1806  No. 29.

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Mittwoch, den 16. April.

Zeitgeschichte
oder
kleine Europäische Gazette.

Aus Paris. Der französische Kaiser hat an einem Tage die Dekrete von 24 neuen Herzögen ausgefertigt.
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Aus Dänemark. Die dänische Regierung läßt in Island eine neue und regelmäßige Stadt bauen, die den Namen Reykwig führen wird. Sie soll am Meeresufer gelegen seyn, und für einen Freihafen erklärt werden. Auch hat man daselbst eine hohe lateinische Schule gestiftet, die bereits in vollem Gange ist. Vielleicht sind wir der Zeit nahe, wo nicht nur Isländisches Moos, sondern auch Isländische Bücher in Umlauf kommen; ja wo es die akademischen Mitbürger von Irkutsk, Lappland Tobolsk, mit den unsrigen an Artigkeit aufnehmen werden.
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Nachrichten von einem jungen Künstler aus Island. – Es fehlt dem Isländer keinesweges an Genie. Wir erinnern uns noch mit Vergnügen der Erzählungen eines jungen Isländers, der jetzt, wo wir nicht irren, in Deutschland nationalisiert, sich in Braunschweig, in der Fabrik des Herrn Staubwassers aufhält: wunderbar und märchenhaft erklangen die Nachrichten aus seinem Munde, besonders wenn er erzählte: wie er auf der Flucht aus den ewigen Schneefeldern Islands, über einen hohen, hohen Berg nach Europa geklettert – wie die dicken, schneeschweren Wolken mit einem Brete vor sich weggestoßen: wie beim Üeberfall von Orkanen im freien Feld, seine Landsleute, die Isländer, sich oft an einen Baum bänden, und dennoch zuweilen von der Wuth dieses Naturphänomens in Stücken, ja zusammt dem Baum aus der Erde gerissen, und in die Luft fortgeführt würden. Der Name dieses jungen Künstlers war Hialdalin. Er hielt sich auch einige Zeit zu Dresden auf, und besuchte fleißig die Gallerie, wo ihn die dunkele, nebelhafte Manier des Ruisdael ganz besonders anzog. Bei dem zweiten Herrn Gallerie-Inspektor Pechwell sah ich einige von ihm verfertigte kleine Landschaften, die, obgleich ihnen die Perspektive fehlte, dennoch von einem schönen Naturell zeigten, und deren dunkeler schwermüthiger Ton und Haltung, das Klima ihres Urhebers nicht verläugnen konnte.

Die Christ metten,
oder
die Mutter mit dem Christkinde, von Schleyermacher.
Wäre Alles in Herrn P. Schleyermachers Weihnachtsabend, woraus dieß schöne Fragment entlehnt ist, so treu, fromm und aus den Tiefen eines echt religiösen Gemüthes, gebildet worden, wie die nachfolgende Fiktion: so würde von einer Kritik desselben im Tartarus wohl schwerlich die Rede seyn.
D. Red.

Damals, nämlich in der Zeit meiner Kindheit, wurden noch in den späten Abendstunden die sogenannten Christ- {118}

