1806 No. 9.

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.

Sonnabend, den 1. Februar.

Zeitgeschichte.
–––––––
Der Adler und der Käfer.
(Eine politische Fabel.)
Aristophanes erwähnt dieser schönen und sinnreichen Fabel des Aesop gleich im Eingang seiner ειςενη.  Es steht daher zu vermuthen, daß sie ihm, wo nicht die Idee, doch den ersten Anlaß zu diesem genialen Stück gab. Auch Lafontaine, der französische Fabeldichter, hat sie den Griechen, auf eine höchst naive und anmuthige Art, nacherzählt. Vorfälle der neuesten Zeitgeschichte haben ihrerseits auch einen Kommentar dazu geliefert, der alle weitere Erklärung überflüßig macht.
D. Red.

Ein Adler, weit und breit bekannt,
Am schönen Inn, im Bayernland,
Nachdem er aufgespeist viel Tauben,
Wollt auch ein klein Kaninchen rauben.
Dem Käfer, des Kaninchens Freund,
Gar unrecht diese That erscheint:
Er stellt dem Adler Alles vor,
Doch König Aar verschloß das Ohr,
Und speiste das Kaninchen gar,
Bis daß kein Bein mehr übrig war.
Dem Käfer ging die That an's Herz:
Er schwur in seinem bittern Schmerz,
Er wollte sich für dieß Verbrechen
Schon an dem stolzen Adler rächen:
Allein der Adler lacht ihn aus:
Er dacht': in unserm Felsenhaus,
Was kann uns da, von Gottes Gnaden
Wohl so ein kleiner Dienstmann schaden?
Doch wie die Zeit sich fortbewegt,
Im Lenz der Adler Eyer legt:
Verfolgt, wohin er sie auch lege,
Der Käfer ihn, auf Steg und Wege,
Und wirft, trotz seinem Angstgeschrei,
Sie jubelnd ihm vom Fels entzwei.
Geflüchtet hier, geflüchtet dort,
Und sicher mehr an keinem Ort,
So weit und breit der Erdball war,
Trug er sie in den Himmel gar,
Und legt sie dort dem lieben Gott
In seinen Schoos, gar sehr devot
Ihn bittend, daß er liebevoll
Ihm doch die Eyer schützen soll. –
Wie unser Herrgott ist so gut,
Die Sach' ihm auch erlauben thut:
Des Mantels Zipfel angefaßt,
Den Morgenroth als Saum umfaßt,
Hüllt er die Eyer, groß und klein,
Alsbald in seinen Rockschoß ein.
Nun glaubt der Adler aller Noth
Sich quitt, die ihn bisher bedroht;
Allein schon an dem dritten Tage {34}

Erscheint aufs Neu' zu seiner Plage
Der kleine Käfer listiglich;
Gibt unserm Herrgott einen Stich,
Daß dieser plötzlich ruft: die Pest!
Vor Schreck die Eyer fallen läßt.

Versuch einer kurzen Charakteristik des Tacitus, nebst einer Probe aus seinen Geschichtswerken,
von J. P.
(Es thut uns wahrhaft leid, daß der bei einer Zeitung so beschränkte Raum, uns außer Stand setzt, dem kunstliebenden Publikum, wie wir wünschen, diese Proben, nach ihrem ganzen Umfange, mitzutheilen. Sicher würden sie sonst bei demselben die nämliche Ueberzeugung bewirken, wie bei uns, daß Herr F. P. ein junger, talentvoller, mit Kenntnissen aller Art ausgerüsteter Kopf, zu einer Uebersetzung des Tacitus nicht nur Fleiß und Kenntnisse genug, sondern auch wirklich angeborenen Beruf hat.)
D. Red.
N. d. v. K

