1806  No. 32.

Elysium und Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Sonntag, den 23. April.

Zeitgeschichte.
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Sonnenbergs Tod.
Voll das Herz von heiliger Dichtergluth, wie Klopstock, von Gott und Vaterland, stürzte sich dieser junge, feurige Jüngling, nach den ewig beweinenswerthen Vorfällen bei Ulm, in einem Anfall schwermüthigen Tiefsinns, der bis zu einer völligen Geisteszerrüttung bei ihm gestiegen war, zu Jena aus dem Fenster. In jeder andern Zeit – wer zweifelt daran – der Sonnenbergs Auferstehungstag Deutschlands gelesen hat? –  hätte sich dieser neue, muthathmende Tyrtäus kühn und unerschrocken in die Schwerter der Feinde gestürzt, die er jetzt mit stolzem Gesange schlug: – aber als Sonnenberg geboren wurde, hatten wir Deutsche kein Vaterland mehr. Und doch

„Glüht mein Herz dir, o Vaterland!
Dich läugnet laut und ernst zwar der Mitwelt Geist,
Du aber warst und bist, und wirst seyn,
Vaterland Hermanns." –

So sang Sonnenberg. Sein Lied ist verklungen: sein Geist ist unter Uns.

Das Vöglein
oder
Sonnenbergs Schwanengesang.

Es fliegt ein Vöglein über Tyrol:
Man sieht es nicht, doch hört man's wohl:
Es singt, das gefällt mir nicht allzu wohl
Tempi passati!

Es fliegt ein Vöglein über die Schweiz,
Das singt mit allverlockendem Reiz:
Lieben Eidgenossen allerseits
Tempi passati!

Die Jäger in Schweis und in Tyrol,
Sie trafen das Vöglein nicht allzu wohl,
Sagt'n braven Jäger, wo find' ich ihn wohl?
Tempi passati!

Da ging ich zu Bernhard in Sachsenland:
Herr Bernhardt ist dir kein Jäger bekannt?
Ich frug ihn – doch hat er mir Keinen genennt:
Tempi passati!

Und soll mein Suchen verloren denn seyn:
So nimm mich in deine Gruft mit ein:
So mag ich auch länger am Leben nicht seyn:
Tempi passati!

Blicke in den Meßkatalogus des Jahrs 1806.
Wenn sich in Griechenland sieben bis acht Städte um den Homer zanken: so sehen wir in Deutschland jetzt {130}

sieben bis acht Städte, die sich die Ehre das beste Kochbuch heraus zu geben, streitig machen. Eine Dresdner Mundart besaßen wir schon: jetzt haben wir denn auch einen Dresdner Mundkoch erhalten. Dieser Meßkatalogus prangt also mit 7 Kochbüchern. Magdeburg liefert zwar kein Kochbuch; aber dafür, was eben so gut ist, eine Kunst zu tranchieren – wenn man nämlich was hat – bei Kreuz. –
Diätetiken aller Art scheinen an der Tagesordnung zu seyn, was bei dem Ueberfluß von Kochbüchern denn auch freilich kein Wunder ist. Herr Doktor Kilian hat sogar eine Diätetik für Tabaksraucher geliefert.
Der Kuß in seinen Wirkungen ist schon vor 4 oder 5 Jahren im Publikum gewesen – und es scheint – nach dem heurigen Meßkatalogus zu schließen – daß seine Wirkungen noch so bald nicht aufhören sollen. Für diesmal hat ihn Herr Joachim zu Leipzig in Kommission genommen – kostet 10 oder 15 Groschen; gewiß ein Vergnügen, das man sich um diesen Preis nicht wohlfeiler verschaffen kann.
Erscheinungen nach dem Tode, die seit Wözels Hannchen immer mehr Mode wurden, nehmen sichtlich ab: weder Erscheinungen meiner Katze, noch meines Pudels nach ihrem Tode: dafür Erscheinungen, „der weißen Nonne, des Petermännchens von Spieß" u. s. w. wieder bei Herrn Joachim zu Leipzig in Kommission.
Geschenke für's Publikum gibt's wenige – ein Paar Toilettengeschenke ausgenommen. Statt dessen macht der Artikel Kunst, in Deutschland, immer größeren Fortschritt. – Sogar die Bibliothek der schönen Wissenschaften ist mit dem 72. Band geschlossen, und auch aus ihr eine Bibliothek der schönen Redekünste geworden. Außerdem bekommt man

