1806 No. 36.
Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte
Sonntag, den 11. Mai.
Leipziger Meßgemälde
1.
Petersthor. Die kleine Lappländerin. Die Drei-Kaiser-Schlacht.
Leipzig, den 2. Mai. Eben komme ich von einem Besuch vor dem Petersthor. Das Gewühl und Gedränge, um die dortigen mit Raritäten angefüllten Schaubuden, ist zwar nicht so lebhaft, wie sonst, aber
doch immer groß genug. Eine kleine charmante Lappländerin mit einem jungen einjährigen Lappländer an der Brust, der aber – unter uns gesagt – ein ehrlicher Deutscher und in Hamburg fabriziert zu
seyn scheint, hat zuerst meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie selbst, die Mutter, ist in ihrer Art einzig, und ich glaube in der That, daß sich eine in Bären- und Seehundsfell eingenähte
Menschennatur in keinem vortheilhafteren Lichte zeigen kann. Sie tanzte dem Publikum eine förmliche Lapplandoise, d. h. sie rutschte auf ihren zwei Füßen wie ein Bär, wenn es in einem solchen
Fall noch von Füßen zu sprechen vergönnt ist, und brummte dann ein Lied, das auch dem Gebrumm eines Bären auf ein Haar ähnlich war. Sie stak in einem Käfig, wie der ist, worin man sonst die
Murmelthiere aufzuheben pflegt, zusamt ihrem Kinde; so oft das Spiel zu Ende war, wurde sie hier förmlich eingestallt.
Nach geschlossener Vorstellung ging ich hin zu ihr. Sie brummte mich sehr freundlich an; beinah in demselben Laut, wie sie vorhin die Rennthiere lockte. Dabei faßte sie zutraulich einen Zipfel
von meinem Rockschoß, und zeigte mir einige abgeschnittene Stücke schwarz Tuch. An der Kasse erfuhr ich nachher, daß sie sich einen schwarzen Rock verfertige, und daß sie mich deßhalb, wie David
den König Saul, am Zipfel gefaßt, um mir zu bedeuten, daß ihr Tuch von der nämlichen Güte und Farbe sey, wie das meinige. So verläugnet sich die weibliche Eitelkeit selbst in Lappland nicht. Ich
kann übrigens nicht sagen, daß sie für dießmal viel Mühe auf ihre Toilette verwendet hätte. Sie zählt bis zehn und weiter nicht; und dann fängt sie wieder von eins an. – Im Ausdruck der
Gestikulationen, selbst in der Gesichtsbildung, habe ich, in Rücksicht ihrer Lebhaftigkeit, viel Aehnlichkeit mit den gemeinen Böhminnen, Pohlinnen – den sogenannten Marusken – gefunden.
Dieselben eingedruckten Augen und Nase, bei einer ungekünstelten, besonders gegen Männer höchst insinuanten Freundlichkeit. Die Sprödigkeit scheint wirklich in Lappland nicht sonderlich Mode zu
seyn. Der Eigenthümer der Bude hat sie vor einem Jahr, nebst 6 andern Lappländern und Rennthieren, wie er sagt, von dem Schnee des tiefsten Lapplands gehohlt. Die Rennthiere sind indeß alle an
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Grenze krepiert; und auch nicht einmal bis Petersburg haben sie die Tour ausgehalten. Lauter Malheur! Ein Paar Lappländer sind zwar nicht krepiert – er hat sie aber, wie er versichert, wegen
tückischer, boshafter Gemütheart in ihr Vaterland zurückschicken müssen. Der Sanfteste davon, der eheleibliche Mann der obenerwähnten Lappländerin, ist vorigen Sommer zu Hamburg, an einer
Indigestion von Hamburger Rindfleisch, des Todes verblichen. Die betrübte Wittwe hat darauf dem Eigenthümer dieser Entreprise – einem Italiäner – rund heraus erklärt: wenn er ihr nicht wieder