Tacitus.
Ein Schriftsteller, der überall einzig seyn würde, wofern ihm nicht der berühmte Deutsche, der die Geschichten Schweizerischer Eydgenossenschaft aufgezeichnet, gegenüber stünde. Entzündet hatte er sich an den Vorbildern der Republik. Mit diesem heiligen Feuer, trat er hinaus ins öffentliche Leben, und erstieg, durch eigne Kraft, ohne Ahnen und Verbindungen, das Konsulat; ein Mann unter vielen Knaben; wehmüthiger Augenzeuge, wie sein mächtiges Vaterland, das Jahrhunderte lang der Welt Gesetze gegeben, in eigne Kraftlosigkeit zurücksank. In nicht vollen funfzig Jahren hatten zehen Kaiser geherrschet, und fast alle bluteten unter der Hand ehrgeiziger Nachfolger. Titus und Trajan waren wie Blitze; es wurde noch dichter Nacht, als sie geleuchtet. Wie aus den Zeiten Saturns, erzählte man sich von Grachen und Catonen. Scipio, Cäsar – mythische Namen! Andere Sonnen schienen auf dem römischen Erdkreis; ein Pallas, ein Narcissus warfen ihre Strahlen. Den glänzendsten Thron der Welt verschenkten heute Soldaten, Hämlinge morgen; feige Spieler würfelten um ein feiges Geschlecht, das zusah und –  lachte. Eine solche Zeit, zu welchen Betrachtungen führte sie eine Seele, wie des Tacitus!

Die Eroberung Roms, unter Vitellius.
Dieß Fragment ward deshalb von uns ausgehoben, weil das Clairobseur, das dem Tacitus, wie dem Juvenal, so eigen ist, dadurch auf das schärfste bezeichnet wird. Erst mußte so etwas geschehen, ehe Tacitus so schreiben sollte.

Und so kam es zur Schlacht. Das Getümmel zog sich aus den Gärten der Vorstadt allmälig mehr einwärts; um jeden Fuß breit Erde ward gestritten; die Vitellischen, zehnmal geworfen, setzten sich zehnmal; schon war das Hügelthor (porta collina) gesprengt, als sie auf dem Marsfeld neue Reihen bildeten, und, auch hier geschlagen, sich anderswo zusammenschaarten. Der Pöbel war Zuschauer; bald diese, bald jene, durch Zuruf und Geklatsch, wie im Schaukampf ermunternd. So oft eine Partey erlag, und sie wußten in Kaufbuden Versteckte, oder in Häuser Geflüchtete, hieß es: Heraus, und nieder mit ihnen! und dabei war die meiste Beute des Pöbels. Denn, indeß der Soldat nach Blut und Todschlag rang, fiel der Kriegsraub dem Volk anheim. Die ganze Stadt ein Bild der scheußlichsten Barbarei. Hier Gefecht und Wunden, dort Badehäuser und Trinkstuben. Blutpfützen und Leichenhaufen; daneben Huren und Schandbuben: jede im sittenlosesten Frieden denkbare Ausschweifung, jede in herbster Kriegsnoth ersinnliche Missethat; man hielt die nämlichen Römer für wahnwitzig zugleich und liebegeil. Auch zuvor kämpften Waffenheere in der Stadt; zweimal Sylla siegreich, einmal Cinna; auch damals Grausamkeit genug; jetzt thierische Stumpfheit und keinen Augenblick abbrechende Sinnlichkeiten. Freude allenthalben, wie an Festtagen. Man hüpfte und schwelgte, ohne parteiliche Sorgen, und bei gemeiner Noth vergnügt.
Endlich fiel auch die letzte Hoffnung. Jeder Tapferste warf sich in die Gardenveste. Es erhub sich unendlicher Kampf; Viele sanken, tödlich verwundet, von Thürmen und Werken. Als das Thor erbrochen war, schritt der übrige Haufe den Siegern entgegen, und, mit Brustwunden bedeckt, fielen Alle, das Gesicht wider den Feind; noch im Verscheiden bedacht auf ehrenvollen Tod. Rom war genommen. –

(Zum Schluß erlaube man uns noch ein Paar Stellen ausuziehen, wo der Uebersetzer mit der Kürze und Gedrängtheit seines Originals auf das glücklichste gewetteifert hat.)