metten gehalten, und bis gegen Mitternacht unter abwechselnden Gesängen und Reden, vor einer unstäten und nicht eben andächtigen Versammlung, fortgesetzt. Nach einigen Bedenklichkeiten, durfte ich wohlbegleitet mit dem Kammermädchen der Mutter, zur Kirche fahren. Ich weiß mich nicht leicht einer so gelinden Witterung um diese Zeit zu erinnern, als damals. Der Himmel war klar, und doch der Abend fast lau. In der Gegend des fast schon verlöschenden Christmarktes, trieben sich große Schaaren von Knaben umher mit den letzten Pfeifen, Guckguken und Schnurren, die um einen wohlfeilen Preis losgeschlagen wurden, und liefen lärmend auf den Wegen zu den verschiedenen Kirchen hin und her. Erst ganz in der Nähe vernahm man die Orgel, und wenige unordentlich begleitende Stimmen von Kindern und Alten. Ungeachtet eines ziemlichen Aufwandes von Lampen und Kerzen, wollten doch die dunklen, altersgrauen Pfeiler und Wände nicht hell werden, und ich konnte nur mit Mühe einzelne Gestalten herausfinden, die nichts erfreuliches hatten. Noch weniger konnte mir der Geistliche mit seiner mißhelligen Stimme einige Theilnahme einflößen; und ich wollte eben ganz unbefriedigt meine Begleiterin bitten zurückzukehren, und sah mich nur noch einmal überall um. Da erblickte ich in einem offenen Stuhl, unter einem schönen Monument, eine Frau mit einem kleinen Kinde auf ihrem Schooß. Sie schien des Predigers, des Gesanges, und alles um sich her wenig zu achten, sondern nur in ihre eigenen Gedanken tief versenkt zu seyn, und ihre Augen waren unverwandt auf das Kind gerichtet. Es zog mich unwiderstehlich zu ihr, und meine Begleiterin mußte mich hinführen. Hier hatte ich nun auf einmal das Heiligthum gefunden, das ich so lange vergeblich gesucht. Ich stand vor der edelsten Bildung, die ich je gesehn. Einfach gekleidet war die Frau, ihr vornehmer großer Anstand machte den offnen Stuhl zu einer verschlossenen Kapelle; Niemand hielt sich in der Nähe, und dennoch schien sie auch mich nicht zu bemerken, da ich dicht vor ihr stand. Ihre Miene schien mir bald lächelnd, bald schwermüthig, ihr Athem bald freudig zitternd, bald frohe Seufzer schwer unterdrückend, aber das Bleibende von dem Allen war freundliche Ruhe, liebende Andacht, und herrlich stralte diese aus dem großen. schwarzen niedergesenkten Auge, das mir die Wimpern ganz verdeckt hätten, wenn ich etwas größer gewesen wäre. So schien mir auch das Kind ungemein lieblich, es regte sich lebendig aber still, und schien mir in einem halb unbewußten Gespräch von Liebe und Sehnsucht mit der Mutter begriffen. Nun hatte ich lebendige Gestalten zu den schönen Bildern von Maria und dem Kinde; und ich vertiefte mich so in diese Phantasie, daß ich halb unwillkürlich das Gewand der Frau an mich zog, und sie mit bewegter, sehr bittender Stimme fragte: darf ich wohl dem lieblichen Kinde etwas schenken? und so leerte ich auch schon einige Händchen voll Näschereien, die ich zum Trost in aller etwanigen Noth mitgenommen, auf seine Bedeckungen aus; die Frau sah mich einen Augenblick starr an, zog mich dann freundlich zu sich, küßte meine Stirn und sprach: „O ja, liebe Kleine, heute gibt ja Jedermann, und alles um eines Kindes willen." Ich küßte ihre um meinen Hals gelegte Hand, und ein ausgestrecktes Händchen des Kleinen, und wollte schnell gehn; da sagte sie: warte, ich will dir auch etwas schenken; vielleicht kenne ich dich daran wieder. Sie suchte umher, und zog aus ihren Haaren eine goldne Nadel mit einem grünen Stein, die sie an meinem Mantel befestigte. Ich küßte noch einmal ihr Gewand, und verließ schnell die Kirche mit einem vollen, über Alles seligen Gefühl. Es war Eduards älteste Schwester; die herrliche tragische Gestalt, die mehr als irgend Jemand auf mein Leben und mein inneres Sein gewirkt hat. Sie wurde bald die Freundin und Führerin meiner Jugend, und wiewohl ich nichts als Schmerzen mit ihr zu theilen hatte, zähle ich doch meine Verbindung mit ihr, zu den schönsten und wichtigsten meines Lebens.
Als Ernestine geendet, bog Friedericke, nach einigen fantastischen Gängen, in eine schöne Kirchenmelodie ein. Sophie, die sie errieth, lief hin, um ihre Stimme hinzuzufügen, und sie sangen zusammen die schönen Verse von Novalis:

"Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt;
Doch keins von Allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, daß der Welt Getümmel,
Seitdem mir wie ein Traum verweht,
Und ein unnennbar süßer Himmel,
Mir ewig im Gemüthe steht!"

