Der Neue
Teutsche Merkur
vom Jahre 1796

Herausgegeben
von
C. M. Wieland

Erster Band.

Weimar 1796.


Die Helden.
1795.

Sed jam serpentum major concordia.
Juvenal.

Nein, Freund, schilt dein Jahrhundert nicht erschlafft!
Sind wir nicht Meister jeder Wissenschaft?
Nimm, zum Exempel, nur die Kunst – zu morden!
Du lächelst? Glaub’st du denn, es sey Cheruskerhorden
Und Alemannen einst so gut wie Uns geworden?
Ermüdet von der Jagd, mit Fellen überdeckt,
Die Keulen in der Hand am Feuer hingestreckt,
So lebten sie im Wald, noch halbe Patriarchen.
Wie Wir den Nachmittag im Kirchstuhl zu verschnarchen,
Den Abend im Parterr, bey’m Manne nach der Uhr, [Ein bekanntes Lustspiel.]
Zu gähnen, dazu braucht's Jahrtausende Kultur.
Und vollends schulgerecht zu brennen und zu sengen,
und Städte in die Luft mit Weib und Kind zu sprengen; {363}

Dazu gehört ein Held, wie S... es war. [Mehrere Stunden nach der stürmischen Eroberung von Prag durch die Russischen Legionen, steckten es diese, bey abgekühltem Blute, an allen vier Ecken in Brand; und so wurde diese ehedem so blühende Vorstadt von Warschau, durch ein nie genug zu beweinendes Verhängniß in eine öde Grabstätte für mehr als 20000 unschuldige oder getäuschte Schlachtopfer beyderley Geschlechts verwandelt. Männer und Greise, Kinder Säuglinge und schwangere Weiber wurden zu Tausenden ein Raub der Flammen und Fluthen, oder fielen, von einem noch feindseligern Schicksal verfolgt, in das Schwert blutdurstiger Kosacken und Kalmucken. (M. s. auch die Minerva von Archenholz) Es giebt Schriftsteller in unserm Vaterlande, die dieser glänzenden Eroberung nie erwähnen, ohne zugleich über den General S... in eine dithyrambische Begeisterung auszubrechen. Freylich wohl dachte unser Stammvater Herrmann, in seinem heiligen Eichenwalde, etwas verschieden von diesen erlauchtesten Herren des achtzehenten Jahrhunderts: – allein dafür war er ja auch ein roher Cherusker, ein armseliger Barbar! – „Herrmann führt nicht mit schwangern Weibern Krieg!“ rief er, voll des edelsten Unwillens, und mit einem von Menschlichkeit warm überströmenden Herzen. – Die Römer hatten ihn nämlich sein schwangeres Weib durch einen räuberischen Ueberfall fortgeführt. – „Egregium patrem! magnum imperatorem! fortem exercitum! quorum tot manus unam mulierculam avexerint! Sibi tres legiones, totidem legatos procubuisse. Non enim se proditione, neque adversus feminas gravidas, sed palam adversus armatos bellum tractare etc.
Tacit. Annal. lib. 1. Cap. LVIII.]
Komm, Hermann, komm und lern', armseliger Barbar! {364}


Er, der in Wolken thront, der Unbekannte,
Auf dessen Wink Vesuv erlosch und brannte;
Er, der durch Blitz die Lüfte reinigt, sandte
Auch Katilina, Alba, Hannibal;
Gab Cäsar Ruhmsucht, Brutus – einen Stahl.
Glorreiches Loos, sich für ein Marmormahl,
Für eine Inschrift drauf mit goldnen Lettern
Zu würgen, zu verstümmeln und zerschmettern!
Beneidenswerthes Loos, wenn zur Examenzeit
Ouintanerbuben einst von eurer Wachsamkeit
Im Partherkriege, bis Punkt zwölf, die alten
Und nickenden Scholarchen unterhalten! [– i demens et saevus curre per Alpeis!
Ut pueris placeas et declamatio fias.
Juven. Sat. X. v. 166.]
Glorreiches Loos! So lebt ihr noch bey Kindeskind,
Deckt euer Mahl längst Moos. Ach! gleich vergängelich sind
Die Monumente, golden oder alabastern.
Schau wie dort mit Hero'n die Gothen – Straßen pflastern!
Zu Pfann‘ und Krug schmilzt seinen Cäsar Rom;
Ein Rumpf von Zevs verstopft die Schleus' am Tiberstrom. {365}

