1806  No. 42.

Elysium und Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Sonntag, den 8. Juni.


Zeitgeschichte
oder
kleine Europäische Gazette.

Geist der Zeiten von Ernst Moritz Arndt 1806.
(Beschluß.)
In der Entwickelung von Nationalcharakteren, nach dem großen universalhistorischen Maßstab, wo nicht sowohl von den Bestrebungen einzelner Individuen, als vielmehr vom Leben ganzen Staaten, die durch die dem Menschen angeborne, dunkel göttliche Kunst, organisch idealischer Gestaltung, vermöge ihrer Repräsentanten, wieder zu großen Weltindividuen werden, zeigt Moritz Arndt ebenfalls ein ganz ausgezeichnetes Talent. Da hier erkanntermaßen von einer Besiegung des Stoffs, d. h. von einem freiem Aufschwung der Genialität über die Materie, die Rede ist, demnach ohne Kunst und echte Dichtungskraft, wie sie ein Thucydides, ein Tacitus, ein Johannes Müller denn auch wirklich besitzt, in diesem Fach sich wenig leisten läßt: so wird begreiflich, warum den meisten deutschen sogenannten Universalgeschichtschreibern, eben durch ihren Ballast stoffartigen Interesses, so wie durch ihre Gründlichkeit in Namen und Jahrzahlen, dieß ideale Geschäfte unmöglich fällt. Vor der kolossalen Staffelei, wo der Franzose aller Franzosen, der Deutsche aller Deutschen der Engländer aller Engländer dem historischen Maler zur beliebigen Abkonterfeiung da sitzt, gelten alle einzelnen, noch so mühsam und noch so zart angebrachten Pinselstriche für nichts: die Massen gehen hier in eben dem Grad unter, als die Zeichnung sich von dem Hintergrunde ablöst. Und so kann denn der an sich paradox klingende und freilich sonderbare Fall eintreten, daß ein übrigens gelehrter und verständiger Mann, wie z. B. Hr. Adelung (dem so Etwas in seinen neulich angestellten Geschichtsforschungen über die alten Deutschen, wirklich begegnet seyn möchte), aus reiner Flucht vor Allem, was Poesie heißt, und so zu sagen, aus lauter angeborner Liebe zur Prosa und historischen Wahrheit, dennoch für die Hauptsumme seines Werke oder die Darstellung des Totalcharakters seiner Nation, in offenbare historische Unwahrheiten verfällt. Denn das geistige, wie das leibliche Leben des Menschen hat eben das Besondere, daß es sich zwar ganz gut atomistisch und mechanisch zerlegen, aber auf keinem von beiden Wegen, in idealer Einheit, auffassen und darstellen läßt. – –
Von Arndts Stil, d. h. von seiner glücklichen Behandlung solcher kolossalen Massen, sowohl bei ganzen Nationen, als bei einzelnen Repräsentanten und Heerführern, wollen wir hier nur, in der Charakteristik der Schweden, und Peter des Großen, zum Schluß {170}

ein Paar Beispiele ausheben. Nachdem der Verfasser sehr geistreich von den Ersten gezeigt: daß der Norden von jeher und schon in der Fabelzeit eine Wiege alles Großen war, und an gigantischen Sagen sich aufrichtete (man vergleiche die Riesengebirge der Nordischen Mythologie, eines Odin, Man, Thor); ferner daß kleine Völkerhaufen von hieraus, wo das Erz wird, von jeher, in romantisch kühnen Zügen, die Welt erschütterten; daß Schweden es waren, die Rußland gründen halfen, und selbst Preußens Staat, durch ihre furchtbare Waffennähe, unter dem großen Churfürsten, zwangen, in sich geschlossen und ganz zu seyn; daß daher selbst diejenigen Nordischen Könige, wie Gustav Adolph und Cart XII. die der Nachkommen feig und elend ausgeartete Geschlechter so gern romantische Abentheuer schelten möchten, weil sie mit Kleinem das Große bestanden, und Herz, Muth und Begeisterung dazu hatten, nichts in diesem Punkt thaten, die Lebensverachtung, der Trotz, wohlbewußte Titanenstärke ihrer Nation ihnen gleichsam abforderte, fährt er, in der Gesammtschilderung Altnordischer Völkertugenden und Eigenthümlichkeit, folgendermaßen fort.

