1806  No. 49.

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Mittwoch, den 2. Juli.

Zeitgeschichte.
––––––
Brillen in der Türkey.
Den Levantinern, erzählt Herr Bartholdy, in seinem geistreichen und sehr anziehenden Buch, mißfällt an unserer Kleidung das Enge, Faltenlose. Ueber die knapp anschließenden Beinkleider können sie sich nie genug verwundern. Auch alte Weiber fragten mich verschiedentlich hierüber mit großer Neugierde. Man muß nicht verdrüßlich werden, wenn die Türken zuweilen sehr zudringlich quästioniren, oder wenn man mit ihnen bekannter ist, alles betasten und untersuchen. Sie gestatten den Europäern gern eben diese Freiheit. Einmal, als ich im Bazar zu Smyrna mit einem englischen Vice-Dragon spazierte, war ein alter Türke, vor dessen Bude wir vorbei kamen, so überrascht davon, daß ich beim Gehen die Brille aufbehielt, daß er von seinem Sitze herabsprang, mir nachlief, mich mit Hand fest hielt und mit der andern mir die Brille abnahm, mit einer so gutmüthigen Neugierde, daß ich lachen mußte; dann setzte er sie mir wieder auf, wobei er aus voller Kehle, mich immer starr ansehend, ebenfalls lachte, und immer Gezluck! Gezluck! (Brillen! Brillen!) Allah! ausrief. Er hatte solche Freude darüber, einen jungen Menschen mit Brillen zu sehen, daß er nicht abließ, bis ich in seine Boutique trat, und Kaffee mit ihm trank.

Die Gurken von Smyrna.
Jede Stadt oder Insel schickt dem Sultan ihre Erstlinge an Früchten, wenn sie deren vorzügliche hat. Der Charge d'affaires der Sultanin Mutter schickte vor einigen Jahren seiner Gebieterin Gurken von Smyrna, die noch früher anlangten, als die des Kaisers ihres Sohnes, so daß man ihm schon welche vorzeigen konnte, als er sie damit überraschen wollte. Dies hatte dem unglücklichen Juden beinahe das Leben gekostet. Die Sultanin hatte alle Mühe, seinen Kopf vor dem erzürnten Sohne zu retten.

Mitau, bei Steffenhagen und Sohn: Kuronia, eine Sammlung vaterländischer Gedichte, herausgegeben von Ulrich, Freiherrn von Schlippenbach. 113 S. 1806,
Wenn man das kühnere Aufstreben der Phantasie häufig mit einem Adlerfluge verglichen hat, so kann man den Geist und das Leben dieser Gedichte wohl einen Schwalbensflug nennen, der auf der Oberfläche hinschwebend sehr oft mit den Flügeln das Wasser berührt, und, wenn er {198}

sich in die Luft erhebt, gern Regen verkündigt; denn bei der ungezierten Leichtigkeit, mit der sich die Gedanken in den Versen bewegen, und bei der herrschenden Anspruchslosigkeit, mit der auch der Herausgeber selbst zur Kunst spricht:

Erhaben selbst bei dem Gefühle,
Daß ich dich nicht erreichen kann,
Nimm meiner Leier leichte Spiele,
Als Opfer deiner Größe an.