Wo Villen standen, winken Winzerhütten,
Und Kinder spielen wo einst Väter stritten.
Die liebliche Schalmey, der Heerden froh Geläut
Erschallen durch die Flur, wie zu Evanders Zeit,
Und, ihre unverjährten Rechte zu erneuen,
Wallt Ceres lachend auf verfallenen Basteyen.
Statt Waffen rauscht die Saat; zur Sichel wird das Schwert;
Auf Leichnamen erhöht Pomona ihren Heerd.
Oft aus korinthischen, verfallnen Marmorhallen
Hört ihr im Mondenglanz wie Geisterstimmen hallen.
Das ist die Stimme der Vergangenheit!
Hier unter Trümmern alter Herrlichkeit,
Die ihr gewaltger Arm ringsum zerstreut,
Thront Sie, und borgt des leisen Wiederhalles
Verlorne Stimm', und lehrt den Wanderer, daß Alles
Vorübergeh am Staub. – „Ich, murmelt sie, ich schliff
Für Marat Korday's Dolch. – Längst flog das Weberschiff
Zu euerm Grabtuch. Längst schon goß ich das Geläute
Zu euerm Leichenzug. – In jenem Hain klang heute
Die Axt zu euerm Sarg. – Für Alt und Jung bereite
Ich zwey Behausungen, seit dem der Erdkreis steht;
Die erste, eh' ihr kommt, die zweyte, eh' ihr geht. –
Noch peinigt im Tumult euch kein Gewissenskummer, {366}

Noch schläft in eurer Brust der Schläfer festen Schlummer,
Durch Traubensaft von Cypern und Burgund,
Und Götterchen von Amathunt
Sanft eingewiegt. Traut nicht! – Er lauscht im Hintergrund
Der Seel', und zeichnet dort von ungerechten Kriegen
Tief, unvertilgbar tief, ein Bild mit Flammenzügen.
Der Schläfer wacht! Es kommt, es kommt ein Tag!
Da schreckt Ihn, der bey wildem Trommelschlag
Und der Karthaunen lautem Gebrülle
Geschlummert, in der Todtenstille
Der Mitternacht des Todes Sens‘ empor.
Wer klopft? wer klopft so spät am Pallastthor?
O bleicher Fremdling, Du? Wie dringst du durch die Wache?
War denn kein Kämmerling im Vorgemache,
Der wisperte: Zu früh! – Seht ihr die schwarze Hand?
Sie fährt empor und hängt an die Trofäenwand
Das düstre Nachtstück. – Still vorüber gleiten
Von abgehärmten Müttern, Kindern, Bräuten
Die Schattenbilder, all' in Trauerkleid.
Von allen Thürmen hört Ihr Grabgeläut;
An allen Wänden seht Ihr Städt‘ und Dörfer flammen,
Oun brüllt: „ihr Berge, stürzet über uns zusammen!
Bedeckt, ihr Thäler, uns mit Schutt und Graus!“ – {367}

Was zaudert ihr? Das Possenspiel ist aus.
Auf, und entkleidet euch! Du, Bettler, wirf die Krücke
Dem Glück, und Du, o Held, den Federbusch zurücke!
Der bleiche Fremdling, der den Vorhang niederrollt,
Reicht dir ein Leichentuch statt Stern und Flittergold.
Verzeuch! – Monarchen ziemt es mit Gefolg zu reisen. –
O ihr Verwünschungen, ihr Seufzer zarter Waisen,
Ihr Mutterflüch, ihr heisse Thränen, seyd
Ihr sein Geleit, durch Zeit und Ewigkeit! –
Du, Bettler, geh allein! –

O Ruhm, o Herrlichkeit!
Eroberer, ist dies der Preis, nach dem ihr trachtet?
Warum ihr hungertet und manche Nacht durchwachtet?
August, sprich, schlüg' ein Gott des Schicksals Buch –  umnachtet
Vor Aller Augen – dir, dem Ungebornen, auf,
Und spräche: Sterblicher, lies deinen Lebenslauf!
Und du erblicktest nun, wie Ruhe von der Wiege
Dich bis zum Grabe floh – die bürgerlichen Kriege –
Hier Cäsarn, [Cäsar hatte, wie bekannt, Augusten an Kindesstatt angenommen.] wie sein Blut aus hundert Wunden quoll, {368}

Und Er, von Brutus Dolch verwundet, wehmuthsvoll
Ausrief: Auch Du, mein Sohn? und sein Gesicht verdeckte; –
Dort Cicero, wie er sein graues Haupt hinstreckte
Aus seiner Sänfte, und den Todesstreich empfing –
Und dann dein thränend Aug' an jenen Scenen hing,
Wo mit dem Haupt du an die Marmorpfeiler liefest,
Und „Varus, Varus, meine Legionen!“ riefest –
Und wo die nächtliche Versammelung
Mit Cinna sich verschwor – und, in Verzweifelung
Verloren, sich dein Enkel aus Matratzen
Flockwoll' und Kälberhaar hervorzukratzen
Verdammt sah, und es gierig niederschlang –
Dort deine Tochter an dem Felsenhang
Von Pandataria – und zwischen Kerkerwänden
Hier deine Enkelin, erwürgt von Henkershänden –
Du selbst durch Livia's stiefmütterliche Hand,
O armer Herr der Welt, verwais’t am Grabesrand!
Dein Leben eine lange Todtenfeyer!
Tiberius dein Erb', ein Ungeheuer,
Bezeichnet durch der Welt und Nachwelt schwarzen Fluch: –
August, du würdest das verhängnißvolle Buch
Zuschlagen, und, hinkniend an den Stufen
Des Allerheiligsten, laut weinend rufen:
„Verhängniß, einen Blitz aus deinem Heiligthum!" – {369}

