1806 No. 47.
Elysium.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte
Mittwoch, den 25. Juni.
Zeitgeschichte
oder
kleine Europäische Gazette,
Deutschland, oder was wird's werden?
Zweiter Traum aus dem Portefeuille eines politischen Geistersehers [Der erste von diesen Träumen Regensburg, oder was wird's werden? steht in Nro. 25. dieser Zeitung abgedruckt, und ist jetzt
bereits so ziemlich in Erfüllung übergegangen, obgleich dazumal Niemand dachte, daß es so kommen würde.].
Wir leben zu den Zeiten Napoleons des Großen – und Alles geht bei uns auch wirklich in's Große. Man macht Experimente über Experimente, und jetzt bringt man sogar ganze Staaten, wie Mäuse, unter
den Recipienten einer Luftpumpe. Jedes Experiment aber ist eine Frage, die man der Natur vorlegt, und worauf man sodann geziemend eine Antwort erwartet. Diese Dame hat dabei, wie alle Großen,
ihre Launen, und daraus entspringt die bizarre Gewohnheit, daß sie sich wohl hundertmal fragen läßt, ehe sie nur einmal Antwort gibt; ja daß ihre Antwort über ein Jahrhundert ausbleibt. Jetzt z.
B. wo alle Welt gespannt ist, und bei den immer mehr überhand nehmenden Experimenten mit Thronen, Ländern und Unterthanen, es zu seyn, volle Ursache hat, wird sie in ihrem Schweigen täglich
verstockter und hartnäckiger: und wenn man sie frägt: wohin wohl ein mit so vieler diplomatischer Aisance adoptiertes System, das Unterthanen, wie eine Parthie Schnittwaaren hingibt, Republiken,
wie Lichtschnuppen austritt, und vom Verlöschen alter Königslinien nicht anders spricht, als wenn es eben so viel Laternen von den Illuminationen wären, die wir noch gestern und ehegestern Ihnen,
als unsern rechtmäßigen Souverains zu Ehren, anzündeten, selbst ein übrigens so loyales und seinen Fürsten treues Volk, wie die Deutschen, aus Verdruß, Unmuth und Verzweiflung am Ende noch führen
würde? so erwiedert sie nichts und ist still, oder grollt für sich einige Worte, und wenn man noch weiter in sie dringt: so sagt sie ganz kurz: „das sey gar nicht abzusehn" oder verweist Einen
– an ihre jüngere Schwester, die Historie, die, wie sie selbst versichert, auf alle solche Dinge besser Bescheid wisse. Und so, durch ihre häufig abschlägige Antworten selbst nur noch
neugieriger gemacht, habe ich nun auch wirklich diese zu Rathe gezogen. Und da ich zu ihrem Tempel kam, fand ich sie, wie sie eben in aller Majestät davor auf ihrem Stuhle saß; auf dem Stuhl, vor
dem sie über die Völker der Erde und ihre Könige so unerbittlich Gerichte hält. Und in der einen Hand hielt sie eine {190}
Bittschrift, die ich sogleich für die eure erkannte, edle Anspacher; und in der zweiten wieder eine: und das schien die eurige zu seyn, arme, biederherzige, hochgesinnte Tyroler. Und sie las
beide mit lauter Stimme. Und wie es damit zu Ende ging, und ich ihr mein Anliegen vortrug, zeigte sie mit großem Ernst auf die zwei Rollen, die noch immer aufgeschlagen ihr zur Seite lagen, und
fuhr fort und sagte: „Glaube mir, ich will diese sybillinischen Blätter, diesen letzten Schwanengesang der Deutschen, als ein unverletzliches Heiligthum, in meinen Archiven aufbewahren. Du aber
dulde, was über Alle verhängt ist. Nur dieß eine merke dir und verkünde es laut den Herrschern dieser Welt: reist Ihr die tausendjährige Eiche aus ihrem uralten, vaterländischen, angestammten
Boden; nehmt ihr dem königlichen Stamm mit seinen Säften, zugleich den Einfluß des erquickenden goldnen Gestirns, unter dem er aufwuchs, und zu dem eine ewige Sehnsucht ihn immer wieder
zurückzieht: so sollt Ihr auch nicht rechten mit dem Schicksal, oder Euch kindisch dagegen bäumen und ausschlagen, wenn über lang oder kurz die Winde mit den uralten Wipfeln des Waldriesen
spielen und darüber hinfahren, bis seine Stäte nicht mehr gefunden wird. So stehen die Aspekten. Ja sie, deuten Euch Allen nichts Gutes. Keiner von Euch mag jetzt sagen: ich stehe fest. Ein
Erdbeben ist unter euern Füßen! König oder Unterthan, Fürst oder Bettler, Gelehrter und Kaufmann, Fabrikanten, Handwerker, die ganze Nation wird wider Willen von meinem großen, vernichtenden
Weltwirbel ergriffen, hingerissen, fortgestoßen. Wo Alles am Wurf ist – merkt es euch ihr Deutschen – da hat man nur eine Wahl; nämlich die entweder Kugel – oder Kegel zu seyn. So entschließt
Euch denn kurz, ob ihr stehen, oder fallen wollt." Die Historie versuchte noch weiter zu sprechen; aber in demselben Augenblick hörten wir in der Entfernung schon laut donnern, und sie ergriff
ihren Griffel, um neue, begeisterte Thaten aufzuzeichnen.
