1806  No. 28.

Elysium und Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Sonntag, den 6. April.

Wien 1805. bei Joh. Babtist. Wallishauser. Evakathel und Schnudi, oder die Belagerung von Ypsilon.
Nach diesen wenigen, doch wie wir hoffen, keinesweges grundlosen Präliminarien wird es nun ein Leichtes seyn, zur Beurtheilung von Evakathel und Schnudi, oder der Belagerung von Ypsilon selbst, vorzuschreiten. Die höchste Aufgabe des komischen Stils ist und bleibt allerdings Sieg des Realen im Idealen: aber zu beklagen ist jeder Dichter, der diese Aufgabe anders, als durch eine indirekte, ewig fortschreitende Ironie zu lösen versucht. Von dem Augenblick an, wo er auf eine allzu direkte Art hierin zu Werke geht, vertauscht der Künstler die Rolle mit seinem Produkt, d. h. aus einem Maler der Karrikatur, wird er ein Gegenstück zu ihr, nämlich die Karrikatur selbst. Dieß möchte, wie bei den meisten Wiener Komikern, so auch bei dem sofort von uns anzuzeigenden, travestierten Telemach des Herrn Perinet, vorzüglich der Fall seyn. Die Rolle, die dieser Dichter den Jupiter, die Venus, Kalypso, und ihre Nymphen, in seinem Telespielen läßt, ist keine andere, als die von Wiener Schenkwirthen und Stubenmädchen: und indem er so das Schöne dadurch zu rächen sucht, daß er es in den Schlamm gemeiner Naturen herunter zieht, rächt sich das Schöne dadurch wieder an ihm, daß es ihn mit diesen Individuen gemein werden läßt. Von ganz anderer Art schon ist die Ironie in Perinets Bearbeitung des vorliegenden, alten, Hafnerischen Stücks, Evakathel und Schnudi. Hier ist der Witz pikanter, und alles weit tiefer, gründlicher. Die belle Passion der Höfe; das Theater; die Amour der Prinzen und Prinzessinnen; das Ceremoniel bei Gesandschaften, kurz die ganze allerliebste Unnatur, das vermeintlich Ideale der sogenannten vornehmern und höheren Stände, sind hier auf eine recht beissend amüsante Art persifliert worden. Was Einem dabei besonders wohl thut, ist, daß Alles in diesem Stück zugleich so nah, und doch wieder so fern ist; nämlich zugleich in Wien, und dann wieder in Ypsilon, in der letztern Hauptstadt des Alphabets, an der Tartarischen Grenze; also daß auch von dieser Seite Niemand so leicht einen Anstoß nehmen, oder den rosenfarbnen Humor des Prinzen Schnudi und seiner geliebten Herzensdame Evakathel bedenklich finden kann. Wie schön, wie herzrührend ist z. B. nicht gleich die folgende Scene, die ein Duett, einen Dialog, oder was man sonst will enthält, und wo der Prinz ihr sein Portrait in Lebensgröße zum Andenken verehrt:

Evakath.
Adjeu, mein Schnudi, Prinz, Adjeu,
Die Trommel ruft zur Schlacht –

Schnudi.
Leb wohl, und nimm hier das Portrait!
Es ist recht sauber g'macht! {110}

Evakath.
O akkurat: (küßt es.)

Schnudi.
Häng's um den Hals, und spring in d'Wien:
So brauchst kein Stein und bist gleich hin!

Beide.
Bleib g'sund, wenn ich dich nimmer seh':
So bleibt mir dennoch dein Portrait. (Melodie aus der Zauberflöte.)

Evakath.
Ich mach's mit meinen Thränen naß.

Schnudi.
Doch druck's nicht stark, sonst bricht das Glas

Evakath.
Doch wenn wir uns einst wieder seh'n –

Schnudi.
Da wird sich Erd‘ und Himmel drehn.

Beide.
Drei Wochen nach Ostern da geht der Schnee weg:
Da heirath' - ich's Kathel - ich'n Schnudi - auf dem Fleck.