O du, verliehn zum Fluch, verführerischer Ruhm! –
Als wir noch roh mit Faust und Ferse stritten,
Erschienst du vor der Waldbewohner Hütten,
und sprachst: „Wie? Was? Der Schöpfung Herr seyd ihr,
Und kämpft wie Löwe, Bär und Panterthier?
Glorreicher Sieg! Ein Flecken! Eine Beule!
Ich bring' euch Speere, Schwerter, Pfeile.
Zu lang habt ihr mit Fäusten euch zerfleischt,
Mit Nägeln euch zerkratzt, von Wuth getäuscht.
Nun seyd fortan vernünftige Geschöpfe!
Durchbohrt das Herz euch! Spaltet euch die Köpfe!“
Gesagt, gethan! Der Erdkreis schwamm in Blut.

„Ja, fuhrst du fort, ein Pfeil ist zwar recht gut:
Doch fällt nur je Ein Feind durch Pfeil und Lanze;
Auch schirmt davor der Panzer und die Schanze.
Empfangt dies flammenspeyende Geschoß!
Sein Eingeweid zerschmettert Mann und Roß.
Die schwarzen Körner hier, die Satans Bundsgenoß
Von Ihm, aus Schwefel und Salpeter, kneten lernte,
Streut in den Abgrund, und – erwartet blut'ge Erndte!
Wißt es, der Ehre zarte Pflanze reift
Im eiser'n Schlachtfeld nur, von Blut beträuft,
Wo Donner krachen und sich Blitze schlängeln.
Schon rauscht herab ein Chor von Todesengeln,
Mit Sicheln in der Hand, und unter Trommelschlag {370}

Und bey Drommeten Hall beginnt der Erndtetag. –
Dies hier sind Bomben. Drohend, gleich Kometen,
Ziehn sie dahin, und zischen, prasseln, röthen
Mit Feuerstreifen Mitternachts die Luft.
Erblaßt flieht Jung und Alt in Fels und Kluft,
Und lauscht voll Angst, wohin der Feuerklumpen fliege.
Haubitz und Bombe trägt die Schrecknisse der Kriege
Zu Schwangern, Kranken und dem Säugling in der Wiege.
Gelt! diese tacktische Verfeinerung ist neu!
Die Feuerschlünde dort zerschmettern zwey bis drey;
Doch füllt ihr Nägelköpf‘ und feingehacktes Bley,
Und Glas hinein, und laßt en flanc sie streichen,
So giebt Ein Schuß zwey bis drey hundert Leichen. –
Fort mit Visieren, Helm und Panzer! Zieht
Den Harnisch aus! Marschiert in Reih und Glied,
(Ha! wie verdunkelt ihr nicht jetzt die Scipionen!)
Bloß in der Sommerwest' ins Feuer der Kanonen!

Der Abgrund droht – Seht dort mit Leichnamen das Feld
Schwarz ausgepflastert, rund vom bleichen Blitz erhellt!
O wie die Ströme Bluts der Rosse Schenkel röthen!
O des betäubenden Geschmetters der Drommeten!
Zählt! Wie viel Todte giebts? – – „Zehn tausend liegen da.“ {371}

Wie viel Verstümmelte? – „Zweymal so viel beynah.“
Nun plündert, was ihr könnt! Nun jauchzt Viktoria
Dort liegt die Königsstadt mit ihren stolzen Thürmen.
Die Mitternacht bricht ein. Kommt! Laßt sie Uns erstürmen!
Pst! Nehmt die Leitern! Zieht die Schuhe aus!
Erwürgt den Schläfer dort im Schilderhaus.
Hinangeklettert! Schießt den Wall in Graus!
Begrabet Weib und Kind im Schutt gesprengter Minen!
Büßt viehisch eure Lust auf rauchenden Ruinen
An Jungfrau'n halb entseelt! Würgt, sengt und brennt, und dann,
Besudelt noch von Blut, stimmt ein Te Deum an!
Verlieh Herr Zebaoth die Kraft nicht euren Händen,
Ihr könntet ohne ihn nicht morden und nicht schänden –

Von jedem Kirchthurm hallt frohlockendes Geläut.
Schau Lampen, bis zum Dach unzählig aufgereiht,
Blau, roth, in magischer Beleuchtung, niederfunkeln,
Und durch ihr Farbenspiel Mond und Gestirn verdunkeln! [Die großen Siegesfeste sind in der Regel mit Illuminazionen und Bällen verbunden, denen die empfindsamste Schöne ohne Anstand beywohnt.]
„Jauchzt Jo! Evoe! Wir feyern Siegesfest, {372}

