1806.  No. 68.

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.

Mittwoch, den 10. September.

Johann v. Müller über Studium und Uebersetzungen des Tacitus.
Vorerinnerung.
Nachdem wir die weiter unten abgedruckten Proben einer Uebersetzung des Tacitus, die einen eben so bescheidenen, als talentvollen jungen Mann, Herrn Friedrich Peucer, zum Verfasser haben, der dem Publikum auch bereits aus einigen früheren Proben bekannt ist, und nun, wie wir zugleich mit Vergnügen bemerken, seine echt klassischen Bemühungen bald zu Weimar und in unserer Mitte fortsetzen wird, dem verehrungswürdigen, ersten deutschen Geschichtschreiber, Johann v. Müller, zur Beurtheilung vorgelegt, erhielten wir von demselben nachfolgende, geneigte Zuschrift, durch deren interessante Mittheilung wir den Dank unserer Leser gewiß zu verdienen hoffen.
D. Red.

Die großen Muster der alten Geschichtschreibung deutsch zu liefern, ist ein wahrlich ungemeines Verdienst, eine Erneuerung dessen, welches Luther durch die Bibelübersetzung um die Sprache erwarb. Erst dann wird man erkennen, wie viel in ihr liegt, was sie auch hierin vermag. Nur würde ich vielleicht nicht mit Tacitus anfangen; er ist aus Zeiten des von der ersten Einfalt schon ins Gekünstelte sinkenden Geschmacks. Ich fürchte, wir würden uns bald zu viel zieren, oder vielmehr Concetti in Bande pressen, bei denen dem Leser nie ganz wohl ist. Beginnen wir lieber mit Julius Casar's majestätischer Eleganz, mit Xenophons goldreinem Honig, mit Herodot's Grazie; ja Thucydides, in der Erzählung, ist höchst würdig und kraftvoll klar; in Reden, unvergleichlich vor anderen, und Sallust ihm der nächste. Nicht, bewahre Gott, als mißkennte ich die stoische Größe der Seele des Tacitus, oder seinen Reichthum, seine Glut: aber, einerseits, kömmt viel darauf an, daß die ersten Muster die vollkommensten, und von den herrschenden Fehlern die entferntesten seyn; zweitens werden Sie, meine Freunde, in dem Journal Geschichte und Politik (von Woltmann) auch Proben einer guten Uebersetzung des Tacitus gesehen haben; und diese sind, wie ich höre, schon so weit gediehen, daß ihr Abdruck bald anfangen soll. Im übrigen habe ich die hier zurückkommenden Blätter mit Vergnügen gelesen. Es ist in demselben viel Talent, viel antiker Sinn. Es ist mir nur vorgekommen, daß, wer einen solchen großen Alten unserm Jahrhunderte darstellen will, sich in ihn verwandeln, und nicht sklavisch, sondern, wie die Schrift sagt, κατ εξουσιαν, den Charakter seines Ausdrucks vortragen soll. Sonst ist der Zwang zu sichtbar, und das Verdienst der überwundenen Mühe nur für uns, die wir der {274}