aufs baldigte einen Ri Rakarlaka, d. h. einen Mann zum Spiel und zum Zeitvertreib, verschaffe: so werde sie auch in die Schwermuth verfallen, und sterben, so wie die Uebrigen gestorben sind. Den
spätesten Termin hat sie bis künftigen Sommer angesetzt. Dem Italiäner, der ohne dieß sehr betrübt ist, da ihm kürzlich seine – Murmelthiere gestorben sind, ist dieß ein Donnerschlag gewesen. –
Er würde gewiß untröstlich seyn, wenn ihm in dieser Kleinen auch noch das Letzte darauf ginge. Er will also wirklich künftigen Sommer über Hals und Kopf nach Lappland reisen, und der kleinen
Lappländerin mit dem ihr dermalen unentbehrlichen Artikel aushelfen. Die Deutschen sind ihr alle nicht hübsch genug. Eben so die Franzosen. Bei dem Einen ist ihr die Nase, bei dem Andern sind ihr
die Augen nicht recht zu Dank: kurz ein Lappländer, oder doch wenigstens ein Samojede soll und muß es seyn, mit dem zu spielen, sie sich in ihrem Herzen vorgesetzt. In Lappland ist es also gerade
umgekehrt, wie im Paradies, oder wie bei Gleim:
„Im Anfang, als die Welt begann,
Sah Jupiter den ersten Mann,
Wie einsam, wie voll Ernst er sann,
Von wem doch das, was ist, den Anfang hätte;
Wie er den Grund von jedem Ding
Zu finden in den Winkel ging,
Und immer mit sich selber redte.
Da sprach er zu der Götterschaar,
Die um ihn versammelt war,
Der Mensch vertieft sich ganz und gar,
Wenn ich im Denken ihn nicht unterbreche.
Ich wills. Er sprach: Es werd' ein Weib –
Schnell ward es in des Mann's Gestalt,
Mit schlauen Augen, welche bald
Auf's denkende Geschöpf im Winkel fielen,
Und schnell springt's hin, und küßt den Mann
Und spricht: du Närrchen, sieh mich an:
Ich bin gemacht mit dir – zu spielen."
Es schlägt 11 Uhr! Mein Fenster geht nach den schönen neu angelegten Leipziger Promenaden. Eben läßt sich für mein Ohr, in diesem Jahre zum erstenmat, aus den im vollen Mondschein stehenden,
knospenden jungen Lindenbäumen, eine Nachtigall, in recht lieblichen und tief aufflötenden Accenten, vernehmen. Gute Nacht Lappland!
Nachschrift.
Mahlmann, Merkel und Falk sind jetzt alle drei hier. Sollte es zwischen ihnen zum Treffen kommen: so könnte man dies die zweite Drei-Kaiser-Schlacht nennen, und der Vorfall möchte in der
literarischen Welt leicht eben so entscheidend werden, wie es die Schlacht bei Austerlitz in der politischen geworden ist. Es fragt sich nur: welcher von den dreien wird wohl auf diesen Fall den
Sieg erhalten? – Von Mahlmann ist nicht zu läugnen: daß er die Avantage des Orts, und einer guten Position für sich hat. Es ist deshalb voraus zu sehen, daß ihm seine beiden Gegner in 10 bis 14
Tagen das Feld doch werden räumen müssen. Falk kommandiert dagegen einige schwere Kavallerie, mitunter auch wohl etwas grobes Geschütz: was will das aber jetzt sagen? Doch Merkel sticht sie alle
mit einander in dem Punkt aus, daß er die meisten Gemeinen in seinem Sold und auf seiner Seite bat.
2.
Petersthor. Schaubuden. Ein nach Pestalozzi's Erziehungsmethode wohldressiertes englisches Kunst- und Steckenpferd.
Hier rührt ein kleiner französisch-deutscher Bajazzo eine wohlgestimmte Trommel, und ladet das Publikun zur Beschauung der Kunststücke eines kleinen, wohldressierten englischen Kunstpferdes ein.
