1806  No. 20.

Elysium und Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte


Sonntag, den 9. März

Zeitgeschichte
oder
kleine Europäische Gazette.

Was so echte Zeitungsschreiber sind, die betrachten jetzt – denn vor 14 Wochen war es noch problematisch – England, als die zweite Ausgabe von Karthago und Bonaparte, als die zweite Ausgabe von Karl dem Großen. Eigentlich interessieren sie sich wohl für Keinen: ihnen kommt es bloß darauf an zu beiden Noten zu machen:

„Und wem es glückt, dem ist es auch verziehn,
Denn jeder Ausgang ist ein Gottesurtheil."

Und doch ist der Zeitpunkt so wichtig, und eine thatenschwangere Zukunft bewegt sich mit jedem Augenblick näher an uns heran.

Luthers Kraft und Hochgefühl, das den Deutschen niemals mehr, als jetzo gebrach, konnte niemals weniger, als jetzo von ihnen entbehrt werden. Denn, wie sich unser würdiger, hochverdienter Freund, Johannes Müller, in einem neulich an uns erlassenen Briefe, über diesen Punkt so schön und treffend ausdrückt „Das ist in meinen Augen das Höchste, womit Männer von Geist und Muth nun sich abgeben können dem durch so vieles herabgewürdigten deutschen Sinn für Nationalität und Selbstständigkeit, wieder zu heben, zu hindern, daß man sich hingebe, vergesse vorzubereiten, auf Tage, wo feige Unterdrückung, etwa zu Staub, oder ihr Stab gebrochen wird. Wahrlich die Sache ist nicht verloren zu achten, wenn man sie recht anfängt; nämlich durch Wirkung auf die Völker, deren Stimme, wenn sie allgemein kräftig und laut ist, endlich die kurzsichtigen Bedenklichkeiten gemeiner Politik überschreien wird. So lange noch das deutsche Literaturwesen besteht, bin ich voll Hoffnung; man bleibt sich nahe; es gibt ein Publikum – Nur darf kein Mißlaut in die Saiten gebracht werden; keine Gleichgültigkeit lähmen; keine Sophisterei verwirren; die lautere Wahrheit; lutherisch, mit desselben Mannes Kraft und Verstand gesprochen: die allein kann bei Besinnung erhalten, daß die trügerischen Posaunen fremden Eigenlobes nicht übertäuben." – Gottlob, Gottlob! setzen wir hinzu, daß mitten unter den Stimmen jetziger Schönschwätzer, und politisch kalter Rechenmeister, die den Mantel nach dem Wind drehn, auch Stimmen, wie die von Johannes Müller und Johann Heinrich Voß ertönen: sie allein sind es, die für die Zukunft zu den schönsten Hoffnungen berechtigen, und dem durch so viele Unfälle gebeugten Deutschen dennoch das Kleinod der Nationalität zusichern, das durch {78}

Nachäfferey der Ausländer – und von wem ist diese Aefferei sorgfältiger, als eben von unsern Großen und Höfen gehegt, gepflegt und begünstiget werden? – im Lauf der Zeiten, zwar nicht gänzlich verloren ging, aber doch mehr als einmal verdunkelt wurde. Wenn sich Luthers Schatten je aus dem Grabe aufhöbe und sähe jetzt, wie alle Hände der Männer und Weiblein mit den bunten Tagebüchern von London und Paris, von Konstantinopel und Petersburg, oder dem Tand beliebter Kinderzeitungen beschäftiget sind: würde er nicht, zürnend und unwillig den Kopf schüttelnd, seinen entarteten Nachkommen zurufen: Was ist es denn, so ihr Deutsche seyd und Männer, daß ihr der fremden Nachäfferei und des Kindergeschwätzes nie satt werdet, und nimmer schaut in die eigenen Hände, in die Gott auch gelegt hat, Kunst und allerlei Kraft: da ihr doch vielmehr suchen solltet, euern Vorfahren nachzukommen im Guten, und zu wetteifern, wie sie, in Künsten und allerlei Gemeinwesen, oder was sonst löblich und deutsch ist, damit ihr nicht zuletzt, als wovor Gott sey, von Russen, Türken, oder gar von Kindern und Unmündigen lernen müßt, was ihr jetzo zu thun habt.
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Preußen. Schon recht, daß ihr jeden Funken von Patriotismus in euern Herzen anfacht: aber seht wohl zu, wie es jetzt in Europa steht, und was der Apostel sagt: der Geist ist, der da lebendig macht, die Maschinen sind kein nütze. Auch unter Euch muß vieles, Vieles anders werden, wenn ihr die alte Heldenthatenrolle mit Glück auf dem Welttheater ausspielen wollt. Denn bei Gott, es waren mehr, als Maschinen, die einst im siebenjährigen Kriege gegen Europa ihre Freiheit ausfochten. Versteht es nur, wie Friedrich der Große, die rechten Hebel eurer Nation in Bewegung zu setzen: die Preußen sind brav und geborne Soldaten: sogleich werden sie, wie jene ihren König anrufen:

So viel nur Söhn' uralten Heldenruhmes,
Fritz, dein Befehl aus unsrer Mitt' erkor:
Wir stehn, die Stützen deines Königsthumes,
Wir halten dich, wir heben dich empor.

Es eilt herbei der löwenherz'ge Märker,
Der alte Preuß, im Kampf so felsenfest,
Der Pommer, welcher stark und immer stärker
Dich seinen Vater nur im Tod verläßt:

Ihm folgt das tapfre Heer der Bundsgenossen,
Der Heß, der feige nie durch Flucht dem Feind' entrann:
Der Sachs, dem Glauben treu, für den sein Blut geflossen
Von Luthers Kraft beseelt, ein kühner deutscher Mann.

Auch zieht voran dem dichtgeschloßnen Heldenheere
Ein finstrer Geist, doch nur den Feinden fürchterlich:
Im nächtlich steigenden Gemurmel höre
Ich laut und immer lauter - Friederich!

Ha Schreckenslosung, hoher Name treffe
Du Tolpatsch und Pandur, sey unser Feldpanier,
Und du-

O ihr Deutschen, wo ist die schöne Zeit, und wann kömmt sie wieder, wo wir solche Lieder singen werden!

Paris 20. Fevrier. Opera comique rue Feydeau, M. Deschalumeaux, opera bouffon en 3 Actes.
Das Journal de Paris prophezeiht von diesem Stück: das Glück, das es gemacht, könne sich nicht über das Karneval erstrecken. Indeß habe es zu viel Beifall gefunden, um in den Annalen des Theaters mit Stillschweigen übergangen zu werden.
M. Deschalumeaux, ein Limonesischer Edelmann, aus Brives-la-Gaillarde gebürtig, läßt sich einfallen, in Provence zu reisen, und kommt unter Abend zu Marseille an, ohne zu wissen, wo er sein Nachtlager nehmen soll. Alle Aubergen sind besetzt, vergebens kündigt er seinen Stand als limonesischer Edelmann an; kein Mensch will ihm Unterkommen geben. Indem stellt sich ein schönes Hotell seinen Augen dar: es gehört dem Duc de Villars, der Gouverneur der Provinz ist. M. Deschalumeaux hält dieses alsbald für eine Herberge, ist resolut, klopft an, und bittet sich ein Logier aus. Nun ist zu Marseille gerade Karneval, und der Herzog, der so eben einige Freunde zum Fasching bei sich hat, beschließt aus der Sache einen Scherz zu machen. Zu dem Ende läßt er den armen Teufel bei seinem Glauben, und um ihn vollständig zum Besten zu haben, muß eine Dame aus der Gesellschaft sich als Aubergistin ankleiden, indem der Herzog selbst die Rolle eines Gastwirths übernimmt. Nun folgen einige Qui pro quo's. Man geht zur Tafel: bevor aber M. Deschalumeaux eins von den Gerichten in seiner Schüssel anrührt, hat man sie ihm mit List und Gewandheit schon wieder wegpraktiziert. Eine Dame wirft ihm schmachtende Blicke zu: M. Deschalumeaux ist, von den äußersten Fußzehen, bis zum Scheitel, entzückt vor Liebe: ein Militair tritt ihm ziemlich derb auf den Fuß: er hält dieses für den zärtlichen Druck eines Damenfüßchens; für eine kleine, verliebte Neckerei. Man singt: M. Deschalumeaux bleibt nichts schuldig, er singt gleichfalls, aber der Himmel weiß wie. Die Gesellschaft beschließt einen Akt von Generosität auszuüben, und zwei Liebende glücklich zu machen: M. Deschalumeaux fängt ebenfalls Feuer für diese Idee: er strengt sich an und schenkt den Liebenden – einen kleinen Thaler. {79}