Uebersetzung nicht bedürfen [Dieser gerechte Tadel unsers vortrefflichen Freundes trifft mehr oder weniger jede buchstäbliche Übersetzung. Bei aller lobenswerthen Treue August Schlegels, in seinen Übersetzungen des Shakespear z. B. fehlt ihnen doch durchaus jener geniale Anhauch, wodurch sich Bodens Übersetzungen so vorteilhaft auszeichnen: jene echt angestammte Fülle und Lebenskraft, wodurch dieselben in unserer Literatur wieder zu Originalen werden. Wie unleidlich todt ist Fallstaffs Humor, wenn man ihn mit dem des Onkel Toby vergleicht! Die Shakespeare eigene naive Plastik der Sprecharten ist bei Schlegel in einem so hohen Grad zerstört, daß man kein einziges von diesen Stücken aufführen kann. Die Schauspieler martern sich fast zu Tode mit ihren Rollen, um eine auf dem Ambos so zerhackte, ja mit der Keule fast zermörserte Prosa, wie sie Schlegel seinen Personen in den Mund legt, in den Kopf zu bringen. Bei dem besten Willen sind daher auf dem Hoftheater in Weimar kaum ein oder ein Paar Aufführungen von seinem König Johann und Julius Cäsar zu Stande gekommen. Der Zuschauer ermüdet, immer und ewig nur Worte zu hören, und wo es zu keiner Vorstellung in Theilen kömmt, kann auch nie von einer Vorstellung im Ganzen die Rede seyn. Wir möchten dieses die subjektive  Uebersetzermethode nennen, die immer und ewig, statt der getreuen Abbildung der Objekte, uns ein treues Bild von der ängstlichen Sylbenstecherei so wie von der immerwährenden Kunstanstrengung des Uebersetzers vorhält. Auch Herr Heine, bei seiner neuen Uebersetzung des Dante, wovon wir ganz kürzlich Proben mitgetheilt, mag sich vor diesem gefährlichen Abweg gewarnt seyn lassen! D. Red.]. Unsere Sprache schmiegt sich besser als jede, doch ganz darf sie ihre Rechte auch nicht aufgeben.
Ich komme auf die Hauptsache zurück: Sie soll von den Alten den Ton der Geschichtschreibung lernen, und wird es; besonders auch, wenn auf die Wahl des Ausdrucks strenge Rücksicht genommen wird: er darf weder ausländisch (Flaterie, äqual etc.) noch einer philosophischen Schule (deren Wesen vergeht), er soll populär, ja nicht gemein, aber so seyn, wie er, z. B. in Behandlung der großen Geschäfte und bei Männern von reifer Bildung üblich ist, sehr edel, aber zugleich klar. Ich weiß keinen vollkommnern, als Cäsars, unter den Neuern, als Macchiavells. Dieses unterscheidet auch über den Gebrauch der Archaismen. Wo sie Gewicht geben, wo sie zur Ausmahlung dienen, wo von großen Sachen mit dem Ernst eines alten Senators gesprochen wird, sind sie nicht verwerflich: Sallust hat sie; Thucydides hat sich nach Homer gebildet. Aber es ist ein Abweg ins Platte, Kindische, den Niemand billigen wird. Die Hauptsache ist, daß der Vortrag einem aus der Seele gehe, und, also, wenn z. B. Tacitus reden soll, er nicht anders, als nach seinem Charakter, sich ausdrücke.
Ich erwarte wirklich von unseren Zeiten die Emporkunft wahren Geschmacks hierin: Wer ists, der, ohne einige Theilnahme, über das gemeine Wesen, in eigenem oder fremden Namen, öffentlich reden oder schreiben könnte? Und so werden die Künsteleien, eben wie das Breite und Wässerige, dem Ausdruck des Gefühls weichen müssen. Zu dieser Zeit also, das ist eben die rechte, bringe man die Alten, wie sie waren und redeten, uns vor Augen, damit etwas von ihrer Seele auf uns komme, gegen die Unwürdigkeiten aufstrebend. Es ist nun besser, sie zu hören, als unsere neueren eigenen Sachen zu beschreiben: hierzu gehört eine solche Urkundenarbeit; man wird von Gelehrsamkeit dermaßen überwältiget, daß man weder Muße noch die Gemüthlichkeit hat, solche Opera auszuarbeiten. Besser, jetzt vorzunehmen, was seit 2000 Jahren schon da ist; es ist leichter, es sich anzueignen, als in diesem Getümmel selbst zu schaffen. Es ist bescheidener; denn wer mag in eigenem Namen unseren Zeitgenossen ganz sagen, was er von ihnen hält! Und vielleicht mag es beitragen, in dem oder diesem, ein Flämmchen von Ehrgefühl oder Gemeinsinn zu wecken! Also, quod felix faustumque sit, übersetzt nur immer, aufs beste, wie jeder es mag, und versucht Euch mit glücklichem Wetteifer,

