1806 No. 50.
Elysium und Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte
Sonntag, den 6. Juli.
Zeitgeschichte.
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Winterthur d. 15. Okt. 1805.
Ich bin über Andalfingen hieher gereist mit einem gelehrten Freunde, den ich ehemals auf der Universität kennen gelernt hatte.
Wir sprachen unterwegs über Schafhausen und seine Bewohner, und kamen endlich auch auf den von dort gebürtigen, berühmten Geschichtschreiber, Johannes Müller, den Historiographen der
Eidsgenossen, zu reden, wo es denn freilich ohne einige Debatten nicht abging. –
Wir hätten noch lange fortgestritten, wenn wir nicht in Andalfingen, einem Dorfe an der Thur, angekommen wären, das eine auf Dörfern seltene Merkwürdigkeit enthält,
Herr Pfarrer Veith, auch ein geborner Schafhauser, besitzt nämlich hier ein sehr reichhaltiges Kabinet von Gemälden, Zeichnungen und Kupferstichen, die er, mit unermüdetem Fleiß und seltenen
Glücke, zusammengebracht hat. Es enthält, außer einigen unstreitig echten Gemälden und Studien großer Meister, eine auserlesene Sammlung von Arbeiten Schweizerischer Künstler, älterer und neuerer
Zeit. Ich sah hier von den schönsten Werken deß für die Kunst zu früh verstorbenen Ludwig Hes, Salomon Geßner und Andrer. Alte Handzeichnungen von Joseph Werner, Tobias Stimmer, Stettler,
Holbein, Jobst Ammann, Ringgli u. s. w. Schöne und große Zeichnungen von Herrn Füßli, Lips und andern Zürchern; besonders aber viele Arbeiten von Jakob Merz, einem jungen Menschen, den Herr
Pfarrer Veith selbst zur Kunst erzogen, und auf alle Weise in den Studien derselben unterstützt hat. Er befindet sich nun schon seit ein Paar Jahren in Wien, nachdem er bei Herrn Lips drei Jahre
lang in die Schule gegangen. Ich bewunderte in seinen frühern Arbeiten den großen Fleiß, die Richtigkeit und Bestimmtheit der Zeichnung, das wahre und kräftige Kolorit, wenn es auch meistens bloß
Aquarell-Gemälde waren; dagegen scheint er nun, seit er in Wien studiert, in das flache, leichte, nebulierte Wesen hinein zu gerathen, das die Fügersche Schule kenntlich macht. Es wäre Schade,
wenn dieser talentvolle junge Mann sich auf einem solchen Abwege noch weiter verirrte. Es sind auch einige sehr brave Kupferstiche von ihm vorhanden.
Wir dankten Herrn Pfarrer Veith für die unerműdete Gefälligkeit, womit er uns seine Kunstschätze gezeigt und erklärt hatte, und langten Abends spät in Winterthur an. {202}
Millers History of Doncaster. Ein Paar Anekdoten aus Herschels Jugendjahren.
Es wird immer eine angenehme Erinnerung für mich seyn, so erzählt uns D. Miller, wo er auf Herschel zu sprechen kommt, daß ich, so zu sagen, der Erste war, der dieses außerordentliche Genie
seiner Dunkelheit entzog. Um das Jahr 1760 als ich mit einigen Offizieren der Durhamer Miliz zu Pontefrakt speiste, erzählten sie mir, daß sie einen jungen Hauboyspieler bei ihrer Musikbande
führten, der, obgleich er nur erst wenige Wochen in diesem Lande sey, dennoch das Englische so perfekt spreche, wie nur immer ein Eingeborner: und wenn es mir gefiele, mich aus dem Speisezimmer
in ein Nebenzimmer zu begeben: so wolle man mich mit einem Solo desselben regalieren. Ich verstand mich dazu, und Master Herschel exekutierte nun in meiner Gegenwart ein Solo von Giardini, in
einer Manier, die mich in Erstaunen setzte. Nachher benutzte ich die Gelegenheit, die sich mir zu einer Privatunterredung mit ihm darbot, und befrug ihn: ob er sich auf eine längere Periode
hinaus bei der Durhamer Miliz engagiert hatte? „Nein, gab er mir zur Antwort, ich diene bloß von Monat zu Monat." „Laß sie laufen, Bursch" sagt ich zu ihm, und komm und leb mit mir: ich bin ein
einzelner Mann, und ich denk, wir sollen mit einander fertig werden. Irr ich nicht, so hast du Verdienst, und bist für etwas Besseres gemacht!" Herschel willigte in meine Aufforderung und zog mit
mir nach Doncaster. Es ist wahr, daß meine niedrige Wohnung damals nur aus zwei Zimmern bestand; indeß so arm, wie sie nach meinen damaligen Umständen seyn mochte: so fehlte ihr doch nicht ein