Probe einer neuen Übersetzung des König Lear,
von Shakespear
(Erscheint zu Ostern, nebst dem Othello in Frohmanns Verlage.)

Vierter Akt.

Gloster.
Ist's nicht der König?

Lear.
Ja, jeder Zoll ein König:
Mein Auge blitzt, und seht, die Knechte zittern!
Dem schenk ich's Leben: was war seine Schuld? – Ehbruch.
Du sollst nicht sterben, nicht um Ehbruch sterben! Nein.
Der Zeisig thut's; die kleine goldne Fliege
Treibt, Wollust mir vor Augen. {119}

Gedeihe Buhlerin! denn Gloster's Bastard
War seinem Vater mehr, als mir die Töchter
Im Ehebett gezeugt.
Nur immerzu, Unzucht, mir fehlts an Kriegern.
Seht jene lächelnde Dame,
Ihr Angesicht weißagt auch Schnee im Busen;
Sie ziert sich tugendlich und dreht das Haupt,
Hört sie die Wollust nennen;
Und doch sind Iltis nicht und hitz'ge Stuten
So geil in ihrer wilden Brunst,
Vom Gürtel nieder sind's Centauren,
Ob schon darüber Weib:
Den Göttern eignen sie nur bis zum Gürtel,

Des bösen Feind's ist alles drunter; dort ist Hölle und Finsternis, Brennen, Sieden, Pestgeruch, Verwesung; – pfui, pfui, pfui! pah, pah! Gib mir eine Unze Ambra, guter Apotheker, um meine Einbildung zu süßen; da hast du Geld,

Gloster.
O! laß mich küssen deine Hand!

Lear.
Erst will ich sie abwischen, sie riecht nach Sterblichkeit..

Gloster.
O du zerstörtes Bild! die große Welt
Wird so in nichts verschwinden. – Kennst du mich?

Lear.
Ich erinnere mich deiner Augen recht wohl.
Liebäugelst du mit mir? Nein, thu dein Aergstes, blinder Kupido; ich will nicht lieben. – Lies diese Ausforderung; sieh nur die Schriftzüge an.

Gloster.
Und wäre jeder Buchstab eine Sonne,
Ich sehe nichts.

Edgar. (bei Seite.)
Ich traute noch dem Ruf nicht,
Doch es ist Wahrheit, und mir bricht das Herz.

Lear.
Lies.

Gloster.
Mit diesen Augenhöhlen?

Lear.
Oho! steht es so mit dir? Keine Augen im Kopf? kein Geld im Beutel? Deine Augen sind in einem schweren Falle, dein Beutel in einem leichten: dennoch siehst du, wie es in der Welt zugeht.

Gloster.
Ich seh' es fühlend.

Lear.
Was? bist du wahnwitzig? Man kann sehen, wie es in der Welt zugeht, auch ohne Augen. Sieh mit deinen Ohren, sieh, wie jener Richter jenen einfältigen Dieb schilt. Höre, ein Wörtchen unter uns: den Platz gewechselt, und die Hand gekehrt, wer ist der Richter? und wer der Dieb? du hast eines Pachters Hund wohl einen Bettler anbellen sehn?

Gloster.
Ja, Herr.

Lear.
Und wie der Schächer vor dem Hunde lief? – Da hättest du das große Bild des Ansehns erblicken können: einem Hunde in Amtsgeschäften gehorcht man. –

Du Schelm von Büttel, halt die blut'ge Hand:
Was geißelst du die Hure? streiche deinen Rücken!
Du brennst vor Wollust, sie zu dem zu brauchen,
Weswegen du sie schlägst. Der Wuchrer hängt den Gauner.
Zerfetzte Kleider zeigen kleine Laster;
Der Pelz verbirgt sie. Legt in Gold die Sünde,
Die starke Lanze der Gerechtigkeit
Bricht harmlos ab; doch kleidet sie in Lumpen,
Und eines Zwergleins Strohhalm dringt hindurch.
Kein Mensch vergeht sich, Keiner sag' ich, Keiner;
Ich schütze sie. Merk dir's, ich habe Macht.
Des Klägers Mund zu schließen. Nimm Glasaugen,
Und stell' dich, wie ein Erzpolitikus,
Als sähst du Dinge, die du gar nicht siehst.