Die Skandinavier.
So hießen einst die Bewohner der großen Inseln und Halbinseln der Ostsee. Sie, die Holländer und Engländer, sind unsere Brüder und uns Norddeutschen besonders verwandt, weit mehr, als die romanisierten Germanen, in Spanien, Frankreich, Italien. Bei den Schweden war einst die Macht und die Gewalt des Nordens; sie wird künftig bei ihnen seyn. Dieß sind noch die Alten, und Himmel und Land lassen sie nicht ausarten. Stolz, wie ihre Berge, muthig und frisch, wie ihre Alpen, Ströme und Wasserfälle, im Gefühl und Kraft, steht das brave Volk da. Man braucht hier nicht zu den Männern der Fabelzeit zurück zu gehn, in Schmaland und Dalarne, in Wärmeland und Immtland, will ich hundert und tausend Männer finden, die wie Riesen da stehn, und in ihren Herkulischen Armen fünf und zehn gewöhnliche Männer erwürgen. Tapferkeit, Redlichkeit, Freiheitssinn sind hier unsterblich, und nur durch diese Tugenden herrschen die Männer würdig.
Unser Zeitalter, das alles nach der Dicke der Masse mißt, meint, es sey einem Nachbarvolk leicht, wenn es wolle, den ganzen Norden zu unterjochen. Das Nachbarvolk meint nicht so, es kennt die Schweden. Laß Hunderttausende in Schweden an's Land steigen, das Leichte in Besitz zu nehmen; wenn sie keine Flotten haben, wird keiner die Bothschaft von ihrer Vernichtung zur Heimath bringen. Dieser Stamm kann nicht vergehen, und darf nicht vergehen. Von jeher kamen von Süden die Weltbildner, aber auch die Weltverderber; der Norden schickte die Rächer und Befreier aus. Ja, wenn ganz Europa in Schlaffheit, Feigheit und Despotismus untergeht, wenn kein Land mehr ist, wo List und Tyrannei nicht gebiethen, wenn keine Stimme sich mehr für Recht und Wahrheit erhebt, kein Arm das Schwert dafür zieht: dann wird, in Skandinaviens Wäldern und Bergen, noch ein freies Geschlecht wohnen, die geplagte und erniedrigte Welt zu strafen und zu erlösen. Ihr Elenden, die ihr nur nach der Menge rechnet, und die Würde und Herrlichkeit der Völker darnach messet: sind für Euch denn alle Beispiele und Erinnerungen nichts? Höret! und schämt Euch: Hunderttausende haben oft die Menschheit verwüstet, kleine Scharen von 10,000 bis 20,000 Tapferen sie öfter gerettet.

Peter der Große.
Voltaire, der Feine und Gewandte, bei Gelegenheit aber der Schmeichler und Knecht der größten Verruchtheit, jetzt der Vertheidiger eines Jean Calas, der Vater glücklicher Familien, jetzt der elende Hofschranze eines Richelieu, Pompadour, der Geißeln Frankreichs und Deutschlands, Voltaire, der Weltmann, hatte kein Maß für das Große und Idealische des Schicksals und des Menschen. Er sollte Peters Geschichte schreiben, für Ehre und Gold. Dieß schon verdrehte ihm die Augen, wenn sie auch getaugt hätten, Peters Größe anzuschauen. Er machte die Sache ohne Arbeit, leicht ab, wie ein Franzos, und Peter ist unter seinen Händen die albernste und lächerlichste Karikatur geworden, die man sehen kann.
Das Große hat er in ihm verkleinert, und das Tolle und Wilde eines Barbaren umsonst hinwegzuwischen gesucht. – Wir lassen die erbärmliche moralische Ansicht und das kümmerliche Urtheil derselben, und sehen die bewegte Welt und ihr frisches Leben, als etwas Nothwendiges an: so wird Peter Repräsentant für das Volk, dessen zweiter Schöpfer er ward, stehend und fallend durch die Nothwendigkeit der eignen Natur und des ewigen Schicksals. Was soll man den Rohen liebenswürdig, den Harten empfindsam, den Unerbittlichen mild machen? Peter, war nie etwas anders, als ein außerordentlicher und gigantischer Barbar, mit allen Tugenden und Lastern einer großen Natur, in erhabener Roheit. Auch würde der Voltairische Peter mit seiner Humanität und Gerechtigkeit mit den Russen, wie sie damals waren, nicht weit gekommen seyn. Bei allen Kenntnissen und Einsichten, die er sich erwerben mochte, blieb der Czaar ein Barbar, seine Bildung bekam er nicht, und hätte er sie bekommen, er hätte sein Zeitalter, sein Volk und seine heilige Wirkung übersprungen, und wäre mit Vielen, als ein thatenleeres Nichts verklungen. – Ein Mann, der die Strelzi niedersäbelte, seinen Sohn enthauptete, seine Weiber ins Kloster stieß und seine Beischläferinnen auf den Thron setzte, hatte auch die Energie die Russen zu Europäern zu machen, welche in Sitten, Künsten und Leben immer noch halb mongolisch und orientalisch waren. {171}