Erstürmung und Brand von Cremona,
So stand das Kriegsglück inne, bis bei vorgerückter Nacht der aufgehende Mond die Schaaren, nicht ohne Täuschung, enthüllte. Die Flavischen beschien er günstiger von hinten; Roß und Mann warfen lange Schatten, und der Feinde Geschoß fiel, statt auf Leiber, mit verfehlten Streichen, disseits, während die Vitellischen, in der Hellung, dem Licht entgegen, wie einem heimlichzielenden Hinterhalt, ohne Schutz preisstanden. Antonius, die Seinigen unterscheidend, und unterschieden selbst, regte überall auf; einige mit Beschämung und Scheltworten, viele mit Lob und Ermunterung, mit Hoffnung und Ver- {35}

sprechungen jeden. Allenthalben Gejauchz; und indem grüßten die von der dritten (also ist es in Syrien Gebrauch) die aufgehende Sonne. – –
Am nämlichen Morgen erschlug ein Sohn den Vater. Julius Mansuetus, aus Hispanien, von einer Vitellischen Legion, läßt einen Knaben daheim. Dieser, herangewachsen, steht seit Galba bei der siebenten; stößt auf den Vater im Gefecht, bedeckt ihn mit Wunden, und, indem er den Sterbenden ausraubt, erkannt und erkennend, küßt er noch von den bleichen Lippen das fliehende Leben. Die Nachricht davon lief schnell durchs ganze Heer. Alle verfluchten die Schandthat, und übten sie selbst.

Berlin. Bei Johann Friedrich Unger. Poetisches Taschenbuch auf das Jahr 1806. von Friedrich Schlegel.
Roland, ein Heldengedicht in funfzehn Romanzen, nach Turpins Chronik Trutznachtigall, eine Anzahl geistlicher Volkslieder, nach einem alten deutschen Dichter Friedrich Spee, dann Briefe auf einer Reise durch die Niederlande, Rheingegenden, die Schweiz und einen Theil von Frankreich, und zum Schluß vermischte Gedichte, sind die Rubriken, die den Hauptinhalt dieser Sammlung ausmachen. In den Romanzen herrscht der altdeutsche, naive Ton, den der Herr Verfasser meist glücklich zu treffen gewußt. Dem wäre indeß nicht hinderlich gewesen, hätte die Chronik auch nicht in der Anordnung etwas zu strenge ihr Recht behauptet. So wie das Interesse für das Ganze nothwendig erhöht wird, sobald man sich den Roland nicht bloß mehr als eine historische, sondern als eine der Chronik rein abgewonnene, poetische Komposition denkt. Diesen Zweck zu erreichen, müßte der Stoff hier und da etwas weniger vorherschen. Ueberdem erforderte schon die poetische Einheit einen straffer angezogenen Faden. Das Abentheuer mit dem Riesen Ferracut:

„Dessen Länge maß zwölf Ellen
Und die Nase einen Fuß,
Arm und Schenkel maßen eben
An drei Ellen gern und gut."

sollte eine heitere Zumischung ariostischer oder cervantischer Laune wohl nicht verschmäht haben. Hier erinnern wir nur an den höchst ergözbaren Schwank des alten Heldenbuchs, „Dises ist der kleine Rosengart, oder der kleine König Laurenz und von den schönen Frawen" dessen Behandlung auf jede Weise zum Muster dienen kann. Andeutungen von solcher naiv heitern Art enthalten, außer dem treuherzigen Disput Karls und seiner Ritter, mit den Helden, Riesen und Sarazenen, über Christ, Gott Vater, und die Jungfrau Maria, auch das fromme Concilium S. 55, wo das hochgelobte Wunder der Dreieinigkeit, erst aus einem Mandelkern und dann aus Wagen, Rad und Nabe, als ein Dreifaches, das doch eins ist, demonstriert wird. Diese ganze Demonstration ist höchst plaisant, und erinnert an jenen Seelsorger, der sich fast einer ähnlichen befliß, indem er einen dreifachen Knopf in sein Schnupftuch machte, und dann wieder das Ganze mit Eins auseinander zog, um seiner christlichen Gemeinde zu beweisen, daß Eins zugleich Drei und Drei wieder Eins seyn könne. Eben so an naive Anmuth grenzt die Aeußerung des Sarazenenfürsten, der Kaiser Karl in seinem Zelt besucht, und bei dem der Vorsatz ein Christ zu werden, schon fast gewiß ist. Wie er aber neben den Hofleuten, die prächtig an der Tafel sitzen und schmausen, zwölf arme Bettler, die ärmlich mit Speisen bedient werden, gewahr wird, und wie er hört, daß diese die 12 Apostel vorstellen, denen man ein Liebesmal hält, ergreift ihn Zorn und Unwille, und er erklärt Kaiser Karl rund weg, daß er nichts mit einem Gott zu thun haben wolle, dassen Gesandten man so schlecht Traktament hält, Man darf solche und ähnliche Dinge, wie z. B. den galanten Hofstaat, den die Jungfrau Maria mit den Engeln und Heiligen oben im Himmel hält, in der Behandlung der Troubadours nur ein wenig ansehn, um sogleich zu wissen, woran man ist, und daß die lustigsten Antropomorphismen in diesem Stile herkömmlich sind. Irren wir uns nicht, oder wäre es wohlgethan, wenn man, anstatt der finstern Ascetik des Mönchsthums, und ihrer bis zum Gefühl der peinlichsten Langeweile ausgesponnenen, widerwärtigen Beth- und Bußgesänge, da wir einer solchen Zerknirschung des Glaubens in der That doch kaum mehr werth sind, Uns lieber die romantische Kunst von dieser weit anlockendern und fröhligeren Seite zu beleben suchte. Doch auch so bleibt dieß Liedergeschenk immer dankenswerth. Solche Züge edler heroischer Einfalt, wie da, wo Roland, dem Riesen, mit dem er kurz vorher noch so heftig stritt, nach wechselseitigem Uebereinkommen eines Waffenstillstandes, in der Mittagsgluth, einen Stein zum Kopfkissen unterlegt:

Einen Felsstein nahm der Ritter,
Wie er stark noch war und jung,
Legte den ihm zu den Häupten,
Daß er desto sanfter ruht. –
Roland nicht noch solch ein Ritter,
Nähme jetzt des Riesen Blut:
Denn so war der Zeiten Sitte,
Da noch blüht das Ritterthum:
Wer dem Feind das Wort gegeben,
Und nicht hält der Treue Schwur,
Sey es Christe oder Heide,
Mit dem Tod es büßen muß. {36}

sind ja allein im Stande, ganze Bände voll von unsern gewöhnlichen Almanachsverseleyen aufzuwiegen. Den Briefen auf einer Reise durch die Niederlande, Rheingegenden u. s. w. fehlt es zwar im Ganzen an jener objektiven Darstellung, mit welcher uns mancher andere Dichter, z. B. Göthe Menschen, Sitten, und ihre Gebräuche, so rein wie aus einem Spiegel, im Krystall seiner Rede wiederstrahlen und anschauen läßt: aber dafür begegnet man fast in jeder Zeile einem liebenden feurigen Gemüth, das in Paris, das mitten in Frankreich, was jetzt doch selbst in Deutschland so schwer hält, nicht verlernt hat, ein Deutscher zu seyn. Erfüllt von dem Glanz uralterthümlicher Herrlichkeit, der unsre Ahnherren bekleidete, durchdrungen von dem Gefühl des Rang's und der Würde, die unsre Nation von jeher behauptete, und zu behaupten, in angestammter Kraft ein vollgültiges Recht hat, verschmäht dieser Reisende, mit rein auffassenden Sinn Alles, was Uns vom Auslande angekünstelt ist, und sieht in den bessern Völkern, wohin er kommt, nur die Abkommen der alten Germanen, die Ueberbleibsel eines ewig frischen, unversieglichen Heldenstamms. Mit einer fast wehmüthigen Vorbedeutung bringt er es, bei Gelegenheit von Aachen, in Erinnerung, daß man, nach Karl des Großen Eroberung, während zwei Dynastien, zu Frankreich am Hofe Deutsch sprach; ferner daß der größte Theil des damaligen Adels aus deutschem Blute entsprungen war. Und jetzt, welch ein Wechsel der Dinge, wie betrübt, daß dieselbe Nation nun da Gesetze empfängt, wo sie sonst welche gab! Nur eine Ansicht ist es, die uns dabei aufrichten kann. Der geistreiche Verfasser hat diese bei Gelegenheit des Anblicks der römischen Grenzschlösser, die diese Welteroberer einst längs dem Rhein erbauten, mit Nachdruck niedergelegt. Sie sollen im Auszuge nachfolgen. (Die Fortsetzung folgt.)
–––––––
Miscellen.

