der Folge an diesen ersten Versuch an, und reichten freudig die Hand, wo es den schönsten und rührendsten Theil
der christlichen Seelsorge, die Rettung der Jugend, galt. So bildeten sich besondere Cassen und aus ihnen wieder besondere Versorgungsanstalten. Auch die alte, würdige Hauptstadt im Lande
Thüringen, das benachbarte Erfurt, erfaßte diese neue Idee, mit Begeisterung, und die frommen Barone und Grafen von der Reck, zu Overdyk in Westphalen, nahe bei Elberfeld in der Grafschaft Mark;
eben so ein siebenzigjähriger frommer Schuhmachermeister, Namens Hoyer zu Aschersleben, traten 1819 und 1820 mit einem Subscriptionsplan, zur Versorgung armer verwaister oder verwilderter Kinder
von Verbrechern, in dem nämlichen Geiste, hervor und zwar mit so gutem Erfolg, daß sie im Jahr 1822 schon Hunderte von armen Kindern, am sogenannten Freudenberge zu Overdyk und zu Aschersleben,
zu versorgen im Stande waren.
V. Glauben, daß zu einer Zeit, wo die gröbsten Verbrechen, unter dem deutschen Volk im Schwange gehn; wo sogar, bei der zartesten Jugend, nicht selten Mord und Mordbrennerei [Zu Zeulenroda im
Voigtlande legten kürzlich zwei Knaben, der Eine 10, der Andere 12 Jahr alt, Feuer an, in welchem unglücklichen Brand 33 Häuser, 25 Scheunen, nebst der Kirche, ein Raub der Flammen wurden. Den
17ten Juny 1820 als die schöne, putzlustige Mordbrennerin, Eva Maria Steinbockin, zu Zeulenroda, enthauptet, verbrannt und ihre Asche von Henkersknechten in alle Winde zerstreut wurde, mußten
diese beiden Kinder, Namens Schmidt und Teicher, dieser Execution zusehen und kamen darauf beide ins Zuchthaus. Zu Preuß. Plauen mordete ein sechzehnjähriger Knabe zwei junge Mädchen, wegen eines
Stückes buntgestreiften Flanells, das er nach diesem für 1 Thlr. wieder hingab, um sich — eine Weste zu kaufen. Auch dieses geschah im Juni 1820. Hätte ein Wolf diese beiden Kinder an der
Landstraße zerrissen, so würden alle Jäger, aus Thüringen und Böhmen, zu dem Orte, wo dieses geschehen wäre, herbeieilen; zwischen allen Hügeln und Bergen, würde sich das Blasen von ihren Hörnern
hören lassen. Wie? Sollten wir und alle, die im Dienste Christi stehen, die Auffindung und Zerstörung solcher wilden Wolfshölen, im Menschengeschlecht, uns minder angelegen seyn lassen?]
vorkommen, wo eben deßhalb die menschenfreundlichsten Regierungen täglich zu den härtesten Maßregeln, durch Anlegung neuer Criminale und Verhängung von blutigen Executionen. gezwungen werden; zu
einer solchen Zeit glauben, daß christliche Anstalten, {69}
die, das Verbrechen im Keime zu ersticken, sich zur Heiligsten und angelegentlichsten Pflicht machen, als bloß für den Krieg berechnet, im Jahr 1820 recht gut eingehen könnten, heißt absichtlich
vor dem, was die Zeit so dringend von uns erfordert, nämlich vor dem ersten Fundament aller künftigen, guten Gesetzgebung, der Furcht Gottes, die Augen schließen, und gleichsam an einem offenen
Abgrund, auf die gebrechliche Krücke, Menschenfurcht und Mechanismus der Gesetze, gestützt fortwandern.
Vl. Mit einer blos leiblichen Versorgungsanstalt, durch Werkstätten oder Unterricht, ist aber die Sache bei Weitem nicht abgemacht. Es braucht sittlicher Zucht, Aufsicht, Erziehung, folglich,
statt aller Schreiberei und Papieres, eines persönlichen Mittelpunkts, eines Vaterherzens. Was helfen dem Staate Schelme und Diebe, die hobeln? meißeln? schmieden? was Schelme und Diebe, die
Schränke machen und sie zugleich aufbrechen? was griechische, was lateinische Taugenichtse? Lieber wollen wir ehrliche Deutsche auf die Kunst selbst Verzicht thun, als daß, wovor Gott sey, unsere
künftigen Phidiasse und Apellesse ihre Werkstätten in den Zuchthäusern anlegen sollten! {70}
Inhaltsanzeige
des Vater Unsers.