Hausgeräth, das Herschel zu schätzen wußte, ich meine, eine hübsche Büchersammlung. Es wird wunderbar scheinen, daß ein junger Deutscher, nach einem so kurzen Aufenthalt in England, so tief in
die originellen Schönheiten unsrer Sprache eindrang, um einen so schwierigen Autor, wie Dean Swift, zu seiner Lieblingslektüre zu machen. Frühe nahm ich auch einer guten Gelegenheit wahr, um ihn
in Mr. Copleys Konzerten aufzuführen, und nun begann Herschel:
„Untwisting all the Charms, that lie,
The hidden soul of harmonie,"
Nie haben wohl die Konzerte von Corelli, Geminiani und Avison, oder die Ouvertüren von Händel sich eines teuschern und dem originellen Sinn ihrer Urheber angemeßneren Vertrags zu rahmen gehabt,
als der ihnen jetzt durch Herschels Kunst zu Theil wurde. Bald verlor ich nun meinen Geführten etwas aus den Augen – denn sein Ruhm flog weit durchs Land – aller Orten her erhielt er
Anerbietungen zu neuen Scholaren, und sowohl zu Wakefield, als Halifax, ersuchte man ihn, daß er die öffentlichen Konzerte dirigieren sollte. Um diese Zeit hatte der alte Orgelbauer Schnetzler
für das Kirchspiel zu Halifax eine neue Orgel gebaut, die mit einem Oratorio vom seligen, wohlbekannten Joah Bates eingeweiht wurde. Master Herschel, nebst sechs Andern waren Kandidaten zum neuen
Dienst. Wegen des Probespielens in der Kirche wurden Loose gezogen und mein Freund Herschel erhielt das dritte Loos. Der zweite Spieler in der Reihe, war Master Wainwright; nachher D. Wainwright
von Manchester, ein Mann von so fixfingrigen Händen, daß der alte Orgelbauer Schnetzler trippelnd die Kirche auf und ab lief und in einem fort schrie: „Der Teufel, der Teufel, dieser Master
Wainwright läuft, wie ein Katz so schnell, über die Klaves meiner Orgel, und meine armen Pfeifen können gar nicht zum Sprechen kommen." (He will not give my pipes room for to speak) Während
Master Wainwright noch exekutierte, stand ich mit Herschel auf dem einen Chorflügel, den ich fragte: was für Glück er hoffte, wenn er nach diesem auf's Pedal stiege? Herschel antwortete: „ich
weiß nicht: aber das weiß ich wohl, es ist ein Satan, und mit den Fingern werde ich gegen ihn nichts ausrichten." Mit diesen Worten beschritt er den Orgelstuhl und spielte los. Das klang
nicht anders aus den angezognen Registern, als ob alle Ströme des Wohllauts zugleich unter seinen Händen losgelassen würden, und sich in den mannichfaltigsten Akkorden in die Kirche
ergössen; so daß die Wirkung, die es that, mich verwunderte, und ich sie mir vor mir selbst kaum erklären konnte. Herschel aber, nachdem er so zum Eingang ein wenig präludiert hatte, spielte den
hundertsten Psalm, so fromm und choralmäßig, daß es Allen, die es hörten, recht erbaulich an das Herz drang. Besonders Schnetzlern, dem alten Orgelbauer, der vor Freuden fast außer sich kam, daß
Herschel sein Werk so voll und so prächtig in Gang brachte. Darum hörten wir ihn auch einmal über das andre ausrufen: „Dieser ist mein Mann, der und kein andrer, der wird meinen Pfeifen Ruhe
gönnen!" Nachher fragte ich Herschel: wodurch es ihm wohl gelungen sey, gleich im Anfang seines Spiels einen so imposanten Effekt zu bewirken? Da gab er mir denn zur Antwort: „sagte ich es Euch
nicht? mit den Fingern lasse sich gegen den wenig ausrichten, aber“ – hier zog er ein Paar Stücke Bley aus der Tasche, und demonstrierte weiter: wie er das eine davon auf die untersten Klaves der
Orgel, das andere eine Oktave hoher aufgesetzt. Indem ich so, fuhr er fort, die Orgel zur Harmonie stimmte, bewirkte ich einen fast vierhändigen Akkord. Auch würden sie mir wohl, selbst wenn
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ich kein so guter Orgelspieler wäre, wie Jener, dennoch den Vorzug geben, weil es Ihnen vorzüglich darum zu thun ist, einen guten Violinspieler für ihr Konzert zu haben. Doch wird meines Bleibens
auch hier nicht lange seyn. Schon ist mir ein besserer Platz zu Bath angetragen, und ich werde wohl dieß Anerbiethen annehmen."