können diese Gedichte weder den guten Geschmack erzürnen, noch das Gefühl des Schönen entzücken, und wenn die Verfasser genügsame Leser finden, so werden sie auch immer friedlich von ihnen scheiden.
Herr von Schlippenbach besingt mit Höltyschen Gedanken gern die Vergänglichkeit der Dinge, und den Gegensatz von Schmerz und Freude.
Herr Professor Liebau gibt eigene poetische Einfälle, nur zu sparsam und kärglich, in dem Kolorit griechischer Milde.
Herr Musäus liefert Epigramme, die mehr auf sinnlichen Kontrast, als auf Witz berechnet sind, und Lieder voll natürlicher Einfalt, aber wenig Geist.
Herr M - i zeigt in der Unzufriedenheit einige Kraft, ohne sonderliche Schönheit, in der Beruhigung Mattigkeit.
Herr Preuß tritt mit philosophischem Anstrich auf, der aber das Wesen der Poesie selbst nicht durchdrungen hat.
Herr von Sacken erscheint noch am originellesten, nämlich mit einer muntern Laune, die sich mit Glück an das Abstrakte wagt, und wenn seinen beiden ersten Gedichten: Sorge und Laune, und Neigung und Absicht auch die übrigen glichen, dann möchten wir ihn, gegen die der andern, einen fröhlig gleitenden Bach nennen, der mit vielen Trauerweiden an seiner Seite, dieser lachend, spottet.
Herr O. S. hat nur ein Kompliment gedichtet.
Herr Trautvetter ist klangreich und hat artige Einfälle, aber nur wenige.
Herr Trinius steht mit Ernst und Hoheit da, aber die Glorie fehlt ihm, d. h. die Klarheit der geläuterten Kraft, daher er mit Ausdrücken, wie: „der Pläne Bogen spannen; der Traum hat mit dem Leben angebunden, und Gott wird dankbar deine Thräne trinken" von allen am meisten gegen den guten Geschmack verstößt.
Herr Y - Y trifft in seinen Faulenzer-Prätensionen einige komische Züge gut, andere schlecht.
Herr - - B - ist in seinen Epigrammen mehr scherzhaft, als witzig, z. B. wenn er sagt:

An einen Sonderling.
Es lachen viele über dich –
– – Und über alle diese ich
Beneidenswerth winkt dir die Freude zu:
O Glücklicher, wer lacht wohl mehr als du!

Zürich bei H. Geßner. Römische Studien von C. L. Fernow. 1r. Theil 1806, XIV - 450 S in 8.
Der Raum dieser Blätter gestattet von Werken, wie das gegenwärtige, worin mehrere von einander unabhängige Aufsätze sind, keine Auszüge, oder in das Detail einzelner Stellen eingehende Betrachtungen und Urtheile; allein man darf hoffen, die bloße Inhaltsanzeige nebst wenigen hinzuzufügenden Bemerkungen, werde die Liebhaber der Kunst für eine Schrift interessiren, die ihrer Aufmerksamkeit allerdings würdig ist. Den Titel „Römische Studien“ wählte der Verfasser darum, weil das Meiste, was er hier niedergelegt, in Rom entstanden, und Resultat von Forschungen über alte und neuere Kunst ist, die er dort an der Quelle mehrere Jahre hindurch fortgesetzt. Dieser vor kurzem erschienene Band, welchem ein zweiter bald nachfolgen soll, enthält 3 Aufsätze, nämlich No. 1. vom Anfang bis S. 248. „Ueber den Bildhauer Canova und dessen Werke" der Dichterin Friedericke Brun zugeschrieben. No. II. S. 250. bis S. 278. „Ueber die Begeisterung des Künstlers" an den Historienmaler, Herrn Wächter, und No. III. S. 280. bis 450. „Ueber das Kunstschöne" ist an Hrn. Hofrath Hirt in Berlin gerichtet.
No. I. giebt umständliche Rechenschaft, über die Bildungsgeschichte und Arbeiten des berühmten in Rom lebenden Bildhauers, Canova. Schmeichler und unverständige Kunstrichter haben Canova's Werke ohne Maß und Ziel erhoben und den Antiken an die Seite gesetzt; selbst der heilige Vater Pius VII. nannte ihn, mehr gnädig als einsichtsvoll, in einem Bestallungsbrief, den Nebenbuhler des Fidias und Praxiteles. Dergleichen sinnlose Ueberschätzung nun muß nothwendig selbst die wirklichen Verdienste des wackern Künstlers verdächtig machen; und so war es allerdings wohlgetan, Canova's Kunstarbeiten einer so strengen Prüfung zu unterwerfen, als hier vom Herrn Professor Fernow geschehen ist. Er beurtheilt dieselben ohne Nachsicht und rügt daher mancherlei, zum Theil sehr bedeutende Fehler, er kennt aber hingegen auch die wirklichen Verdienste bereitwillig an, welche man ihnen zugestehen muß. Hieraus scheint sich nun zu ergeben, daß bei Canova das Talent für sanfte gefällige Gestalt überhaupt {199}

