1806 No. 16.
Elysium.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte
Sonntag, den 23. Februar.
Zeitgeschichte.
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Aus Indien, vom 29. Jan. – Ueber England. Der englische General Lake hat den Indianern, bei Agra, eine aus purem Gold und Silber gegossene Kanone weggenommen. Sie wog 69 Pf. und man schätzt ihren
Werth auf 100,000 Pf. Sterling. In Hoffnung auf solche Prisen, könnte man unsern, statt der Guineen, nur zu oft mit Papiergeld bezahlten Soldaten, schon eher zumuthen, in's Kanonenfeuer zu gehen.
Wie Just und Werner, in der Minna von Barnhelm würden, sie sodann einander kompagnieweis mit dem Zuruf ermuntern: „Nach Persien! nach Persien! Es lebe der Prinz Heraklius!"
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Isaac Hawkins Browne wendete neulich im Parlament, in einer Rede auf Pitt, wo er von der großen Verbesserung des Wohlstandes sprach, die unter diesem Minister in England zu Stande gekommen, auf
denselben die schöne Stelle aus dem Sueton an, wo es heißt: „August habe ein Rom aus Ziegelsteinen vorgefunden, aber eins aus Marmor wieder zurückgelassen."
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Aus Wien vom 7. Febr. Der Kaiser Franz stiftet so eben einen Orden für Bürgertugend. –
Die Mitglieder tragen ein Kreuz von Gold, an einem blauen und weißen Band. Dem höhern oder geringern Grad ihrer persönlichen Verdienste gemäß, werden sie förmlich in Ritter, Kommandeure und
Großkreuze eingetheilt? Diese neue Art von deutscher Ehrenlegion – denn was ist sie anders? – scheint uns für Deutschland ein Zeichen von guter Vorbedeutung, und kann auf die Länge von den
heilsamsten Folgen seyn. Der Zeitpunkt ist da, wo weder die Stecknadel der Stiefletten, noch der Pedantismus der Wachparaden, den Staat von seinem Untergange retten kann, und wo ein edel und
milddenkender Monarch, wie Kaiser Franz, nur in den Herzen seiner Bürger und Unterthanen sich neue Resourcen eröffnen muß. Die Furcht vor dem Korporalstock, ist dem Lorbeer nicht günstig; und das
Regiment der Steigbügel muß aufhören, wenn der Reiter, mit seinem Pferd verwechselt, nicht zu diesem herabsinken soll. Es ist kein hohler Phantasietraum; nein, nein, ganz andere Beweggründe, wie
diese, werden im neunzehnten Jahrhundert die deutschen Armeen ins Feld führen. Bloße Miethssoldaten, das heißt Solche, die wie Herr v. Arnim sagt: mit einem frischen Trunk, in einen frischen Rock
stürzen, und beim Hereinpassieren in's Thor schon sehen, wie sie am besten wieder heraus kommen möchten, können uns jetziger Zeit wenig Dienste leisten, Dieß sind freilich neue {62}
und ganz unterhörte Dinge; aber Bonaparte hat dafür gesorgt, daß sie bekannter würden, und sie in der Schlacht bei Austerlitz, nebst seinem Namen, mit Flammenschrift in die Sterne geschrieben, so
daß sie noch die Cherubim am Weltgericht dort lesen werden. Edler, verkannter Erzherzog, wie furchtbar bist du gerächt worden!
"Denn lange bis es nicht mehr kann, behilft
Sich dieß Geschlecht mit feilen Sklavenseelen,
Und mit den Drathmaschinen seiner Kunst –
Doch wenn das Aeußerste ihm nahe tritt – die Noth
Der nicht mit hohlen Namen, Figuranten
Gedient ist, die die That will, nicht das Zeichen,
Den Größten immer aufsucht und den Besten,
Ihn an das Ruder stellt, und müßte sie ihn
Aufgreifen aus dem Pöbel selbst: da thut
Der hohle Schein es fürder nicht: da fällt
Es in die starken Hände der Natur,
Des Riesengeistes, der nur sich gehorcht,
Nichts von Verträgen weiß, und nur auf ihre
Bedingung, nicht auf seine mit ihm handelt,"
Schillers Wallenstein S. 37.