Endlich schickt man ihn mit seinem alten Jockey zu Bett. Eine schöne Kammer, zwei Betten – aber o Unglück: Herr und Diener wollen eben ihrer Ruhe pflegen: so fühlen sich beide zugleich mit den Betten, und so leicht wie Federn, in die Höhe geschnellt; ein bewunderungswürdiges Schauspiel; zwei Betten tanzend, bald bis an die Decke, bald wieder den Fußboden berührend; so daß die beiden armen Limoneser, aus Furcht darüber, fast außer sich kommen. Man sieht, die Maske dieses Stücks ist aus Moliere; das Karneval, wie ein französischer Kunstrichter hinzusetzt, entschuldigt solche Extravaganzen: warum sollte sich denn ein Mann von Geist nicht auch einmal in einen (Tabarin) Pickelhering verkleiden? An der Musik, besonders an der Ouvertüre, rühmt man einen graziösen Ausdruck.

Urtheil der Franzosen über die Urne im einsamen Thal des Herrn v. Bilderbeck [Paris chez Marad an 1806. L'Urne dans la vallé solitaire, Par Madam de S. W. 3 Vol.].
Die Urne im einsamen Thal ist ein Roman des Herrn v. Bilderbeck. Zwei Bände sind von der französischen Verfasserin aus dem Deutschen übersetzt worden, während der dritte von ihrer eigenen Erfindung ist. „Seyd ihr Liebhaber, so sagt ein französischer Journalist, bei Anzeige dieses Werks, von bizarren geheimnisvoll verflochtenen Abentheuern? – Ergötzt es euch, wenn gleich auf der ersten Blattseite eines Buchs etwas vorkommt, das erst im dritten Band gelöst wird? Habt ihr einen entschiednen Geschmack für Duelle, Entführungen, gewaltsame Leidenschaften, solche, die einen Wilden von Kanada, wenn er zum erstenmal unsere Romane in die Hand nähme, müßten glauben machen, daß die Liebe für uns Europäer nichts sey, als eine Art Märterthum, als eine infernalisch inokulierte Nymphenwuth, die ihre Besessenen zu allen nur möglichen Exzessen fähig mache? – Haltet ihr eine 25 Jahre hindurch wohlgereiste, wohlpräparierte und wohlausstudierte Rache, für ein Meisterstück der menschlichen Einbildungskraft? Gereicht es euch überdem zur besondern Ergötzlichkeit, euch mit Spitzbuben in Umgang zu setzen, die in der Folge honnette Leute, exzellente Citoyens, nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft; enfin die arbeitsamsten, charmantesten Eremiten werden, die in Ruhe ihren Kohl und ihre Cichorien bauen? – Vergnügt euch zuletzt ein Lesen, ohne daß Ihr wißt, was Ihr les't, so, daß wenn Ihr das Buch zuschlagt, euch kein andres Resultat übrig bleibt, als: daß es gewisse Leute in der Welt gibt, die einen außerordentlichen Aufwand von Geist machen, um dem Publikum zu beweisen, daß es ihnen durchaus an Sens commun fehlt? Kurz wollt Ihr einen schlechten Roman lesen, der aber in einem guten Stil geschrieben ist: nun wohlan denn, so lest diese Urne im einsamen Thal, die Madame S. W. so eben für Franzosen bearbeitet, und mit einem neuen Bande bereichert hat.

