1806 No. 30.
Elysium und Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte
Sonntag, den 20. April.
Zeitgeschichten
oder
kleine Europäische Gazette.
Königl. Preußische Staaten. Ein Kupferstecher zu Berlin hat die Tresorscheine, welche am ersten Julius in Kurs kommen sollten, so geschickt nachgemacht, daß man die echten nicht unterscheiden
kann. Er hat seine Scheine selbst dem König gezeigt. Man glaubt, das ganze Projekt möchte dadurch scheitern.
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Herzogthum Braunschweig. Der Herzog von Braunschweig hat, bei seiner Rückkehr von Petersburg, seinen loyalen Unterthanen die aufrichtige Versicherung ertheilt, daß er nicht von ihnen lassen
werde, und daß auch an keine Vertauschung gedacht worden sey.
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Oestereichische Staaten. Man bemerkt, daß die Franzosen leichter vorwärts als wieder zurück gehen: daß sie zu einem Marsch in das Herz von Deutschland kaum ein Paar Monate brauchten, und daß
vielleicht ein Paar Jahrhunderte hingehen dürften, ehe sie von dort wieder zurückkommen.
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Aus Düsseldorf. Viele schmeicheln sich hier, es werde Prinz Joachim, durch seinen vielvermögenden Einfluß in Paris noch gelingen, uns die so schmerzhaft vermißte Bilder-Gallerie wieder
zurückzubringen. Dieß Gerücht ist eben so wenig leer, oder unwahrscheinlich, als ein anders: daß Prinz Joachim nämlich in Zukunft auch zu Regensburg, als Churfürst, Sitz und Stimme haben
wird.
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Aus der Schweiz. Noch vor Rückkunft Buonapartes aus Aegypten wäre die Schweiz, dieses alte Bollwerk Europas, eines Kontinentalkrieges werth gewesen. Hätte es wohl, ohne den präcipitierten Marsch
über den St. Gotthardt, je einen Tag bei Marengo gegeben? Jetzt ist dieses furchtbare Bollwerk nur eine Treppe, eine kleine Hinterthür des großen französischen Kaiserhauses. Frankreich hat sich,
durch Buonapartes mächtige Hand, in Tyrol so eben einen neuen und ehernen Riegel vorgeschoben.
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Aus Amsterdamm. Doktor Gall wird so eben erwartet. Die Juden an der Börse sprechen schon davon. Er wird ihnen das Zahlenorgan besichtigen.
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Aus Weimar. Der berühmte Herr Kapellmeister Eberl, aus Wien, ist hier über Leipzig eingetroffen. Nächstens hoffen wir von ihm ein Konzert zu hören. {122}
Von gelehrten und Kunstsachen..
Aus einem Briefe aus Dresden. Mit dem äußerst gelungenen Bilde des Fürsten Reus, ist dem braven Graf Freude und Lebenslust gleichsam wiedergekehrt. Er litt an den Augen. Schmerzhaft und bis zum
Starr ging bereits die Abspannung. Nun ist er der Kunst plötzlich wiedergeschenkt. Das erste erfreuliche Opfer, was er dem Lichte darbrachte, war ein Portrait des Grafen Karlowitz. Dieser steht
in einer Morgenlandschaft; ein Tagesstrahl bescheint ihn so eben von vorn, und bildet so einen unvergleichlichen Lichteffekt. Ich kenne in dieser Art kaum etwas Schöneres. Jedermann in Dresden
lobt und bewundert dieß Portrait, und selbst die von den hiesigen Künstlern, welche sonst „Es ist vorbei mit Graf“ zu sagen pflegten, sind nun genöthigt: „er fängt wieder an" zu sagen. –
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Aus einem Brief an den Herausgeber des Elysiums. Was Sie uns neulich über das Traumprincip gaben, habe ich mit Vergnügen gelesen: ich fürchte aber, es sind verlorne Worte, und Sie werden die
Mohren nicht weiß waschen. Apropos! Kannten Sie damals schon den Weihnachtsabend von Herrn Schleyermacher? Da ist es völlig so, wie Sie sagen: ein Spintisieren, ein Allegorisieren, ein