Die Spanier.
„Hispanien ward nie ganz von den Römern unterjocht. Einzelne Städte, einzelne kleine Provinzen vernichteten ganze römische Legionen und machten Wehklagen an der Tiber." —
Fünfzig Jahre, nach dem ersten Seipio stand der Lusitanier Viriathus auf, ein ritterlicher Jäger; unüberwunden stritt er sechs Jahre für die Freiheit, deren Banner immer weiter über Römer-Leichen
wehte; die Niederträchtigen, die auf Sieg stolz seyn durften, brauchten den Dolch der Feigen gegen den Tapfern. So fiel Numantia die herrliche; die Ueberwundenen gaben sich den Tod der Freien,
und ließen den Römern die blutigen Steine und die Flamme des Freiheitsrogus.
Edel war der ganze Volksstamm des früheren Hispaniens; am längsten hielten sich die nordischen Gebirgsvölker in Freiheit und Unabhängigkeit. Das Volk hatte seine Berge – und seine Armuth. Rom
hatte es nicht an diesem Lande verdient, daß es ihm den großen und liebenswürdigen Trajan zum Regenten gebar.
Die Mohren kamen im achten Jahrhundert, durch innre Zwietracht gerufen in's Land und eroberten es: aber weil sie zu viel wollten, hatten sie das Wichtigste versäumt, auch die nördlichen Berge der
Halbinsel im ersten Schrecken zu erobern. Von den Bergen herab breiteten sich die Eingebornen unter ihren Anführern allmälig aus; im dreizehnten hatten die Westgothen die letzte Fruchtbarkeit der
Mohren gebrochen; sie wohnten hinfort nur noch in ihren festen Bergen und Städten, hinter der Sierra Morena und am Meer. –
Spanien kann nur durch sich selbst wieder jung werden, und wird mit neuen Provinzen immer älter. Doch es kommt die Zeit der Erlösung, sie ist nicht fern. Die Amerikaner werden alle frei, und
Spanien wird in sich selbst leben müssen, und herrlicher leben; Portugall wird dienen, wie es muß; es ist ein Muttermahl auf einen gesunden Leibe, wenn es nicht mit Spanien ist. Die Priester
werden ihren Heiligenschein verlieren, die Könige ihren Thron, wenn sie nicht selbst arbeiten und herrschen wollen. Dann werden die Spanier wieder, was sie waren, eine der herrlichsten und
mächtigsten Nationen Europas."
Deutsche.
Uns fehlt, um ein Volk zu seyn, vielleicht nichts, als daß ein mächtiger Feind kommt, der uns in unsern Mittelpunkt, so zu sagen, hinein ängstet; also eine cimmerische Nacht, wo die verirrten
Heereshaufen von Deutschen sich nur noch an der Parole der verwandten Muttersprache erkennen müßten. In Spanien ist sie einst mit den Mauern eingebrochen; mit den Türken dämmerte sie an unsern
Grenzen. Aber der Mond von dorther schien nur halb, und die Nacht war es auch, und wir phlegmatische Deutschen brauchen etwas Ganzes. Erleben wir je ein Erdbeben dieser Art, und was läßt sich in
diesen Zeiten der Wunder nicht Alles erleben: dann wird sich auch beiläufig zeigen, was erobern heißt, und daß Länder und Völker weder durch Berge noch Flüsse, sondern allein durch den Laut der
Muttersprache, als die gottgegebenste, natürlichste Grenze geschieden sind.