Naturgespräche. Astronomie und Musik.
Es ist ein zugleich rührender und herzerhebender Anblick zu sehen, wie die erste Hirtenpfeife, die Spährenmusik des Pythagoras – und die letzten Nebelflecken, die Herschels Spiegelteleskop in
Sternhausen auflöst, in der Geschichte der Menschheit Jahrtausende aus einander liegen, und doch wieder im einzelnen menschlichen Genie einander so nahe sind; so nahe, daß wenn alle unsre
astronomische Bücher, Instrumente und Tabellen noch heute verbrannt würden, die Hirten auf den Feldern von Chaldea und Sinear, vermöge der eingebornen göttlichen Idee, die herrliche Wissenschaft
alsbald wieder herstellen, und die gestirnte Urania mit ihren Schallmeyen vom Himmel herunter locken würden. So göttlich tief liegen im Menschen Verstand und Genie: wie anders bei den Thieren!
Wohl hundert Affen ist seit Anfang der Schöpfung ein Apfel auf die Nase gefallen, aber es ist keiner darum ein Newton geworden.
Der Hirt am Abende, oder die Sterne
O seliges Vergnügen, wenn der Bach
Geröthet fließt, und wenn der Sommertag
Am längsten währt, vom grauen Bergesrücken
Zum blauen Himmelszelt hinauf zu blicken,
Zu zählen, in entwölkten Mondes Klar,
Unzähliger Gestirne goldne Schar;
Die Deichsel und den Sternenwagen drüben;
Die still befreundeten und heitern Sieben,
Und jenen, der, von seiner lichten Bahn,
Dem müden Tage sagt die Vesper an;
Dich, holder Abendstern, dich zu begrüßen,
Wann Wellen zitternd deine Strahlen küssen,
Wann, wie aus einem Nebel, still verklärt,
Dein milder Schein aus Westen wiederkehrt:
All seyd ihr uns verbrüderte Bekannte,
Zu denen sich das Auge sehnend wandte
Ja, seh' ich solchen wundervollen Lauf,
Geht meiner Seel ein mächtig Ahnden auf
Von andern Monden, einer andern Erde:
Verschwunden ist mir meine kleine Heerde:
Die Welt ein unbemerkter Punkt im Blau!
Wie Tag erglänzt der Klippen Nebelgrau:
Da ist mir, steh' ich unten an dem Meere
Als ob ich jenseit tausend Stimmen höre
Als rührte sich das Frühgewerbe dort,
Und leuchtete die Sonne fort und fort.
Als zitterte entlang des Meeres Wellen,
Ein anders Land der Vollmond aufzuhellen
Auch ist, was Ahndung spricht, kein leerer Schall:
Allmächtig liebend trägt ein Gott dieß All,
Mit allen seinen Blumen, seinen Kränzen.
Die frisch in Morgenroth und Thau erglänzen;
Wie junger Vöglein Brut, die voll Vergnügen
Herunter flatternd in den Schoos ihm fliegen;
Mit Donnerklang, und Meer- und Sturmgesause:
Herauf zu seinem großen Gotteshause.
Schön, wie ein lichterschaffner Engelstraum,
Steht tausendästig da der Himmelsbaum:
Bevölkert reich auf allen seinen Stiegen,
Mit tausend Vögeln und Insektenwiegen;
Erzählt der Stein, aus grauer Sündfluth Tagen,
Uns von Medaillen, einst auf ihn geschlagen;
Von Menschen- Pflanz- und Engelwandelung:
So ewig neu umflattert, ewig jung,
Baut sich die Schöpfung auf zu Gottes Throne,
Und oben prangt der Mensch, als ihre Krone,
F.