Neue Proben aus Tacitus Zeitgeschichten, von Friedrich Peucer.
1.
Mein Werk beginnt mit dem Jahr, da Serv. Galba zum zweitenmal, mit ihm Titus Vinius das Konsulat führte. Die 820 Jahre der Vorzeit, nach erbauter Stadt, haben bereits viele Verfasser des Römerreichs Begebenheiten eben so schön als frei darstellend. Seitdem bei Attium gekämpfet, und ohne Uebertragung aller Gewalt auf Einen kein Friede war, verschwanden jene großen Geister. Vielerlei nun that der Wahrheit Abbruch; vorerst Unkenntniß des fremdgewordnen Freistaats, sodann die Sucht der Schmeichelei und wiederum Herrscherhaß. Beide nicht bedachten die Nachwelt, vor Groll oder Ergebenheit. Doch leicht verschmäht man des Schriftstellers Gunstbestrebung; Verunglimpfung und Scheelsucht finden willige Ohren: weil an Flatterie das häßliche Verbrechen der Knechtschaft, an Erbitterung [Malignitas ist nicht Erbitterung. Es ist dafür ein Wort, wie das französische Malice zu suchen. Anmerk. von Joh. v. Müller.], falscher Schimmer der Freiheit hängt. Wir haben Galba, Otho, Vitellius, weder wohl, noch unrecht gethan. Meiner Ehrenämter Anfang durch Vespasian, Erweiterung durch Titus, höhere Steigerung durch Domitian, verläugne ich nicht; aber wer unbestochne Treue verspricht, muß jeden gunstlos und ohne Feindschaft darstellen. Behalt' [Solche den Stil zu poetisch verflüchtigende Elisionen, laufen gegen die Gravität echten Historiographie. Anm. v. Ebd.] ich das {273}

Leben, so ist die Regierung Gott-Nerva's, und das Reich Trajan's, als ergiebigerer [„Ergiebigerer sorgenfreierer." Sieben r in zwei Worten. Anmerk. von Ebd.] und sorgenfreierer Stoff, meinem Alter zurückgelegt; in dieser Zeit seltenes Glücks, wo man denken, was man will, und was man denkt, aussprechen darf.

2.
Ein Werk unternehm' ich, reichhaltig an Unfällen, schrecklich durch Schlachten, uneins durch Empörungen, sogar im Frieden wuthvoll. Vier Regenten durchs Schwert gemordet. Drei Kriege im Innern, mehrere auswärts, und gemeinhin vermengt. Glückliche Kämpfe im Orient, widrige im Occident. Rebellisch Illyrikum; die Gallien wankend; bezwungen Britannien, und alsbald verloren. Aufständig der Sarmaten und Sueven Stämme; der Dake durch wechselnde Niederlagen verherrlicht. Auch fast der Parther Waffen in Bewegung, durch des falschen Nero's Gaukelspiel. Indeß Italien, durch nie erlebte, oder nach langen Geschlechtsaltern wiederkehrende Heimsuchungen, gebeugt. An Campaniens segensvoller Küste, Städte verschlungen oder verschüttet. Die Hauptstadt durch Brände verheert, mit Verlust der ältesten Tempel; das Kapitol selbst in Flammen durch Bürgerhand. Religionsgebräuche befleckt. Häufiger Ehebruch. Angefüllt mit Exilen das Meer. Mit Ermordungen die Klippen gefärbt. Noch furchtbarer litt die Hauptstadt. Adel, Güter, abgelehnte und bekleidete Staatsämter, – äqual Verbrechen; für Tugend – unvermeidlicher Untergang. Prämien der Angeber nicht minder verhaßt, als Schandthaten; während Einige durch Präfekturen und Konsulate belohnt, Andere durch Verwaltungen und Kabinetsgewalt, Alles drehten und wirrten, mit Haß und Schrecken, Sklaven, bestochen wider Hausherrn; wider Patronen Freilinge; und wem ein Feind gebrach, durch Freunde gestürzt.

3.
Nicht jedoch so tugendarm war das Jahrhundert, daß es nicht auch gute Muster gezeuget. Mütter, flüchtige Kinder begleitend; Frauen, Männern folgend in Exile; muthige Verwandte; standhafte Eidame; unwandelbar, selbst unter Martern, der Sklaven Treue. Grause Verhängnisse großer Männer; doch tapfer geduldet das Verhängniß, und Verscheidungen gleich den gepriesnen Hintritten der Alten. Neben vielfachen Unfällen menschlicher Dinge, Wunderzeichen am Himmel und auf Erden, und der Blitze Warnungen, und Weissagungen der Zukunft, gute, böse, zweideutige, klare. Denn nie hat sich's durch fürchterlichere Heimsuchungen und gerechtere Gerichte erwiesen, die Götter wollen nicht unsern Ruhbestand, sie wollen Rache.