„Eine Kunst zu stricken,
dito eine –  zu bleichen,
dito eine –  in Kupfer zu stechen,
dito eine –  selig zu leben, und zuletzt auch
dito eine –  unselig zu schreiben,"

oder die Kunst des schriftlichen Umgangs, die Hr. Joachim in Leipzig ebenfalls, wo wir nicht irren, in Kommission genommen hat.
Noch gibt es acht bis neun Funken im diesjährigen Meßkatalogus, und unter diesen allen doch vielleicht keinen einzigen Himmelsfunken!
Als Zeichen der Zeit und der harmonisch fortschreitenden Ausbildung junger deutscher Köpfe, nach Pestalozzischer Erziehungsmethode, durch Zahlen, Winkel und Dreiecke, verdienen Arendts Uebungen im Kopfrechnen und Bauers Kopfrechnungsspiel hier noch besonders erwähnt zu werden.
Pitt, Nelson, Schiller beschäftigen noch immer die Federn schreiblustiger Autoren: mitten unter diesen Biographen ist der Verfasser des Lebenslaufes einer Meklenburgischen Stute (Posen bei Kühn) denn auch wieder aufs Neue aufgetreten.
Da unser Gedächtniß dermalen so schwach, und der deutschen Thaten täglich so viel werden, so ist es recht gut, daß Herr v. Aretin, oder einer seiner Nachfolger, uns über Nürnberg jetzt mit einer Mnemonik oder Gedächtnißkunst zu Hülfe kommt.
Den Uebergang, vom Nützlichen zur Schönen und Angenehmen, womit wir uns in Zukunft beschäftigen werden, bildet die zu Leipzig herausgekommene Fockische Buttermaschine.
(Die Fortsetzung folgt.)

Auferbauliche Betrachtungen über die Holzschnitte auf dem Titelblatte des Kalenders zu Saalfeld.
Wir können aus diesem, uns eingeschickten humoristischen, witzigen Produkt, hier nur ein Paar Proben ausheben: versichern aber das Publikum: daß das Ganze, wegen seiner in die Thorheiten der Zeit tief eingreifenden Darstellung, höchst lesenswerth ist.
D. Red.

Erziehung für den Staat,
oder
wie soll ein künftiger Pfarrer in unsern Zeiten erzogen werden?
Ich muß hier meinen Lesern beiläufig sagen, daß auch ich einen Knaben habe, welchen ich, dem hier Gesagten und weitläuftig Erörterten zum Trotz, doch Theologie studieren zu lassen, gesonnen bin; aus dem Grunde, weil die Modehandwerker: Kaufmannschaft, Oekonomie, Finanz- und Kameralfach, denen die mehresten zeither sich gewidmet haben, und zwar in der Hoffnung, ein Peru und Mexiko bei ihnen zu finden, zu der Zeit, wo mein Bube sein Brod selbst wird verdienen müssen, lange so besetzt – ja übersetzt seyn werden, daß viele derselben ins Land des gelben Fiebers werden haben auswandern müssen, um baldigst, ohne Selbstmord, die ewige Versorgung zu erhalten.
Hingegen Theologie will, wegen des schlechten Einkommens [Man vergleiche Frankreich, wo trotz aller mit dem Pabst geschlossenen Konkordate, es dennoch jetzt mit den theologischen Studium nicht so recht fort will, und den Zeitungen zufolge, bald mehr Priester, als Kirchen seyn werden.] – der Aufopferungen – des Nichtgeach- {131}