Noch toller, närrischer und köstlicher zeigt sich das Genie des Dichters, in der Anordnung der Hoflustbarkeiten, wenn der Herr Ceremonienmeister Steinvogelkopf, damit die Prinzessin, die zarte Nerven hat, und Zimpimperi, ihre Kammerjungfer nicht zu sehr erschrecken soll, sich selber ausschoppt, und während der Hetze den Bären macht. Hier ist die Scene, die freilich um die Hälfte verliert, so bald man sie nicht sieht.

Herzamphitheater.
(Mit obern und untern Gallerien, die alle voll Menschen sind. Der Hof kömmt.)

Hetzmeister. (gibt das Zeichen und schreyt.)
Auf die Thür
Bei'm Raubbär'n Nro 4!
(Die Falle geht auf. Der Raubbär kriecht hervor. Man sieht das Gesicht des Ceremonienmeisters Steinvogelkopf in etwas unter der Oeffnung des Rachens.)

Prinzeß Evakath.
Was ein Bär, da bleib ich nicht sitzen!

Zimpimperl, ihre Kammerjungfer.
Ich auch nicht: ich krieg schon alle Hitzen!

Baumschnabel, Hofpoet.
Sitzen bleiben! Und kommt er auch wirklich her:
Thut nichts! 's ist nur ein ausgeschoppter Bär.

Zimpimperl.
O weh! Er kömmt näher auf uns. Thut er was? Beißt er?

Baumschnabel.
Beileid! Es ist ja der Steinvogelkopf, der Ceremonienmeister!

General. H.
Tartarisch Majestät: so wahr ich ehrlich bin,
Im Bären steckt der Ceremoniarius drin.

Tartarchan.
Brav, das thut mich recht scharmieren:
Da kann so leicht kein Unglück passieren.
(Der Bär erblickt auf einmal eine Schildkröte, macht einen Satz auf sie, und trägt sie triumphierend Nro. 4. in seine Falle. Geklatsch. Trompeten und Paucken. Nach der Musik währt das Klatschen fort.)

Tartarchan.
Das ist ja ein schrecklicher Applaus!

General. Hirzepirzel.
Rufen wir den Bären heraus!

Alle.
Heraus, heraus:

Das Klatschen wird stärker. Der Bär geht aus der Falle, mit einem weißen Schnupftuch in der Tatze, macht sein Kompliment gegen das Publikum, und sagt:

Auf ihren Wink komm‘ ich hierher,
Denn dankbar seyn kann auch ein Bår;
Gerühret steh‘ ich hier und sage nur: Brumm, Brumm!
Schätzbareste, ihr wißt, der wahre Dank ist stumm!

Trocknet sich die Augen, küßt Evakathel die Hand, und geht ab. Großer Applaus.
(Die Fortsetzung folgt im kleinen Tartarus.)