Italiäner
Zu Neapel sind wieder 20 Räuber von der sogenannten Bruder-Teufels-Bande eingebracht worden. Einer davon war ein Mönch, und hielt seinen Einzug auf einem Esel. Ein talentvoller Schriftsteller sagt von diesem häufigen Banditenwesen der Italiäner sehr schön und genial:
„Die Italiäner sind noch die alten Menschen, voll Naturkraft, Genialität, sprudelndem Witz und Talent. Der fremde Wanderer sieht sie mit Verwunderung und Mitleid. Hier (im hesperischen Klima) wo alles verrucht und giftig wird, was sich nicht sinnlich kräftig entwickeln darf, wirkt die edelste Kraft endlich am verderblichsten. Kastraten, Beutelschneider werden, die als Staatsmänner hätten glänzen können, und manche verlorne Natur eines Sprechers und Befreiers der Menschheit, eines edeln Feldherrn, mordet in roher Banditenfrechheit in den Wäldern des Appennin und des Aetna.. So muß die Flamme an das Leben, und wenn man sie auch mit ganzen Meeren verschüttete."
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Fürst Czartoriski,
oder
die dunkeln Wege des Schicksals.
(Aus Englischen Blättern.)
Fürst Czartoriski, von Geburt ein Pohle, jetziger allmächtiger Minister im russischen Kabinet und Liebling seines Monarchen, war ehemals designierter König von Pohlen. Seine Mutter, die Fürstin Czartoriski, wird es, nach national-großer, und was man auch dagegen sagen mag, echt fürstlicher Denkart, in weiblich edelem Rachgefühle, der Krone Preußen nie vergessen können, daß sie, als Pohlin, und da ihr Vaterland den letzten Todeskampf für seine Freiheit vergeblich bittend zu den Füßen des Markis Luchesini gelegen hat, und daß es vielleicht bloß Preußen war, das, indem es Ludwig von Wirtenberg die Parthei hielt, sie daran verhinderte, Mutter eines Königs von Pohlen zu seyn.

„Denn es umflechten
Verderbliche Netze
Der Sterblichen Haupt:
Sich selbst zum Verderben
Und andern bereiten,
Sie Arglist und Trug."