Ich trete in die Boutike. Die Kunststücke nehmen den Anfang. Alle Zuschauer sind aufs höchste gespannt. Ich selbst werde zum Erstaunen hingerissen, und muß wider Willen einräumen, daß Burgdorf
und Schnepfenthal, Guthsmuths Gymnastik und Pestalozzi's Zahlengedächtniß, hier gleichsam auf einem Fleck beisammen sind. Dieses Pferd ist also kein gemeines Pferd mehr; keine Bestie, wie etwa
unsere unzähligen gewöhnlichen Ackergäule: nein, es ist viele mehr ein wohldressiertes Pestalozzisches Reit- und Steckenpferd; es hat sein Alphabet der Anschauung perfekt im Kopf; es weiß aufs
Haar, was ein Steigbügel, was ein Fuß, wo sein Herr, und wo seine Peitsche ist. Freudige Aussichten für die Zukunft! ja ich will es noch erleben, daß ganze Marställe in Mecklenburg zu Lob und
Ruhm des großen Reformators ihren Mund aufthun, und wie die Kinder in der neuen Pestalozzischen Schule zu Y. oder die Juden in der Synagoge in Z. in unisono wiehern werden: „Das ist mein Fuß; das
ist mein Sporn; das ist ein Schlagbaum; das ist meine Peitsche." Aber nicht bloß das Alphabet der Anschauung: nein, auch das Zahlengedächtniß ist bei unserm Pestalozzischen Kunstpferdchen
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im höchsten Vigor. Es zählt bis zehn, und Notabene, wiederum so wie die Juden immerfort aus dem Kopf, und ohne auch nur einmal anzustoßen. Von Religionsbegriffen hat es bis jetzt zwar noch keine
sonderliche Proben an den Tag gelegt. Ich zweifle aber keinesweges, daß Alles, was einem wohldressierten Pferde, von diesem Maß und Gewicht des innern Menschen, in Staaten wie die unsrigen, zu
wissen nöthig ist, nicht eben auch auf diesem kurzen mechanischen Wege von ihm zu erlernen sey. Zu der Geographie besaßen die Pferde ohnedieß von jeher große Anlagen; daher sie sich denn auch,
wie die, dem Menschen ebenfalls subordinierten Hunde, meilenweit zu ihren Peitschen, – nicht minder zu ihren Ställen und Krippen wieder zurückfinden. Daß die Musik ihnen besonders Vergnügen
macht, beweist unter andern der Umstand, daß das Pfeifen eines Kutschers, allen deutschen und pohlnischen Pferden, wo nicht Thränen – doch etwas Anderes entlockt, was Yorik seine Dame, ohne
Schamerröthen, nennen läßt. Und in der Botanik, wissen sie nicht, auf Wiesen und Feldern, die für sie gehörigen Futterkräuter aufs pünktlichste hervor zu suchen? und können die meisten von ihnen,
was praktische Kenntniß der Getreidearten betrifft, es nicht mit manchem berühmten deutschen Kameralisten aufnehmen? Kurz, es ist ewig Schade darum, daß die Anlagen dieses zugleich so
hochverständigen, frommen und wahrhaft praktischen Thieres so lange unterdrückt worden sind, und Jeder, der nur halbweg vor dem Gang der Kultur unsers Zeitalters unterrichtet ist, wird
einräumen müssen, daß eine Wissenschaftslehre für Reitschulen jetzt zunächst unter die ersten Bedürfnisse gehört, die uns der deutsche Buchhandel verschaffen sollte.
Fortsetzung der Kunstnachrichten aus Rom.
Vier Bilder, zwei geistlichen, und zwei weltlichen Inhalts, beschäftigen seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit der Kunstliebhaber: der heilige Thomas von Cammoccini; der Oedipus von Landi, der Tod
der Lucrezia von Madrasse, und die drei Marien am Grabe des Herrn Rösler, einem jungen sächsischen Maler, der sich seit einigen Jahren in Rom aufhält, und mit dem sogleich nach seiner Ankunft
hier verstorbenen Garcis zugleich hier ankam.