„Heil! Heil dem großen Karl!– Ey jauchzt doch auch der Pest
Und den Vesuven Heil! – O, trotz dem tollen Schweden,
Kann Aetna und die Pest entvölkern und veröden.
Heil Ueberschwemmung dir! Gott, Urquell alles Lichts,
Zerstörung ist Verdienst, und deine Schöpfung Nichts.
Triumf! Viktoria! Ihr Jungfrau'n, unter Tänzen
Laßt uns des Siegers Haupt mit Lorbeern rund bekränzen!
Schon zittert durch den Saal der bleiche Kerzenglanz.
Losrauschend überschallt der Baß die Dissonanz
Der Stimmenden. – Ha seht! Schon drehen sich im Tanz
Rings Girandolen mit den schwindelnden Mänaden. –

Seyd denn zum Todtentanz mir alle eingeladen!
Dort, wo das Heldenheer den Lorbeer sich errang,
Dort laßt begeistert Euch von wildem Saitenklang
Die leichten Schenkel zum verschlungnen Tanz beflügeln!
Steckt tausend Lampen an auf jenen frohen Hügeln;
Denn Tausende verschlang die schwarze Todesnacht!
Myrjaden schlummern hier, die gestern froh gelacht,
Verstummt auf ewig nun. Drum läutet alle Glocken!
Ach! zwanzig tausend Puls‘ im Lenz des Lebens stocken! {373}

Drum tanzt, drum tanzt! – Folgt ihr dem bleich umdämmerten Chor
Im Schimmer des Mondes? Er schwebt vom eisernen Feld empor.
Was deutet ihr feyerlich ernst auf jene bluttriefenden Stümmel,
Ihr Todeserscheinungen ihr, und hebet die Hände gen Himmel?
Laß ab von mir, du dort mit der gespalt'nen Stirn,
Mit aufgedecktem blutdurchlaufenen Gehirn!
Fleuch, höllisches Gespenst! – Horch! Welch ein dumpf Gewimmer!
„Wir sehn das goldne Licht der Sonnen immer, nimmer!"
Bringt Lampen! Evoe! Nachtwandler, stiller Mond,
Warum so blaß? Warum seyd ihr vom Horizont,
Ihr goldnen Sterne all, in Nachtgewölk entflohen?
Warum so bleich beym Ruhm unsterblicher Heroen?
Betrauert ihr vielleicht der nachbarlichen Welt
Beweinenswerthes Loos? – „Erleuchtet mit Lampen das Feld!
Erleuchtet die Lampen mit Blut, mit Blut der Erschlagnen! Trinket
Aus Schädeln dampfendes Blut! – Ha! wie es aus Lampen dort blinket,
In röthlich schimmernder Pracht! – Trinkt! Trinkt den Ueberrest!
Jauchzt, Kannibalen, jauchzt, und feyert Siegesfest!“ {374}

Wen seh' ich dort, der eine Leich' umklammert,
Und drüber hingebeugt am blut’gen Staube jammert?
Er küßt und streichelt sie mit kindlich frommer Hand. [Der folgende Dialog zwischen dem Dichter und dem Soldatenknaben ist historisch wahr, und die Hauptzüge des schrecklichen Gemähldes aus der naiven Erzählung dieses Kindes genommen; wie jeder verständige Leser auch ohne diese Anmerkung vermuthet haben würde.]
Woher, du armes Kind? – „Weit weit aus Ungerland,
Mein schöner Herr! Da sind wir in den Krieg gezogen,
Das Bärbl, Kasper, und der Fränzl, und die sogen
Noch halter, und da mußt auch Fränzl eben mit.“ –
Wo hast die Mutter? – „'s Mutterl? – Weiß es nit.
Kam ein Geschrey daher: die Linjen sind durchbrochen!
Und rett‘ sich, wer da kann! Und Vater ist erstochen!
Schrie Mutterl: lauf! Wird hint das Rheinbrück' abgebrochen.
Bis dran! Lauf Bub‘! – Ich weck‘ erst 's Bärbl aus dem Schlaf,
Und 's Kasperl. – Heiliger Gott! 's Feldlager brennt; Paff! Paff!.
Ging's hüben, drüben – ja, und unterwegs da traf
All, überall ich's voll von todten Männern, Rossen –
Ich furchte mich gar sehr, und schrie stets, wenn sie schossen. {375}