Nun, nun, nun: zieh meine Stiefel ab, stärker, stärker; – So. –

Edgar.
O, wie sich Unverstand mit Wahrheit paart! Vernunft in Raserei!

Lear.
Willst du mein Loos beweinen, nimm mein Auge.
Ich kenne dich ganz wohl: dein Nam' ist Gloster.
Du mußt geduldig seyn; wir kamen weinend an.
Du weißt, wann wir zuerst die Lüfte athmen,
So winseln wir und schrein. – Ich pred'ge dir; gib Achtung.

Gloster.
O Tag des Wehs!

Lear.
Wenn wir geboren werden, wir, daß wir auf diese Narrenbühne treten; – eine gute Kopfründung! es wär‘ eine prächtige Kriegslist, wenn man einen ganzen Pferdetrupp mit Filz beschlagen ließe. – Ich will's probieren; und wenn ich dann meine Schwiegersöhne überrumpelt habe, dann schlagt todt, todt, todt, tode, todt!
V.

Von der Verbindung, die im Universum zwischen Plastik und Musik herrscht.
Der erste Laut, den die Natur träumend von sich gibt, ist Musik. Still ist das Pflanzen- und Blumenreich: weiter herunter liegt es noch tiefer bewegungslos. Tanz und Musik, die zwei Pole des Universums, sollten in den Vögeln gleichsam die Freude der Blumen, vom Boden losgekommen zu seyn, ausdrücken: bis zum Schrey animalischer Beschränkungen, trägt Alles das Gepräge eines eigenen besondern Charakters. Und diese armen, mondwandelnden Gestalten:

„O Mutter, sag mir an,
Warum du dieß gethan,
Warum verhörnt, versteint, {120}

Verholzt, verpelzt erscheint
Der Götterfunken?"

Wir träumen – und daß wir einander, in frommem Kinderglauben, diese Träume erzählen und den Weltgeist ahnden, ist ja eben die Religion. Man kann von derselben bis zur Anbetung durchdrungen seyn, ohne darum den alten, faltenreichen Priesterrock, den sie sich jetzt so gern anlegen möchte, auch nur um eine Falte lieber zu haben.

Verzierungen aus dem Alterthume, bearbeitet und herausgegeben von F. Bußler, Königl. Preußischem Hofstaats-Sekretär. in 4.
Dieses Werk ist allen Künstlern zu empfehlen, welche Ornamente zu verfertigen haben; Maler, Schnitzer, Goldschmiede, Schlosser, und Arbeiter in Bronze, auch Sticker und Posamentirer werden dasselbe mit Nutzen durchsehen, und sich der schönen darin enthaltenen Zierathen vielfältig zu ihrem Vortheile bedienen können.
Es erscheint heftweise, jeder Heft hat 6 Kupfertafeln, und ist mit einer kurzen Anzeige versehen, woher die dargestellten Verzierungen genommen sind.

Nachschrift
Außerordentlich schön und sinnreich, der Idee nach, ist ein Stück, angeblich aus Dalmatien. Es enthält eine frölige Gruppirung von Vögeln und Trauben, die sich die Vögel schmecken lassen. Alles geht hier so lustig und bunt unter und durch einander, daß man nicht weiß, wo die Trauben anfangen, und die Vögel aufhören. So reizend, so sinnverwirrend, so arabeskenartig und märchenhaft erzählt, und doch zugleich so lichtvoll, so heiter in der Anordnung, deutet Alles auf einen früheren Stil des Alterthums, in seinem immer noch anmuthigen Uebergang zum Mittelalter.
D. Red.

In Aeten.
(Webigt.)
Silvulam prope Wimariam sitam.