Schreiben an Herrn Rhadamanthus, abzugeben im Tartarus, in der großen Gerichtsstube Nr. 4.
Mein Herr Rhadamanthus.
Es war schon lange mein Vorsatz, Ihnen, bei Ihrer Erscheinung auf der Oberwelt mein Kompliment zu machen. Der Mangel an guten Gesetzen ist zwar bei uns nicht so groß, als der Mangel an Anwendung
und Ausführung derselben; aber da jetzt jeder anfängt, sich nach Wohlgefallen eigene Gesetze zu schmieden, und die vorhandenen guten zu verfälschen, so dächte ich, es wäre einmal Zeit, daß ein
Mann aus der Hölle selbst aufstünde, um darzuthun was recht und was falsch sey, die Geister zu prüfen, und die Statuten der Vorwelt vor unsern Augen aufzuschlagen. Daß Sie der Mann dazu seien,
ist kein Zweifel; denn umsonst haben Sie sich nicht den großen und fürchterlichen Namen in der Unterwelt erworben. Ich beuge also mit geziemender Demuth Knie vor Ew. Gestrengen; doch da ich
keiner von denen bin, die Ihren Schutz, um einer eigenen Angelegenheit willen, zu erflehen haben, so werden Sie mir vielleicht um so günstiger gestatten, daß ich wage, Ihnen von Zeit zu Zeit
einige Bedenken, bei Führung Ihres höchsten Oberrichteramtes, vorzulegen.
Erstlich kommt es mir etwas bedenklich vor, daß Sie, bei Untersuchung Ihrer Gerichtssachen, bloß die beiden Extreme der Strafe und Belohnung festgesetzt haben. Zwischen. Elysium und Tartarus
sind, wie mir däucht, noch so manche leere Räume, die auch zu bewohnen wären. Bedenken Sie, gestrenger Herr Rhadamanthus, wie sich die Welt, seit den zwei oder drei tausend Jahren Ihrer früheren
Erscheinung, verändert hat. Wenige mochten sich damals nur erkühnen die schroffe Klippe des Parnassus zu erklimmen; jetzt ist es anders. Die spitzen Gipfel des Musenberges haben sich, wie andere
Berge, durch den Lauf der Zeiten abgeplattet, und sind nun bequemer zu ersteigen. Bedenken Sie, was Sie unternehmen, wenn Sie das Völklein, das seitdem sich auf diesen angenehmen Höhen
eingenistet hat, so auf einmal hinunter stürzen wollen! Bedenken Sie, Herr Höllenrichter, daß das jetzt lebende Geschlecht der Menschen, wie schon ein Weiser desselben sagte, meist aus Mittelgut
besteht; daß Sie also auch, wenn Sie eben so gerecht als strenge handeln wollen, für Mittelwohnungen sorgen müssen, die nicht zu groß noch zu klein, weder zu schimmernd noch zu dunkel, kurz die
so sind, daß ein rechtlicher Mann, der bloß für Nahrung schreibt und lebet, auch darin bestehen könne, und nicht allzu verdrüßlich werde, seine Handthierung fortzusetzen.
Dieß wäre mein erstes Bedenken. Wenn Sie es freundlich aufnehmen, so werde ich Ihnen in der Folge noch andere kund thun. Beglücken Sie uns indessen nur mit recht geistreichen Urtheilen, und
erwecken Sie, wo möglich, den Samen des Genies, der ganz unter uns verloren gegangen scheint, mit Ihrem befruchtenden Anhauch zu neuen Kräften, so werden wir unserseits von Herzen fortfahren, ihr
Wiedererscheinen auf der Oberwelt, zu segnen.
K.
Briefe über die Theater in Wien.
1.