Commoccini hat in seinem Leben sehr viel kopirt; seine Kopien sind außerordentlich schön und charakteristisch, und geben die Originale mit einer nicht gewöhnlichen Treue und Meisterhaftigkeit
wieder. Doch ist die Beschäftigung des Kopierens für den, der sie zu viel und zu lange treibt, selten von guter Wirkung für den Künstler selbst, der etwas Eigenes hervorzubringen Talent hat;
seine Eigenthümlichkeit leidet darunter, oder der Künstler beweiset auch schon durch diese große Neigung und Lust zum Kopiren, daß er wenig eigenen Erfindungsgeist besitzt. Cammoccini gilt mit
Recht für einen der ersten unter den jetzigen Künstlern in Rom; allein in seinen großen und glänzenden Werken vermißt man dennoch jene warme lebendige Regsamkeit, mit welcher das Genie sich in
seiner Kunst bewegt, und seinen Gegenstand, von dem es begeistert ist, wahr und unbefangen ausdrückt. In seinem ersten großen Bilde, der Ermordung Cäsars, ist das Mechanische der Kunst in hoher
Volkommenheit geleistet; kräftige Färbung und pikante Massen erheben dasselbe; allein die Ausführung ist kleinlich in Verhältniß zum Ganzen, und geht ins Steife, bis zur elfenbeinernen Glätte;
das Kolorit ist nicht weich, nicht natürlich genug, die Composition zu künstlich geordnet, wie sich überhaupt in dem ganzen Werke die Kunst zu sehr aufdringt. Er hat bei der Bereitung und
Anwendung der Farben in diesem Gemälde eine besondere Methode befolgt und mancherlei Künsteleien versucht, aber dadurch nichts gewonnen, als daß jetzt schon viele Stellen in seinem Bilde schwarz
geworden sind, und dadurch Farbe und Haltung verloren haben.
Seine Virginia, welche voriges Jahr in seinem Studio ausgestellt war, ein Bild von ungeheuerer Größe, ist in sich selbst sehr ungleich; die rechte Seite ist weit besser kolorirt als die linke;
die Composition hat viel Bewegung, aber sie ist theatralisch, und läßt den Beschauer kalt; das Ganze ist in dem Stil der neueren französischen Schule. Die Art wie das Gemälde gemacht worden, gukt
überall durch, und das dramatische Leben ist darüber verloren gegangen. Die Methode sich sein Bild modelliren zu lassen, die Figuren mit farbigen Fetzen zu behängen, in einen Kasten zu stellen
und zu beleuchten, sind Krücken, welche den freien Gang des Genies hindern, und den Genielosen nicht weiter bringen. Eine farbenlose Zeichnung, ein flüchtiger Entwurf von Carstens (ich bediene
mich dieser Vergleichung um zu beweisen, daß es in der Kunst nicht auf das was, sondern auf das wie ankommt), wirkt wahrer und inniger, als jene prunkenden Gemälde, wozu der Maler alle Stoffe in
natura kaufte, und mit gewissenhafter Treue nachmachte, und wo Wahrheit und Geist unter eitlen Prätensionen der Nebendinge erliegen.
Cammoccini's neuestes Bild, der heilige Thomas hat in Ansehung des Kolorits, große Vorzüge vor seinen ersten Gemälden. Der Gegenstand selbst war, durch den Ausdruck verschiedener
Gemüthsbewegungen für die dramatische Behandlung günstig. Eine angemessene {148}
Gruppirung, und die Mannigfaltigkeit der Charaktere, konnten ein vortreffliches Gemälde geben. Ist dies nicht auf eine befriedigende Art geschehen, so kann vielleicht das unpassende hohe und
schmale Format des Gemäldes, das 14 Palmen Höhe, und nur 8 Palmen Breite hat, und, den Maler in ein so enges Bild einklemmte, ihm zu einiger Entschuldigung dienen. Nun wurde bloß ein schön und
glänzend Bild daraus, das große Ansprüche macht, aber keine höheren als die des Auges befriedigt. Zu dem Ausdruck der Köpfe herrscht Manier und eine gewisse Kälte, so schön einige dieser Köpfe
übrigens sind; der Christ hat eine imposante Stellung; das weiße Gewand, das seinen Unterleib bis auf die Füße hinab bekleidet, ist sehr zierlich geworfen, und meisterhaft gemalt; der Körper fest
und kräftig gezeichnet, und brillant kolorirt; auch ist der Ausdruck nicht ohne Würde. Er steht, das Haupt gegen Thomas gewendet, welcher gebückt herbeischreitet, die Wunde anstarrt, und sie mit
der rechten Hand betastet, während er mit der Linken den Mantel hält. Weder Komposition noch Ausdruck vermögen den Beschauer durch einen Totaleindruck zu fesseln.. Er ist genöthigt sich sogleich
an die Besonderheiten zu halten, und die herrlich gemalte Hand des Thomas, die schön gebildeten Füße, und die geschmackvollen Drapperien zu bewundern. Die Hare sind auf eine besondere Art in
schweren Massen angelegt; ein paar Köpfe sehen aus, wie nach Büsten gezeichnet. Dieß Gemälde ist für einen Altar der Peterskirche bestimmt, und soll in Mosaik gesetzt werden. Die sind 10 Palmen
hoch.