tetseyns, und weil in diesem Stande denn doch die, von den Meisten jetzt so sehr verachteten, eigentlich gelehrten Kenntnisse, nämlich klassische Literatur, oder Humaniora, einigermaßen wenigstens, erlernt werden müssen, niemand mehr studieren, und es ist, ohne Wahrsagergeist, vorauszusehen, daß in 10 Jahren gänzlicher Mangel an solchen Subjekten seyn wird, wo sie denn auch, der Seltenheit wegen, wieder geachtet seyn werden.
Aber ich werde meinen Buben auch dazu eine besondere Erziehung geben. Vor der Hand und zur Vorbereitung lasse ich ihn barfuß, und, so viel nur die Sittlichkeit erlaubt, entblößt gehen, nicht deswegen, damit er, wie Doktor Faust will, in seinem zukünftigen Ehebette, als ein rechter Held erscheine, oder gar, als Kandidat und Informator, bei seiner gnädigen Prinzipalschaft Ehre einlege, sondern deßwegen, damit er sich zu den zukünftigen Filialswegen (welche hinfort, statt auf eine vernünftigere Art vermindert zu werden, gar leicht noch vermehrt werden möchten, weil es theils an Predigtamts-Kandidaten fehlen wird, theils aber auch die Staaten, durch ihre verderblichen Vakatur-Kassen, und einstweiligen Vicarii, die geistlichen Aemter etwas wohlfeiler und nachläßiger werden, verwalten lassen), und wobei, wenn auch Feuer und Wasser in Strömen von Himmel fallen sollte, weder bei dem dummen Bauer, noch bei einem heuchlerischen und gleißnerischen Ephorus, Barmherzigkeit, Nachsicht und Menschlichkeit statt findet – eine Nachsicht, die jeder nur etwas humane Mensch gegen seinen Taglöhner hat – weil man glaubt, es habe nicht viel zu bedeuten, wenn ein Pfarrer sterbe, und Wittwe und Waisen im Elend hinterlasse, wenn nur eine Predigt mehr gehalten werde, da ja beides in majorem dei gloriam geschähe – hübsch abhärtet. Perfer, denke ich dabei, wenn ich die Dunkelblauen und von Kälte erstarreten Glieder sehe, perper et obdura, dolor tibi proderit olim!
Unanständiges Schreyen und Blöken ist allen meinen Kindern untersagt, nur ihm nicht, damit er seine Lungenflügel recht stärkt, und von vielen Reden sein Nervensystem nicht zu sehr angegriffen wird, weil der Bauer die Güte einer Predigt gewöhnlich nach Ellen, und nach dem Kaliber des aufgerissenen Mundes, aus dem sie hervorkömmt, zu berechnen pflegt.
Seinen Verstand übe ich daher gar nicht, wohl aber seine Gedächtnißkraft [Gut! Versteht sich, nebst dem Zahlengedächtniß, das eben darum auch jetzt bei Pestalozzi, dem ganz spekulativen Geist des Zeitalters gemäß, eine so große Rolle spielt. Das Kopfrechnen ist das Einzige, worin die Schulen der Juden, vor den unsrigen, bis jetzt den Vorzug behaupteten. Dermalen, da Juden und Christen immer mehr nivelliert werden; da der Leibzoll aller Orten abgeschaft wird, ist es billig, daß wir ihnen von dieser Seite ein Paar Schritte entgegen kommen.], so viel nur irgend möglich ist, damit er nicht nur geschickt wird, in einigen Stunden gedruckte Postillen sich zu eigen zu machen, sondern auch irgend ein System zu memorieren, damit sein Ephorus ihn, gegen gute Bezahlung, unter die Sterne der ersten Größe dereinst zählen kann.
Jetzt geschieht diese Uebung, mittelst der Bibel, des Gesangbuchs und Katechismus, damit, wenn es ihm ja einmal beikommen sollte, den liebwerthesten Zuhörern sein eignes Machwerk einst auftischen zu wollen, solches ihm auch leicht werde, und er mit Verslein und Sprüchlein hübsch amplifizieren, und die Predigt recht lang ausdehnen könne.
Wenn er noch einige Jahre zurückgelegt hat (denn er ist jetzt erst 8 Jahr alt), dann soll er schon so viel Latein lernen, um den Hollaz oder Hutter zu verstehen, auch auswendig zu lernen, um wenn er einmal gefragt wird: quid sentis de Christo? hübsch: omnia bona antworten zu können.
Ist er 13 Jahre gewesen: so soll er dann ein reinliches Handwerk [Schornsteinfeger wäre wohl nicht übel. Einmal wegen des schwarzen Rocks; denn dieser litt bei dieser Handthierung am wenigsten: dann auch wegen der jetzt so häufigen Feuersbrünste auf dem Lande, denen der Staat am besten dadurch vorbeugen könnte, daß er einem fachkundigen Mann die Aufsicht über die Schornsteine und Essen der Bauern, die jetzt zu überfüllt mit Schinken und Würsten sind, anvertraute. Die alte aber gute Anekdote, von dem heiligen Geist, der in den Schornstein unsers Herzens herein fährt, ihn ausfegt, und sodann heraus ruft: „Abba lieber Vater," würde dadurch eine neue Anwendung erleiden.], wozu wenig Apparat nöthig ist, z. B. das des Schneiders oder Bürstenbinders (nur das eines Leinwebers nicht, weil hiervon die Schulmeister in Posseß sind; auch zwei in einem Dorfe einander wegen des Brotneids verderben würden) gehörig erlernen.
Versteht er dieses gründlich: so wird er in eine gut organisierte Schulanstalt gebracht, um ein wenig abgerieben zu werden, und, wie die Lehrer und respektiven Professoren, des Gymnasiums in G.. a sich ausdrücken, den rechten Pli zu bekommen.
Von dem 18 bis 20 Jahre mag er sich in der benachbarten Universitätsstadt einmiethen, kann aber, da sie nur einige Stunden entfernt ist, mehrentheils zu Hause, d. h. wohlfeiler und ordentlicher seine Zeit zubringen – {132}

