1806. No. I

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.

Mittwoch, den 1. Januar.

Zeitgeschichte.
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Schreiben aus Elysium vom 28. Dec. 1805.
Einnahme von Ulm. General Mack. Systemgeist der Deutschen. Doktor Swifts Urtheil darüber.

Auch hier in Elysium hat die Einnahme von Ulm eine große Sensation erregt; denn sie sollen wissen, wir haben hier die Zeitungsnachrichten fast eben so früh, wo nicht noch früher, als in den meisten Gegenden von Deutschland. Und das aus dem Munde der glaubwürdigsten Zeugen; nämlich der Todten selbst, die in den verschiedenen Affairen vor dem Feinde geblieben sind.
Besonders ist der General Mack, mit seinen auf dem Papier so schön entworfenen Planen der Gegenstand des allgemeinen Gespräches. Der alte Swift, der auch noch in der Unterwelt viel auf Politik hält, so wie er im Leben, durch seine Vorliebe für dieselbe bekannt war, machte bei der Gelegenheit allerlei sarkastische Bemerkungen, von denen ich Ihnen doch einige mittheilen will. Nirgend, fing er an, ist das Planmachen mehr üblich, als in die Deutschland. In keinem Lande der Welt sind z. B. über Erziehung, gute Kinderzucht und dergleichen so viel Bücher geschrieben worden, als in den letzten 10 Jahren in Deutschland; nie sind indeß die Zuchthäuser dort bevölkerter gewesen, als in eben dieser Periode. – In keinem Lande von der Welt sind über Finanzen, Fruchtsperren, Verbesserung des Feldbau's und der Viehzucht, so viele gründliche, gemeinnützigspraktische, und systematisch-ökonomische Vorschläge gethan, als in den letzten 10 Jahren in Deutschland: nie sind indeß dort Menschen und Vieh dem Verhungern näher gewesen, als in eben dieser Periode. In keinem Lande von der Welt ist zuletzt das neuere Kriegssystem so ausführlich, so unpartheiisch, so tief und so vernünftig erläutert worden, als in den letzten 10 Jahren in Deutschland; nie sind indeß größere Armeen von einem indisciplinirten Feinde, öfter geschlagen worden, als in Deutschland, in eben dieser Periode. Herder, der dabei stand, verzog Anfangs keine Miene: nachher aber sagte er zu dem alten Dechanten, indem er ihm lächelnd die Hand drückte: So ist es, wir sind die Schulmeister des Universums, und ich muß ihnen Recht geben.

An die Deutschen.
Spottet ja nicht des Kindes, wenn es mit Peitsch' und Sporn,
Auf dem Rosse von Holz, muthig und groß sich dünkt;
Denn ihr Deutschen, auch ihr seyd
Thatenarm und periodenreich:
Oder kömmt, wie der Strahl aus dem Gewölke bricht, {2}

Aus Gedanken die That? Leben die Bücher bald?
O ihr Lieben, so nehmt mich,
Daß ich büße die Lästerung.
H.

An einen berühmten deutschen Notenschreiber.
Könnt' je die Redekunst die Welt erretten:
So stünd es gut um Deutschland, G … sey Dank:
Denn dieser, wo nicht Gott, errettete
Uns aus der Noth mit diplomat'schen Noten.
F.

Zweites Schreiben aus Elysium.
Englische Literatur Nelsons Tod
Auch der große Milton ist von dem durch Lord Nelson bei Trafalgar erfochtenen Sieg ganz bezaubert und eingenommen. Er freute sich, als er von Klopstock, mit dem der unsterbliche Britte auf dem vertraulichsten Fuß steht, die Nachricht hörte – daß in St. James Chronicle, in einem Aufsatz über Nelson, eine Stelle aus seinem Samson Agonistes, eine Anwendung erhalten, die die gegenwärtige Stimmung des englischen Volk's auf das vollkommenste ausdrücke. Hier sind einige Verse davon, zugleich mit den Versuch einer Uebersetzung.