vorwaltet. Den Marmor behandelt er ungemein zart und streicht, den großen Haufen zu bestechen, seine Bilder zum Theil wachsartig an. Einzelne Theile gelingen ihm oft ungemein schön, hingegen haben seine Erfindungen selten poetischen Werth, gewöhnlich mißglückt ihm der beabsichtigte Charakter, besonders wenn er Heldenfiguren unternimmt, und fast niemals harmoniren die Theile gehörig zum Ganzen.
Da der Aufsatz No. II. einen höchst interessanten Gegenstand behandelt, so geräth man anfänglich in Versuchung, die Sache vollständiger durchgeführt zu wünschen, allein bei näherer Ansicht, heben sich einige Stellen befriedigend hervor, wie z. B. die Leser S. 263. eine der umfassendsten finden werden.
No. III. eigentlich gegen Herrn Hofrath Hirt gerichtet, bestreitet und berichtigt dessen in den Horen (Jahrg. 1797) zuerst aufgestelltes und seitdem bei verschiedenen Gelegenheiten weiter vertheidigtes Prinzip des Charakteristischen, als Hauptursache des Kunstschönen, gründlich, jedoch zugleich mit lobenswürdiger Ruhe und Mäßigung. Unser Verfasser legt endlich S. 447. seine eigene Meinung dar, nach welcher, schöne Darstellung des Ideals, unter charakteristischen Bedingungen, als das Hauptprinzip der alten Kunst muß angesehen werden.
Des Bildhauer Canova's Profil-Bildniß, meisterhaft von Lips gestochen, ist diesem ersten Bande als Titelkupfer vorgesetzt.
M.

An Herrn B. im Reichsanzeiger.
Als Replike auf seinen Vorschlag, in den Mond zu reisen..

Du willst, o B. die kühnen Schiffer reizen
Zu einer Reise nach dem Mond:
Du meinst, sie sollen ihre Bälle heizen,
Damit des Aethers Kälte sie verschont.

O wenn sie doch den kühnen Flug begönnen,
Wie würden manche sich erfreun,
Und eilig zu den Luftumseglern rennen,
Um alsobald im Mond zu seyn;

Ich reiste selbst, mein Fernrohr in der Tasche,
Zu meiner langentbehrten, lieben kleinen Flasche,
Um auch einmal, im Vollmondschein,
So recht von Herzen froh und bei – Vernunft zu seyn.
E. D.