6.
Den kraftlosen, vom Haß seiner Greuel gedrückten Greis, Galba, stürzten, der Schlaffheit feind, Titus Vinius und Cornelius Laco, einer der verworfenste Mensch, der andre der herzloseste. Gemach Galba's Anmarsch, und blutig durch Eingonius Varro's, designirten Konsuls, und Petronius Turpilianus, des Consulars, Ermordung. Sie fielen, ungehört und unvertheidigt, recht wie Unschuldige; jener als Nymphydius Genoß, dieser als Nero's Feldherr. Der Einzug in die Stadt, nachdem so viel Tausend waffenlose Krieger hingeschlachtet, war unglücklicher Vorbedeutung, und denen selbst, die eingehauen, schauerlich. Die mitgekommne Hispanische Legion, die dagebliebene, welche Nero von der Flotte errichtet, füllten die Stadt mit ungewöhnlichem Heer. Ueberdieß viele Abtheilungen aus Deutschland und Britannien und Illyrikum, welche ebenfalls Nero ausgehoben und an die Caspischen Pässe, zum Krieg mit den Albanern, vorgesendet, aber zur Dämpfung des Vinderischen Beginnens heimberufen; zu Umwälzungen ein ungeheures Werkzeug, Keinem entschieden zugethan, doch dem Kühnsten bereit.
 – – Selbst die Jahre Galba's erweckten Spott und Ungunst; man war Nero's Jugend gewohnt, und würdigte die Kaiser (wie gemeine Leute pflegen) nach Gestalt und Leibesschönheit. – –

10.
Der Orient noch unbewegt. Syrien und vier Legionen befehligte Licinius Mucianus, ein Mann – durch Glück und Unglück gleicherweise ruchtbar. Jung hatte er vornehme Freundschaften mit Ehrgeiz gesucht. Bald, nach aufgeriebnem Gut, bei schlüpfriger Lage, überdieß bei Claudius furchterregenden Jähzorn, ins entlegne Asien versetzt, war er eben so beinah Verwiesner, wie später beinah Regent. Aus Ausschweifung, Thätigkeit, Herablassung, Hoffarth, aus bösen und guten Eigenschaften gemischt. Uebertriebene Lüste in Friedensmuße; im Feldzug große Tugenden. Oeffentlich lobeswerth, sein Hausleben war verrufen. Aber bei Untergebnen, bei Zunächste stehenden, bei Dienstgefährten, durch allerlei Artigkeiten einflußreich; eher geeignet, wegzugeben die Regentschaft, als zu erlangen. Den jüdischen Krieg besorgte Flavius Vespasianus (ihn hatte Nero als Feldherrn beordert) mit drei Legionen; und seinerseits wider Galba nicht Erklärung noch Gesinnung. Er sandte sogar Titus, den Sohn, zu Huldigung und Glückwunsch, wovon an seinem Ort. {276}

Wir ahndeten damals, daß durch verborgnes Schicksalsgesetz, und durch Zeichen und Wahrsprüche, Vespasian und seinen Nachkommen Regentschaft, darauf glückliche Zeit bestimmt war.

Aus einem Briefe aus Süddeutschland, vom 26. August.
Ihre Ansicht, meine Herren, der deutschen Angelegenheiten, ist groß, edel und herzerhebend. Sie hat dazu beigetragen, mich in meinen freudigsten Erwartungen zu bestärken. Seit manchen Jahrhunderten hat die deutsche Nazion sich nicht so sehr in ihrem Kern als Eine Nazion betrachtet; die kleinlichen Scheidewände der kleinen Territorien stürzen, mit den verjährten Vorurtheilen, zusammen. Aber sorgfältig sollte man sich doch ja hüten, in einem solchen Zeitpunkt, Norddeutschland von Süddeutschland, oder gar das protestantische Deutschland vom katholischen zu trennen; in Archenholzens Minerva hat verwichen ein Aufsatz hier in Süden eine schlimme Sensazion gemacht. Alle brave Männer, und wer wird Hrn. Archenholz nicht gern für einen solchen gelten lassen? sollten vielmehr den Geist der Eintracht zu erhalten, anzufrischen und zu beleben, und anstatt die alten Erbärmlichkeiten vom siebenjährigen Kriege u. s. w. wieder con amore aufwärmen, es vielmehr so einzurichten suchen, daß alle Protestanten und Katholiken jetzt gemeinschaftlich protestirten. Großes geht zuverläßig hervor, die deutsche Nazion ist wieder empfangen: wann wird sie geboren werden? Ach nur recht bald! Wenigstens ist das, was zum Untergang drängt, Uns Allen nah genug.
A. F.

Miscellen.

