1806.  No. 67.

Elysium und Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.

Sonntag, den 7. September.

Ausstellung aus dem dreißigsten Gesange von Dantes Hölle.
Vorerinnerung.
Es ist noch kein volles Jahrzehend, daß man in einem damals ziemlich gelesenen kritischen Institute, die kühnen Originalgedichte eines Feuerkopfes, wie Dante, geradeweg Produkte eines ausgebrannten Gehirns schalt. Einer so völlig zahmen und genielosen Reimerschule, wie die, welche sich damals das große Wort am deutschen Parnaß anmaßte, so wie ihren freilich jetzt zum Glück – immer seltener unter uns gewordenen Aposteln, muß man eine solche Behauptung schon zu gute halten. Nachdem wir Deutschen aber aufgehört haben, dem überraffinirten Franzosen nachzubeten: „daß Homer und Aristophanes ein paar geschmacklose Dichter seyn," d. h. einige Verstöße gegen den konventionellen, oder sogenannten guten Geschmack, dem Genie so hoch anzurechnen, daß darüber Neuheit, Kühnheit und Originalität der Ideen, gleichsam als Nebensache galten, wenigstens gar nicht weiter in Erwägung gezogen wurden: ist auch der göttliche Dante, so wie früher Shakespear, wieder in seine Rechte getreten. Eine getreue Übersetzung des alten, urkräftigen, frommen Inferno, dieser ideenreichen Fundgrube, aus der so mancher Maler und Plastiker, ja selbst ein Michael Angelo, in vollen Zügen zu schöpfen, kein Bedenken trug, scheint demnach die in der Wiedergeburt begriffene, Europäische Zeit, die eben jetzo zur Belebung alter Formen, in der Politik, wie in der Dichtkunst immer dringender Anstalt macht, unserer Literatur gleichsam abzufordern. August Bode, ein hoffnungsvoller, viel zu früh verstorbener junger Künstler, Gelehrter und Dichter, versuchte, nach August Schlegels vortrefflichem Vorgang, in den Horen, zuerst seine Kräfte an diesem Riesenwerk; starb aber bald nach dessen Anfang; nach ihm hat sich der zweite Herausgeber des schätzbaren Journals Polychorda, dieser Fortsetzung rühmlichst unterzogen. Je schwieriger solche Unternehmungen sind, je angelegentlicher sollte die Kritik junge Autoren dazu aufmuntern, um so den Wetteifer, in Erwerbung immer neuerer Kränze des Verdienstes, in unserer schönen Literatur, frisch zu erhalten; besonders, wenn sie sich, wie das bei Herrn Heine wirklich der Fall ist, die möglichst größte Annäherung an ihr Original und die höchste Treue, in ihren Nachbildungen, als Pflicht auflegen.
D. Red.

Als nun vorüber waren die zwei Tollen,
Auf die geheftet noch mein Auge schaute,
Wandt' ich zu sehn die andern Sündenrollen.

Da sah ich Einen; fast wie eine Laute,
War nur getrennt der Theil von seiner Seite,
Den gabelförmig die Natur uns baute.

Die schwere Wassersucht, die in die Weite
Die Glieder ausdehnt, und so arg verkehret,
Daß nicht das Antlitz paßt zur Bauchesbreite,

Ihm hatte sie der Lippen Schluß gewehret;
Wie wer an Schwindsucht krank, im heißen Schmachten,
Die ein' hinauf, die andre abwärts kehret.

„Ihr, die ihr quallos, wie ich muß erachten, {270}

(Warum das weiß ich nicht) herabgegangen,
Begann er, wollet anschaun und betrachten,
Welch Leiden Meister Adam [Der hier in der Hölle befindliche Meister Adam aus Brescia, hatte die dasigen Goldgülden, mit Bild und Ueberschrift Johannes des Täufers, verfälscht. Zur Strafe muß er nun, bei allem Ueberfluß des Wassers von innen – denn ihn quält die unerträglichste aller Qualen, die Wassersucht – an allem nöthigen Wasser von außen, zur Stillung seines Durstes den erschrecklichsten Mangel leiden: und obgleich er frisch sprudelnd die Quellen vom Haupte des Casentinischen Gebirges unaufhörlich niederfließen sieht: so fließt ihm doch kein Tropfen zur Labung; ja er ist von so unbeholfener Gestalt, fast ohne Beine, wie der Dichter sagt: und einer Laute ähnlich; so daß er nicht hoffen darf, alle Jahrhunderte, auch nur einen Fingerbreit weiter von seiner Stelle zu kommen; wie er denn dieses durch den Wunsch anzeigt:

„O daß ich wäre nur in so weit rege,
Zu gehn in hundert Jahren Fingersbreite!"

