1806  No. 37.

Elysium und Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Mittwoch, den 14. Mai.

Leipziger Meßgemälde.

3.
Petersthor. Großes Panorama von Wien.
Jeder, der dieß Panorama sieht, wird eingestehen, daß es vielleicht kein schöneres zu Leipzig gegeben hat. Es ist vom Herrn Professor Jansche und Herrn Postl, ein Paar akademischen Malern aus Wien, in Oelfarben gemalt. Die Zeichnung hat William Barton, ein Engländer verfertigt, der eine junge hübsche Wienerin geheiratet, und das Bild nun mit dieser in der Welt herum führt. Er denkt von Leipzig auf Berlin, von Berlin auf Danzig, und von dort vielleicht, wenn die neu einbrechenden Kriegsumstände es zulassen, nach England zu gehn. Er so wie seine junge Frau, die die ganze Naivetät einer guten jovialen Wienerin besitzt, sind beide äußerst höflich und liebenswürdig. Uebrigens beträgt die Größe dieses Bildes ungefähr 3000 Quadratschuh. Richtigkeit der Zeichnung, Reinlichkeit der Behandlung, Perspektive, Beleuchtung, alles das ist so, daß es für diese Zwecke wenig zu wünschen übrig läßt. Der Effekt des Bildes ist für Jeden, der nur einmal in Wien gewesen ist, im höchsten Grade frappant. Schade daß der Standpunkt einer Rotunde, so wie das strenge Gesetz der Perspektive, das der Zeichner beobachten mußte, der Ausführung einzelner schöner Gruppen und Partien, z. B. des Grabens und Kohlmarkts, ferner des Praters, die schon jede für sich ein Panorama zu seyn verdienten, so unübersteigliche Hindernisse in den Weg legt. So viel ist indeß gewiß, daß das Ganze recht deutlich, klar und bestimmt vor das Auge tritt, und wenn man sich erst einige Augenblicke am St. Stephansthurm, dem Basteygärtchen der Kaiserin, oder irgend einem andern Gegenstand orientiert hat, Wien selbst, in kolossalen Blättern, mit allen seinen Straßen, Kirchen, Kasernen und andern öffentlichen Prachtgebäuden, wie ein aufgeschlagenes Buch vor Einem da liegt. Auch der Kahlenberg, die Lustschlösser Belvedere, Laxenburg und was sonst im blauen Nebel am Horizont verschwimmt, ist bis zur Bewunderung getroffen. Es frägt sich indessen, da die meisten Menschen doch bloß auf den Prospekt reisen, ob es nicht besser wäre, gleich lieber eine Anzahl von Panoramen verfertigen zu lassen, die gewiß, für die sogenannte höhere Ausbildung, die nämlichen Dienste leisten würden, besonders wenn noch dazu, so wie hier an der Kasse, ein Plan und eine geographische Skizze für Standspersonen verkauft oder gratis ausgegeben würde. Wir möchten Niemand gern verhindern zu sagen: Ich bin auch in Wien gewesen; nur wünschten wir, daß {150}

dieser schöne und lichte Punkt im deutschen Konversationston ohne große Kosten und Aufwand erreicht würde, und das Geld fein hübsch im Lande beisammen bliebe. Die ganze Kunst der höhern Ausbildung besteht ja eben darin, die Welt als ein flaches Gemälde anszusehen, und wie Göthe sehr richtig bemerkt, muß man eben der guten Gesellschaft immer nur etwas mehr, als Nichts seyn. Folglich, sollte ich denken, würde auch eine Reihe von Panoramen, in der Erziehung eines jungen deutschen Gentleman, so ziemlich die Stelle der jetzt üblichen grand Tour vertreten, und jede künftige Reise mit einem Hofmeister in die ersten. Hauptresidenzen überflüßig machen.