(Fortsetzung folgt.)
Kleines Elysium.
An den Herausgeber.
Gestrenger Herr über Elysium und Tartarus:
Schon seit langer Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, einem Manne ein Plätzchen in Elysium zu verschaffen, den unsre Kritiker ohne Gnade in den Tartarus gestoßen. Nenne ich seinen Namen, so ist
sogar der meinige in Gefahr. Ewr. Gestrengen aber lieben die Gerechtigkeit, und an diese appelliere ich. Ohne meinen Namen zu nennen, lege ich ein Paar Blumen vor, die er gezogen hat, und frage
vorläufig an, ob ich wegen eines Plätzchens in Elysium für ihn wieder nachfragen darf.
1.
Blumen-Königthum.
Ich bin die Blumenkönigin,
Die Welt- und Himmels-Gärtnerin,
Denn Berg und Thal, und Wald und Wiesen säugen
Die holden Blumen nicht allein,
Sie wachsen in Krystall und Stein,
Sie lassen sich in Erz und Muscheln zeugen.
Der Erdball stellet einen Garten vor,
Durch meiner Blumen irdische Gestirnes
Der Himmel ist ein Garten, Blumenflor
Sind seine Sterne; jenes Lichtmeers Glanz,
War in der Vorzeit Ariadnens Kranz.
Sprecht, welche Göttin mag mir gleichen?
Beschämt muß Ceres und Pomena weichen!
Ihr Köstliches bestehet in Gerichten;
Der Himmel prangt mit Blumen, nicht mit Früchten.
Und meiner Blumen zarter Kelch, er giebt
Der Liebe Wohnung, junger Lust die Wiege;
Jedweder Stengel ist ein Merkmal ihrer Siege,
Sieh, alle Blumen – liebend und geliebt!
Ihr Wohlgeruch ist ihrer Seele Sehnen:
Die Farb' entbrannt – ihr Thau der Liebe Thränen.
2. Eifersucht.
Sie ist dem Rosenstrauch im Winter zu vergleichen.
Der keine Rosen trägt, und doch den Dorn behält.
3.
Liebhaber und Mann.
Einfält'ge, die ihr traut auf der Verliebten Eide,
Sie haben euch nicht mehr, als Käfer Blumen, lieb.
Sie sind ein Seidenwurm, der anfangs zwar spinnt Seide
In Kurzem aber wirds ein – Molkendieb.
4.
Schönheit.
Ich bin ein Meisterstück des Himmels, Gottes Spiegel,
Ein Schoskind der Natur, des Schöpfers Ebenbild.
Mein Pinsel malt der Morgenröthe Flügel,
In meinen Purpur ist die Tugend eingehüllt.
Ein Phönix nistet nicht, wie Fledermäus‘, in Hölen,
Ein schöner Leib bewirthet edle Seelen.
5.
Der schönste Blumenkranz.
Es mißt des Kranzes Werth der Blumen eignes Leben,
Früh scheinet ihr Geburtstag-, und Nachts ihr Sterbe-Licht. Die Lilien, die auf Hals und jungen Brüsten schweben,
Die Rosen, welche blühn in Lottchens Angesicht,
Sind Blumen, deren Reiz und Anmuth länger leben;
Den frischen Lippen gleicht die schönste Blüthe nicht.
Aus denen lasset uns darum die Kränze winden,
Wovon uns minder schnell Unmuth und Glanz verschwinden.
Druckfehler: S.138. Gr.2. Z.1. St. Weisheit l. Bosheit.
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