Nro. 244

Morgenblatt
für
gebildete Stände

Montag, 12. Oktober, 1808

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Korrespondenz - Nachrichten.

Weimar, 26 Sept.
Se. Maj. der König von Sachsen paßirte heute früh über Buttstadt nach Langensalza, ebenfalls zum Empfange des Kaisers Napoleon, der in der Nacht vom Montag zum Dienstage in Erfurt erwartet wird. An den Straßen sind in größter Eile Ehrenbogen errichtet. Der Kaiser Alexander bleibt Montag über in Weimar. Heute um 12 Uhr sah ich ihn, nebst seinem Bruder Konstantin, in Begleitung unsers Erbprinzen nach Belvedere durch den Park reiten. Das Gesicht des Kaisers Alexander ist regelmäßig, von leutseliger, ich möchte sagen, frommer, Zutrauen erweckender Züge; kurz eins von denen, wie es unter deutschen Gesichtsbildungen häufig wiederkehrt. Mit den vorhandenen Portraiten und Büsten hat es auffallende Aehnlichkeit; aber keinem von seinen vorhandenen Büsten und Portraiten völlig gleichend, überraschte mich auf's Neue das Gesicht des Großfürsten Konstantin durch seinen energievollen, ächt nationalen und höchst karakteristischen Ausdruck. Dies Gefühl hatte ich schon, als ich ihn zum ersten Male sah, da noch kein Tag von Austerlitz, keine Nacht von Preußisch Eylau, kein Morgen von Friedland gewesen war. Schon damals kam es mir vor, als bedeckten diese lang hervorgeschossenen, dick aufbiegenden weissen Augenwimper das Gesicht eines Anführers weitentfernter Völkerschaften, irgend eines Herrschers aus dem Oriente, ja hatte ihm mein Hail the Ringof – – aus Macbeth prophetisch zurufen mögen. Alles ist hier übrigens in der heitersten Gemüthsstimmung, und die beunruhigenden, politischen Gerüchte lösen sich nunmehr in ihr gewöhnliches grundloses Nichts auf. Von Oesterreich befürchten wir weniger, als je. Wem Erfurt zufallen soll, darüber herrschen bis jetzt die verschiedensten Hypothesen; so viel ist gewiß, daß der Petersberg jetzt von den Franzosen geräumt wird, und alle militairische Effekten fortgeschafft werden. Heute Abend ist Schauspiel, dem der Kaiser beywohnen will. Es wird die Oper Camilla gegeben; ein Stück, worin Demois. Jagemann und H. Strohmeyer den Triumph ihrer Kunst feyern. Goethe ist wieder vom Carlsbade eingetroffen. Die Frau Großfürstinn wird erwartet. Dem Vernehmen nach ist sie den 15. Sept. von Petersburg abgereist. Ihr Gemahl, der Erbprinz ist, um den Kaiser zu empfangen, etwas früher abgegangen.