Auflösung einer politischen Charade.
Einem unserer berühmtesten und beredtesten Politiker erscheint die „weit verbreitete Abneigung gegen England als das seltsamste unter allen Symptomen der tiefen, verhängnisvollen Verblendung, die dem Falle von Europa vorhergeht." Man darf kein großer Politikus seyn, um dies Symptom zu erklären, oder man muß ein sehr großer seyn, um es unerklärlich zu finden. Jedem unbestochenen, unverdungenen Gefühle wird es empörender und schimpflicher dünken, von einer kaufmännischen, handelnden, alles nach Pfunden schätzenden Nation erkauft, gepreßt, und durch die Druck- und Saugwerke ihres Weltschachers sich das Blut aus den Adern gepumpt zu sehen, als von dem Uebergewichte der Energie, Kühnheit und Waffengewalt einer tapfern, kriegerischen und, was Krieg und Sieg immer mit sich führen, raubsüchtigen und übermüthigen Nation bezwungen, erobert und unterjocht zu werden, wenn man, auf alle Selbsthülfe unrühmlich verzichtend, endlich nur noch unter jenen zwei Kalamitäten zu wählen hat.

Fortsetzung der Kunstnachrichten aus Rom.
Der Cavaliere Landi von Piacenza hat sich durch seine beiden Bilder, welche die Altargemälde von Carvacci in einer Kirche seiner Vaterstadt zu ersetzen bestimmt waren, einen verdienten Ruhm erworben, denn seine ehemalige Manier, welche das französische übertriebene und affektierte Wesen an sich trug, hat in diesen großen Gemälden einem strengen Stile Platz gemacht und seine Grablegung der Madonna ist unbezweifelt eines der schönsten Gemälde unserer Zeit. In seinem letzten, vor einigen Monaten verfertigten Bilde, das im spanischen Pallast ausgestellt war, wagte sich Landi in ein von seiner ersten Manier noch entfernteres Feld, und rang mit einem tragischerhabenen Gegenstande. Allein ein Talent wie das seinige, welches sich mehr zur Behandlung anmuthiger und sanfter Gegenstände eignet, geräth leicht in das Uebertriebene und Theatralische, wenn es seine Sphäre verläßt. Der Gegenstand, den der Künstler wählte, ist in hohem Grade tragisch und rührend; er zeigt das Unterliegen der Unschuld unter die Uebermacht der Tyranney: Oedipus, welchem Kreon die Tochter raubt. Weder in Rücksicht auf die Anordnung, welche theatralisch, noch in der Zeichnung, welche voll Unrichtigkeiten, noch in der Färbung, welche manieriert ist, kann dieß Bild sich mit seiner Grablegung messen. Der dargestellte Moment ist der, wo ein Soldat die sich sträubende Ismene aufgehoben hat, die jammernd ihre Arme nach dem Vater ausstreckt, welcher sich von seinem Sitze erhoben hat, und nach ihr hintastet. Oedip ist nicht edel genug von Bildung; Kreon, der neben ihm steht, drückt ihm mit zorniger Geberde die Faust in den Nacken, und faßt, mit seiner Linken, voll Ungestüm die ausgestreckte Rechte des Blinden. Antigone thut einen gewaltigen Schritt von ihrem Vater hinweg und ergreift den Räuber, der sie erstaunt anglozt, bei der Brust; ihr Ausdruck ist der einer Furie von häßlicher Form, die ganze Figur aufs gewaltsamste bewegt; beide Schwestern sind wie Theaterprinzessinnen in Flor und Seide von den Farben gekleidet. Die blonde Ismene ist so weiß wie ein Gipsbild; der Arm des Soldaten der sie umfaßt, ist wie seine ganze Figur schwarz-braun und hart gefärbt, und macht mit ihr den grellesten Abstich. Seine Kameraden, die Kreon bei der Unternehmung unterstützen sollten, welche Schnelligkeit erfordert, da es eine Entführung betraf, und in der Nähe von Athen mit Gefahr verbunden war, haben sich indessen ruhig ins Gras gesetzt, und überlassen ihrem Könige und Kameraden die Entführung Oedips und seiner beiden Töchter; ein ungeheuer langer, verzeichneter Kerl im Vorgrund weist stehend seinen schmalen Rücken. Im Hintergrunde sieht man Athen.
Ungleich besser, und dem Talent des Künstlers angemessener ist das Bild eines nackten Mädchens in Lebensgröße, in der Lage wie Tizian, an den man aber dabei nicht denken darf, seine nackten Mädchen malte. Hinter ihr hebt eine alte Kuplerin die Vorhänge weg, und zeigt einem jungen Menschen die lockenden Reize, indem sie den Finger an die Lippen legt, und ihm Stille gebietet; auch merkt die gefällige Schöne nichts von allein, was hinter ihr vorgeht, und gukt ganz unbefangen aus dem Bilde heraus. Der jugendliche Körper ist viel besser und natürlicher koloriert als das vorhin beschriebene Gemälde- {151}