Leipzig bei Göschen 1806. Aelteste Geschichte der Deutschen, ihrer und Literatur, bis zur Völkerwanderung, von J. Ch. Adelung.
Eine Musterarbeit gelehrten Fleißes, in einem mäßigen Oktavbande die Resultate vieljähriger Forschungen, der Kern einer ganzen Bibliothek von Folianten und Quartanten, mit historischer Kritik aus einer Wüste von Irrthümern, verjährten Vorurtheilen und Fabeleien gesäubert und gleichsam rein ausgeschält darlegt, so daß man hier in gedrängter Kürze und Klarheit beisammen findet, was sich über unsere Urväter und über die bei den Alten vorkommenden verschiedenen Völkerschaften Deutschlands historisch wissen läßt. Nur einige Punkte heben wir hier aus diesem reichhaltigen Werke aus, in welchem jeder §. lehrreich und interessant ist. Für den Eridanus der Alten hält der Autor S. 8 nach seinen dafür beigebrachten Gründen die Düna, und Norwegen ist nach ihm das Thule der Alten. Die, welche noch jetzt im Wahne der Unwissenheit darüber streiten und witzeln, ob wir Teutsche oder Deutsche sind, können S. 155 zur endlichen Schlichtung ihres Streites, Belehrung finden. Die Bewohner des alten Deutschlands gehören sämmtlich zu zwei Hauptstämmen, die auch noch bis auf den heutigen Tag in ihren Nachkommen fortdauern, den Sueven und Unsueven oder Cimbern. Jene sind der Stamm der Oberdeutschen, diese der Niederdeutschen, und der übrigen nördlichen germanischen Völkerschaften. Wie im ersten Abschnitt aus geschichtlichen Gründen erwiesen worden, daß die Germanen ursprünglich weder Kimmerier, noch Scythen, noch Celten waren, sondern eine eigene von diesen verschiedene Nation ausmachen, so wird auch im Abschnitte dargethan, daß ihre Sprache eine eigene, unvermischte Stammsprache ist, und als solche schon in der frühesten Zeit erscheint, aber auch, gemäß den beiden Hauptstämmen der Nation, in zwey Hauptmundarten zerfällt, die noch jetzt vorhanden sind, und aus deren Mischung früher das fränkische, und später unser jetziges Hochdeutsch sich gebildet hat. Die Ansichten des Verfassers von dem Charakter der alten Deutschen, der sich auch schon in jenen Zeiten bei den Sueven und Cimbern, oder Niederdeutschen, verschieden zeigte, von dem Grade ihrer Cultur, ihren Sitten, so wie seine Vorstellungsart von der Ueberlieferung der Ossianischen Gesänge, unter den Bergschotten, und von der Entstehung des Reimes, athmen, so wie das ganze Werk, jene reinprosaische Nüchternheit des Verstandes, welche historischen Untersuchungen über Thatsachen, wo die Phantasie und der poetische Verschönerungstrieb sich durchaus nicht einmengen dürfen, da es um die nakte Wahrheit zu thun ist, wohl geziemt, und bei Geschichtsforschern selten gefunden wird; die aber wiederum eben so unzureichend und übel angebracht ist, wo über den Geist einer Sprache, und über Gegenstände des Genies und Geschmacks, aus philosophischen und ästhetischen Prinzipien, geurtheilt werden soll. H. A. ist daher auch hier ganz in seiner Sphäre. Den deutschen Dichtern, die seit {172}

Klopstock mit den alten Barden und Druiden so vielen Spuk getrieben haben, wird es wehe thun, hier zu lesen, daß die alten Deutschen nie weder Barden noch Druiden gehabt haben, welche sich blos bei den Galliern und Celten fanden. Ueberhaupt ist es interessant, von einem Gegenstande, der uns so nahe liegt, eine echt prosaische Ansicht mit der poetischen, welche seit Tacitus so viele Geschichtschreiber und Dichter uns vorgezaubert haben, in schroffem Gegensatz zu erblicken. Wer beides in seiner Art zu würdigen versteht, wird beiden Bemühungen dafür Dank wissen.
Es ist im Reden eben so schwer, sagt St. Evremont, einen Engländer dahin zu bringen, daß er anfängt, als einen Franzosen – daß er aufhört.

Aus Regensburg. Der Kurerzkanzler hat durch den Freiherrn v. Albini dem Reichstag zu Regensburg eine höchst merkwürdige Note übergeben lassen, deß Inhalts: daß er vermöge seines Alters, da er bereits sein 63 Jahr angetreten, und durch die Zeitumstände, für jetzt und für die Zukunft bewogen, die zu einer kräftigen Unterstützung auf seinem hohen Posten aufforderten, sich entschlossen habe, den Kardinal Fesch zu Rom, einen nahen Anverwandten des französischen Kaisers, zu seinem Koadjutor zu wählen; auch bereits die Genehmigung des Pabstes zu diesem Schritte eingeholt, und im Kurzen auch die Beistimmung des Kaisers, als höchsten Reichsoberhaupts, zu erhalten hoffe.
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An Deutschland,
Fragment eines ungedruckten, größern Gedichts.