Die Kupfer
sind sämmtlich von einem unserer Zöglinge, Andreas Gläser genannt, einem Schüler von Hrn. Schwerdtgeburt, den dieser edle Mann unentgeldlich in die Lehre nahm, ohne alle Beihülfe, gestochen.
Durch frühzeitigen Verlust seiner beiden Eltern; durch einen siechen Körper; durch hartnäckige Krankenlager, von denen er, mehrere Jahre hindurch, nur mühsam aufstehen konnte, geistig und
körperlich gelähmt; also gleichsam von Natur, an die Wohlthätigkeit seiner Nebenmenschen verwiesen, ward er mit uns bekannt, und da wir Anlage zum Zeichnen in ihm entdeckten: so hofften und
wünschten wir, die Kunst, wenn gleich in bescheidenen Kreisen ihrer so allgemeinen Thätigkeit möchte dem armen Andreas Gläser einen edlern Weg bahnen, als den ihn zuvor sein eisernes Geschick zu
wandeln genöthiget hatte. Auch werden wir uns schwerlich in dieser schönen Erwartung getäuscht haben. Er sticht bereits Pflanzen, Thiere und kleine Landschaften, mit großem Fleiß und nicht, ohne
selbst die größte Freude an dieser edlen Beschäftigung zu finden. Die Stellen, wo diese Kupfer in den Text gehören, sind im nachfolgenden Verzeichnisse, auf's Genaueste, nach Unterschrift und
Blattseite, angegeben.
Der Druck.
Johannes Müller
einer unserer ersten und ältesten Zöglinge. — Die Mutter, aus Creuznach am Rhein gebürtig und katholischer Religion, hatte, mit ihm und dem Vater, halb Deutschland durchzogen. Als der Herzog von
Braunschweig darauf seinen Rückzug aus Böhmen antrat; einen Theil des Sachsenlandes berührte, und zu Halle den Entschluß faßte, sich, mit seinen Mannen, durch zu hauen und sodann nach England
einzuschiffen, mußten Gepäck, kleine Kinder und Weiber, die den Sturmschritt dieser Heldenunternehmung verzögerten, natürlich zurück bleiben. Um solche Zeit nun, wo es auf deutschem Boden, Noth
that um {71}
Männer, war es, wo wir Vatersstelle an diesem zurückgelassenen, kaum eilfjährigen Knaben auszuüben, für eine heilige Pflicht erachteten. Wir erzogen den von Natur wilden und feurigen Buben in
Weimar. Damals unterstützten ihn edle Menschenfreunde, von denen wir hier nur Hrn. V. Präsidenten Weiland und Hrn. Tünchermeister Hütter namhaft machen. Gegenwärtig steht er in der Albrecht'schen
Hofbuchdruckerey allhier und hat fleißig an diesem Büchlein mit gedruckt.
Namensverzeichniß sammtlicherSübscribenten, nebst Vorrede S. 3.
1) Christus und die Samariterin am Brunnen. Joh, 4. Hierzu das Kupfer, mit der Unterschrift: „Weib glaube mir, es kommt die Zeit" S. 5.
2) Christi Abschied von seinen Jüngern Joh. 5. Kupfer. „Und nun verkläre mich, du Vater" u. s. w. S. 8.
S) Christus und Nikodemus. Joh. 3. Kupfer. „Wahrlich, wahrlich ich sage Dir" u. s. w. S. 12.
4) In derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu. Matth. 18. Kupfer. „Wahrlich, wahrlich ich sage euch, es sey denn daß ihr werdet wie die Kinder," S. 16,
5) Sehet die Vögel, unter dem Himmel an. Matth. 6. Kupfer. „Sie säen nicht, sie erndten nicht." S. 18.
6) Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige Matth. 18. Kpf. „Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen" u.s.w. S. 20.
7) Petrus aber saß draußen im Pallast Matth. 20. Kupfer. „Und alsobald krähete der Hahn" S. 23.