Einige Notizen, über den vor kurzem in Rom verstorbenen französischen Maler Harriet.
David hat das ungünstige Schicksal gehabt, daß zwei seiner vorzüglichsten Schüler, gerade in der Zeit, wo sie die durch ihr Talent erregten Erwartungen durch ein Meisterwerk erfüllen wollten, durch den Tod dahin gerafft wurden. So starb vor etwa 16 Jahren der junge Drouais zu Rom, der durch seinen Marius allgemeine Bewunderung erregt hatte, während er mit den Zurüstungen und Studien zu einem andern größeren Gemälde beschäftigt war, worin er seinen Marius übertreffen wollte, im 24. Jahre seines Alters. So starb auch vor kurzem Harriet, der beste unter den jetzigen Pensionairs der franz. Akademie in Rom, gleichfalls in blühender Jugend, und während er mit der Ausführung eines großen Werkes beschäftigt war, das seines Künstlerruhm begründen sollte. Wir theilen hier einige Nachrichten von diesem Künstler, aus einem Briefe des als trefflicher Zeichner rühmlichst bekannten, zugleich aber als französischer Kunstkommissair und Kunstdelapidateur, während der Römischen Revolution unsterblich übelberüchtigten Malers Wicar, an den Abate Guattani, Herausgeber der Römischen Memorie per le belle arti, mit.
„Was ich über Harriet Ihnen zu melden im Stande bin, ist nur wenig, da ich ihn bloß zwei Jahre lang in der Werkstatt Davids, dessen Schüler auch er war, zu kennen Gelegenheit hatte, und hernach, seit 1796. der Zeit meiner Abreise aus Paris, bis zu seiner Ankunft in Rom, aus den Augen verlor. Schon seine ersten Versuche hatten einen ungewöhnlichen Erfolg. Seit seinem ersten Eintritt in Davids Werkstatt, zeigte sich ein reissendes Fortschreiten seines Talents. Nachdem er in allen Konkursen die Preise davon getragen, bewarb er sich 1794 um den großen Preis, dessen Aufgabe die Todtenfeier des älteren Brutus war. Harriet hatte damals nicht mehr als 17 bis 18 Jahre, vollendete aber ein Gemälde voll Ausdruck, Würde und Feuer, welches verkündigte, was er eines Tages leisten würde. Das aus Künstlern und Gelehrten zusammengesetzte Gericht erkannte ihm, nach einer scharfen und tiefsinnigen Prüfung, von der ich selbst Zeuge war, den ersten Preis zu. Dieser Triumph war um so rühmlicher für den jungen Künstler, da ihm der Preis durch einige Nebenbuler streitig gemacht wurde, die seitdem als Maler vom ersten Range berühmt geworden sind. Hätten damals nicht die Stürme der Revolution die Abreise der französischen Pensionairs nach Rom ver- {111}

hindert, so würde Harriet schon 1795. in Rom eingetroffen seyn. Er fuhr indessen mit dem schönsten Erfolge fort, sich in der Werkstatt unsers erlauchten Meisters zu vervollkommnen, und seine Fortschritte waren von der Art, daß David selbst sich in den Werken seines Eleven bewunderte, der seine Ideen von der Kunst, und seine Behandlungsweise historischer Gegenstände, am richtigsten gefaßt zu haben schien. Was soll ich von seiner Ankunft in Rom sagen? Er kam dahin, ganz voll von dem großen Gedanken, einen der glänzendsten und zugleich schwersten Gegenstände aus der Geschichte Roms auszuführen, den Horatius Cocles, welcher die Tiberbrücke gegen die ganze Macht des Porsenna vertheidigt. Ein Gemälde, von ungefähr 18 Fuß Höhe und 26 Fuß Breite, sollte denselben darstellen; und er war, so wie sein Meister, überzeugt, daß Rom allein der Ort sey, einen solchen Gegenstand glücklich auszuführen. Er brachte eine schon in Paris entworfene Skizze dazu mit, und fing sein Gemälde auf eine Art an, die auch die unerschrockensten Künstler zu erschrecken fähig war. Kaum hatte er auf der ungeheuern Leinewand die ersten Figuren und Gruppen entworfen, als er seine erste Skizze verwarf. Rom hatte seine Ideen über Stoff und Behandlungsart berichtigt, und seinem Geiste einen neuen Schwung gegeben; und nachdem er seinen Gedanken gefaßt, beschloß er, ihn, wie man sagt, au premier coup, auszuführen. Er zeichnete keine Studien, verfertigte keinen vorläufigen Carton, wie viele große Meister zu thun pflegen. Auf der leichtgegründeten (nuée) Leinewand komponirte, zeichnete und malte er, mit Zuratheziehung der Natur, alle Theile, die in dem großen Ganzen mitwirken sollten, sogleich fertig. Hat auch diese verwegene Methode, welche in den Annalen der Kunst fast beispiellos ist, ihre Nachtheile, die man oft nicht zu rechter Zeit bemerkt, so hat sie auf der andern, den unschätzbaren Vorzug, dem Werke jene Energie, jene Seele, mit einem Worte jene originelle Wahrheit aufzudrücken, welche nothwendig geschwächt wird, wenn sie bloß Kopie eines schon kopirten Gegenstandes ist. Dieß ist der Charakter, den Harriet demjenigen aufgedrückt hat, was er an seinem Gemälde vollendet hinterließ. Man findet in demselben eben die Energie, eben den Stil der Zeichnung, des Kolorits und der Behandlung, welche die Werke Davids auszeichnen, und man wird beim Anblick desselben zu glauben versucht, es sey ein Werk von der Hand dieses erlauchten Meisters." –
Der römische Freund, dem wir die Mittheilung dieses Briefes verdanken, selbst ein Künstler, fügt, hinzu: so verdächtig das Lob eines Franzosen über einen französischen Künstler seyn mag, so kann man doch das obengesagte fast ohne Einschränkung unterschreiben. Und wenn man auch dieser Art, ein so großes Werk alla prima zu malen nicht seinen Beifall geben kann, und zweifeln muß, ob wirklich auf diese Weise, ein für Kunstverständige genügendes Werk, hätte vollendet werden können, so ist doch das schon Fertige, in Gruppirung, Charakter und Ausdruck vortrefflich; das Kolorit indessen ist nicht ohne Härten, und hat einen rohen, freskoartigen Ton.