Die andern schrien auch: „ach Gott! mein Bein! mein Arm!“
Jesu Maria hilf! Mein Kopf! Daß Gott erbarm!“
Auf einmal sah ich nichts als Qualm und Nebel,
Und schwarzen Pulverdampf, und blanke Säbel.
Und dann kam ein Husar von Wurmser, und der schrie:
„Sie kommen, sie sind da, die Mordhund! Fall‘ auf’s Knie!
Bub', fall auf's Knie, und bet ein gläubig Vaterunser!“
Und als ich nun so knie und bet', hopp! hopp! sprengt unser
Major vorbey und – schwapp! fliegt ihm vom Rumpf der Kopf,
Und mich, Jesus Marie! kriegt ein Franzos beym Schopf,
Und wirft mich übern Zaun auf frischgefurchte Beete,
Und schreyt: Marsch! Wollen du, daß dich Cheval zertrete,
Du Oestreich’s Bougre du?– Ich dukt‘ mich hinterm Zaun,
Bis alles stille war; da fing's mir an zu graun.
Oberst zu unterst lagen Todte aufgestapelt,
Und viele stöhnten noch. – Als ich mich raus gerappelt,
Da kroch ich drüber weg. Mich hungerte gar sehr,
Ich lief durch Wald und Feld, und in die Kreuz und Queer,
Kam drauf vor eine Stadt, sehr groß, heißt glaub ich Speyer; {376}

Stand da ein Fratz. – Ich bat ihn: gebt mir einen Dreyer,
Mein schöner Herr. Allein er schalt mich heftig aus,
Und munkelte so was von Zucht- und Arbeitshaus.
Ich war das nit gewohnt, und auf den Quadersteinen
Am Stadtthor hub ich an recht bitterlich zu weinen.
Hatt' noch ein Tüchel, 's war von schönem weißen Leinen.
Sprach ich so zu mir selbst: Je! willt das Tüchel hier
Verkaufen, Fränzl, kriegst drey Batzen oder vier. –
Queer hüben saß ein Weib am Spinnrad vor der Thür.
Ich hin und sprach: Gelobt sey Jesus Christus! Sagte
Das Weib: In Ewigkeit! Und als sie drauf mich fragte:
Bist nit von Speyer, Bub? weint ich laut aus und sagte:
Bin nit von Spey'r, bin weit sehr weit, aus Ungerland
Und als ich dies gesagt, nahm sie mich bey der Hand,
Und sprach: Ach! warum bleibst du nit daheim in Ungern?
Du armer Bub! Nit wahr? Dich wird gewißlich hungern?
Ach ja, rief ich, ach ja! hab noch nit gessen hint.
„Sag an! sag an! Hast dann nit Eltern, armes Kind?“
"Mein Vaterl lebt nit mehr; auch Mutterl ist wohl todt.
Gebt für dieß Tüchel mir ein kleines Bissel Brodt!
Hilf Gott! hätt’st ja dann nichs ein Zähr’l dir abzuwischen. –
Behalt dein Tüchel! hier hast Brod dich zu erfrischen!
Gottslohn! Gottslohn! und auf, und wieder queerfeldein. {377}

Hinaus zum Thor von Spey'r, und fort: Die Nacht brach ein.
Ich rief und schrie: Ach Gott, wo mag mein Mütterl seyn?
Ich suchte hin und her, und suchte aller Orten.
Als ich aufs Schlachtfeld kam, war alles still geworden,
Und blutroth drüber hing vom Himmel ein Komet.
Und als der Angelus [Das Zeichen zum Abendgebet bey den Römisch-katholischen.] von weitem bimmeln thät,
Da kniet' ich hin, – hab' so mein Lebtag nit gebet'!
Denn unterm Kriegszelt die, die hatten's nur Gespottes –
Und schrie: Erbarm dich mein, du heil'ge Mutter Gottes!
Mein Mütterl ist ja todt, bin eine arme Wais‘! –
Die Todten lagen all nun nackt und haufenweis,
Als schliefen sie, und ich schlich immer, los‘ und leis‘,
An Jeden einzeln hin, und schrie: daß Gott erbarme!
Das ist mein Vaterl! Und dann streckt ich beyde Arme
Hinaus in Nacht und Sturm, und schaut im Mondenlicht
Den todten Männern scharf ins blutige Gesicht.
Zuletzt da hab ich ihn hier unterm Schlehdorn funden.
Ich nahm mein Tüchel, und verband ihm seine Wunden.
Da wein' ich nun und küß' ihn ohne Unterlaß. {378}

Ach! seine Hand bleibt kalt, sein Mund bleibt blaß! so blaß! –
Den armen Fränzl friert's! – Hu! Hu! –- Bitt’ dich, begrabe
Ihn nit! Mein Mütterl ist vielleicht verbrannt; wen habe
Ich sonst, ich armer Bub? – War ihm so gut, so gut!“
Erleuchtet mit Lampen das Feld! Erleuchtet die Lampen mit Blut!
Mit der Erschlag'nen Blut! – „Die Leute halter meinen
Es gut – Da sagen sie, ich müßt' nit immer weinen –
Will auch nit mehr – Ach Gott! das Aug' thut mir so weh! –
Den armen Fränzl friert's, hu! hu!“ – Jauchzt Evoe!
Komm bleicher Knabe! Tanz' dich warm! Laß ab mit klagen!
Jauchz' Jo Evoe! Wir haben ihn erschlagen!
Tanz Todtentanz mit Uns im rothen Lampenschein! –
„Ach Gott! Ach Gott! Wo mag nun wohl mein Mütterl seyn?“ –
Ihr Serafim, erbarmt, erbarmt euch seiner Pein!
Schwebt nieder, und gesellt die zarte Engelseele,
Euch zur Gespielin! Tragt aus dieser Kerkerhöhle
Sie sanft in Gottes Schooß! – Durch tapfre Gegenwehr
Des Feindes schwächt sich oft ein zahlreich Kriegesheer.
Alsdann schickt Werber aus im Lande kreuz und queer!
Die, wett' ich, senden schon in vierundzwanzig Stunden {379}