8) Und Petrus ward zwar im Gefängniß gehalten Apstges. 12. Kpf. Und der Engel sprach zu ihm: „Wirf deinen Mantel um dich!" S. 26.
Alte Gesänge und Choräle nebst Noten:
1) Sey mit uns, mit deinem Volke, Gott Vater! Chor von Palästrina. S. 2.
2) Wachet auf, ruft uns die Stimme. Choral S. 6.
3) Eins ist Noth! ach, Herr, dieß Eine. Choral S. 14.
4) „Hier ist mein Herz" Choral S. 10.
5) Ach! werdet doch den Engeln gleich. Choral. Mel. Sey Lob u. Ehr' etc. S. 16.
6) Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren! Choral. S. 19.
7) Nachsicht, Langmuth, stilles Dulden. Mel. Heilige Liebe . S. 22.
8) Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr. Choral S. 24.
9) Hoff, o du arme Seele. Choral. Mel. Befiehl du deine Wege S. 28.
10) Das Amen, wie es in den Kirchen gesungen wird . . . S. 30.
11) Ein uraltes Kloster-Gloria S. 30
12) Das Vater Unser, wie es in den Kirchen gesungen wird. . S. 32.
13) Altes Schifferlied von der Ostsee Nach dem Sturme u. s. w. S. 58
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Das Vaterunser, wie es in der Sonntagsschule, mit den Kindern durchsprochen und gelebt wird
1) Große Noth, nach den Schlachten zu Jena, Lützen und Leipzig, und wie der himmlische Vater auf deren Abhülfe bedacht war. Erstes Gespräch des Hausvaters mit seinen Kindern S. 34.
„Vater unser der du bist im Himmel"
2) Wie der nach dem Ebenbilde Gottes erschaffene Mensch so häufig seinen himmlischen Ursprung verläugnet und sich selbst zum Thier macht. Zweites Gespräch des Hausvaters mit seinen Kindern. S.
36.
„Geheiliget werde dein Name"
3) Das Rothkehlchen und der Wanderer, im harten Winter 1819 oder wie jeder Hausvater seinerseits dazu beitragen kann, den Kindern das Reich Gottes näher zu bringen und ihnen Christus erleben zu
lassen. Drittes Gespr, d. Hausvaters m. s. K. S. 38.
„Dein Reich komme."
4) Wie die fromme Hausmutter sechs blühende Kinder nach einander begrub und sich dabey still in den Willen Gottes zu ergeben wußte. Viertes Gesp. d. H. m. s K . S. 43.
„Dein Wille geschehe."
5) Wie es dem Hausvater, in der großen Theurung, für fünf hundert arme Kinder, an Brod gebrach, und wie Gott darauf einen speisenden Raben, genannt Ludwig Minner, aus Schwarzburg-Rudolstadt
schickte. Fünfter Gesp. d. H. m. s. K. S. 46.
„Unser täglich Brod gib uns heute."
6) Wie Wilhelm Stettenberg so hartnäckig im Bösen beharrte, daß er sich selber lieber die Hand abhacken, als Leineweber werden wollte; aber endlich doch, durch Liebe und Nachsicht besiegt, ein
rechtschaffener Bursche und gar fleißiger Gesell wurde. Fünft. Gesp, d. H.m.s. K. S. 48.
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern."
7) Wie Andreas Preller, durch Portorico und ein Pfeifenrohr, den Eingang zur Hölle fand. Siebentes Gespr. d. H. m. s. K. S. 50.
„Und führe uns nicht in Versuchung."
8) Wie der fromme Seemann Vanderschmissen wollte, daß man nicht bloß im Sturmwinde beten sondern auch selbst Hand anlegen sollte und wie er Recht hatte. Achtes Gesp. d. H. m. s, K . S. 57.
9) Von den Rosen, dem Angelstern und der Ewigkeit. Achtes. Gsp. S. 61.
„Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit."
10) Kurze Geschichte der Freunde in der Noth zu Weimar, und wie dieselben es angefangen, durch eine mit 200 christlichen Werkstätten eingeleitete fromme Verbindung eine große Anzahl armer und
verwilderter Knaben, vom Untergang und von Schmach öffentlicher Gefängnisse zu erretten S. 67.
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