de, und das Gierige, Lechzende in dem Jünglinge ist außer ordentlich gut und wahr ausgedrückt; und man sieht, daß Landi sich diesen Gegenstand besser vorstellen konnte, als die obige Entführungsscene.
Noch besser aber ist in Hinsicht auf Kolorit und Zeichnung ein Christ am Kreuze, ein kleines Gemälde, das für den Bischof von Piacenza bestimmt ist; der Leib ist wahr und fleischig koloriert, in den Formen fest und richtig gezeichnet, ein trüber Himmel ruht schwermüthig auf dem Hintergrunde mit der Stadt.
(Die Fortsetzung folgt.)

Die Franzosen in Wien; eine historische Skizze nach dem Bericht eines Augenzeugen, entworfen durch M. J. C. H. Photopel 1806. Ein Winkelfabrikat, wie D. Galls Reise und Macks Vertheidigung; indessen lernt man daraus manche kleine Umstände jenes denkwürdigen Besuchs in Wien genauer kennen, die den damaligen Zustand in der deutschen Kaiserstadt gut charakterisiren, z. B. wie bei der nach zu langer Sicherheit übereilten Flucht alles so den Kopf verlor, daß man die sehr zahlreichen Redouten- und Ballkleider der Kaiserin, und die Sitzbänke aus der Kriegskanzlei, woran die Franzosen sich schwerlich vergriffen hätten, einpackte und fortschafte, die Kanonen und Gewehre hingegen ruhig im Zeughause stehen ließ. Dieß erinnert an jenes brennende Haus, wo man die kostbaren Spiegel und Porzellanserevice zum Fenster hinaus warf, um sie zu retten, und in dessen Betten, Kleidungsstücke und andere Meubles verbrennen ließ. Auch ist interessant zu lesen, wie die Franzosen die Kaiserlichen zu überlisten wußten, um die Zerstörung der ihnen so wichtigen Wienerbrücke zu verhüten.

An Minos,
Minos, verehrtester Minos, so flehen wir kleine Gedichtchen,
Gib doch Elysium uns, inständig bitten wir, Minos:
Ach, der böse gefürchtete Tartarus kommt ja auch so schon: So du bestrafest uns Arme, wie könnten wir Andern dich lieben?
Ehren den Spruch, so ihn fällt auch Gerechtigkeit, Uns zum Verderben?
Nein, Geliebter, so nicht! Den strenge Gerichteten, Minos,
Laß ihn auch trinken der Lethe, damit er vergesse der Muse,
Was er gelebt und geliebt mit der Lieblichen, Alles vergesse,
Göttliches Lichtes beraubt, der verlassene arme Verehrer:
Sie ist sein Bestes auf Erden, was Sonne, was Mond und Gestirne,
Was in erwärmt und erquickt, was lieblich erleuchtet und schimmert
Sommer, und Frühling, und Herbst, Elysium, Tartarus. Alles,