Auf Leiterwagen euch, geknebelt und gebunden,
Zahlloses Bettelvolk, Spitzbuben, Vagabunden.
Laßt, eins zwey drey, die Kerls die Lumpen runter ziehn!
Allein verwerft sie nicht! Man braucht sie zu Scharpie‘n.
Drauf sorgt daß blaues Tuch der Auditör bestelle,
So praeter propter zu zwölf Groschen jede Elle!
Auch Hüthe, je das Stück fünf Groschen oder sechs,
Und vorn ein Schild in Gold mit Ludovicus Rex!
Zu diesem fügt dann noch die rothen Rockaufschläge,
Zwey Groschen Sold des Tag's, und zwey und zwanzig Schläge –
Ha! schier vergaß ich doch den Hauptpunkt, à propos!
Zweymal im Lazareth die Woche frisches Stroh! –
Marsch! ihr unsterblichen Heroen zu zwey Groschen,
Urenkelsöhne Teuts, erstürmt des Feind's Approchen!
Ou vaincre ou mourir so ruft ein Officier.
Laut brüllt das Heer ihm nach: ou vaincre ou mourir!
Seht da! Die Schlacht beginnt! Schon steigen zwey Granaten.
Sie platzen. Hui! wie fliehn Panduren und Kroaten!
Sie rennen toll und blind den Officier in Koth.
Er schreyt, wie Drouet schrie: bin todt, bin todt, bin todt! [Der Konventsdeputierte Drouet suchte aus der Oestreichschen Gefangenschaft zu entkommen. Sein Plan aber mißlang; er fiel, und schrie nun unten unaufhörlich: bin todt, bin todt! – Siehe die Zeitungen.] {380}

Sehr gern bewundert' ich die Kunst der Retirade,
Ihr Heldensöhne Ihr, ach! ging es, Jammer schade,
Nicht gar zu schnell für mich. – Sieh dort die Wachparade!
Es klirrt das Bayonett, die Trommel wirbelt wild. –
O weh! So eben peitscht man Gottes Ebenbild,
Auf Tod und Leben, durch verdoppelte Geschwader,
Bis krampfhaft zuckend, längs dem Rückgrad, Nerv und Ader
Zerfetzt herunter fällt, und tief hineingetaucht,
Von Blut bespritzt, die Gert‘ in tausend Händen raucht.
He! Schnurrbart, sprich! Was hat der Delinquent verbrochen?
„Der rechts ist Desertör. Ich warb vor wenig Wochen
Ihn, in der Trunkenheit, für unser Eskadron,
Und da er nüchtern ward, so ging er uns davon.
Der alte Graukopf links, – weil ihm die Knie versagen,
So hat ihn der Profos die Gassen auf getragen. –
Verbrach noch mehr. Er schlief bey Nacht vor Alter ein.“
Womit beschönigt ihr denn diese Teufeley’n? –
„Subordinazion und Krieg!“ – Und muß der seyn?
„Kein Krieg? Kein Krieg? – Eyja, das wäre meine Sache!
Herr menagier‘ er sich: Wo nicht, dort ist die Wache!
Giebt es nur Krieg! – Warum? das fragt ein Schurke, pah!
Und spricht mein Landesherr: Marsch nach Amerika! {381}

Herr, sieht er, ich marschier', und munkelt eins, als nehm' er,
Erkauft durch Engellands Malz-, Korn- und Tobakskrämer,
Nach neuer Taxe für ein abgeschlagnes Bein,
Und Kopf und Arm Ersatz in Geld: so schlag' ich drein!.
Noch ist der Heldenmuth in Teutschland nicht verloschen!
Wofür giebt täglich uns der Landesherr zwey Groschen?
Ha! straf mich Gott! Ich bin ein teutscher Patriot! –
Man schlägt uns todt, was thut's? – Wir schlagen wieder todt.,-
Blitz, Hagel, Wetter! Herr, das ist ja unser Brod!“ [Ein ähnliches Beyspiel von teutschem Patriotismus findet man im Revoluzionsalmanach 1794.p. 102.]
Wen seh ich dort im Kreis, den Knebelbärte ziehen,
Mit schwarzem Herzen und verbundnen Augen knieen?
Drey Krieger treten vor, sie spannen ihr Gewehr;
Das Schnupftuch winkt. Es blitzt. O Gott! – Er ist nicht mehr!
Und sein Vergehn? Dafür giebt's keinen Namen, Herr!
Der Kerl, versteh er mich! lief vor drey Wochen Gassen.
Gut! – Kömmt ein Officier, vermuthlich bloß zu spaßen,
(Wie so ein Herr es pflegt, Er weiß jawohl!) der spricht:
Nun, Bursche, wie behagt's? [Der Soldat lief wegen Deserzion Spießruthen.] – Schlägt der Hallunke nicht
Ihm, dir nichts mir nichts, gleich die Kett ins Angesicht? {382}