Naturgespräche.
Melodien über dem Wasser.
Schön und harmonisch klingt der Gesang der Vögel im Wald; aber streng, gellend und stürmisch, wie das Element, das sie bewohnen, unabläßig sich selber anruft, läßt sich die Stimme des
Wassergeflügels über den Flu- {191}
then vernehmen; fast als hätten die Bewohner sämmtlich den Katarrh.
„Oft verkündet den Wind, den nahenden, schwellenden Weltmeers
Jähling sich thürmende Fluth. Da senden die wölbenden Felsen
Schneeigte Wogen gepeischt, in lang ausklagenden Tönen,
Schlag auf Schlag, in des Oceans Reich antwortend zurücke: –
Unterweilen entflieht dem erweiterten Bett auch des Pontus
Schreiend ein heischeres Huhn und verkündet des Schreckenorkanes
Ankunft, oder entstößt laut gurgelnd Gesang von der Kehle."
Solche mißhellige Konzerte hört Neptun mehrere auf dem Wasser; auch das Schilfgevögel bläst ein Lied, das sich dem geläuterten Ohre gleich ungefällig aufdringt; und das mußte so seyn, damit diese
armen, bei dem Fischergewerbe, das sie treiben, in Sturm und Wellen so oft verschlagenen Pilgrimme, sich mittelst dieser rauhen Signale, zu ihren Wohninseln und Ufern wieder zurecht finden.
Leipzig 1806. bei Joh. Friedr. Hartknoch: Leben des Künstlers Asmus Jakob Karstens. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts. Von Karl Ludwig Fernow.
Wie der wackre Karstens, von dem Weinschank zu Eckernförde bei Schleswig, bis zum Vatikan in Rom, den weiten Weg zurücklegte; wie er durch die Gewalt seines Genies, die ihn unaufhaltsam zum
Raphael, Michael Angelo und noch überwiegender zur Antike hintrieb, alle widrigen Eindrücke der Zeit überwand, und so zu sagen, ihrer Meister wurde; wie er ausgerüstet mit solchen Vorzügen, mit
dem eben herrschenden Modegeschmack ganz natürlich schon dadurch in Zwiespalt gerathen, und sowohl mit Akademien als Ministern am Ende zerfallen mußte; wie die ersten ihn ausgeschlossen; die
zweiten ihre Hand von ihm abzogen; wie Krankheit ihn plagte; Geldnoth ihm zusetzte, und dennoch nichts von der Kunst ihn abbrachte, nicht einmal die Abnahme seiner Kraft, oder der Tod; denn noch
wenige Stunden vor demselben zeichnete er auf seinem Krankenbett, wiewohl mit zitternder Hand; so daß man mit Recht von Asmus Karstens sagen kann, daß er nicht nur selig in seiner Kunst gelebt
hat, sondern auch selig in ihr gestorben ist – so wahr es auch Übrigens hier ist, was Göthe in seinem Tasso sagt:
„Der Lorbeerkranz ist, wo er dir erscheint,
Ein Zeichen mehr des Leidens, als des Glücks."
Alles dieß, und was sonst von dem Künstler aufgezeichnet, in dieser höchst geistvoll geschriebenen Biographie, die einen Freund, der zu Rom Jahre lang mit ihm in einer Werkstatt saß, Herrn
Professor Fernow zum Verfasser hat, vorkömmt, bestätigt uns in der alten Ueberzeugung, daß der Kunst weit besser damit gedient seyn möchte, wenn es Mehrern gefiele, uns, statt der jetzt so üblich
gewordenen rhapsodischen oder gar transcendentalen Betrachtungen, die die Mode veranlaßt, und die den praktischen Künstler schlechterdings, trotz aller ihrer überschwänglichen Spitzfündigkeit, in
keinem Stücke vorwärts bringen, eine Kunstgeschichte des 18ten Jahrhunderts, in Biographien solcher einzelnen Dichter und Mahler zu schreiben, die durch die Epoche, die im Guten oder Bösen
gemacht, auf irgend eine Art merkwürdig geworden sind. Die echte Kritik zu fördern gibt es gewiß kein besseres Mittel; denn mit dem bloßen Anhäufen historischer Materialien, selbst bei
lichtvoller Anordnung, wodurch sich Herr Fiorillo allerdings ein schätzbares Verdienst erworben hat, ist die Sache doch bloß von einer Seite abgethan; ein Weg dagegen, wie ihn Herr Fernow in
dieser Biographie einschlägt, führt uns gleichsam in die Werkstatt des Künstlers, und zeigt uns sein Princip, auf der Kapelle, wir meinen in der praktischen Anwendung. Seit einiger Zeit aber
scheint man wirklich zu glauben, daß die Kunst selbst keine absoluten Principien hat, sondern sich dieselben erst immer bei Gelegenheit eines Urtheils, das sie fällen will, von der
transcendentalen Aesthetik erborgen muß: – und das ist denn gar amüsant? Doch zur Sache!