Romantisieren, das Männer und Weiber, mit einem gefährlichen Netze umstrickt, und worin die Kraft der ganzen Nation gleichsam gefangen, und wie eine Fliege, todt geschlagen wird. Diener sind wir
immer gewesen: zuletzt mögen wir uns nur in Acht nehmen, daß wir aus Dienern keine Knechte werden: diese souveraine Weltverachtung ist gerade die rechte Höhe dazu. Ich bitte Sie darum, was soll
denn ein junger, feuriger Kopf jetzt mit solchem fundamentlosen Idealistenkram anfangen? „Ein großes Schicksal geht unschlüßig auf und ab, in unserer Nähe, mit Schritten, unter denen die Erde
erbebt, und wir wissen nicht, wie es uns mit ergreifen kann. Daß sich denn nur nicht das Wirkliche, mit stolzer Uebermacht, für eure ehemalige Vernichtung räche." Seht, so möcht' ich ich euch mit
euern eigenen Worten schlagen. Diese verständige Warnung fand ich in demselben Buche, wovon hier die Rede ist, und das von Träumen aller Art und ihrer Auslegung so voll ist. Sie steht S. 56. wo
sie aber bald durch den darauf folgenden Choral:
„Der uns den Sohn geschenkt. zum ew'gen Leben,
Wie sollt‘ uns der mit ihm nicht Alles geben"
und die prächtige Fuge:
„Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde
übertönt wird. O Germania, Mütterchen, wie bist du seit einiger Zeit so gut und so gottesfürchtig geworden: nun, geh in ein Frauenhaus! das Herrenhutherhäubchen wird dir recht stehn; denn deine
Söhne, die das Volk lehren, bilden und kräftigen sollten, sind ja sämmtlich Kopfhänger geworden.
Halle, bei Schimmelpfennig u. Komp. Die Weihnachtsfeier, ein Gespräch von Schleyermacher. 1806. 135 S. 12.
Seitdem die faselnde Mystik (Traumprincip), mit der uns das Zeitalter in der Philosophie, Poesie begabt hat, von einigen modernen Predigern auch in die protestantische Theologie übergeführt
worden ist, war es zu erwarten, daß wir nun ehestens auch Gebet- und Erbauungsbücher in diesem Stil erhalten würden, der uns von dem Ton der widerlichen Sentimentalität, der vor etwa 30 Jahren in
Deutschland herrschend war, wenig mehr verschieden scheint, als daß es damals Werthers, jetzt Christi Leiden gewesen sind, die das Thema dazu hergaben.
Ein Erbauungsbüchelchen dieser neuen Manier, ist nun das vorliegende Gespräch. Die darin sich aussprechenden Personen bilden einen engverbundnen Kreis von Männern und Weibern, Mädchen und
Jünglingen, die in dem Hause der verständigen Ernestine und ihres Gatten Eduard, zu den Bescheerungen des Weihnachtsfestes versammelt sind. Die Hauptfigur dabei spielt die kleine Sophie, ein
Wunderkind von der religiös musikalischen Art. Zwar reicht die Kleine „mit ihrem Köpfchen nur eben auf den Tisch" (S. 19.), aber ein außerordentliches ingenium praecox thut sich in ihrem Talent
für die Musik kund, in der sie „nichts anders ausüben mag, als was im großen Kirchenstil gesetzt ist." Man darf es schon selten, heißt es es von ihr S. 14. „für ein Zeichen einer rein fröhlichen
Stimmung halten, wenn sie halb laut ein leichtes, lustiges Liedchen trillert. Geht sie aber an's Instrument und setzt ihre Stimme, die sich zeitig zur Tiefe neigt, ordentlich in Bewegung: so ist
es immer nur jene große Gattung." Eine Hausfrau scheint sie für die Zukunft nicht zu versprechen, denn bei diesem entschiednen Talent, für geistliche Musik, zeigt sie eine eben so entschiedne
Abneigung gegen alle weibliche Arbeiten; wie S. 11. und öfter erwähnt wird. Dagegen ist sie (Ebendas.) „an Süßigkeiten aller Art unersättlich, und liebt große Vorräthe davon zu besitzen, zumal
wenn sie sie durch Einbetteln von andern zusammenbringen kann."
