1806 No. 41.
Elysium und Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte
Mittwoch, den 4. Juni.
Zeitgeschichte
oder
kleine Europäische Gazette.
Geist der Zeit, von Ernst Moritz Arndt 1806.
(Fortsetzung.)
Mit Feigen und Speichelleckern ist der Menschheit in einem Zeitalter nicht gedient, das am Rande des Verderbens und der seelenlosesten Egoisterey steht, sagt der eben so edle, als wahrhaft
freimüthige und deutschgesinnte Doktor Bergk, in seiner Anzeige dieses Arndtschen Buch's, Nr. 40 des europäischen Aufsehers. Aber das jetzige faule Humanitätswesen, eins von jenen zahllos
leidigen Modeübeln, das seit ein Paar Jahrzehnden in Deutschland, bis zur Lüderlichkeit von Groß und Klein, und alle Stände hindurch, getrieben ward, machte zuletzt, daß eine charakterlose
Schwäche für das Ziel aller Ausbildung und tüchtigen Bestrebungen in Kunst, Leben, und Wissenschaften galt. Ja, in unsern guten Gesellschaften, wie Göthe bemerkt, muß der Mensch (Homo) immer nur
etwas mehr als Nichts seyn. In solchem Sinn sind denn freilich weder Luther, noch Lessing, noch Voß je human gewesen. Denn was ist solche Humanität anders, als ein beständiges Ausweichen der
Kraft, ein feiges Nachgeben der Schwäche, und eine gegen alle bessere Ueberzeugung durchgeführte erkünstelte Nullität. „Er ist ein Starrkopf, er paßt nicht für die Welt und das gesellige Leben"
alle diese im höhern Umgang so geläufigen Ausdrücke, zeigen nur zu deutlich, daß die sogenannte höhere Welt mit alle dem, was man Maxime und Charakter nennt, in einem beständigen Krieg ist. Daher
sagt auch Moritz Arndt ganz recht, wo er Seite 456 seines Buchs auf diese Modepuppe Humanität zu sprechen kommt:
„Was sollen diese trägen, eiteln, knechtischen Gesellen mit dir, unter deren schlaffen Händen und weichem Herzen Alles mürbe und gestaltlos wird? Aefferey treiben sie mit dem Heiligen; zur Mode
erniedrigen sie die Kunst, zur Weinerlichkeit das Mitleid, und die lahmen und jämmerlichen Gestalten, die aus solcher Erbärmlichkeit hervorgehn, lassen sie, durch ihre Humanität und Bildung
werden, und schelten die Wahrheit und Tüchtigkeit der Väter Unhuld und Barbarey. Damit alle ihre Jämmerlichkeit ungestoßen und ungeschlagen durchgehe, damit ihre Ziererey für Empfindung, ihre
Eitelkeit für Bildung, ihre Weichlichkeit für Zartheit, damit ihr ganzes hohles, leeres (und geschminktes) Schattenleben doch für etwas Wirkliches gelte, dazu haben sie die Aeffin nöthig, die sie
mit ihrem Namen nennen und anbeten. Hinweg mit ihr! Es ist keine Humanität, diese zu dulden! Es giebt keine Humanität für das Unrechte und Böse, es giebt keine für die Halblügen und
Halbwahrheiten, womit ein ausgeartetes Menschengeschlecht spielt." {166}
Unter der Feder eines Friedrich von Genz, der selbst die Theilung von Pohlen, so wie Alles, human und gerecht findet, sobald es von drei bis vier Cabinettern im Einverständniß beschlossen ist,
wäre auch wohl die folgende Schilderung humaner ausgefallen, wie bei Moritz Arndt; ob sie aber dadurch, eben jetzt, wo das Heil der Welt und Europas auf dem Spiel steht, an Wahrheit gewonnen
hätte, ist eine andere Frage.
Die deutschen Fürsten.