Als Künstler, wie auch schon sein unzubesiegender Heldenmuth anzeigte, womit er alle Hindernisse, die ihm von Jugend an im Wege standen, zu beseitigen wußte, gehörte Karstens durchaus zu den
Götter- und Helden-Karakteristikern, die sich in ihrem tönenden Aufflug zum Ideal, die ewig klassischen Werke der Alten zu Vorbildern nehmen. Das verhinderte indessen nicht, daß er nicht auch
unterweilen, wo Noth an Mann ging, in der untersten Linie bei den Brodkarakteristikern, wie wir sie nennen möchten, diente: so wie er sich denn mehrere Jahre hindurch zu Lübeck und anderswo, mit
bloßen Portraitmalen kümmerlich genug seinen Unterhalt verschaffte. In der Wahl hoch idealer Objekte, wie z. B. die Parzen – das Schicksal – die Nacht – der Schlaf – der Tod – Fingal – der Geist
von Loda – der Sturz der Engel – die vier Jahrszeiten – die vier Elemente – Raum und Zeit u. s. w. näherte er sich unter allen neuern Künstlern am meisten dem Michael Angelo: auf der andern Seite
bewahrte ihn ein tiefes Studium der Antike und des größten Repräsentanten der Natur, wie Herr Fernow mit vollem Recht Raphael nennt, vor allem zu Gewaltsamen und Angestrengten, in Stellungen und
Gebehrden, wozu jener Meister {192}
seine Verehrer nur zu häufig zu verleiten pflegt. Wie alle ideale neuere Genies, neigte sich auch Karstens früher zum Allegorischen; späterhin aber ward dasselbe, in seiner Behandlung, mit
wenigen Ausnahmen, meist zum Symbol. (Ob ihm nicht hierbei die Menge von Individualitäten, die er als einstweiliger Portraitmaler, hatte müssen durch seine Hände gehen lassen, vortrefflich zu
statten kam?) Bei einer Ausstellung in Rom, die er von seinen eignen Werken hielt, fanden die so Karstens besuchten, d. h. alle dortigen Kunstfreunde, daß er sich nur mit jenen alten und würdigen
Mustern, denen er so glücklich nacheiferte, vergleichen lasse. Er liebte das Große und Starke vorzüglich; weniger gelang ihm das Naive; auch scheint er vom Zierlichen und Zarten kein besondrer
Liebhaber gewesen zu seyn. Daher kommen auch nur selten Kinder in seinen Darstellungen vor; auch kannte er die Natur derselben nur aus der zweiten Hand, vornehmlich aus Raphaels drallen und
kräftigen Buben, und aus Fiamingo's Kindern. Auch junge weibliche Gestalten hat er nur wenige gebildet; doch gelangen ihm vorzugsweise weibliche Figuren, im Charakter idealischer Wesen, die hohe
Schönheit, mit Ernst und Größe vereint fordern; wie in der Nacht, der Nemesis, den Erinnyen und Parzen, deren Individualität er selbst erfand, die keinem Engel- und Madonnencharakteristiker, z.