Man braucht nur einige Monate hier gelebt zu haben, um sich selbst zu überzeugen, wie falsch – Wien und die Wiener in dem übrigen Deutschland beurtheilt werden. Welcher Unbefangene erkennt in dem
Bilde gieriger Unmäßigkeit, und phlegmatischer Gedanken-Leere, das man sich gewöhnlich von ihnen entwirft, den feinen, immer beweglichen, leicht zu Spott und Satyre gereizten Wiener, der in der
Sinnlichkeit durchaus raffinirt, und selbst die groben Bedürfnisse durch Geist belebt und würzt. Wien ist uns Deutschen fremd, auch sehe ich mich als Ausländer an, und suche mich so gut in das
Wienerische zu übersetzen, wie zu Paris in das Französische. Schon der Wiener-Dialekt, der, wegen seines Reichthums an eigenen Worten, beinahe für eine besondere Sprache gelten könnte, erfordert
ein fleißiges Studium; dann wird er aber zu einer Fundgrube fröhlicher Bilder und Gedanken, und es ist uns, als erwachte ein neuer Sinn für Freude und Lust. Noch Niemand ist es eingefallen, Wien
von {63}
seiner komischen Seite zu betrachten, und darin ist es originell, und übertrifft so weit uns Norddeutsche. Ich könnte, zum Beweis davon, die durchgängige Scherzhaftigkeit der untern Stände, die
derben Witze der Fiakres anführen, die nicht leicht jemand ungenekt vorbeilassen. Selbst das, von unsern steifen und todten Städten so abstechende Getümmel, die rege Lebendigkeit von Jung und
Alt, das Herumschlendern und Gaffen auf Straßen und Promenaden, mit einem Wort, das durchaus mehr öffentliche, als häusliche Leben, sind zugleich Folge und Grund eines unruhigern, heißeren
Temperamentes, eines flüchtigern, gereiztern Geistes, der das Verschiedene vergleicht, und das Lächerliche, gleichsam die Spitzen des Lebens, mit Blitzesschnelle ergreift, und sich
zueignet.
Literatur und Kunst enthüllen die Stimmung eines Volks. Am klärsten aber, wie in einem Spiegel, zeigt sich die National-Eigenheit im Theater. Die Spanier, Italiäner, Engländer, und Franzosen
haben Nationaltheater. Die Frage, ob der Deutsche eins habe, ist, so oft man sie aufgeworfen, mit nein beantwortet worden.
In Wien, hier oder nirgend suche und finde ich ein Nationaltheater. Sie werden sich entsetzen, wenn ich jetzt vom Kasperl zu reden anfange, aber, kommen Sie hierher, sehen Sie selbst, und Sie
besuchen, wie ich unausgesetzt, jeden Abend den Kasperl. Die frühere Geschichte dieses in Deutschland einzigen komischen Theaters ist dunkel und wenig merkwürdig. Doch will ich sie davon
einigermaßen in meinen folgenden Briefe zu unterhalten suchen,
Göthe, cum notis Sinceri. Specimen novae editionis classicae criticae..
I.
Es war ein Buhle, frech genung,
War erst aus Frankreich kommen, 2)
Der hat ein armes Mädel jung 1)
Gar oft in 3) Arm genommen,
Und liebgekost und liebgeherzt, 4)
Als Bräutigam herumgescherzt,
Und endlich sie verlassen.
1) Diese Nachsetzung des Adjektivs hinter das Substantivum ist völlig sprachwidrig. 2) „kommen.“ Muß heißen gekommen, mit dem Präsirum. Ich komme, du kommst, er kommt. Präsens. Präteritum,
Participium, gekommen. 3) „in Arm." Muß heißen in den Arm. Daß der Artikel fehlt, verursacht eine unnöthige Dunkelheit. Perspicuitas prima est lex scribendi, sagt Quintilian. Eine goldne Regel:
aber an so etwas denken unsre heutigen Schriftsteller nicht. 4) „liebgeherzt." Wie undeutsch. Man sieht wohl, daß es nach der Analogie von liebkosen gebildet ist: aber unser vortrefflicher
Adelung hat diesem Worte das Bürgerrecht noch nicht zuerkannt: folglich ist es verwerflich.
II.
Das 5) braune Mädel 6) das erfuhr,
Vergingen ihr die Sinnen: 7)
Sie lacht und weint' und beth und schwur:
So fuhr die Seel‘ von hinnen.
Die Stund', da sie verschieden war,
Wird bang dem Buben, graust sein Haar:
Es treibt ihn fort zu Pferde.