Buchhändler- und Schriftstellerkorrespondenz.
III.
Schmierl an Druckebald.
Apropos, werthester Herr Druckebald: neulich las ich, im Reichsanzeiger, den äußerst praktikabeln Vorschlag: das mit die armen Setzer in Zukunft mit den Manuscripten, nicht mehr so viel Scheererei hätten, und immer einzeln jeden Buchstaben aus dem Druckkasten langen dürften: so sollte man doch anfangen, diejenigen Schriftzeichen, die zusammen gehören, und so oft zusammen vorkommen, auch zusammen gießen zu lassen. Dabei ist mir eingefallen: könnte man diese Idee nicht auch im Großen, d. h. mit ganzen Perioden und allgemein beliebten Dichterwerken, ausführen? Denn da, wie schon Salomo richtig bemerkt, und die Leipziger Ostermesse es jedes Jahr bestätiget, so wenig Neues unter der Sonne geschieht; besonders aber bei uns andern klassischen Autoren, es so zu sagen, ein Fundamental- und Reichsgesetz ist, daß der Eine immer nur das schreibt, was der Andere vor ihm schon längst auch geschrieben hat: so möchte ich fast rathen: man verfertigte, wie bei der Cansteinischen Bibelanstalt zu Halle, lieber eigene klassische Druckkasten, mit stehend bleibenden Lettern, etwa petite Rochlitz, petite Schiller, petite Lafontaine, oder was sonst für ein Autor gerade Mode wäre. In jedes von diesen Kästchen müßte nun auch eine besondere Schriftmasse, mit Sturm, Donner, Blitz, Sonnenschein, Mondschein u. s. w. fix und fertig zu liegen kommen. Versteht sich numeriert! Sobald nun irgend Einer von unsern klassischen Autoren, etwa ein Schreiber, ein Kind, ein Kuhn, ein Zarnack, ein Schwalldoppler auf den Einfall käme, ein Buch zu machen, worin der Donner, der Blitz, der Sturm, oder was Sie sonst wollen, eine Hauptrolle spielen sollte: so zitierte er, für seine vorhabende, poetische Beschreibung, dem Setzer bloß das Numero von dem Druckkasten, mit dem etwannigen Beifügen: „Hier Blitz" – „Hier Donner" – „Hier Sturm" – „Hier Mondschein" – „Hier Sonnenschein." Nota Bene: petite Rochlitz, petite Lafontaine, petite Schiller." Das Uebrige gäbe sich dann von selbst, und bliebe bloß Sache des Herrn Setzers und Korrektors, Denken Sie selbst, lieber Herr Druckebald, was {80}

auf diese Art allein an Honorar und Druckkosten, bei dem starken Umsatz der drei Leipziger Messen, jährlich in Deutschland erspart werden könnte. Der ich die Ehre habe mit der vollkommensten Hochachtung mich zu nennen
Dero ergebenster
Schmierl,
Poet laureat

Briefe über die Theater in Wien.
3.
Auf Hafner folgte eine kurze Pause, dann kamen Schikaneder, Perinett, Hensler, und einige minder bekannte. Alle gehören zur Hafnerischen Schule, oder scheinen in seine Fußtapfen getreten zu seyn, weil derselbe Nationalgeist, dieselbe Umgebung günstig auf sie wirkte. Man findet in ihnen Hafners Vorzüge und Mängel beinahe wieder. Der Geist des Scherzes, die Sinnlichkeit des Ausdrucks, und wahrhaft komische, aus dem Leben gegriffne Situationen entschädigen uns für den Mangel an Zusammenhang und durchgängigem Gehalt. Ich möchte sagen, den Lustspieldichtern Wien's fehlt Nichts, als was sich erwerben läßt, nämlich, Urtheil und Geschmack, bei uns scheint es umgekehrt zu seyn. Stücke, wie, der seltene Prozeß und die Waldbrüder, (Mönche) beide von einem Geistlichen, wie man sagt, könnte man in ihrer Art klassisch nennen. Schikaneders großes Talent zeigt sich am hellsten in seiner Zauberflöte, und in der Frau aus Krems. Unglücklicherweise hat ihn sein bischen Kultur zu einer wässerigten Sentimentalität verführt, und das Zweideutige in seinen Stücken wird vom Moralprinzip zwar nicht erstickt, aber doch am Ende gebührend abgestraft, und so die natürliche Heiterkeit des Ganzen durch einen abgeschmackten Popanz erdrückt. Wann wird man anfangen zu glauben, daß alle Literatur und Künste nur geistig, und auch nur auf den Geist berechnet sind. Je vollkommer die Behandlung, desto mehr wird jeder Sache ihr Recht angethan, und um so freier und richtiger ist der Eindruck und das Urtheil darüber. Perinett ist vortheilhaft bekannt durch eigene Werke, z. B. die Oper: der Jurist und Bauer? aber weit mehr durch die meisterhafte Umarbeitung der Evakathel und Schnudi von Hafner. Ueber diese äußerst gelungene Parodie der Theater, der Höfe, der vornehmen Manier Krieg zu führen, und des Lebens überhaupt, behalte ich mir vor Ihnen nächstens ausführlicher zu schreiben,
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Kleiner Tartarus.