B. einem Guido, Dominichino (so wenig wie Karstens Engel oder Madonnen) gleich gut gelungen wären. Dem Kolorit des Tizian, das besonders den Charakter des Fleisches, auch im Stoff, bis zur
Höchsten Täuschung, schön und kräftig ausdrückt, zollte Karstens unbedingtes Lob; dem gewöhnlichen Malen und Pinseln hingegen war er höchst abgeneigt, weil er glaubte, daß sich dieses ohne Genie
und völlig, wie ein andres Handwerk, erlernen lasse. Idee, Zeichnung und Komposition gingen ihm über alles. Er beobachtete treu die Natur, aber schuf, wenn er schuf, immer frei aus dem Kopf, und
brachte so, statt Musivarbeit, ein organisches Ganzes hervor. Aus Modellfiguren, wie es in Rom gebräuchlich ist, sich eine Komposition zusammen zu suchen, wie die Franzosen, Wachspuppen Perrücken
aufzusetzen, und ihnen Drapperien von Tafft oder Atlas überzuwerfen: solche und ähnliche Behelfe einer lahmen Phantasie erkannte Karstens richtiger und fester Geschmack für das, was sie sind;
nämlich für Krücken, wodurch das Talent dem Genie, so gut wie es gehn will, nachzuhinken sucht. Auch nannte er solche Bilder gemeiniglich nur Kompositionen aus einem Guckkasten. Wegen
vernachläßigter Jugendbildung, und da er erst in seinem zwei und zwanzigsten Jahre zur Kunst kam, verstand er den menschlichen Körper nicht hinlänglich genug, um immer und in allen Theilen
anatomisch korrekt zu seyn. Auch schien er von Natur mehr zu einem heroischen, als romantischen Maler bestimmt. Ueberhaupt war Karstens, als ein nordisches Genie, wohl selbst zu ernst, zu spröd
und zu strenge – ja wir möchten fast sagen, zu brav – um dem südlichen Reiz der Farben und dem Lieblichen und Zarten, so viel auch sie für die Einbildungskraft Schönes mit sich führen, so recht
con amore auf die Spur zu kommen. Für gewisse Regionen der Kunst möchte aber wirklich, wie auch das Beispiel von Raphael beweist, passabel brav hinreichen, wo nicht gar in einigen Stücken den
Vorzug behaupten. So athmet in allen Zeichnungen von Karstens, wie ein begeisternder Anhauch vom monte cavallo, ein hoher, strenger, heroischer Geist; ein echter und klassischer Geschmack. Drei
und dreißig derselben hat der regierende Herzog von Sachsen Weimar, als ein Freund und Kenner alles Schönen, von Hrn. Prof Fernow an sich gekauft und sie werden nun auf der hiesigen Fürstlichen
Bibliothek, als eine der schönsten Zierden derselben, aufbewahrt.
F .. k.
Miscellen.
Leipzig, bei Georg Voß 1806. Die Journalisten, Lustspiel in einem Aufzuge. Von St. Schütz.
Die Idee zu diesem kleinen Lustspiele ist allerliebst und recht amüsant. Die beiden Herren Herausgeber des Haarbeutels und des Strickbeutels, zweier allgemein beliebter und vom Publikum mit
Beifall gelesener Journale, machen, obgleich sie Herzensfreunde sind, mit einander den Akkord, sich bei jeder Gelegenheit brav anzugreifen. Dem zufolge, führt der Haarbeutel eine strenge Revision
über den Strickbeutel, und der Strickbeutel eine noch strengere Revision über den Harbeutel. Nun geht's los:
Haarbeutel.
„Kehre zurück in das nichts, du Scheusal nächtlicher Tiefe!"
Strickbeutel.
„Hülle dich droben im Dunst, lächerlich stolzes Phantom!"
Haarbeutel.
„Eintracht gattet uns nie. Eh gattet sich Tieger und Bocklamm!"
Strickbeutel.
„Eh wird Feuer und Fluth einig im quellenden Born!"
Der Plan reüssiert. Das Publikum liest. Das Städtchen selbst zerfällt in zwei Partheien, wovon die eine die Parthei des Strickbeutels, und die andere die Parthei des Haarbeutels nimmt: und man
kann leicht denken, daß die Geldbeutel der beiden Herren Journalisten, die sich auf diese Weise bereichern und vom Bankerot erretten, sich mitten unter allen diesen Partheien am besten
befinden.
So ist Plan und Idee dieses kleinen, witzreichen Stücks, dem vielleicht zur Ausführung nichts fehlt, als eine mehr durchgreifend und lebhafter gezeichnete Handlung, besonders im Anfang, wo es
etwas stockt.
F.
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