„Ach! daß die Kraft so ausgestorben ist, daß Keiner von Euch die Majestät des Unglücks kennt, die allmächtig ist. Das Unvermeidliche mußtet Ihr dulden, aber wie Fürsten, das Unwürdige leiden vom
Feind, aber nie mit eurem Willen, das Undeutsche nie thun, sondern hassen und strafen an Andern. Dann würden sich tausend und hunderttausend Arme bewaffnen, die Nation, die Euch erkennte, würde
sich erkennen, der Feind würde verschwinden, und der Rhein, offen und gefroren, auch ohne Festungen, mit Zittern überschritten werden. Aber solches hohe Leben ist selbst unter Fürsten dahin, und
nur deswegen sieht die Welt sie ohne Mitleid unterdrückt. Auch der Ungerechteste und Mächtigste darf sich an dem Würdigen nicht ungestraft versündigen, stößt er den Unwürdigen in den Staub hinab:
so erscheint er als ein Rächer Gottes, die Völker sehen gleichgültig zu und die Welt rollt mit Vergessenheit darüber hin. Napoleon weiß, was das heißt, und gebraucht es.
Reflexion.
Homo heißt der Mensch, den Gott erschaffen hat: Humanität dagegen ist nur ein elender Affe, dem das achtzehnde Jahrhundert das Daseyn gegeben.
F.
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Aus Heidelberg.
Was unser Voß macht? fragen Sie. Er arbeitet den Nachmittag Nichts, wie wir Heidelberger in der Regel auch thun: aber dafür arbeitet er den ganzen Vormittag desto fleißiger – wie wir Heidelberger
in der Regel nicht thun.
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Aus Danzig.
Viele unserer öffentlichen, selbst königlichen Gebäude sind in der Englischen sogenannten Phönixkompagnie assecurirt. Sollte es also von Seiten der Engländer je zu einem Bombardement auf die
Stadt kommen: so müßte die englische Phonixkompagnie dem König von Preußen die Gebäude, die ihre Regierung ihm niederschösse, auf eigene Kosten wieder aufbauen lassen.
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Anecdoten von der Ostsee.
Die Police. Vor einigen Jahren war die Wuth, sein Haus in der Englischen Phönixkompagnie assekuriren zu lassen, selbst unter den Bauern in der Danziger Nehrung, allgemein geworden. Bei'm
Uebersetzen einer Fähre, worauf ich mich befand, sagte der Fährmann zu dem Knecht: Na Jost, es brennt schon. Der Knecht gab ihm ganz gelassen darauf zur Antwort: das sey kein Wunder; Klaß – so
hieß der Bewohner der Hütte – wo es brannte, sey ja schon vorgestern in der Stadt gewesen, und habe die Police gehohlt.
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Das Rathhaus. Der Magistrat eines benachbarten Städtchens schrieb, wie man erzählt, an das Englische Comptoir, das die Geschäffte der Phönixkompagnie in Danzig besorgt, folgendermaßen einen
Brief: Ew. Wohledeln melden mit aufrichtigem Bedauern, wasmaßen das Haus des hiesigen Brenners und Einwohners N. N., als welcher erst voriger Woche mit einer Police auf seinem Erbe versehen ist,
in der Nacht vom 13. zum 14. dieses, durch einen ganz besondern Unglücksfall, den kein Mensch vorausgesehn, leider von Grund aus niedergebrannt ist. Zugleich nehmen wir uns die Freiheit, bei Ew.
Wohledeln wegen einer neuen Police anzufragen: ob es nämlich nicht möglich wäre, auch hiesiges Rathhaus, gegen einen, so Gott will, einbrechenden ähnlichen Schaden und Unglücksfall auf's
Zukünftige, mit einer konsiderabeln Summe, verassecuriren zu lassen.