erst dem benachbarten Dorfgeistlichen an die Hand gehen, nachher aber auch unsern fleißigen Stadtgeistlichen, um, nach ihrem Beispiel, sich eine gehörige Fertigkeit im Extemperieren zu erwerben, und mit vielen Worten Nichts sagen zu können. Hat er seine Studien so absolviert: so kann er in Kondition gehen, aber ja daselbst sich nicht zu hoch hinauf versteigen. Höchstens bis zu einem Dorfpfarrer, lieber aber noch zu einem Bauer [Bauer, das ist das Beste. Unter hundert Pfarrern, die sich auf die Kultur des Ackers und dadurch ihr Glück machen, gibt es jetzt immer nur ein Paar, denen dieses durch die Kultur der orientalischen Sprachen gelungen ist.] oder Jäger, aber ja nicht zu Beamten, Pächtern oder gar Adelichen, damit er seinen Magen nicht verwöhnt, sondern hübsch in die grobe Kost, von Erbsen, Linsen, Puffbohnen und dergleichen initiirt wird, die er als künftiger Landpfarrer muß vertragen können, wozu auch ich ihm schon gewissenhafte Anleitung gebe.
So viel von der Erziehung meines Jungens für den Staat, oder für seinen Beruf zu einem künftigen Landpfarrer; ein Kapitel, dessen Erörterung ich um so nöthiger erachte, da bis jetzt im Pestalozzi nichts dergleichen vorkömmt!

Frankfurt a. M. bei Varrentrapp u. Wenner 1806. Leben und Tod der heiligen Genoveva, in XIV Umrissen, dargestellt von Franz und Johannes Riepenhausen, mit beigedruckten Erläuterungen, in 4.
L. Tieks bekannte Bearbeitung der alten Legende von der heiligen Genoveva, veranlaßte diese Entwürfe, welche darum als unmittelbar zu jenem Gedicht gehörige Kupferstiche angesehen, und ohne dasselbe wohl schwerlich ganz können verstanden werden. Es ist viel Anmuth in den Darstellungen, auch zeugen sie vortheilhaft von dem fruchtbaren Erfindungsgeist der Herrn Riepenhausen, so wie in bloß poetischer Hinsicht, über ihre fortschreitende Fertigkeit.
Die beigefügten Erläuterungen, bestehen in einer sehr gut geschriebenen kurzen Erzählung, von den Schicksalen der heiligen Genoveva, nach Tieck,