Rom. Neueste Kunstberichte.
Rhoden aus Kassel, der seit mehreren Jahren in Rom lebt, hat vor einiger Zeit eine Landschaft vollendet, die alle Liebhaber anzieht, und die auch der Kenner mit Vergnügen betrachtet. Zur Rechten
im Bilde ist eine Felswand, um welche herum sich ein schmaler Fußpfad windet, der von einer Brücke aus dem Vorgrunde hinan steigt. Schöne Massen von Gesträuch bekränzen die Felsen; ein breiter
Strom windet sich durch den Mittelgrund, der sich, in schönen Abstufungen von Planen und Linien, gegen das Meer hindehnt, welches den Horizont schließt. Sein Bette windet sich tief zwischen einem
felsigen Gestade durch. In der Tiefe am Ufer stehen ein Paar zierliche Baumgruppen; im Vorgrunde gegen die Mitte des Bildes, neben der Brücke, streben ein paar schöne schlanke Stämme empor, und
links ganz vorn auf steinigem Grunde erhebt sich eine gewaltige Eiche. Auf dem hohen Ufer des Mittelgrundes liegt eine Stadt, hinter welcher sich große besonnte Gebirge erheben, die sich gegen
die Meeresfläche hinaus ziehen. Die ganze ist äußerst reizend und gefällig; ohne den großen Charakter und Sinn auszudrücken, den Reinhart seinen Landschaften zu geben weiß, bringen hier die
Einfachheit, die schöne luftigen Bäume, der klare Himmel mit leichtem Gewölk, der reine Wasserspiegel, das sonnige Meer eine Wirkung anderer Art hervor, die sich ungefähr zu der Wirkung in
Reinharts Landschaften, wie Claude's Lieblichkeit zu Poussins Größe verhält. Und wenn gleich Reinhart mit Poussin, weiter keine Aenlichkeit hat, so sieht man dagegen, mit wieviel Gefühl und
Zartheit des Sinnes sich Rhoden seinen Claude, {204}
dem er schon frühe aus Kassel anhing, zum Muster gewählt hat; wenigstens kennen wir gegenwärtig keinen, der mit so viel Glück in Claude's Fußtapfen getreten wäre, und wenn er so fortfährt die
Natur unabläßig zu studieren, und die Wirkungen des Lichts und Tones, in den verschiedenen Tageszeiten, zu beobachten, so wird er kein bloßer Nachahmer Claude's, sondern einer von seinen
vorzüglichsten Schülern zu nennen seyn. Es fehlt ihm dazu weder an Gefühl für Farbenharmonie, noch an Erfindungsgabe für gefällige Naturscenen. Rhoden hat außerdem ein Paar sehr brave Zeichnungen
nach der Natur, und ein kleines Gemälde, nach den Kaskatellen in Tivoli, verfertigt, von denen ich mich nicht erinnere, je eine wahrere und schönere gesehen zu haben, so oft sie auch von den
Landschaftsmalern kopirt worden. Er hat den Gesichtspunkt etwas hoch genommen, so daß man die großen und die kleinen Kaskatellen, die Villa Mäcens und die römische Kampagne, nebst der Kuppel von
S. Peter am Horizont, und die merkwürdigsten Ruinen, welche in dieser weiten Fläche zerstreut sind, erblickt. Der Ton in diesem reizenden Bildchen ist, bei aller Harmonie, kräftig und von großer
Wahrheit.
Ein preußischer Arzt, der sich hier aufhält, hat den antiken Torso einer nackten weiblichen Figur gekauft, der aus der besten Zeit der Kunst, und von sehr edler Form ist. Der Stil ist strenger,
als an der kapitolinischen Venus. Der rechte Arm war erhoben; auf der linken Hüfte und unter der linken Brust, eine Handbreit tiefer, befinden sich zwei Vorsprünge, welche zeigen, daß die Figur
entweder gruppiert war, oder etwas in der Hand trug; ein starker Absatz dieser Art befindet sich auch an dem rechten Schenkel; der linke steht zurück. Das schöne Werk ist äußerst verstümmelt,
Kopf und Hals, beide Arme und Beine fehlen, und der Körper ist mitten durch gebrochen. Dabei ist er von ungleicher Farbe, der obere Theil mehr angegriffen und dunkler von Farbe als der untere.