So büßt Meister Adam, der Falschmünzer von Brescia, seine Felonie an dem Wasserheiligen, Johannes dem Täufer. Andere Schelme, von gleichem Schlage, auf den Boden gestreckt, liegen neben ihm. – Jahrtausende hindurch, ohne sich auch nur einmal auf den Rücken umzuwenden, büßt Sinon, der Grieche, für seine Felonie mit dem Trojanischen Pferd. Der Zwiesprach mit Meister Adam, dessen Figur, nebst den sie begleitenden Gebehrdungen, zum gellenden Trommelschlag des Brescischen Wasserfasses, sind echt grotesk. Die göttliche Comedia des Dante grenzt auch von dieser Seite, so wie von allen übrigen, sehr nahe an die alten sogenannten spanischen und deutschen Mysterien Tragico-Comoedias apostolicas, denen, wie wir aus hundert Beispielen für eins wissen, die Vermischung des Genre als etwas Wesentliches angehörte. Klopstocks Epos ist freilich, dem Stile nach, reiner, aber dafür auch völlig gestaltlos: bei Dante dagegen herrscht weniger Geschmack, aber mehr schöpferische Tiefe des Genies. Zu Dantes genial-grotester Erfindungskraft kann gleich der folgende Gesang den schönsten Beleg geben.
Dante und Virgil, in fühlbarer Finsterniß forttappend, glaubten sich nämlich, auf ihrer Reise, durch die Unterwelt einer Stadt mit gothischen Thürmen zu nähern: in der Nähe aber sind alle diese Thürme, Thurmspitzen und hervorspringende Giebel nichts, als hier seit Jahrtausenden zu Strafe festgebannte, alte gefrorne, dunstgeronnene Riesen. Dabei klingt ein Horn, durch die nächtige schauervolle Einöde, so schrecklich, wie nur immer Rolands Horn zu Ronceval geklungen hat. Es ist das Horn des Riesen Nimrod. Sein Antlitz maß die Länge des erznen Tannenzapfes, auf der Peterskirche zu Rom. – Drei Frießländer, von seinen Hosenbund aufrecht gestellt, hätten noch nicht die Höhe seines Haupthaares erreicht. (Es ist sehr zu wünschen, daß die Herrn Uebersetzer sich möchten angelegen seyn lassen, dergleichen charakteristisch plastische Züge Dantes, auch ganz und kräftig, nicht wie es Schlegel, in seiner Uebersetzung des Shakespear, aus zu großer Vorliebe für Worttreue, so oft begegnet ist, völlig zermörsert und zerstückelt in unsere Sprache, überzutragen.) „Mai Amech, Zab, Almi, Rafel," so schrie sie das Riesenungethüm an, und wälschte in Babels Accenten. Die mißhellige verworrene, hochmüthige Seele Nimrods, die zum Thurmbau Babels die Veranlassung gab, büßte so in dieser Felsenverkleidung als Thurm, sein Vergehen. Ueber die Größe und Tiefe dieser Fiktion, wer sie bei Danten, nach ihrem ganzen Umfang kennt, brauche ich hier kein Wort weiter hinzuzufügen. D. Red.] hält umfangen.
Ich, der im Leben alles konnt‘ erreichen,
Muß bang nach einem Tröpflein jetzt verlangen.

Die kleinen Bäche, die zum Arno schleichen,
Hinab von Casentino's grünen Höhen,
Und die Kanäl' erfrischen und erweichen,

Stets muß ich sie vor meinen Augen haben;
Und dieß ihr Bild will schmerzlicher mich nagen,
Als meines wunden Angesichtes Wehen.