Herman de Metris. Neulich klagte Jemand, der selbst sehr gute Hexameter macht, bitterlich darüber, daß Hrn. Hermans Buch so schwer zu verstehen sey. Aber du lieber Himmel, wofür ist denn ein Mann, wie Herman, Professor, wenn er nicht die Kunst verstände, den Leuten das Leben ein bischen sauer zu machen? Die jungen Leute möchten jetzt gleich Alles gern durch einen Trichter haben: das geht doch nicht. Sie bedenken dabei wenig, daß das Kopfbrechen mit zum Handwerk gehört, und eben erst den echten und wahren Gelehrten macht. Ein Mann, der selbst lange Zeit Professor war, hat nachfolgenden §. aus einer alten Feuerordnung, scientifisch bearbeitet. Ursprünglich lautet er so: Wenn ein Haus brennt: so muß man vor allen Dingen die beiden Wände der ihm zunächst liegenden Häuser löschen, damit das Feuer nicht weiter um sich greift. Das ist allerdings plan und jedem Feuerknecht verständlich; aber wie soll ich sagen? doch nicht tief, nicht scientistisch genug! Soll daher in diese alte Feuerordnung eine rechte, das heißt systematische Ordnung kommen: so muß sie wenigstene so lauten: „Wenn ein Haus brennt: so muß man vor allen Dingen die rechte Wand, des zur Linken stehenden Hauses, und hingegen die linke Wand des zur Rechten stehenden Hauses zu decken suchen. Denn da das Feuer der rechten Wand zur Linken, und der linken Wand zur Rechten liegt, (denn wir haben ja angenommen, daß das Haus dem Feuer zur Linken liege), so liegt die rechte Wand dem Feuer näher, als die linke, und die rechte Wand des Hauses könnte abbrennen, wenn sie nicht gedeckt würde, ehe das Feuer an die linke, die gedeckt wird, käme; folglich könnte etwas abbrennen, das man nicht deckt, und zwar eher, als etwas anders abbrennen würde; auch wenn man es nicht deckte; folglich muß man dieses lassen, und jenes decken. Um sich die Sache zu imprimieren, darf man nur merken, wenn das Haus dem Feuer zur Rechten liegt, so ist es die linke Wand, und liegt das Haus zur Linken, so ist es die rechte Wand." Q. e. d. – Wer erkennt hier nicht sogleich den gründlich deutschen, noch immer auf so vielen Kathedern, und in so vielen Kompendienbüchern üblichen Kanzlei- und Kollegienstil? Es erinnert uns derselbe an ein zweites köstliches Fragment, einen Liebesbrief von Rüpel, den wir einst auf dem Wiener Theater zu hören das Vergnügen hatten. Liebste Ursel – denn an diese lautet die Adresse – so fängt er sich an:

"Daß ich durch deine Person – wegen der Hochzeit – von dem Glück – aus der Freud' – in die Konsolazion – durch die Betrübniß – mittelst der Umständ – wegen der Lieb – außer dem Zufall – hinter dem Neid – in die Ersprießlichkeit – während der Heirath – Du wirst mich verstanden haben."
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Ein protestantischer Landgeistlicher verbat sich bei einem Wiener Kellner, der ihm auf die dort gewöhnliche Art mit einem: „was schaffen's 'r Gnaden? Schaffen's ä Supp? schaffen's ä Wein? schaffen's ä Fisch?" anredete, erschrocken die Beilegung eines Prädikats, das, wie sich der bescheidene Mann, in höchst liebenswürdiger Einfalt ausdrückte, zwar Gott dem allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde, aber keinem, armen protestantischen Landgeistlichen, mit 150 Thaler jährlichem Gehalt, zukomme.