Komm, komm! Denn nicht zu müß'ger Wehklag' ist jetzt Zeit!
Verdient solch hoher Heldenfall, daß man ihm trauert?
Um Höheres hat sich der Held geopfert.
Groß, wie er endete und ewig ruhmvoll
Ersättigt todt ihn Rach' am Feind; er läßt
Ihm Jahre Grams und Kummers zum Vermächtniß;
Doch seines Vaters Haus ein Erbtheil ew'ges Ruhm's: Kniesinkens, Händeringens ist hier nicht der Ort:
Hier seh' ich nichts von Furcht, von Leid, Wehklage,
Von Schlagen an die Brust, Kleinmüthigkeit,
Entwürdigung, Schmach; – Alles schön und wohlgethan!
Versuchs der stolzvermeßne Feind in seinem Hochmuth;
Viel eher wird dem angelfesten Himmel
Er einen Stern, als dieses Todten Lorbeer Uns entreißen!"

Berlin. Bei Johann Friedrich Unger. Rom.
Elegie von August Wilhelm Schlegel. 1805.
Dieses Gedicht ist eine Frucht des Aufenthalts, den der berühmte Verfasser, in Gesellschaft einer der geistreichsten Frauen unsers Jahrhunderts, der Frau von Stael, kürzlich in Rom gemacht hat. Der Gattung nach, gehört es zu den didaktischen Elegien; ein Feld, auf welchem August Schlegel sich auch schon sonst mit Ruhm hervor gethan, und wo noch viele Lorbeeren für ihn zu erndten sind.
Rom, was ist, was es war, seine Größe, sein Verfall, mit einem Wort die heiligsten Trümmer der Vorwelt – dies ist der Gegenstand, der den Kopf unsers Dichters zum Nachdenken erweckt, und mehr diesem, als seinem Gemüth, die erste, poetische Anregung gab. Die erste Periode der Kraft, in welcher Rom zu jener furchtbaren Geburt der Zeiten gedieh, die bestimmt war, der Welt Gesetze vorzuschreiben; die zweite, wo der Verfall der Sitten zugleich mit der Verschlimmerung in der öffentlichen Verwaltung anhub: so wie die dritte, in welcher es zum Theil noch ist, und wo jener Zustand von Dingen immer mehr zur Entwickelung kam, der, wie sich ein geistreicher Beobachter darüber ausdrückt, ganz dazu gemacht scheint, die Ueberzeugung in Uns zu befestigen: daß ein einz'ger Schatte, der aus diesen Ruinen aufsteigt, mehr werth ist, als die ganze gegenwärtige Generation: alle diese drei Perioden sind von dem Verfasser zu sehr guten Kontrasten auseinandergesetzt und vortrefflich benutzt worden. Zuerst die rohe Einfalt und Größe, wie man sie bei den ersten Stiftern Roms antrifft. Diese schildert unser Dichter in einer Reihe wohlklingender und kraftvoller Distichen, von denen wir hier einige ausheben:

„Bald nun erschienen der Decier Muth, und die Beile des Brutus,
Häupter vom Pflug oft her, oder vom Heerde geholt,
Kamen, erretteten, siegten, vernichteten, oder bezähmten,
Und dann kehrten sie heim still zu dem Rindergespann.“

Von der Ausartung der Sitten heißt es S. 10.

„Feil ist Allen der Staat: dir Crassus um Sand des Paktolus;
Stolz will schaltende Macht, Spiele der Pöbel und Brot
Scaurus und Fabius heißt ihr, wie sonst: doch erröthen der Ahnen
Bilder im Vorsaal Euch – “

Und nicht minder pikant, wiewohl keinesweges zu einem schmeichelhaften Effekt, sind von der Hand des Dichters zu dem Bilde der Gegenwart die Farben gerieben worden.