Gerechtigkeit, die streng vollführt die Plagen,
Nimmt Anlaß von dem Orte meiner Lügen,
Um meine Seufzer heftiger zu jagen.

Dort ist Romena, wo ich einst mit Trügen
Dem Täufer falsche Mischung beigegeben:
Drum muß verbrannt mein Leib dort oben liegen.

Säh ich sich Alessandra herbegeben,
Und Guido sammt dem Bruder zu den Schlunden;
Um Branda’s Quell würd‘ ich die Schau nicht geben.

Der Ein' ist drinnen schon, darf ich den Kunden
Der argen Geister traun hier im Gehege;
(Was aber hilft es, da mein Leib gebunden?

O daß ich wäre nur in so weit rege,
Zu gehn in hundert Jahren Fingersbreite,
So wär ich mindestens schon auf dem Wege,

Durchsuchend diese mißgeschaffnen Leute;
Erstrecken sie sich gleich durch eilf der Meilen,
Und eine halbe kaum ermißt die Breite.)

Um sie muß ich in diesen Schaaren weilen,
Die mich verführten, den Floren zu schmähen.
Und drei Karat ihm Zusatz zu ertheilen."

Ich frage' ihn: „Welche zwei sind hier zu sehen,
Die dampfen gleich im Winter nassen Händen.
Zur rechten Seite ganz in deiner Nähen?"

„Ich fand sie hier, und sah sie nie sich wenden,
Antwortet er, seit ich in diesen Grüften,
Und nie geschieht's wohl, bis die Zeiten enden.

Dem Joseph wollte jene Urtheil stiften;
Der falsche Griech' ist dieß vor Troja's Hallen,
Die beid' im hitzgen Fieber Pest verdüften"

Und einer Ihrer, dem es schlecht gefallen, {271}

Daß man ihn mit so schnödem Namen zierte,
Schlug ihm den Bauch mit seiner Hände Ballen;

Der scholl, als ob man eine Trommel rührte.
Den Arm schwang Meister Adam ihm dagegen
Ins Angesicht, den er nicht schwächer führte,

Und sprach zu ihm: „Darf ich auch nicht bewegen
Die schweren Glieder, kann ich doch mit neuer
Gewalt den Arm zu solchem Amte regen“

Der gab zur Antwort: „Als du gingst zum Feuer,
Da führtest du ihn keineswegs so tüchtig,
Doch bei der Münze hubest du ihn freier."

Der Wassersüchtige: „Das sprichst du richtig;
Doch als vor Troja Wahrheit ward erheischet;
Da war dein Zeugniß lügenhaft und nichtig.“

„Täuscht' ich die Red', hast du das Geld getäuschet,
Sprach Sinon; Einen Trug hab ich zu büßen;
Dir sind mehr als drei Teufel eingefleischet."

„Du wirst des Rosses, Frevler, denken müssen,
Mit falschem Bauch, die Antwort hört ich' klingen;
Die ganze Welt soll dir's zum Aerger wissen."

„Die Zunge, rief der Grieche, mag dir springen,
Durst dich quälen und die faulen Wellen,
Dir Mauern gleich, den Bauch vor's Auge bringen.

Der Münzer drauf: „Aus deinem Maule quellen
Verwünschungen, wie's pfleget zu geschehen;
Doch hab' ich Durst, und muß der Dunst mich schwellen;

So hast du dafür Brand und Kopfeswehen;
Den Spiegel des Narcissus auszuzechen,
Bedürft es wohl nicht erst dich anzuflehen." – –

Ich war noch ganz gespannt auf solches Sprechen,
Da hub mein Meister an: „Wohlan denn, schaue,
Nur wenig fehlt, so werd' ich mit dir brechen."

Da sah ich auf ihn hin, als ich den rauhen
Befehl vernahm, gar sehr von Scham bedrücket,
Noch jetzt daran zu denken macht mir Grauen.

Wie wer da träumt‘, er sey in Leid verstricket,
Und daß er träumen möcht', im Traum sich sehnte,
Und dem, was ist, als wär' es nicht, erschricket:

So ich, der ich mich zu entschuldgen stöhnte,
Und gar nichts sagen konnt‘, und mich vollkommen Entschuldigte, so wenig ich es wähnte.