Ein Wort über die moderne Druckschrift.
Der Zeitgeist macht sich immer dadurch kenntlich, daß er, Alles durchdringend, mit gleicher Macht das Größte wie das Kleinste beherrscht, und ihm seinen eigenthümlichen Stempel aufdrückt und es ist interessant, ihm in allen Schlupfwinkeln und Falten des menschlichen Lebens und Treibens nachzuspüren. Was ist dieser Geist anders, als das allwaltende Schicksal der Alten, das, obgleich es im Jahre Eins vom Throne gestoßen worden, und seitdem so in Mißkredit gefallen ist, daß man es selbst auf der Bühne nicht mehr dulden will, doch immer noch unsichtbar, aber desto sichtbarer in seinen Wirkungen, über uns waltet. Die Zeitgeschichte hat uns seit mehreren Jahren über diesen Artikel der heidnischen Glaubenslehre so furchtbare Lekzionen im Großen gegeben, daß es zur Erholung nicht, undienlich seyn mag, auch zuweilen seine Wirkungen im Kleinen zu betrachten. Unter mehreren Beispielen, die sich hier anführen ließen, will ich heute nur den todten Buchstaben unserer Druckerpressen in nähere Erwägung ziehen.
Charakterscheu und Verbildung zum Charakterlosen ist schon öfter, und auch in diesen Blättern, als herrschende Tendenz des Zeitgeistes bemerkt worden. Unsere Kunst, Poesie, unsere Sitten und Moden, wir selbst, tragen die Spuren davon, wie hätten die Kinder unsers Geistes, die Bücher, davon frei bleiben, können. Derselbe Geist, der die Ideen unserer Schriftsteller leitet, zeigt sich auch sichtbar in den Elementen ihrer Verkörperung, in den Tipen unserer Buchdrucker. Seit etwa zwanzig Jahren haben einige der vorzüglichsten Schriftformer, die in der tipographischen Welt den Ton angeben, durch ihre Neuerungen jenem Geiste den Eingang in die Werkstätten der Buchdrucker geöffnet. Baskerville stand auf dem höchsten Gipfel, wo der ursprüngliche Charakter der Drucktipen überhaupt, das Holzschnittartige, sich mit der Eleganz des Metallschnittes vereinigt; und auf dieser Stufe sind die verständigen, soliden Engländer stehen geblieben, auch die Spanier, Portugiesen, Florentiner und Römer stehen noch darauf. Die französische Eleganz ging weiter. Didot nahm ihnen den bisherigen holzschnittartigen Charakter, der den Augen so wohlthätig ist, ganz, und gab zuerst den lateinischen Tipen die Schärfe des Metallschnittes oder Kupferstiches, welche im Gebrauche die Sehnerven empfindlich angreift; daher wir auch seitdem so häufig die Klage vernehmen, daß der lateinische Druck die Augen mehr angreife, als der deutsche. Bodoni in Parma. {152}

folgte ihm hierin nach, erreichte ihn in der Schärfe, aber nicht in der Harmonie der Tipen.
Als die Deutschen Geschmack bekamen, versuchten einige unter ihnen, statt der eckigen, dem Mönchsgeschmack ihr Daseyn verdankenden Tipen, die wir uns zugeeignet haben, den gefälligeren lateinischen Druck in die deutschen Offizinen einzuführen; aber der deutsche Nationalgeist wollte sich dieses ehrwürdige Palladium seines Gothenthums nicht entreißen lassen; da trat endlich Unger in Berlin vermittelnd dazwischen, und fabrizierte Lettern, die deutsch und doch geschmackvoller als die alten seyn sollten; die aber, durch Abstumpfung der Ecken, und Auseinanderrenkung ihrer enggeschlossenen Artikulation, nicht nur den echten Charakter deutscher Lettern, sondern auch die Harmonie eines gefälligen Ganzen eingebüßt haben; und die handwerkende Geschmacklosigkeit vieler deutscher Offizinen nahm sie mit Beifall auf; doch konnten wir weder mit den neuen Lettern, noch mit den alten, ein geschmackvolles, geschweige ein Prachtwerk drucken, wie Göschen bei seiner schönen Prachtausgabe der Wielandschen Werke durch die Wahl der lateinischen Schrift hinlänglich beurkundet hat.
(Die Fortsetzung folgt.)

Miscellen.

Die beiden Gleichen.

Stößel.
So leicht hat nie ein Mensch das Dichten sich gemacht;

Stiefel.
Und kein Aesthetiker so fein wie du gedacht.

Stößel.
Im tiefsten Schmerz kannst du die längsten Stanzen singen;

Stiefel.
Und du den längsten Fuß in kurze Schuhe zwingen.

Stößel.
Du schreibst so klar, so leicht, so zum Entzücken schön;

Stiefel.
Und was du denkst, das kann jedwedes Kind verstehn.