Diesen interessanten Charakterzügen gemäß, nimmt sie denn auch, unter den bescheerten Herrlichkeiten des Festes, hauptsächlich an dem Marzipan und den religiösen Kompositionen, mit denen der
Vater, selbst ein Musikus, sie beschenkt hat, ihren Antheil von Freude. „Sie saß, heißt es S. 15. {123}
eine Weile in das Anschauen der Tonzeichen vertieft, griff die Töne auf dem Buch, und sang in sich hinein ohne Laut, aber mit sichtlicher Bewegung der Muskeln, und mit lebhaften Geberden, dann
sprang sie plötzlich hinaus, kehrte aber bald zurück und sagte: Nun laßt uns alles besehn und besprechen, und kommt bei mir zu Gaste." Die Gesellschaft folgt ihr hierauf zum Beschauen eines
kleinen biblischen Marionettentheaters, das sie in ihrer Kammer recht vortheilhaft aufgestellt und erleuchtet hatte. Durch einander sah man da die Taufe Christi, Golgatha und den Berg der
Himmelfahrt, die Ausgießung des Geistes, die Zerstörung des Tempels, und Christen, die sich mit den Saracenen um das heilige Grab schlagen, den Pabst auf einem feierlichen Zug nach der
Peterskirche, den Scheiterhaufen des Huß, und die Verbrennung der päbstlichen Bulle durch Luther, die Taufe der Sachsen, die Missionarien in Grönland, unter den Negern, den herrnhutischen
Gottesacker und – das hallische Waisenhaus. – Mit besonderm Fleiß hatte die Kleine überall Feuer und Wasser behandelt, und die streitenden Elemente recht heraus gehoben; die Ströme flossen
wirklich, und das Feuer brannte, und sie wußte mit großer Vorsicht die leichte Flamme zu unterhalten und zu hüten. Unter allen diesen stark hervortretenden Gegenständen, suchte man eine zeitlang
die Geburt selbst vergeblich, denn den Stern hatte sie weislich zu verstecken gesucht u. s. w. Während dem Beschauen dieser Seltenheiten wird die Kleine plötzlich gewahr, daß die Mutter gerade
hinter ihr steht. „Sie wendete sich zu ihr, ohne ihre Stellung zu verändern, und sagte innig bewegt: „o Mutter! du könntest eben so gut die glückliche Mutter des göttlichen Kindleins seyn, und
thut es dir denn nicht weh, daß du es nicht bist?" –
Diese Regungen der seltsamen kindischen Religiosität der kleinen Sophie, in der denn auch einmal wieder das herrliche Gebilde der Göthischen Mignon, mit seinem tiefen Abgrund geistiger Kräfte –
verbildet worden ist, versetzen die ganze fromme Gesellschaft in eine christliche Begeisterung. Sie begibt sich dem zufolge in ein anderes Zimmer vor ein Klavier, und singt vereint und andachts
voll den Chor: „Lasset uns ihn lieben" nebst dem Choral: „Willkommen in dem Jammerthal!"
Der Ruf zum Thee versammelt sie endlich wieder im großen Saal, wo bescheert worden war. „Nur die kleine Sophie blieb noch lange in emsiger Uebung am Klavier, und kam nur schnell und ohne große
Theilnahme ab und zu, um ihren (im Glauben erweckten) Durst zu löschen." Erst nachdem sie noch „besonders laut aus einer Kantate den Choral gesungen:
„Der uns den Sohn geschenkt zum ew'gen Leben:
Wie sollt‘ uns der mit ihm nicht alles geben!"
und eine prächtige Fuge, die sich daran schloß: „Wenn ich nur dich habe, frage ich nichts nach Himmel und Erden" geendigt hat, verschließt sie das Klavier, und kehrt in die Gesellschaft zurück,
wo die wunderbaren Ausbrüche ihrer Frömmigkeit unterdeß den Herrn und Damen Anlaß zu gegenseitigen Herzensergießungen, über das wahre Wesen des Christenthums, gegeben haben, die wir bitten
müssen, selbst im Buche nachzulesen, weil des Köstlichen in diesem geistlichen Schatzkästlein, selbst für einen Seligen des Elysiums zu viel werden könnte. Besonders rührend ist die Freude des
Vaters über sein Kind, daß es so früh schon, wie er sich S. 11. ausdrückt, eine so herrliche Anlage zeigt, für den Glauben an die unbefleckte Empfängniß, zur Märtirin zu werden.