Man hielt ein Kriegsgericht, das Urtheil war: erschossen!
Drauf ging's an Hof. Nachdem zwölf Tage kaum verflossen,
So kam denn ein Reskript: der N N. wird erschossen.
Hilf Gott! Was heult und schrie der Officier! umsonst!
Da stand es schwarz auf weiß! – Verwandten sich auch sonst
Beym hohen Kriegsgericht vornehme Herrn und Grafen,
Was hilft's? Dort liegt er“ — Gott! und deine Donner schlafen? *)
Aefft hier ein Erdengott im Urtheil, was er sprach, {383}

Das unerbittliche Gesetz des Schicksals nach? –
Gemach. Das muß so seyn, ruft ihr mir zu, gemach!
Gehört das nicht zum Staat vernunftbegabter Wesen?
Belieben Sie nur Burk und Rehberg nachzulesen!
„Probatum est!“– Still! Still! Ich bitt' euch drum! Kein Wort!
„Wohin?“ In Fels und Kluft! Fort, von dem Menschen fort!

J. D. Falk.

*) Ich kann diese Stelle nicht ohne eine– freylich sehr unpoetische – Anmerkung lassen. Das Kriegsgericht sprach nach den Kriegsartikeln und mußte nach dem Buchstaben derselben sprechen. Die allgemeine Stimme der Menschlichkeit ist freylich in vorliegendem Falle für eine Ausnahme von der Strenge des Gesetzes – wiewohl es ein Gesetz ist, ohne welches sich keine Kriegsdisciplin, so wie ohne diese kein zweck- und regelmäßiges Kriegsheer denken läßt. Die Ausnahme vom Gesetz aber konnte nur der Gesetzgeber machen. Ob dieser recht oder unrecht hatte, es nicht zu thun, ist in Rücksicht auf die Folgen ein äusserst schweres Problem. Denn der Gesetzgeber darf sich nicht dem Gefühl überlassen; seine Pflicht ist, kalt und unbeweglich bloß auf den Ausspruch der Vernunft zu horchen, folglich diejenige Entscheidung zu geben, die das allgemeine Interesse gebieterisch fodert. Freylich trat hier einer von den unseligen Kollisionsfällen ein, wo das größte Recht in einem andern Sinne großes Unrecht ist. Ich wage es nicht in diesem besondern Falle zu sagen, was für einen Ausspruch das Orakel der Vernunft gethan hätte, wofern es ein solches auf dem Erdboden gäbe. Wenn die Vernunft jemahls die Regierung des Menschengeschlechts übernehmen sollte, so würde sie die Axt an die Wurzel selbst legen, und den Anfang aller ihrer Reformen vermuthlich damit machen, daß sie den Janustempel auf ewig zuschlösse. Dann bedürfte es keiner Soldaten und Officiere, keiner Kriegsartikel und keiner Regimentsstrafen mehr. Bis dahin also wird die Handlung eines Kriegsknechts, seinem Officier die Kette ins Gesicht zu schlagen, wie groß auch die Reizung dazu gewesen sey, ein Kapitalverbrechen bleiben müssen. Aber was nicht laut genug gesagt werden kann, ist, daß auch auf die Handlung des Officiers, der einen armen Unglücklichen, in dem Augenblick da er seine Strafe (und welch eine Strafe!) ausgestanden hat, durch unmenschlichen Spott zu einer der menschlichen Natur ver- {384}

zeihlichen Wuth reizt, eine angemessene, folglich eine Strafe, die alle seinesgleichen auf immer von einer ähnlichen Brutalität abzuschrecken fähig wäre, gesetzt seyn sollte. Denn je strenger ein militärischer Befehlshaber in allem was ihm der Dienst zur Pflicht macht, seyn muß, desto mehr ist es nicht nur sittliche, sondern selbst militärische Pflicht für ihn, in seinem ganzen übrigen Betragen gegen seine Untergebenen sanft und menschlich zu verfahren.
W.
––––––––––