Salve grande decus nemorum, salve aurea Silva,
Quae tibi conveniens nomen Aetis habes!
Namque alibi calido cum fervet terra sub aestu,
Blanda tibi tremulas ventilat aura comas.
Dulce refrigerium Nymphis, domus inclyta Musis
Aonidum semper digna videre choros.
Cui circumfuso plaudunt curvamine valles,
Cui semper virides optat Apollo comas
Lene fluens Ilmus gemmantes radit arenas,
Et placido nitidas murmure volvit aquas.
Multa virens arbor ripas complexa, decoras
Alituum praebet castra sonora choris!
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Miscellen.

Versuch einer neuen Nationalschädellehre, nach Doktor Gallischen Principien.
Juden.
Wir bekümmern uns hier wenig um Blumenbach: statt dessen setzen wir mit Doktor Gall fest: daß bei den Juden nothwendig das Zahlenorgan, so wie das Organ des Geschlechtstriebes, zu alten Zeiten das stärkste muß gewesen seyn. Schon König David, aus reiner Lust an der Zahl, ließ das Volk zählen: König Salomo besaß unzählige Kebsweiber. Noch bis auf den heutigen Tag, ist ein Wechselnegoz, besonders wobei viel gezählt wird, das einem Juden willkommenste Geschäft. Der Segen Abrahams, im alten, wie im neuen Testament, ist denn auch nicht ausgeblieben. Dieß beweist unter andern besonders der Sand am Meer zu Wien, Prag, München, Berlin, Potsdam u. s. w. Uebrigens wird, wiewohl mit Unrecht, dieser Sand zuweilen für Ballast gehalten, daher denn der Jude noch hier und da mit einem Leibzoll belegt ist. Ja der Gallischen Schädelkollektion könnte man einen Kopf, bei dem das Zahlenorgan so stark entwickelt ist, daß daneben kein anderes aufkommen kann, etwa durch eine O (Null) bezeichnen: in der guten Gesellschaft aber, und der Höflichkeit wegen, einen Solchen immer Herr N. N. heißen.

Franzosen.
An diesem Nationalkopf, bemerken wir, wie an dem des Fuchses, vorzüglich die Linie der List und Schlauheit, die quer von den Schläfen zum Auge herüber läuft. Nach Doktor Gall ist sie es eben, die diese Nation zu Erfindungen aller Art so geschickt macht. Die Industrie, die Manufakturen, der Fortschritt in Künsten und Wissenschaften, alles das ist ihr Werk. Wo sie indeß – wie denn dieß bei einigen französischen Kommissairen im vorletzten Revolutionskriege wirklich der Fall gewesen seyn soll, zu sehr in's Große läuft: verliert sie sich auch wohl zuweilen – in die Diebslinie. In der Gallischen Schädelkollektion könnte man, wo dieser Fall eintritt, einen solchen Menschen etwa durch –  einen ooooooo (Strick) bezeichnen: in der guten Gesellschaft aber, und der Höflichkeit wegen, ihn nach wie vor, Monsieur St. St. (Sanctus Sanctorum) heißen.

Italiäner.
Herr Doktor Gall hat einen Schädel des Raphael, aus Rom, den er auch überall im Abguß mit sich herum führt. An ihm zeigt sich besonders das Kunstorgan in großer Entwickelung. Seit Tizian und Tintoretto aber ist auch von dieser Seite mit den Schädeln der Italiänischen Nation eine große Veränderung vorgegangen. Das Farbenorgan hat sich nämlich in den meisten von ihnen so stark entwickelt, daß die Idee und die richtige Zeichnung, die dem Raphael so viel galt, daneben gar nicht mehr recht aufkommen kann. In der Gallischen Schädelkollektion, könnte man demnach jeden Kopf eines solchen Malers etwa – durch einen (Pinsel) bezeichnen: in der guten Gesellschaft aber, und der Höflichkeit wegen, ihn nach, wie vor, Herr P. P. heißen.
(Die Fortsetzung folgt im Tartarus.)