Die Rückkehr der kleinen Sphinx zur Gesellschaft, leitet die Unterhaltung derselben auf die Religion der Kindheit, worüber vornehmlich die Weiber ihre unmaßgeblichen Meinungen hören lassen. Die
verständige Ernestine erzählt sogar unter musikalischer Begleitung (S. 70-76.) einen merkwürdigen Zug des innigsten Mariendienstes aus ihren eignen Kinderjahren, und als sie geendigt, biegt
Friederike, die ihr auf dem Klavier genau akkompagnierte, nach fantastischen Gängen, in einer schönen Kirchenmelodie ein, zu welcher Sophie, die Friedericken erräth, das geistliche Lied von
Novalis anstimmt:
„Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt."
Verse, die auch wir allerdings recht reizend fanden, wenn wir uns bey diesem Lobliede Marias eine Maria wie die, welcher der visionaire Mortimer, mit so irdisch glühender, und doch auch zugleich
wieder so himmlischer Inbrunst gehuldigt hat. Jenem musikalischen Genuß folgen nunmehr wieder ein Paar religiöse Kindergeschichtchen, die Agnes und Karoline gleichfalls mit eingewebter Melodie,
einiger klaren Kirchenmelodien, erzählen, und welche wir leider, hier einzuschalten, uns versagen müssen.
Die Konversation wird nunmehr (S. 96.) durch die Ankunft einer lustigen Streitparthie von Bekannten, die selbst keinem bestimmten Kreise angehörten, oder in unstetem Sinne ihre eigne Freude
schneller erschöpft hatten, und nun umher zogen, um hie und da zu schauen, wie man sich beschenkt hatte, unterbrochen; und mit den neuen Gästen das ergötzliche Marionettenspiel der kleinen
Sophie, daß diese geschwind wieder erleuchtet, noch einmal genoßen. {124}
Nachdem hierauf eine flüchtige Mahlzeit herum gereicht worden ist, „eilen die hinzugekommnen weiter, und wollen sich durch einige von der Gesellschaft verstärken, aber dieß läßt Eduard nicht zu,
weil „Joseph noch ganz gewiß erwartet wurde, dem versprochen worden, er solle sie noch alle finden."
Sie bleiben also zusammen, und ein Mitglied thut den Vorschlag, daß die Männer aus schuldiger Erwiederung gegen die anmuthige Unterhaltung, welche die Frauen bisher gewährt hatten, einen
Gegenstand wählen sollten, „über welchen Jedem oblige, etwas zu sagen." Die Gesellschaft wählt dazu das Fest selbst, welches sie versammelt hat, und nun folgen von S. 99. bis 131. die
verschiedenen Raisonnements der Männer über diesen Gegenstand, in denen Leonhardt, Ernst und Eduard nach einander das Wort nehmen. Wir müssen uns begnügen, auch aus diesem Dessert hier nur das
Geistigste unsern Lesern mitzutheilen.
Leonhardt macht den Ungläubigen. Ihm ist es dunkel und zweifelhaft, von wem, und was wir in der Person Christi bekommen haben, und das Christfest nur eine Allegorie des Geschichtlichen. „Wie die
Nacht die historische Wiege des Christenthums ist, so meint er, wird auch das Geburtsfest in derselben begangen, und die Kerzen, mit denen es prangt, sind gleichsam der Stern über der Herberge,
und der Heiligenschein, ohne den man das Kind nicht finden würde in der Dunkelheit des Stalls, und – der Geschichte." Gegen ihn bestätigt Ernst, nach dem Urtheil Agnesens sehr schön, daß wirklich
das Religiöse das Wesen des Festes ist. „Dieß ist die Beziehung sagt er, zwischen der Geburt des Erlösers und dem allgemeinen Freudenfest, daß es für Alle, die nicht bloß in dem Wechsel der
Zeiten leben, kein anderes Princip der Freude gibt, als die Erlösung, und von dieser wiederum muß für uns der erste Punkt seyn: die Geburt eines göttlichen Kindes."