„Wie sein selber zu spotten, hinunter gezogen in's Marsfeld,
Drängt sich zu engem Verkehr bleiches und ärmliches Volk:
Was auch möge geschehn; ein geduldig erwartender Haufe;
Bettler der Vorzeit stets, Bettler des Tages zugleich.
Tränkte Agrippa sie nicht mit dem Thau jungfräulicher Quelle,
Auf Schwibbögen heran, luftige Wege geführt,
Möchten sie wohl hinschmachten im Durst des versengenden Hundssterns,
Oder sie schöpften ihr Naß lau im umsümpfenden Schilf. {3}

Und weiter unten:

– – – – – „Gewesen
Ist Roms Wahlspruch, nennt, welches Bestreben ihr wollt.
Gähnend entschleichet die Zeit, als hätte sie nichts zu erwarten:
Stets dreht Oknus am Seil, stets von dem Esel zernagt.“

Gegen den Schluß sind die Lichter von etwas finstern und schwermüthigen Auftrag, so daß der elegische Eindruck über den Untergang Roms, noch durch den Untergang der Welt, in der Erinnerung des Dichters, eine Verstärkung erhält.

„Altert die Welt? und indeß wir Spätlinge träumen, entlöst sich
Ihr hinfälliger Bau schon in lethäisches Graus?
Mit gleichmüthigem Sinne der Dinge Beschluß zu erwarten,
Kein unwürdiger Ort wäre die ewige Stadt.
Also sank ich am Fuße von Cestius Denkpyramide,
Weil allmählig ihr Schatt' unter den Gräbern verschwomm.“

Was das Sylbenmaß betrifft: so ist dieses, wie Solches von Herrn Schlegel zu erwarten stand, meisterhaft und überall mit großer Einsicht, Praktik und Tongewalt behandelt worden. Pracht und Majestät, weichflüßige und vollströmende Wortfüße wechseln, in einer für das Ohr angenehmen Fülle, und bilden so, im angemessensten Wohlklang, eine Reihe von Hexametern und Pentametern, die für eine höhere musikalische Begleitung fast nichts zu wünschen übrig lassen. Nicht selten versucht der Verfasser, auf Vossische Art, nach dem Beispiel der Griechen, den flüchtigen Ruhepunkt im vierten Fuß, nach zwiefacher Abtheilung, welches einen überaus schönen Effekt macht. In reinen Spondäen und deren künstlicher Bildung, da unsere Sprache an echten so arm ist, hat er Voß sogar zu überbieten gesucht. Selten wird bei ihm, wie bei diesem, ein gemeiner Trochäus vorkommen. Noch ist zu loben, daß er nicht nach Art der meisten deutschen Distichendichter, mit zwei Zeilen sein Distichon abschließt, sondern vielmehr, nach dem Beispiel der Griechen, wo es ohne den Sinn zu verwirren geschehen kann, den Verstand seiner Perioden, durch wechselseitiges Uebergreifen, mehr Mal in einander verschränkt. Kurz das kleine Gedicht ist, von Seiten des Metrums, als ein wahrer Canon zu betrachten. Nur hin und wieder sind wir auf Kleinigkeiten gestoßen: wir wollen hier einige derselben namhaft machen. Der Einschnitt im dritten Fuß kömmt zu oft. Diese Monotonie, so wie die zu gleichförmig gehäuften Wortfüße, wo besonders die Flucht vor den Trochäen, hier und da vielleicht eine zu große Anzahl Daktylen, in einem zugleich gemessenen Sprunge herbeiführt, hätte, wie uns dünkt, besser vermieden werden sollen. Vorn im Eingang herein ist vielleicht der mythologische Zierrath, der sonoren Vorzüge wegen, etwas zu üppig gehäuft. Freilich sollte man einen Pentameterausgang, wie der folgende, wohl in jeder neueren europäischen Sprache vergebens suchen.

„Ferner, ein hirtlicher Held Arkadiens, wendet Evander
Sich ansiedelnd hierher; Amphitryoniades
Ward u. s. w.“

Die Versuchung ist wie gesagt, groß: aber die Frage an den Künstler: ob es Recht sey, dem musikalischen Ohr, so wie hier, auf Kosten der höhern Darstellung zu schmeicheln, bleibt darum immer erlaubt. Einen Gebrauch der Zeiten, wie:

„Vieles darum; nie gab's eine gewaltigere"

oder:

„Bildniß' im Vorsal Euch; immer entartetere,"

obgleich Beispiele genug dafür da sind, würden wir doch nur im äußersten Nothfalle gut heißen. Doch das sind mikrologische Kleinigkeiten, unbedeutende Flecken, und die kunstgeübte Hand des Verfassers wird sie leicht bei einer zweiten Ausgabe seines schön geglätteten Kunst-Produkts hinwegwischen.