„Er sprach: Durch mindre Scham auch würd' entnommen
Ein größrer Fehl, als ich bei dir gesehen,
Drum sey von keiner Traurigkeit beklommen,

Und glaub' stets werd' ich dir zur Seite gehen,
Wollt uns das Schicksal noch einmal gewähren,
Zu gehn in so zanksücht'gen Volks Nähen,

Dem wohl ein niedrer Wunsch ist zuzuhören."
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Ankündigung eines neuen Meßprodukts.
Paris, den 26. August. Vor einigen Tagen wurde hier ein ganz außerordentliches Kind in die Ecole médicine gebracht. Drei Jahr acht Monat alt, hat es schon seine völlige Pubertät erreicht. Seine Stimme ist stark und männlich; an seinem Kinne fängt der Bart an hervorzusprießen. Es hebt 30 Pfund, ohne große Anstrengung. Sein Appetit entspricht völlig dieser frühzeitigen Entwickelung. Zwei Pfund Fleisch auf eine Mahlzeit, nebst zwei bis drei Bouteillen Wein, kann es auf sich nehmen. Eben so viel Portionen Brot. Es ist von armen Eltern geboren. Sein Vater heißt Michael Dufour, und ist ein simpler Weingärtner. Es logirt in Rue St. Honoré, und wird wahrscheinlich bald als eine Kuriosität für Geld zu sehen seyn.
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Paris. Kameele und Dromedare. Es gibt hier ein neues Spektakle fürs Volk jetzt in den hiesigen Menagerien. Man hat nämlich die Dromedare so abgerichtet, daß sie, vermittelst Schwengel, eine Wasserleitung in Bewegung setzen, die den Bären, Affen u. s. w. ihr nöthiges Trinkwasser zuführt. Mit den Kameelen hat man ebenfalls einen Versuch gemacht: aber sie sind von Natur zu philosophisch, oder auch zu eigensinnig, um sich zu einem ähnlichen Dienst hergeben zu wollen. Vermuthlich also ist es auch ein Dromedar und kein Kameel gewesen, von dem unser Pfeffel singt:

„Bei seines Mentors heitrer Pfeife,
Zog ein Kameel." u. s. w.

wodurch das Volk zu so erbaulichen Reflexionen veranlaßt wurde, als z. B.

„O seht rief der erstaunte Priester,
Wie andachtsvoll die Knie es beugt!" –

"Dabei, versetzte der Minister,
Trägt es so viel man will und – schweigt."

Liebesverzweifelung.
(Altdeutsch)
Corinne, Corinne, sie brach mir den Schwur:
Die Rosen sind blasser und scheinen zu welken:
Die Klarheit der Sonne verhänget das Haupt,
Der schönste Geruch ist den zartesten Nelken,
Die schneeigte Weiße den Lilien geraubt:
Erlisch nur, o Pracht der rubinischen Flur:
Corinne, Corinne, sie brach mir den Schwur! {272}

Im Augenblick ändert sich ganz die Natur
Wie abgeschmackt hör' ich die Nachtigall singen:
Wie albern verplaudert sein Schlaflied der Bach?
Was fliehen die Schatten, den Mond zu verschlingen?
Was geht mir im Wald so verrätherisch nach?
Fallt nieder, ihr Himmel bedecket mich nur:
Corinne, Corinne, sie brach mir den Schwur!

Der Jüngling und sein Zeitalter.
Was singt es aus grauem Jahrhundert mich an?
Was ruft es mich wieder und wieder?
Die ewigen Thaten, sie sind ja gethan:
Sie singen nun ewige Lieder:
Und wer sie vernimmt, so hell und so klar,
Ihn nennt das verfeinte Jahrhundert Barbar.

Es klingen die Meere von Salamis schön
Das Feld von Thermopyläs Helden,
Die Herolde Gottes und Luthers erstehn
Von Gustav und Lützen zu melden:
Und wer es vernimmt, so hell und so klar,
Ihn nennt das verfeinte Jahrhundert Barbar,

O gebt mir ein Schwert und gürtet mich an,
Damit ich die Ehre der Todten,
Damit vom Leben erretten mich kann,
Das nichts, als die Schmach mir geboten:
Und wer es vernimmt, so hell und so klar,
Er theile den Lorbeer mit mir und die Bahr!
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Miscellen.