Ein Franzose brachte diesen Torso, nebst andern Kunstsachen, von geringerem Belange, aus Griechenland nach Rom, wo er lange Zeit bei dem Architekten Antonini gestanden. Für eine Venus sind die
Formen dieses Körpers zu strenge und zu bestimmt, die Hüften zu wenig geschweift, und scheinen mehr in dem Charakter der Amazonen. Es ist aber schwer zu bestimmen, was die Figur gewesen sey, da
schlechterdings alles fehlt, was auf eine bestimmte Idee hindeuten könnte.
Noch nie hatte die Kunst so viele Jünger in Rom, und es kommen noch immer neue an. Nächstens führe ich Sie in einige Bildhauerwerkstätten.
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Wiener Antiquitäten, die auch für Novitäten gelten können.
Delikatesse des Kaiser Franz. Der alte Erzbischof von Wien, Gr. v. Hohenwarth war, ehe er in die Residenz befördert wurde, Bischof von St. Pölten und des Kaisers Lehrer gewesen. Als Migazzi
starb, ließ der Kaiser den Prälaten auf die Burg kommen, und führte ihn unter andern, in ein Zimmer, wo noch von alten Zeiten her sein Portrait hing. Als sie davor standen, frug ihn der Kaiser
lächelnd: „ob er wohl wüßte, wer das sey?" Der Prälat stutzte ein wenig; faßte sich aber jedoch bald und sagte: „Das ist der Bischof von St. Pölten." „Ewr. Eminenz irren sich, erwiederte ihm der
gütige Monarch; doch wenn Sie es nicht wissen: so sollen Sie es von mir erfahren: Es ist dieses der Erzbischof von Wien, der vorher Bischof von St. Pölten war."
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Wie belohnt man ein Reichskontingent? Der königl. kaiserl. Leibarzt Quarin hat oft sehr sarkastische Einfälle. Als einst einer von den kleinen Reichsfürsten, der sich zu Wien aufhielt, des Lobens
und Rühmens, wegen der Tapferkeit seines Kontingents, im vorletzten Kriege, bei Hofe gar kein Ende finden wollte, wandte sich Quarin plötzlich aus dem Gespräch zu einer hohen anwesenden Person
und sagte in einem höchst gutmüthigen Tone: „Sr. Majestät sollten wirklich, um das brave Kontingent nach Verdiensten zu belohnen, ein Uebriges thun!“ „Ja, wie mein lieber Quarin?" – „Sie sollten
es wenigstens nach Wien kommen lassen, und ihm auf ein Paar Vorstellungen eine Freiloge bei'm Kasperl geben." – Man kann leicht denken, was für ein Gelächter hier entstand, und wie sehr der
deutsche Herr Reichsfürst mit seinen Kontingent in's Gedränge kam.
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Die erste Historie vom Pfaffen und vom Pfannenschmidt. Als der Pfannenschmidt darauf weiter fragte: warum unser Herr gleich nach seiner Auferstehung den Weibern, wie Maria Magdalena, und nicht
lieber den Aposteln erschienen sey: so gab ihm der Pfaff darauf zur Antwort: es sey deshalb geschehen, weil der Herr wohl voraus gewußt, daß die Weiber nicht schweigen könnten, und die Nachricht
daher um so schneller unter die Leute bringen würden.
Die zweite Historie vom Storch und der Störchin. Weiter berichtete der Pfannenschmidt den Pfaffen, wie daß auch zwei Störche zu Hause auf seinem Dache säßen; doch könne er nimmer dahinter kommen,
welches der Storch und welches die Störchin sey; möchte deshalb gern wissen, wie er solches anfangen sollte? Da lachte der Pfaff heimlich in sich hinein, wegen des Pfannenschmidts Weib, die mit
zugegen war und solchem Gespräche fleißig zuhörte; fuhr sodann fort und sprach: „Schmidt, sieh zu! Der so am frühsten im Nest steht und klappert, das ist der Storch: aber die so am spätsten im
Nest steht und auch zuletzt klappert, das wird die Störchin seyn, weil die Weiber gern lang schlafen und auch immer das letzte Wort haben müssen." Als der Pfaff dieses gesagt hatte, erhub sich
ein laut Gelächter unter den Umstehenden; ja selbst des Pfannenschmidts Weib, so sehr es sie auch Anfangs verdroß, mußte doch am Ende mit lachen.
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