Europa dächten zu beherrschen Franken?
Ich geb' es zu, das kann Napoleon:
Begeisternd kühn erfaßt er den Gedanken,
Die Welt sieht staunend seinen Werken zu,
Sein großer Geist bricht der Gemeinheit Schranken,
Wir andern ahnden kaum, was er noch thu,
Es fragen die Beschränkten und die Seher:
Erschafft aus langem Krieg' er Völkerruh'?
Er ist nicht Franke blos, nein Europäer;
Europas goldnen Zirkel angefaßt
Führt ihn der Korse hoch und immer höher:
Eh' er das Ziel erreicht, macht er nicht Rast.
Doch von Germanien aus muß er's verwalten,
In Deutschland bau' er seinen Weltpallast;
Hier mag er seinen Erdball neu gestalten,
Hier leg' er aus des mächt'gen Strebens Drang;
Du Deutschland bist allein deß werth zu halten,
Europas, aller Länder Mitt-Umfang:
Auch bist du schon vom Herrlichsten genesen,
Von Tapferkeit, von zartem Minnesang,
Ein stilles Wachsthum ist dir außerlesen
Allein in dir gedeiht die Wissenschaft,
Und du kannst mehr noch sein, als du gewesen.
Der Nord gebeut, du bist des Nordens Kraft,
Wer anders ist berufen, zu regieren,
Du bist's, sobald du dich nur aufgerafft:
Doch würdest nimmer du tyrannisiren,
Es lebt in dir der Freiheit Genius,
Gewähren ließt du Jeden nach Gebühren,
Ein Europäscher Areopagus.
Doch, was da kommen wird, es weiß es keiner,
So mag denn kommen, was da kommen muß.
Macht, Franken, Deutschland klein und immer kleiner
Und gebt dem jetzigen Geschlecht den Lohn.
Doch prahlet nicht! Groß ist bei euch nur Einer;
Ihr selbst seid klein, als große Nation.
Wie ihr auch glänzt, wir werden's euch nicht neiden,
Wir dürfen's sagen, wir sind doch dir Hoh'n,
Und glaubt es nur, kein Deutscher mag euch leiden, Gemeinschaft, hoff' ich, wird uns nimmerdar,
Was flösse sonst der Rhein? Der soll uns scheiden.
Mich dünkt, mich dünkt, die junge Heldenschar
Von deutschen Jünglingen ist schlagefertig,
Es mangelt ihnen jetzt ein Führer bloß.
Wie? Wären unsre Fürsten denn die Feigen?
So lasset aus gemeiner Weiber Schoß
Nur das Verdienst den Herrscherstuhl ersteigen.
Halt an o Muse! Viele sind's zwar nicht,
Doch dächt' ich, könnte man noch manchen zeigen,
Den ewiger Lorbeer schön die Schläf‘ umflicht;
Erzherzog Carl, gepriesner hoher Name,
Den selbst ein Bonaparte ehrend spricht:
Geflüchtet ist in dich der Deutschheit Saame
Und schlummert nicht. Er gehet herrlich auf. –
Dein Herz ist wohl bedrängt von edlem Grame –
Ruft er: O Völker, rüstig dann zu Hauf,
Ihr seyd ja Deutsche, werdet all die Seinen,
Wenn er gebeut, so gehet dran und drauf!
Ah, wäre das und könntet ihr euch einen
So hätt' es mit dem Siege keine Noth,
Wenn wir versammelt, ha, wir fürchten keinen,
Und wer da stirbt, der stirbt glorreichen Tod.
Ja das ist mein und vieler Deutschen Sehnen,
Und wessen nicht, der ist kein Patriot.
Nein, nein, es ist kein träumerisches Wähnen,
Deutschland muß frei seyn. Spute dich, o Zeit! –
Ich, armer Dichter, habe nichts als Thränen,
Thränen der Wehmuth um das Leid!
Doch würde man das große Werk beginnen
Und liefen Alt und Jung zum Heldenstreit:
Dann würden meine Freudenthränen rinnen,
Dann jubelt‘ ich Thuiskon heißen Dank –
Und würde schon auf ein Triumphlied sinnen,
Empfing' euch nach der Schlacht mit Bardenklang. –
Erst nach? o nein, vorauf gieng ich, ein neuer
Tyrtäus, flammt' ich an durch That und Sang
Der Mitgenossen altgerman'sches Feuer.
K. L.