Schillers Urtheil über Tiecks Minnelieder.
Schiller hatte mitunter sehr sarkastische Einfälle. So wurde einst, bei Gelegenheit der neuen Ausgabe der Minnelieder von Tieck, über das sämmtliche Mobiliar derselben, ein witziges Inventarium aufgenommen. Als Resultat ergab sich: daß weder Tisch noch Stuhl, noch Bett, noch irgend sonst ein löbliches Geräthe, was man nicht gern im Leben entbehren mag, in ihnen anzutreffen sey. An einen ordentlichen und echt poetischen Haushalt war demnach unter diesen Umständen, gar nicht zu denken. Wenn die Sperlinge auf dem Dach, sagte Schiller, je auf den Einfall kommen sollten zu schreiben, oder einen Almanach für Liebe und Freundschaft herauszugeben: so läßt sich zehn gegen eins wetten, er würde ungefähr eben so beschaffen seyn. Welch eine Armuth von Ideen, die diesen Minneliedern zum Grunde liegt! Ein Garten, ein Baum, eine Hecke, ein Wald, und ein Liebchen; ganz Recht! das sind ungefähr die Gegenstände alle, die in dem Kopfe eines Sperlinges Platz haben! Und die Blumen, die duften, und die Früchte die reifen, und ein Zweig, worauf ein Vogel im Sonnenschein sitzt und singt, und der Frühling der kommt, und der Winter, der geht, und nichts, was dableibt – als die Langeweile. {4}

Beckers Taschenbuch. 16ter Jahrgang. 1806.
Unterhaltend wegen seiner großen Mannichfaltigkeit, Der glänzende Saal und die dunkele Grotte, Mährchen von Eberhard. – Halb Mährchen, halb nicht. Sanfter Ton, fließende Erzählung. Wenig Kraft; wenig Phantasie. – Der Kalif und der Schneider, eine Arebeske von Kretschmann. Scherzhaft, oft anziehend. Da die Wunderverrichtungen hier gerade einen Schneider treffen: so verschafft die Erzählung sich dadurch viel Anlaß zu erheiternden, komischen Vorstellungen: diesen possierlichen Wundermann aber nachher auf einmal in den ehrwürdigen Propheten des Landes verwandelt zu sehen, widerstrebt der Phantasie; Ton and Einfälle sind oft etwas spießbürgerlich.  Die hohe Liebe von Becker; zart, aber den rauhen Umgebungen, woran sich die Geschichte anknüpft, nicht genug an gemessen.  Vorlesungen am Silvesterabend von Arthur von Nordstern; schwerfällig.  Gedichte von Julie von Bechtolsheim; schwanken zwischen Trübsinn und Frohsinn, viel liebliche Umgebung und Mahlerei.  M. G. Becker: Sonett, etwas leer, artig am Schluß.  Luise Brachmann; leicht im Versbau, rein und lieblich im Redefall; noch zu viel Trübsinn; in den angeblichen Romanzen ohne alle Erfindung und innere Mannichfaltigkeit.  Bürde, noch in der alten Manier des beständigen Uebergreifens von einem Verse zum andern, in den Gedanken ziemlich treffend.  Elise von der Recke; ein schön rieselndes Bächlein, aber sein Gewässer ist trübe;  Tiedge ruht an seinen Ufern. Gramberg; sanfte, anlockende Gefühle, zart und edel genügsam in Bildern.  Gries; gemüthliche Leichtigkeit.  Haug; Witz, mehr mit ruhigem Verstande, als mit Laune und Phantasie.  Hg; mit willkommener Ueberraschung.  Kretschmann, populär-kraftvoll.  F. A. Kuhn rechtlich, gewöhnlich. v. Kyow; Witz mit Laune, hier aber weniger als sonst.  Langbein; leicht und abwechselnd in den Wendungen, reich in der Zusammenstellung, viel Anschaulichkeit, in unmaßgeblichen Ausdrücken oft zu gesucht, im lüsternen Muthe oft zu sehr den irdischen Boden berührend, unterhaltend auf alle Fälle.  Mac Real Volkslied, mit zu starken Accenten. Mahlmann, kindlich-zart, oft spielend; sein Ständchen ist in dieser Art ganz vorzüglich.  N. M. Ballade? – Kaum eine Anekdote. Nöller: Epigramm, zu umständlich. Nordstern wortreich, nicht geistreich. Pfeffel, angenehme Deutlichkeit, leicht in Wendungen und Einfällen, im Ganzen mehr ruhig und milde, als lebhaft und eingreifend. G. P. Schmidt, etwas Anmuth, aber wenig anziehende Kraft. Klamer Schmidt leicht, öfters matt. Seine Inschrift aber an einen Tanzsaal, die sich anfängt: Wiss' Einhüpfender – stolpert mehr, als daß sie tanzt.  E. S. schlechte Hexameter. Friederike Sch. Poesie für's Haus.  C. Schreiber, schwaches Echo von Schiller, hier weniger als sonst. Ballade nach Oßian in wohlklingenden Versen, aber ganz lyrisch-modern. Schütze, mit Erfindung im Vortrage, nicht ergreifend genug in der Darstellung. Tiedge lieblich in Worten, originell in einzelnen Bildern, aber im Ganzen immer beengend, nie umfassend, nie frei hinschwebend; hier in Abälard und Heloise klagend bis zum Ueberdruß, und doch kein Erguß des Herzens, z. B.