5) Eine sehr harte Kontraktion. Durch die verkehrte Stellung sieht das zweite das nun völlig so aus, wie das lateinische quae, da es doch dem ganzen übrigen Kontexte das lateinische id ist.
6) „Das braune Mädel." Hier möchte ich wohl eine Konjektur vorschlagen und lieber „Brauns Margrethel" gelesen wissen, welches einen weit bestimmtern und klareren Sinn gibt. Wahrscheinlich ist die
Stelle korrumpiert.
7) Sinn, im Singularis, dekliniert Pluralis. Die Sinne, der Sinne – den Sinnen – von den Sinnen. So etwas sollten sich unsere berühmten Schriftsteller am Ende denn doch merken können! Wie weit
sorgfältiger war in diesem Stück Ramler! Wie schön veränderte er, weil in der alten Lesart bloß ein e zu viel war, die Stelle:
„Bis dahin, wo den höchsten Ring –
Zeus an sein Bette hing."
in der neuen Ausgabe seiner Oden so::
„Bis dahin, wo der höchste Ring
An Jovis Ruhebette,
Hängt, hängen wird und hing."
Vortrefflich! Ich glaube kaum, daß sich eine glücklichere Emendation denken läßt. Ja, die Feile, die Feile! – Ein andermal mußten Mauern von Gethsemane, wie die von Jericho, unerbittlich
zusammenfallen, bloß weil der große Mann, in Simonis jüdischem Lexikon, oder dessen Alterthümern, gelesen hatte, daß Gethsemane keine Mauern gehabt, sondern ein mit lebendigen Zäunen eingefaßter
Garten gewesen sey.
Anmerkung. Bis daher haben wir uns bloß mit Sprachfehlern unsers Dichters beschäftigt: nun soll auch, um der Kritik ganz Genüge zu thun, sogleich etwas über den logischen Zusammenhang in seinen
Gedanken nachfolgen.
III.
Er gab die Sporen kreuz und quer, 8)
Und ritt auf alle Seiten, 9)
Hinüber, herüber, hin und her,
Kann keine Ruh erreiten,
Reit sieben Tag und sieben Nacht, 10).
Es blitzt und donnert, stürmt und kracht,
Die Fluthen 11) reißen über. {64}
8) Wo? Dies muß nothwendig dabei stehen; sonst ist der Gedanke zu unbestimmt, und er könnte ja wohl, wie jener Ritter sich selber die Gerte, also auch selber die Sporen gegeben haben. 9) „Auf
alle Seiten." – Das ist logisch völlig unmöglich! 10) In einem Weg und ohne zu schlafen? Ei, ei, Herr Autor, das ist eine starke Hyperbel! 11) Was für Fluthen? Das will man denn doch auch wissen?
War es ein Fluß, oder ein Meer, oder ein Damm, über den die Fluthen reißend hinweg gingen? Von alle dem steht keine Sylbe in dem Kontext. Solche Nachläßigkeiten im Stil sind eben Schuld daran,
daß ein so vortrefflicher logischer Kopf, wie der selige Garve, zuletzt an den Dichtern allen Geschmack verliert, und den Homer höchstens nur noch, wie er es selbst gesteht, statt einer alten
Chronik, in die Hand nimmt. Nach einer besseren, das heißt logischer geordneten Gedankenfolge, und in einer reiner fließenden, echt hochdeutschen Mundart, müßte diese Strophe ungefähr so
lauten:
Er gab die Sporen seinem Pferd
Und ritt auf beiden Seiten,
Erst rechts: dann wieder umgekehrt,
Um linker Hand zu reiten:
Er ritt bei Tag und schlief bei Nacht:
Es blitzt und donnert, stürmt und kracht:
Der Fluß war ausgetreten.
Haec hactenus! In Kurzem soll auch ein Joannes Müllerus, in integrum restitutus, ebenfalls cum Notus Sinceri, nachfolgen.
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Kleines Elysium.
Grabschrift auf ein Windspiel der Kaiserin Katharina. Von dem Prinzen de Ligue. (Das Original ist französisch und voll feiner Wendungen. Man liest es in den schönen Gärten von Sarkoe-Selo.)