Uebersicht des Theaterwesens in Schleswig, Holsteins Städten, Flecken und Dörfern, und in der Stadt Altona, Aus einem Briefe vom 30. August.
Daß in den Herzogthümern Schleswig und Holstein die Kunst und Afterkunst aufs Brot reiset, ist eine so notorische Sache, daß, Schleswigs Hoftruppe ausgenommen, in beiden Provinzen nichts bedeutendes und bleibendes aufzuweisen ist. Die Reste der ehemals Altonaer Albrechtschen Truppe, an deren Spitze noch immer Madam Sophie steht, ist von Tönning nach Flensburg hinüber gewandert; zwei ihrer besten Mitglieder aber, Breiter und Frau, eine geb. Klos, haben sich zur Schleswiger Gesellschaft geflüchtet. In den Flecken Meldorf, Brunsbüttel, Kallinghuste und einigen Dörfern treibt sich, seit Anfang des Jahre bis jetzt (tief in den Junius hinein) ein Geschwader herum, bei welchem ein Herr Ahlquist und Frau, vorzüglich bei Bürgern und Bauern der Marsch und Geest, im geneigten Andenken sind. Aber ihres Bleibens ist nirgends, ob sie gleich den Abällino und die Kotzebueschen Meisterstücke, die falsche Scham, die Hussiten, den Papagai und Wildfang, wo sie hinkommen, zur Schau bringen! Der Schwanengesang des Zettelträgers, beim Abschiede von Brunsbüttel, im Juni 1806. (den ich vor mir liegen habe) drückt sich über das Schicksal dieser Flugtruppe gar zierlich unter andern so aus:

„Die Tage zerrannen, die Wochen sind fort,
Stets treibt mich das Schicksal von Ort zu Ort,
Bald bin ich von dannen gerumpelt.
Man sah uns doch gern, insbesondere mich,
Der täglich der Neugier das Pflasterchen strich." u. s. w.

Altona, die größeste und vermögendste Stadt in den dänischen Provinzen, hat sich seit lange mit theatralischen Hülfstruppen, temporären Einwanderungen aus Hamburg, bald der verdienstlichen französischen Sozietät, die ihr einige Abende schenkte, bald der amüsanten Tänzertruppe Ruths aus der Vorstadt, behelfen müssen. Im Junius traf Carl Döbbelin, Preußischer privil. Direkteur, zwar auch mit einer wandernden Truppe ein, die er aber mit Vermögen, Kenntniß und Spiel-Talent ausgerüstet, hieselbst zum Stehen zu bringen, Hoffnung machte. Seinen großen Wiener Spektakel-Opern, die durch Akkuratesse in der Ausführung, Pracht, Lärm und Lustigkeit sich auszeichneten, strömte die Menge Schaulustiger aus Hamburg und Altona zu, und auch Schillers Mädchen von Orleans und Kotzebues Possenspiele fanden eine günstige Aufnahme. Man war duldsam und nachsichtig gegen kleine Gebrechen, Ueberladungen komischer Spiele; die Haltung des Ganzen vertuschte oft und verdeckte einzelne Fehlstriche und Flecken. Unermüdliche Achtsamkeit des Direkteurs, Vor- und Nachmittägliche Roben, Strenge gegen fehlende Mitglieder, Pünktlichkeit im Bezahlen, Aufmerksamkeit auf jeden geäußerten Wunsch des Publikums machten Döbbelin bald geachtet und beliebt. Mehrere Mitglieder der Bühne, Madam Döbbelin, Ritzler, Häfer, Spangler, Demois. Koppe und das hoffnungsvolle Kind, Therese Pathe, und außer Döbbelin, dessen grotesk komisches und originelles Spiel in mehren Rollen bewundert ward, wurden Spangler, Feige, Baumann, Häser, Schmidt, Wodraschka u. m. Akteurs mit aufmunterndem Beifall begünstigt. Eine militairische Oper: der Grobschmidt (Döbbelin) und die schöne Marketenderin (Mad. Ritzler), ward am 30. Juli zum zweitenmal gegeben. Ein unglücklicher Zufall hemmte die Vorstellung; ein unbedeutender Feuerfunke ward zur Flamme, weil es an Löschanstalten fehlte, die bei jedem guten Theater, vorzüglich dann nicht fehlen müssen, wenn sich so ein Unfall auch nur von Ferne besorgen läßt. Mehrere Menschen wurden im Gedränge getödtet und beschädigt; und es ist sehr zu befürchten, daß unsre Bühne wieder einmal zur Weise werden wird [Bereits am 2. August hat D. das Schauspiel wieder geöffnet.].