Endlich eröffnet ihm Eduard die höchste Ansicht des Festes – in der mystischen.
„Wie geschrieben steht in der heiligen Schrift: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das
Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, als des eingebornen Sohnes vom Vater. Also sagt er, sehe ich auch den Gegenstand dieses Festes am liebsten nicht ein Kind
so und so gestaltet und aussehend, von dieser oder jener geboren, da oder dort, sondern das Fleisch gewordne Wort, das Gott war und bei Gott. Das Fleisch aber ist, wie wir wissen, nichts anders,
als die endliche, beschränkte, sinnliche Natur; das Wort dagegen ist der Gedanke, das Erkennen, und das Fleischwerden ist also das Hervortreten dieses ursprünglichen und göttlichen in jener
Gestalt. Was wir sonach feiern, ist nichts anders, als wir selbst, die wir insgesammt sind, oder die menschliche Natur, oder wie ihr es sonst nennen wollt, angesehn und erkannt aus dem göttlichen
Princip."
Zuletzt soll nun auch Joseph, der indeß wirklich angekommen ist, sich vernehmen lassen. Aber dieser erklärt, daß er nicht gekommen sey, Reden mit ihnen zu halten, sondern sich mit ihnen zu
freuen. Aus dieser Aeußerung glaubten wir fast, daß Joseph etwa der Bräutigam der Tochter vom Hause sey; allein wir sahen, daß wir schlecht gerathen hatten, als wir auf der andern Seite lasen,
daß der Verf. ihn sich folgendermaßen selbst kund thun läßt: „Wie Christus keine Braut hatte als die Kirche, keine Kinder, als seine Freunde, sein Haus, als den Tempel und die Welt, und doch das
Herz voll himmlischer Liebe und Freude, so scheine ich nur geboren, auch dar nach zu trachten!"
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Miscellen.
Versuch einer neuen Nationalschädellehre, nach Doktor Gallischen Principien. (Beschluß)
Deutsche.
Am Kopf eines Deutschen zeigen sich besonders zwei Organe, in einem hohen Grad von Vollkommenheit: das Organ der Geduld, das er mit dem Pudel und das Organ des Kunsttriebes, das er mit dem Biber
gemein hat. Das erste ist es, was ihn zu einem Bedienten, zum Apportieren, Schildwachenstehn u. s. w. das zweite was ihn zu einem Professor, Baumeister, Maler u. s. w. so ausnehmend geschickt
macht. Ja, wenn ein Biber recht potenziert wird: so muß es zuletzt, nach Doktor Gall, so weit mit ihm kommen, daß er ein Vitruv, ein Füßli, ein Türk wird, und Vorlesungen über die Malerei und
Baukunst hält, oder ein Buch über den Generalbaß schreibt. Nun wundere man sich noch, das es unsern Herrn und Damen, in Berlin, Münster, Wien, Dresden, Halle u.s.w. so viel Vergnügen macht, wenn
ihnen Gall so ein Stück Vitruv, Füßli, Türk auf ihren eigenen Kopfe zu fühlen gibt. Der nämliche Fall ist es mit dem Pudel. Auch dieser besitzt vortreffliche Anlagen; nach Doktor Gall sogar zur
Theologie: in sofern, nach ihm und Pope nämlich, die Furcht als das Princip aller Religionen zu betrachten ist:
„Als tief im entwurzelten Tannenhein
Blitz, Donner und Windsbraut Felstücke drehten:
Da fiel es Kindern zum erstenmal ein
An Euch zu glauben, und Weibern zu beten."
Es bemerkte Hr. Doktor Gall ebenfalls, daß ein Hund, der sich eine Bratwurst hohlen wollte, wenn er sich einmal die Schnauze an der Kohlpfanne verbrennt, seinen Appetit zum zweitenmal, auch wenn
er noch so stark ist, unterdrückt. Sehr konsequent! Denn was ist die Welt, nach Hrn. Doktor Gall wohl anders, als eine große, potenzierte Bratwurst? Und was die Hölle andere, als eine große
potenzierte Kohlpfanne? So viel von Stricken, Pinseln, Dudeln, Professoren, Füchsen und Nationalköpfen! –
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