Stößel.
Kein Kasperle besitzt, wie du, die Kunst zu rühren;

Stiefel.
Und wer versteht, wie du, mit Engeln zu charmiren?

Stößel.
Den Wohllaut deines Reims hat Bürger nie erreicht;

Stiefel.
Und deine Prose fließt, wie unser Mühlbach seicht.

Stößel.
Du leertest, wie es scheint, die ganze Hippokrene;

Stiefel.
Auf deiner Prose schwimmt das Edle und das Schöne.

Stößel.
Das Drama kam zuerst durch dich ins rechte Gleis;

Stiefel.
Den Griechen raubtest du den früh errungenen Preis.

Stößel.
Du hast der Tragödie den Todesstoß gegeben;

Stiefel.
Das Todtgeborne selbst weckst du zu neuem Leben.

Stößel.
Vor dir birgt Sophokles sein stralend Angesicht;

Stiefel.
Und Aristoteles ist gegen dich ein Wicht.

Stößel.
Und in der Grazie bist du selbst Wielands Meister.

Stiefel.
Ja, Freund! wir beide sind der Ausbund aller Geister.
(Eines Dichters Schatten tritt auf.)

Schatten.
Steht Rede, sprecht! wo ist mein Geist geblieben?

Stößel.
Frag Michaelis nur, der hat ihn ausgeschrieben.
Ich lobte Stiefeln jüngst, und Stiefel lobte mich;
Der Weihrauch roch zu stark, er nies'te, und entwich.
(Der Schatten verschwindet.)

Duett
Stiefel.
Stößel, laß uns, bis ins Grab,
Freunde seyn und bleiben!

Stößel.
Laß und rüstig auf und ab
Unser Wesen treiben!

Beide.
Bis, was in den Weg sich stellt,
Alles vor und niederfällt,
Und auf des Parnassus Doppelspitze,
Unter Stiefels unter Stößels Schutz,
Jedem bessern Genius zum Trutz
Siegreich thronend die Gemeinheit sitze.
da Capo

Auszug aus einem Briefe von Rom, vom 26. April.
„Man fürchtet hier große Veränderungen. Der Papst war sehr blaß und niedergeschlagen bei den Feierlichkeiten der Charwoche. Ich glaube, die thun unrecht, welche einen andern Pabst wünschen. Gerade ein solcher, wie der jenige, paßt für unsere Zeit, ein frommer duldender Greis, der, ohne Rücksicht auf eigenen Vortheil oder irdisches Interesse, nur das zu behaupten sucht, was er für heilig und für Pflicht hält, und der sich selbst und sein Leben sogar für gering achtet. Die Zeit wird dem Betragen dieses Papstes sowohl, als des verkannten Staatesekretair Gonsalvi die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, die beide verdienen. Wenn man ein Auge auf den päpstlichen Staat wirft, wenn man seinen jetzigen Zustand mit dem vergleicht, in welchem er ihn übernahm, und die Hindernisse bedenkt, die sich unaufhörlich entgegen stellten, so erstaunt man, daß so viel hat können geleistet werden; und hätte nicht aufs neue eine schwarze Kriegswolke Italien überzogen, so würde er seinem Zwecke, diesen Staat dem tiefen Elende, worin er seit 1798 versunken war, zu entreißen, noch näher gekommen seyn.
Unter allen diesen Kalamitäten scheint für die Künste ein schöner Tag anzubrechen. So wie einst in ihrer blühenden Periode in Griechenland kein Werk ausgeführt wurde, das nicht wenigstens einen Funken wahren Kunstgeistes verrieth, scheint es jetzt aufs Neue werden zu wollen. Einige gute Muster sind aufgestellt, und die Nachahmung hat dadurch eine bessere Richtung zu ihrem wahren Ziele gewonnen, das nun, da ein guter Geist waltet, nicht schwerer zu erreichen ist, als es zur Zeit Bernini's fein vergötterter Schwulst war. Die Bahn zum Vortrefflichen ist geöffnet, und der Kranz jedem Ringer sichsbar.“ –