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Aus Hamburg. Die Hinrichtung eines gewissen Sander, der besonders auf den dänischen Gebiet viele Spitzbübereien verübt, hat hier viele Sensation erregt. Man trägt sich von diesem Menschen mit
allerley Anekdoten herum, und wenn wenn auch nur einige derselben wahr sind: so muß er immer ein sehr intrikater Kopf gewesen seyn. So soll er z. B. von einem gewissen Rathsherrn, was äußerst
charakteristisch ist, gesagt haben: hätte ich seine Erziehung gehabt, so würde ich gewiß ein besserer Rathsherr; hätte er aber die meinige gehabt, so würde er gewiß ein schlechterer Spitzbube
geworden seyn. – Als er ferner einst in einem dänischen Städtchen, auch wegen Diebstahls zu Protokoll stand, und ziemlich scharf inquiriert wurde, hielt der Richter ihm, unter andern auch, als
Corpus delicti, die gestohlnen Sachen vor. Ein Magistrat bemerkte dabei, daß nun noch ein Beutel fehle. Je nun, sagte Sander, mit seinem niedersächsischen, wahrhaft Lips Tullianischen Humor und
Phlegma: „der wird ja sich auch wohl noch finden." Auch fand er sich wirklich; denn die Nacht darauf brach Sander sich los aus seinem Gefängniß, stieg ins Rathhaus, stahl die Sachen, und legte,
zum nicht geringen Mißvergnügen eines hochedeln Magistrats einen lee- {167}
ren Beutel an die Stelle. Dieser Kert ist nun kürzlich auf dem Hamburgischen Gebieth ergriffen, und, wie man sagt, nach Verdienst gehangen worden.
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Aus England.
Wie ist den vielen Klätschereien in kleinen Städten ein Ende zu machen? Die Sache wurde nicht nur vor einigen Jahren im Reichsanzeiger fleißig ventiliert, sondern von B … aus wurde dieser
Gegenstand auch sogar förmlich zu einer Preisaufgabe für ganz Deutschland gemacht. Es mögen wohl einige 50 Preisschriften darüber eingelaufen seyn. Ein gemeiner Engländer, Namens Wright, wie er
vorgibt, von Gott begeistert, hat nun kürzlich diese Preisfrage auf diese Art zu lösen gesucht, daß er allen alten Weibern seines Orts den Kopf abschneiden wollte. Dabei versicherte er hoch und
theuer, eher würde in der Welt schlechterdings nicht Friede werden. Kaum aber hatte er noch mit einer gewissen Mr. Rowe den Anfang gemacht: so wurde ihm schon von der Regierung das Handwerk
gelegt, so daß man nun wieder eben so klug, wie zuvor ist.
Fortsetzung der Kunstnachrichten aus Rom:
Wallis ein Engländer, der schon seit vielen Jahren in Rom lebt, und jetzt hier der einzige Künstler seiner Nation ist, hat sich in seinem letzten Landschaftsgemälde selbst übertroffen. Seine
gewöhnlichen Fehler, ein unangenehmes Kolorit, Mangel an Haltung, und eine rohe und schwerfällige Ausführung, sind in demselben theils glücklich vermieden, theils minder auffallend; und die
glückliche Composition, welche eine gefällige Harmonie des Ganzen bewirkt, zeichnet sein Gemälde unter den Kunstprodukten dieser Zeit vortheilhaft aus; wie denn überhaupt Wallis, in der
Composition seiner Landschaften immer glücklicher war, als in der gefälligen Ausführung derselben.
Sein Gemälde stellt einen Abend dar, der Mond blickt aus zerrissenem Gewölk hervor, das eine stürmische Nacht zu verkünden scheint, welche schon die Gegenstände zu verhüllen beginnt, während noch
die Strahlen der scheidenden Sonne, am Horizont die Gipfel der fernen Gebirge erhellen; lange Schatten ziehen sich durch den Mittelgrund. In der Mitte des Grundes, steht ein altes Gemäuer, mit
einem Giebel und einer Nische, worin ein Muttergottesbild steht, mit einem flimmernden Lämpchen davor, das nach und nach im Dunkel aufzublicken scheint. Weiber, in der Tracht der römischen
Bäuerinnen, kommen mit ihren Kindern andächtig zu dem Bilde, ein Bauer, der mit einem Holzbündel nach Hause wandert, kommt über einen nahen Steg gleichfalls hinzu, beugt schon von ferne die Knie,
und entblößt mit frommer Ehrfurcht sein Haupt. Rechts ganz im Vorgrunde sitzt ein Eremit, in Betrachtungen vertieft, am Ufer eines Baches. Ein mächtiger Strom windet sich durch den Mittelgrund in
die Ferne. Am rechten Ufer desselben, hinter der Kapelle, erheben sich zwei Berge, an deren Fuße man unter Pinien, eine ländliche, von Reben umrankte Wohnung erblickt. Die wartende Gattin breitet
die Arme nach dem heimkehrenden Gatten aus, der schon mit eilenden Schritten die Thüre erreicht hat, während sein Ackergespann langsam folgt, und von dem Haushunde bewillkommet wird. In einer
kleiner Bucht, vor welcher der Weg nach dem Hause vorbeiführt, legt heimkehrend eine Barke an; auf der andern Seite zieht sich eine Landzunge, mit Pappeln bewachsen, in den Strom hinein. Hinter
ihr erheben sich die Thürme eines Dorfes; erlöschende, einsame Feuer, deren Rauch sich den Bergen nachzieht, brennen auf dem Felde; ein umschlungenes Paar wandelt in der Stille des Abends, und
Weiber, mit Kindern, an dem linken Ufer, nach dem Mittelgrund hin: ihre Gestalten verlieren sich halb in der Dämmerung.