St. James's Chronicle. July 31. Der Hund und seine vier Schiffsherrn. Aus einem Schreiben aus Archangel vom 8. Junius ersehen wir, daß einige Isländer an den Klippen der weißen See, letzlich ein eisbedecktes Schiff gewahr wurden. Durch das in dieser Jahrszeit ungewohnte Schauspiel angezogen, näherten sie sich dem Fahrzeug. Nur mit Mühe gelangten sie an's Wraak, fanden aber keine Seele am Bord. Das Cargo bestand in Waizen, der aber, obwohl in Säcke geladen, beim Stranden des Schiffs sehr gelitten hatte und völlig tummligt geworden war. Nach dem Schiffsbuch hieß das Schiff Argo und Thomas Kidson hatte es zuletzt als Patron geführt. Indem nun die Eingebornen, was noch von Ankern und Stricken umher lag, zusammen suchten, sahen sie am Ufer mitten im Schnee eine Stange stecken, die sie nicht alsobald hinwegräumten, als ihnen etwas aus der Oeffnung mit dumpfem Laut entgegen bellte. Anfangs erschraken sie und wichen zurück. Nachher aber trieb sie doch die Neugier an und sie gruben weiter. Zwei und einen halben Faden tief im Schnee, entdeckten sie darauf den Hund und die Ueberbleibsel von vier menschlichen Körpern. Nur einer derselben war noch ganz und unversehrt: mit den drei übrigen hatte sich der Hund durchgewintert. Wahrscheinlich gehörten diese Unglücklichen sämmtlich zu des Argo Schiffsquipage, die, indem sie am Ufer, bei zu merklich vorgerückter Jahrszeit, eine Zuflucht gesucht, in der rauhen Witterung, im Schnee und den Isländischen Windwehen stecken geblieben und umgekommen war.
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Ueber Schillers Objektivität. Ein nöthiges Postskript zu Nr. 101. der Eleganten Zeitung. Es macht uns eine rein ästhetische Freude, wenn neulich ein Herr Beauregard Paudin, in der Eleg. Zeitung Nr. 101. das Göttliche in den Objekten wieder anzuerkennen, einige vorläufige Anstalt macht. Das vornehme Sprechen von Realismus hat also aufgehört: Gottlob! Aber wenn Herr B. P. die Kur an dem thörichten Idealismus, der unsere Dichter und Kunstrichter noch immer befängt, auf die Art vornimmt, daß er den jungen Künstlern ein fleißiges Studium Schillers und Shakespeare als Universalrezept dagegen verschreibt: so ist er wohl für den ersten Fall ein wenig seitab. Schillers Manier, wie Herder schon scharfsinnig bemerkte, bestand eben darin, daß er häufig den dramatischen Faden, in seinen Stücken, zu philosophischen Spinngeweben fortspann, die Objekte, durch sein präponderantes, philosophisches Ich, das sich nicht selten etwas alpartig auf sie legte, nur nicht geradezu vernichtete: dagegen Shakespeare Genius, den von ihm erwählten Objekten jedesmal ihr göttliches Recht anthat und in der hohen, fast objektiven Verklärung einer naturschaffenden Weltseele, seine genialen Schöpfungen zu Tage fördert. Daß das übel organisierte historische Drama nicht länger eine Rolle am deutschen Parnaß spielen sollte, ist übrigens ein Punkt, worin wir Herrn Bauregard Paubin vollkommen beipflichten.
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Alte Volkspoesie

Deutsche Treue.
Frage alle Bekannte,
Frage alle Verwandte
Frag alle Betrübte,
Frag alle Verliebte,
Frag Himmel, frag Erden,
Frag, was irgend gefragt mag werden:
Alle sagen, es sey
Nichts Schönere, als deutsche Treu.
Ja Englands Korallen,
Sie können gefallen:
Und Frankreich Rubinen,
Sie können zwar dienen,
Sie können zwar trutzen,
Und Könige putzen:
Ich bleibe dabei:
Nichts Schöners, als deutsche Treu.