Hier starb Thamire, und die Grazien in Trauerflören:
Sie sollten kommen, und mit Blumen dieses Grabmal ehren:
Von Neigungen beständig, schnell auf ihren Füßen,
War Tom ihr Vater und Milady ihre Mutter, wie wir wissen;
Ihr einz'ger Fehler, den sie hatte, der Humor: –
Ihr gutes Herz war Schuld, daß sie ihn oft verlor –
Wie leicht verzeiht man ihn gekränkter Sympathie:
Wo eine Welt verehrte, so wie sie;
Wo hundert Völker sich, als Nebenbuhler unterschreiben:
Wie schwer ist's da, von Eifersucht befreyt zu bleiben!
Doch jetzt erhaben über Eifersucht und Neid,
Entrückt des Todes allbeherrschenden Gesetzen,
Verliehn die Götter ihr, aus Dankbarkeit
Den Lohn, im Tempel der Unsterblichkeit,
Um ewig dort zu Katharinens Füßen sich zu setzen.
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An die Neutralen im Kunstfach.
So scharfe Messer – doch die nicht schneiden:
Die können wir ganz besonders leiden:
Auch helles Feuer – doch was nicht brennt:
Das ist so recht unser Element:
Und so Satiren – die Niemand lädieren:
Die wollen wir besonders honoriren.
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Philipp Hafner. In bürlesken Versen und witzigen Parodien, möchte dieser alte Wiener Komiker Seinesgleichen suchen. Da er unter uns viel zu wenig bekannt ist, so werden es hoffentlich unsre Leser
uns Dank wissen, wenn wir ihnen jetzt und in der Folge einige Proben aus seinen Werken vorlegen.
Plato, der berühmte Weltweise, tritt auf, und deklamirt äusserst pathetisch folgende Verse:
Ihr Schüler, höret nun, was Plato geistreich spricht:
Du Maulwurf Finsterniß, vernimm's, dir mangelt Licht:
Ihr sehet glänzend Bley für theures Silber an,
Und euch ergötzt im Schlaf ein angemahlter Wahn.
Betrüglicher Versuch, aus schön befleischter Erde,
Mensch, die Begierden roh, wie wild gewordne Pferde,
Sie laufen über Stock und Stiel mit dir davon;
Und seiner Sonnenbahn entstürzt dein Phaeton:
Heut glänzt er, wie das Gold, heut blüht er, wie die Blum,
Und Morgen haut ihn schon des Todes Sense um,
Und da er spricht: ich leb': so fällt er todt zur Erden,
Und muß dem, was er war, jetzt einverleibet werden:
Doch Psych' erkennt ihr Ziel, sie lebt nur, daß sie stirbt,
Und auf der Pilgerfahrt ein künftig Glück erwirbt:
Sie reis’t nur durch die Welt, die Herberg' am Gestad:
Nachdem des Elends Strom sie überschiffet hat:
Und diese Kerkerwand mit übermahlten Bildern,
Wo matt im Wiederschein sich die Gestalten schildern,
Im Tod erst überstieg: da weicht das falsche Land,
Schnell wie ein Nebelduft und Traumbild, das verschwand.
Drum, Freunde, höret auf um diese Welt zu sorgen:
Sie steht nur heute noch, wer weiß es, hält sie Morgen.
Es könnte leicht nichts mehr so sehr zerbrechlich seyn:
Ein untergrabner Wind wirft ganze Länder ein.
Die Welt ist uns zur Last, die Welt ist uns zur Geißel:
Drum Freund', erwägt das recht! Lebt wohl, Ich muß auf's – Häußel.
Plato, Lebküchner aus Nürnberg.
Welche Höhe, welche Tiefe und welch ein Fall! Konnte der göttliche Plato je seinen Lehren ein besseres Siegel der Weisheit aufdrücken! Und nun noch dazu die Deklamation eines La Roche oder
Hasenhut. Nein, es geht nichts drüber, und Herr Benkowitz hat wohl Recht, wenn er den Wienern vorwirft, daß das Ebenbild Gottes von ihnen gar zu sehr, auf ihren Theatern, defiguriert wird.
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