Nachschrift.
Sollte Einem und dem Andern das Schwanken, zwischen dem Alten und Neuen, besonders die hin und wieder fast bis zu einer formellen Spielerei getriebene Nachahmung des alten, strengen, Florentinischen Stils, nebst einem Zusatz von dem jetzt so fleißig gesuchten religiös Romantischen, in diesen Umrissen der Herren Gebrüder Riepenhausen, zum Anstoß gereichen: so dient demselben zur Erwiederung: daß das Original, das sie bei diesen Kompositionen vor Augen hatten, ebenfalls von diesem Widerspruche nicht frei ist. In der That herrscht, in Tieks Genoveva, dieselbe Unentschiedenheit, zwischen einem alten tüchtigen Holzschnitt und dem Ton eines modernen, neuen Kunstromans. Sein Solo kömmt fast nicht aus dem Schwanken, zwischen einer liebenswürdigen zart musikalischen Dichternatur, wie sie Tieken eigen ist, und dem rohen, wilden, blutdürstigen Naturell eines abgehärteten, verruchten, aller Schandthaten fähigen Barbaren. Wem dieser Mangel an Haltung weiter nicht auffällt: über Stanzen, wie die „Sie muß, sie muß zum Garten nieder kommen“ nur so wegliest, oder sie wohl gar aus diesem Munde, als altdeutsch, und echt romantisch, annimmt: wer zuletzt den schneidenden Kontrast, in den Gesinnungen Solos, z. B. die Phantasien über die in Blumen verwandelten Augen seiner Geliebten – die er ihr – wohl zu merken – vorher selbst hatte ausreißen lassen – erhaben, göttlich finden, kann: [Vergl. Nro. 8. des Tartarus, und was daselbst über den Unterschied von ästhetischen Spitzbuben und eigentlich sogenannten gemeinen Kriminalverbrechern, gesagt ist. D. Red.] für den gibt es überhaupt in Vermischung aller Gattungen von Stil keinen Widerspruch mehr: und für ihn wird denn auch in diesen Umrissen, der Haltung nach, Alles gut, recht und unübertrefflich seyn.
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Miscellen.

Mittwoch, d. 23. April ist zu Weimar, auf dem Hoftheater, ein neues Stück, nach Plautus, unter dem Titel: „Die Gefangenen" in der Bearbeitung des durch seine geschmackvolle Uebersetzungen aus dem Terenz berühmten Herrn Geheimerath v. Einsiedel, mit Beifall gegeben worden.
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Auszug aus einem Brief an den Herausgeber des Elysiums. Ich habe mir, nach ihrer Anzeige von Gesners Tableaux en gouache, demi gouache u. s. w. die Kolbischen, in Zürich herausgekommenen Kupferstiche zu verschaffen gesucht, und weiß Ihnen in der That für diese angenehme Bekanntschaft recht vielen Dank. Nur eins ist mir dabei aufgefallen: in wiefern die verblasene, hin und wieder etwas fade Idealität Gesners, die man ihm ja auch als Idyllendichter nothwendig vorgeben muß, will man anders gegen sein Verdienst nicht ungerecht seyn, mit dem Kolbischen, an sich durchgängig löblichen, nur hier und da noch etwas an Härte gränzenden Streben, im Baumschlag überall den Charakter ausdrücken, gut und passend zusammengehen mochte? Diese individuell treue Laubzeichnung des Kupferstechers, im Kontrast mit den nicht ohne Prätension auf die Antike, vom Maler selbst angebrachten grazienhaften Figuren und anderweitigen Verzierungen seiner Landschaften: ist es nicht, als ob Voß, dessen Feder aus Erz uns den Homer, in so schönen und treuen Umrissen, geliefert hat, auf den Einfall käme, etwa Wielands Oberon in regelrechte Stanzen umzugießen? oder im andern Fall: wenn ein so anmuthig zarter und zephyrischer Dichter, wie Tiek, eine Ritterrüstung um die leichten Glieder legte, und den kühnen Gedanken faßte, jenen kräftigen, uralten, deutschen Holzschnitt vom Leben und Sterben der heiligen Genoveva, in die ihm geläufige Liederweise umzusetzen? In beiden Fällen müßte ja wohl Ton und Haltung, eines solchen Kunstproduktes, nothwendig verloren gehen, und eben dadurch das tentierte Kunstwerk etwas Unentschiedenes, oder einen doppelten Charakter erhalten.