Dies Gemälde hat ausgezeichnete Verdienste, schon aus der Beschreibung sieht man, wie verständig alles zu einem Haupteindrucke gewählt ist; die Anordnung ist einfach, und so reich sie an Details
ist, so sind diese doch mit großer Harmonie in ein Ganzes vereinigt. Dabei geben die feierliche Ruhe, die durch das Ganze verbreitet ist, die halbzerfallene, mit Moos und Epheu bewachsene
Kapelle, der Eremit, die Andacht, dem Gemälde eine rührende Wirkung, das Kolorit ist kräftig und harmonisch; und wenn es auch nicht durchaus wahr seyn sollte, so vergißt man dieses, über den
gelungenen Ausdruck, der durch das Ganze gehenden Idee.
Zwei andere Landschaften von Wallis, die er seit nicht gar langer Zeit vollendet hat, können auf dieses Verdienst keinen Anspruch machen; es fehlt ihnen an Wahrheit und Harmonie: eine derselben,
eine Schweizer Landschaft, welche die obere Reviere der Gebirge von Bündten darstellt, hat, den Charakter von Größe ausgenommen, der in dem Gegenstande selbst unvertilgbar liegt, nicht die
Wahrheit, ist grau und frostig gemalt, ohne Sinn für die feineren Wirkungen von Licht und Luft, welche diese mächtigen Schneewelten und Eismeere, charakterisiren. Niemand verstand dies besser,
als der Zürcher Maler Heß. Seine zwei letzten Gemälde schweizerischer Natur, übertreffen alles, was in dieser Art besteht. Die {168}
Größe des Gegenstandes ist mit unübertrefflicher Wahrheit dargestellt, und zugleich mit einer Feinheit des Details, die der Masse nicht schadet, in einer schönen Beleuchtung, und mit der
äußersten Vollendung, die dem Charakter der Größe keinen Eintrag thut, ausgeführt. Heß malte uns die Sonne auf dem Schneegefilde; Wallis glaubt alles thun zu müssen, um sie auszulöschen, und
seinen Gegenstand recht kalt und frostig darzustellen.
Augusteum, Dresdens antike Denkmäler enthaltend, herausgegeben von Wilhelm Gottlieb Becker. Drittes Heft 1806. Mit diesem so eben erschienenen Hefte, welches 12 Kupfertafeln, No. XXIII – XXIV
enthält, ist der erste Band dieses Prachtwerks beendigt, dessen schöner Druck der Göschenschen Offizin Ehre macht, und dessen Kupfer, in den ersten beiden Heften, an Treue der Zeichnung und
Sauberkeit des Stiches, wenig zu wünschen übrig lassen. Weniger haben uns mehrere Blätter des dritten Heftes im Stich befriedigt. Vornemlich gilt dies von den Nummern 25 26 28 29. von Alois
Keßler, zwar mit großem Fleiße, aber in einer zu kleinlichen, schwachen und verblasenen Manier gestochen, welche der Darstellung alter Bildwerke weniger angemessen ist, als der Stich der meisten
übrigen Künstler, die zu diesem Werke Platten geliefert haben, besonders der Herren Schulze, Seiffert und Krüger; dasselbe gilt auch von dem Bauseschen Blatte No. 131. In No. 27 uud 30 von
Seiffert gestochen, vermißt man, in den zu starken Schatten jene Klarheit, welche guten Nachbildungen von Marmorwerken immer eigen ist, und die besonders hier, wo es die zarten Formen der Venus
darzustellen galt, nicht mangeln sollte. So auch war es kein glücklicher Gedanke, die Venus von der Rückseite No. 29 ganz in volle Schatten zu stellen. Da eine nähere Beurtheilung der Erklärungen
mehr Raum erfordern würde, als unser Blatt dazu hergeben kann, so müssen wir dieselbe andern überlassen, und uns hier blos auf den Wunsch beschränken, daß Hr. Becker, zur glücklichen Vollendung
seines Werkes, beim Publikum die nöthige Unterstützung finden möge, wozu freilich, die noch nicht völlig an 250 reichende Pränumerantenzahl, nur bescheidene Hoffnungen erregt.