Fortsetzung der Kunstnachrichten aus Rom.
Ein amerikanischer Künstler, Washington Allstone, hat vor kurzem eine Landschaft verfertigt, welche, wegen ihrer Art der Behandlung, sehr merkwürdig ist. Man bemerkt in den Werken Garofalos und vieler alten Meister eine Frischheit und Lebhaftigkeit der Farben, worin ihnen die neuern Werke sehr nachstehen. Washington glaubt jene Manier wieder aufgefunden zu haben. Er hat sie bei seiner Landschaft, und Schick, bei seinem vortrefflichen Porträt der jungen Baronesse von Humboldt, mit sehr vielem Glücke angewandt. Das Geheimniß soll im Lasiren mit Asphalt bestehen. Diese Landschaft, welche ohne Mittelgrund ist (denn ein See füllt die Ebene aus), erhielt durch diese Behandlung eine außerordentlich kräftige Farbenwirkung. Zwei Baumgruppen, deren eine aus geradlinichten, dickbelaubten, dunkelgrünen Bäumen, die andere aus unregelmäßigen, wilden Stämmen auf einem felsichten Grunde besteht, schließen auf beiden Seiten die Aussicht. Das dunkele Grün, das finstere Geklüft haben etwas Großes und zugleich etwas Seltsames. Die Gegend ist am Luzernersee entlehnt. Der Pilatusberg erhebt sich aus dem Wasser, eine kleine Insel schwimmt auf den Wellen, mächtige Schneegebirge schließen die Ferne. Ohne ein vorzügliches Verdienst der Komposition, spricht etwas Großes aus dem Bilde, welches durch die ausfallende Beleuchtung und die äußerste Durchsichtigkeit einer kräftigen Farbengebung gehoben wird. Die Bäume haben etwas Fremdartiges (sie sind sehr grün und flach), und scheinen amerikanische Gewächse, Diana, mit ihren Nimpfen und Hunden, jagt an dem Ufer des Sees. Der Hintergrund fällt ins Graue, die Wolken sind schwer, doch ist der Charakter der Berge gut ausgedrückt und mit Verstand behandelt. Der Baumschlag, der auch etwas schwer ist, hat viel von der Manier des Ruisdahl.
Reizender, und in jeder Hinsicht befriedigender für Kenner und Liebhaber, ist eine Landschaft, die Reinhart vollendet hat. Die große Wahrheit seiner Darstellung, der bestimmte Charakterausdruck jedes Gegenstandes, der heitere Himmel, das saftige, weiche üppige Grün, die schöne, lachende Natur, und seine herrliche Komposition, zeichnen ihn vor allen andern aus. Dieß läßt sich mit Worten zwar andeuten, aber dem Leser davon in Worten ein Bild zu geben, ist unmöglich. Die Landschaft, von der wir sprechen, zeigt rechts im Vorgrunde das felsichte Bette eines Waldstromes, der sich gegen die Mitte des Bildes schäumend durchwindet; an seinem Rande erheben sich zwei nicht große Bäume. Hinter der emporsteigenden Schlucht sieht man zwei hinter einander liegende Hügel, deren einer mit Buchen bewachsen ist, deren Laubfülle so locker und leicht gemalt ist, daß die Luft sich darin zu regen scheint. Daneben öffnet sich die Aussicht auf das Meer, das den fernen Horizont schließt. Links steht ein zerbrochener Baum zwischen Steinmassen. Aus einer grünenden Wiese, von mächtigen Bäumen beschattet, zwischen {200}

welchen man einen kleinen grünlichen Teich erblickt, zieht sich der Weg durch die Schatten rechts nach der Mitte hin. Diese Wiese hat etwas Großes und Feierliches; hinter ihr erheben sich zwei kahle, schroffe Felsenspitzen, mit einer Höhle; hinter den Felsen ziehen sich zwei Berge am Meere hin, sie sind von der Sonne geröthet und von einem leisen Duft umhüllt. Den Mittelgrund füllt eine außerordentlich schöne Baumgruppe aus. Durch den Weg, der durch die Wiese unter den Bäumen nach dem Mittelpunkte des Bildes hinwindet, treibt ein Landmann zwei Stiere. Wie schon Reinhart Thiere malt, ist bekannt. (Die Fortsetzung folgt.)

Miscellen.

Canovas früheste Kunstmodelle, oder dessen Löwen aus Butter. Schon früh äußerte sich in Canova die Kunstanlage und Neigung zum runden Bilden. Einen merkwürdigen Beweis davon gab er in seinem zwölften Jahr, wo er, in der Küche des Nobili Falieri, einen Löwen – von Butter zum Aufsatz für die Tafel desselben modellierte:

„Und erst die Torte, o die war
Der Kochkunst ganzes Wunder –
Was keiner Plastik möglich war,
Das that der Koch jetzunder;
Er präsentierte Trojas Brand,
Und mitten in den Flammen stand
Aeneas – ganz von Butter."

Wer weiß, ob nicht der Geschmack an Löwen, so wie der Sinn für das Weiche und Mürbe, was die Zeit fordert, und wodurch sich Canovas Stil so besonders auszeichnet, seine Eigenthümlichkeit an diesem Modell von Butter zuerst entwickelt hat.
––––––
Diebsorgane des Doktor Gall. Die Engländer spotten jetzt sehr bitter darüber, und wie uns dünkt mit Recht, daß die Deutschen, nach dem haarfeinsten, metaphysischen Aufflug und Spekulationen aller Art, nun plötzlich in die Hände des gröbsten Empirismus zurückfallen. Bei Gelegenheit der angebornen Diebsorgane des Doktor Gall, frägt einer von ihren Kunstrichtern, (wo ich nicht irre im Monthly Magazin): ob die Kinder, die keinen Apfel auf dem Tisch könnten liegen sehn, ohne daß sie Lust kriegten, ihn stehlen zu wollen, etwa auch sämmtlich Diebsorgane besäßen, und ob diese Diebsorgane nur, je nachdem sie Prügel bekämen, wieder zurückträten?
––––––
A voyage round the world, in the Years 1800, in which the Autor visited the principal in the Pacific Oceane. c. by John Turnbull. Hier muß das Diebsorgan in besonders großer Entwicklung seyn; dies beweisen folgende zwei Anekdoten, die uns der Autor aufgezeichnet hat.