Ueber das vorstehende Gedicht selbst erlaube ich mir nur noch ein paar Worte. Es ist das zweite von diesem Verfasser, welches er im T. Merkur dem öffentlichen Urtheil ausstellt. Die Juvenalische Satire ist ein Fach, worin sich noch wenige Dichter unsrer Nazion versucht haben. Der genievolle Verfasser der Helden fühlt sich dazu berufen, und in der That scheint der Geist Juvenals so reichlich über ihn ausgegossen zu seyn, daß ihn selbst das Schicksal dieses römischen Satirendichters schwerlich von einer Laufbahn, worin noch so viel Lorbern zu erringen sind, abschrecken würde. Indessen ist zu hoffen, daß ein Juvenal unsrer Zeit keine Domiziane zu befürchten habe; oder sollten etwa Domiziane und Juvenale in gewissem Sinne correlata seyn, und die nehmliche Verkettung von Ursachen, die einen Juvenal mit der bluti- {385}

gen Geisel der Erinnyen bewaffnet, ihm auch irgend einen Domizian, der weder Filosofen noch Satiristen dulden kann, zum Zeitgenossen geben? – so wie die Horazische Satire die Zeiten eines August vorauszusetzen und nur in solche gehörig einzupassen scheint. Wenn ein äusserst verdorbenes Zeitalter einen Juvenal bedarf und auffordert, so ist wohl nichts unläugbarer als das Bedürfniß des unsrigen. Wie viel oder wenig Gutes durch einen solchen Rächer der so vielfältig und so schreiend beleidigten Vernunft und Humanität gestiftet, und wie viel oder wenig Böses durch seine Bemühungen verhindert werden könne, ist eine Frage, die ich hier nicht untersuchen will, und um welche sich vielleicht der Satirist selbst nichts zu bekümmern hat; denn wer hat die Folgen dessen, wozu er sich innerlich berufen findet, in seiner Hand? Wie dem aber auch sey, dies ist gewiß, daß, wenn jeder Dichter seinen Zweck, wie edel er immer seyn mag, nur insofern erreicht, als er seinen Lesern Vergnügen macht, dies noch ganz besonders von dem Satiristen gilt, der sein an sich selbst ziemlich verhaßtes Amt nur dadurch beliebt machen kann, wenn er uns durch die Schönheit seines Vortrags und seiner Verse gern oder ungern nöthigt, ihn mit Vergnügen zu lesen. Dies ist es was ich von dem Verfasser der Helden mehr als bisher beherzigt zu sehen wünschen möchte. Er scheint sich dem Drang und Feuer seines Genies zu sehr {386}

zu überlassen, um auf Harmonie und Wohlklang seiner Verse so viele Aufmerksamkeit und Zeit zu verwenden als nöthig ist; und er erlaubt sich dagegen hier und da Härten und Nachläßigkeiten, die kein Schriftsteller weder in Versen noch Prosa sich selbst übersehen soll. Im eisern'n Schlachtfeld, statt im eisernen – gehört nicht unter die erläßlichen Sprachsünden, und einen Vers, wie dieser,

Oberst zu unterst lagen Todte aufgestapelt,

welches Ohr könnt ihn dulden? Auch die Lyrische Unordnung und dithyrambische Vermischung der Versarten in der Episode von dem kleinen Fränzl (die ich überhaupt zu lang und zu überladen finde) – diese poetische Trunkenheit, welche in der Fantasie des Dichters das Schlachtfeld in die Scene eines wilden Todten-Bacchanals verwandelt, – die seltsame Verbindung des letztern mit der Erzählung des Knaben, welche durch den schwärmenden Aufruf der tanzenden Geister, „Erleuchtet mit Lampen das Feld, u. s. w. und Jauchzt Evoe! Komm bleicher Knabe, tanz dich warm! u. s. w. unterbrochen wird, – diese und andere Excesse einer noch nicht genug gebändigten Einbildungskraft verdienten wohl eine genauere Beurtheilung, als hier Platz finden kann. Ueberhaupt scheint mir der Dichter sich zuweilen von seinem Feuer zu sehr hinreissen zu lassen, und über der Begierde – seine Visionen eben so rasch {387}

und lebhaft, als sie in seiner begeisterten Fantasie durch einander taumeln, auch ausser sich darzustellen – mit unter ins Groteske zu verfallen, das nur gar zu nahe ans Erhabene gränzt. Aber wohl dem jungen Dichter, dem man solche Vorwürfe zu machen hat, und dessen Fehler nur aus zu großer Kraftfülle, zu starkem Trieb, und zu üppigem Wuchs entspringen! Was wir ihm wünschen, bis die Zeit kommt, da sein eigner Geschmack seine sicherste Regel seyn wird, ist ein Freund, wie jener vir bonus et prudens des Horaz, qui versus reprehendet inertes, culpabit duros, incomtis allinet atrum transverse calamo signum, ambitiosa recidet ornamenta, parum claris lucem dare coget, u. s. w. – und die Geduld und Folgsamkeit, die dazu gehört, um sich einen solchen Aristarch zu Nutze zu machen.
W.