Miscellen.
Volkspoesie. Bei dem Bau des neuen herzoglichen Schlosses zu Weimar haben – vermuthlich schwäbische Tüncher – folgende naive Inschrift zurückgelassen.
„Glaube, Liebe, Treu und Recht,
Die Vier haben sich schlafen gelegt,
Und wenn sie wieder auferstahn,
So wird's auch wieder besser gahn."
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Spaziergang nach der Mode in Paris.
Man geht von Theater zu Theater, besucht unterwegens die Einsiedeley von Siera Morena, und Robinsons wüste Insel, geht über die Brücke des Teufels, um in die Hölle zu kommen, und findet dann
seine Erlösung, durch das Gewölbe der Alphonsien.
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Servietten.
In Rheims wurden die ersten aus Leinwand gemacht, vorher nahm man wollene, und zwar ziemlich grobe wollene Tücher dazu. Bei Tische bediente man sich des Tischtuchs, statt derselben. Das eine Ende
desselben hielt man vor sich, und wischte während und nach der Mahlzeit die Hände daran ab.
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Milton und de la Condamnier.
Fast in gleicher Zeit verlohr Milton seine Frau und das Gehör. Der letzte Unfall hielt ihn nicht ab, sich wieder zu verheurathen. Einer seiner Freunde bezeugte ihm seine Verwunderung darüber, daß
er eine Frau bekommen. „Das verstehen sie nicht, sagte er. Wäre ich nur auch blind dabei, so wäre ich vollends die erste Parthie in England."
Auch de la Condamnier, heurathete in einem hohen Alter seine Nichte. Er mußte deswegen Dispensation von Rom haben, und schrieb an Benedict XIV. Dieser wußte daß C. taub war und antwortete: Ich
ertheile die Dispensation um so lieber, da die Taubbeit ihnen nothwendig den Hausfrieden erhalten wird."
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Ora pro nobis.
Madam de Mailly, die erste Maitresse Ludwig XIV. meinte es mit ihre Belehrung eben so ernstlich, wie zuvor mit ihrer Maitressenschaft. Sie liebte nun Gott, wie sie sonst den König geliebt hatte,
und war jetzt eben so sehr mit wohlthätigen Werken und dem Gebeth beschäftigt, als vorher mit Putz und den Künsten der Coquetterie. Einmal kam sie etwas zu spät in die Kirche. Der Vater Renard
war schon auf der Kanzel und hatte seine Predigt angefangen. Ehe sie zu ihrem gewöhnlichen Platze kommen konnte, mußten einige Leute aufstehen, und das verursachte denn einigen Lärm. Ein Mann,
der in übler Laune seyn mochte, sagte daher: „das ist auch wahrhaftig viel Lärm um so eine H.“ „Wenn dem so ist, mein Freund, antwortete ihm Madam de Mailly ganz gelassen, so schließen sie mich
mit in ihr Gebeth ein!
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Berichtigung.
In Nachricht auf der letzten Seite des Umschlages vom letzten Monatshefte lese man: „Unter der Redaktion von J. D. Falk und Theilnehmung des Herrn Professor Fernow und anderer vereinigten
Kunstfreunde u. s. w. welches zur Verhütung von Mißverständnissen hier bemerkt wird." Eben so lese man Genz, statt Gens.
D. Red.
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