Der Fischkessel. Als wir uns im Hafen Port Jakson befanden, kochten einige von unsern Matrosen Fische am Ufer. Alsbald traten auch die Eingebornen des Landes hinzu, und man sah ihnen das Verlangen an, mit dem Inhalt unsers Fischkessels näher bekannt zu werden, das sich in ihren Augen und Gesichtern auf das Lebhafteste auszeichnete. So warteten sie auch nicht lange, denn ihr Appetit mochte groß seyn – sondern die erste Gelegenheit, die sich ihnen darbot, benutzten sie dazu, daß sie die Hände über Hals über Kopf in den Kessel steckten, um sich Jedes einen Fisch hervor zu holen. Wie sie aber fühlten, daß sie sich dabei verbrannt hatten, erhuben sie ein gewaltiges Geschrei, wie die wilden Thiere, und wir sahen sie sämmtlich davon laufen.

Die Königin Edeah von Otaheiti stiehlt den Engländern Schweinfleisch. Doch wie will man Treu und Ehrlichkeit von den Unterthanen erwarten, wenn die Königinnen selbst, wie Herr Turnbull uns erzählt, sich nicht scheuen

„O unerhörte That für ein gekröntes Haupt!"

den Engländern Schweinefleisch zu stehlen? – Hören wir seine Erzählung! Da Ihro Majestät, die Königin von Otaheiti, Edeah genennt, wegen des häufigen Besuchs von Fremden, seit einiger Zeit Mangel von Proviant in ihrer Küche erlitten, so schlossen dieselben mit einigen otaheitischen Jungen, die sich in unsern Diensten befinden, förmlich eine Art Lieferungskontrakt, daß diese nämlich uns das Schweinefleisch stehlen, und es ihr in die herrschaftliche Küche abliefern mußten. Geraume Zeit wußte ich gar nicht, warum mein Vorrath an Schweinefleisch von Tage zu Tage so sichtlich abnahm, bis ich endlich Verdacht schöpfte, und den kleinen Erzspizbuben mit Drohungen ernsthaft zu Leibe ging, wo ich denn herausbrachte, daß ihro Majestät, die Königin von Otaheiti, es sey, die sie zu diesem Diebstahle vermocht hätte. Auch zeigten sie mir eine Oeffnung, die unterwärts ihrem Bettladen herein praktisiert war, und zum Transport der Diebswaaren, zwischen ihnen und Ihro Majestät, zu dienen pflegte.

Hofkavaliere in Otaheiti stehlen Cooks Reisegefährten Schnupftücher. Diese Anekdote habe ich aus dem Munde meines unvergeßlichen Landmanns, des seligen Reinhold Forster selbst, der sie mir, als ich zu Halle studierte, mehrmals erzählte. Gleich bei der ersten sehr zahlreichen Audienz, bei Ihro Majestät, dem König von Otaheiti, wurde ihm ein Schnupftuch gestohlen; bei der zweiten wieder eins; bei der dritten aber hatte er sich dagegen präkaviert, d. h. das Schnupftuch war in die Tasche fest genäht. Als der Hofkavalier, der es ihm stehlen wollte, dies merkte, lachte derselbe; Forster lachte auch; aber da streckte der Hofkavalier, den es verdroß, daß er mit seinem Wunsch nicht zum Ziele kam, vor Aerger die Zunge aus, und bohrte ihm, wie man zu sagen pflegt, einen Grasaffen über den andern. – – Man sieht, ohne unsre Erinnerung, in diesen Inseln muß das Diebsorgan von Doktor Gall in besondrer Entwicklung seyn.