„Noch einmal trank sich in meinem Blute
Jene Wuth der wilden Rache kühl."

Welch eine erkünstelte Vorstellung, welch eine gesuchte Kraft! dafür ist denn eine andere Stelle wieder desto prosaischer:

„Laß dich selbst nicht, nicht den Engel fahren,
Der in dein Gemüth die Stille rief."

Weiße: eine Anekdote, leicht und angenehm erzählt. Winkler, viel Verstand, aber keine freie Regsamkeit der Phantasie.
Zuletzt folgen Räthsel, die als ein Spielwerk für den Verstand schon ihre Liebhaber finden werden. Sie sind für die meisten Leser das, was in den politischen Zeitungen für Frauenzimmer die Todesanzeigen sind; sie greifen gewöhnlich zuerst darnach.
Die diesem Taschenbuch zum Schmuck beigefügten 6 romantischen Kupfer, von Schnorr gezeichnet und von Kohl in Wien zart gestochen, nebst 6 Prospekten von Zingg, nach der Natur gezeichnet, und von Darnstedt gestochen, sind an Kunstgehalt sehr ungleich. Von jenen ersten zeichnet Nr. 3. die Schöne, die mit einem Blumenkorbe vor einem Schaf kniet und es fressen läßt, sich am vortheilhaftesten aus. Die Gruppe ist in der That recht lieblich gedacht. Dafür aber ist Nr. 5. bei dem Tischgebet: „Aller Augen warten auf dich" der Segen der Grazien sichtbar ausgeblieben. Zwar fehlt es den Figuren weder an Ausdruck noch Charakter – aber die Anordnung ist unangenehm. Nr. 2. Der kniende Ritter und die versteinerte Dame sind von gutem Effekt für das Licht, aber, als Gegenstand und in der Idee, völlig intereßlos. Eben so enthält Nr. 6. „Adolphinens Busen klopfte gewaltig" eine gewaltige Zumuthung an die Kunst. Auch glauben wir nicht, daß sich dieselbe für Nr. 4. oder den „guten Morgen, mein lieber Haushahn!" sehr bedanken wird. An den Prospekten von Zingg verdient einzig die Reinlichkeit in der Behandlung gelobt zu werden. Das Titelkupfer, eine verfehlte Allegorie, ist mittelmäßig, wo nicht gar schlecht.