Wasser –  ein Universalrecept. – αςιζον μεν το υδωρ. – Nichts geht über Wasser: so sagte schon Pindar in einer seiner Oden. Der berühmte Doktor Faust hat neulich im Reichsanzeiger, der sonst eben keine Oden aufnimmt, das Nämliche gesagt. Hektor wurde nach der Schlacht von den Griechen mit Wasser besprengt. Darius erquickte nichts so sehr, als er sterben wollte, wie ein Trunk Wasser. Christus rief am Kreuze: „Mich durstet!" und wenn unsere Soldaten nicht mehr so tapfer sind, wie sonst: so rührt das, nach Herrn Doktor Faust bloß daher, weil sie nicht genug Wasser zu trinken bekommen.
–––––––
Anekdote. Der Doktor eines englischen Linienschiffs, der bei seiner Schiffsequipage auch Alles mit Wasser zu kurieren pflegte, flel neulich, vermuthlich, weil er selbst zu viel Wein getrunken hatte, mit dem Kopfe vorwärts über Bord. Guck, rief ein alter Matrose, der zusah: da fällt der Doktor in seinen Medizinkasten. –
–––––––
Ein Brownianer vor Christi Geburt. Scaliger liest, in seinen Noten über den Homer, diesem tüchtig dafür den Text, daß er seinen Patienten Wein zu trinken gibt. Scaliger hatte Unrecht, Homer aber Recht. Dieser war ein Brownianer, ohne daß er es selbst wußte.
–––––––
Kants Respekt vor dem Unendlichen. Kant litt häufig an Konstipationen, und pflegte sich gegen dieses Uebel der Trummertschen Pillen zu bedienen. Nie war er indeß dahin zu bringen, daß er deren mehr, als eine nahm. Auf das dringenste Zureden seiner Freunde, erwiederte er weiter nichts, als das lakonische Wort: wo soll das aufhören? Kant hatte Recht. Die Zahl ist falsch. Wer mit eins anfängt, und nicht stehen bleibt, der wird eher am Leben, als an der Ewigkeit, Bankerott machen.
–––––––
Auch eine Note – Ein Professor Philologiä fiel die Treppe herunter. Sein Famulus, der oben stand, fragte: wo er wäre? Der Professor antwortete: „Vide infra.“
–––––––
Kant besaß von jeher ein sehr transcendentales Volumen. Dieß nahm zuletzt so ab, daß es eigner Vorrichtungen bedurfte, um seine Beinkleider fest zu halten. Dagegen war der berühmte Philolog Bentley so substantiel, daß wenn er im Postwagen fuhr, er sich immer zwei Plätze durch seinen Bedienten mußte belegen lassen. Einmal hatte der Kerl das Ding unrecht bestellt, so daß zwei Bentleys eingeschrieben wurden, wovon der eine einen Platz hinten, der andere einen Platz vorn in der Postkutsche bekam, wodurch denn der rechte und einzige Bentley in keine geringe Verlegenheit gerieth.
–––––––
Notizen. In den Ergänzungsblättern der Hallischen Literaturzeitung Nro. 1. d. J. befindet sich eine mit viel Geist, Geschmack und Sachkenntniß abgefaßte Revision der Aesthetik, in den letzten Decennien, die vermuthlich denselben talentvollen Mann zum Verfasser hat, der uns neulich, in eben diesem Journal, mit einer trefflich durchgeführten Revision der Romane beschenkte. Sie ist so, daß unsere Literatur, in diesem Fach, nichts Aehnliches aufzuweisen hat.
–––––––
Gottsched und Klopstock. Gottscheden, der sich in der Folge so gegen die Hexameter ereiferte, gebührt unstreitig das Verdienst, daß er den unsterblichen Sänger des Messias zuerst auf diese Versart aufmerksam machte. In seiner kritischen Dichtkunst (Leipzig 1756.) theilt er S. 511. folgende, untadeliche Hexameter mit:

„Doch was half sie die Zahl philosophischer Lehrer und Schüler;
Pallas erschrak und Jupiter selbst, der Vater der Götter;
Prüfet euch selbst, forscht Sitten und Herz, ja Sinn und Gedanken."

Diese Erscheinung ist in ihrer Art, wiewohl umgekehrt, eben so interessant, als daß ein Doktor, der allen seinen Patienten zur Kur Wasser verschreibt, am Ende selbst über Bord fällt, weil er zu viel – getrunken hat.