Stendal, bei Franzen und Grosse 1805. Schiller, oder Scenen und Charakterzüge aus seinem spätern Leben.
Wir schöpfen aus den nächsten und sichersten Quellen, wenn wir das Publikum versichern, daß diese Schrift mit zu viel Unwahrheiten und Absurditäten angefüllt ist, als man nicht jeden, der Schillern lieb hat, davor warnen sollte. Dieß trifft vorzüglich folgende Stellen: „Der Ausdruck seiner Stimme schien oft Furcht vor Alltagsgesichtern und Allmannskindern, wie er sagte, zu verrathen." Dieß Wort war Schillern ganz fremd. „Dem großen Gustaph Adolph stifte ich gewiß noch ein Denkmal auf der Bühne." Dieß war Schillers bescheidene Sprache nicht. Als der König und die Königin von Schweden, nach dem Aufenthalt einiger Tage, Weimar wieder verlassen, soll Schiller am Fenster zu einem seiner kleinen Söhne gesagt haben: „Kind! wünsche ihnen Segen nach, dein Vater thut's auch! Siehst du? dort fährt ein Zweig der Wasa's, von denen ich dir oft sagte." „Ich kann Niemand beleidigen!" erklärte er immer, wenn er hörte, daß Jemand beleidigt und gekränkt worden war. Am merkwürdigsten aber ist folgende Scene: „Er deklamirte mir eben einige Stellen aus Shakespear's Makbeth, die er von mir mißverstanden glaubte. Ein Bedienter brachte ihm während der Zeit einige Blätter. Schiller durchlas sie flüchtig, und legte sie (was ich deutlich bemerken konnte) mit dem Gefühle der größten Rührung bei Seite. Der Mond schien, bei dem matten Flimmer der Kerzen, sanft zu den noch nicht mit den Rolleaux bedeckten Fenstern herein, und machte Schillers ausdrucksvolles Gesicht blässer, wie jemals. Schiller erhob melancholisch schwärmend sein Auge, und sagte mit gerührter Stimme: Klopstock ist nicht mehr! – Ehe ich noch, versunken in den Anblick des großen Mannes, Zeit bekam, diesen Verlust zu empfinden: stand Schiller vom Sessel auf, ging an das eine, vom gegenüberstehenden Monde erleuchtete Fenster, sprach mit einem Ausdrucke, den ich nicht zu nennen vermag: deinem Andenken diese Thräne! und sang (!) nach einer langen, stillen Pause, mit einem Tone, der mein Innerstes durchbebte, diese Verse aus Klopstocks bekannter Ode: „Wie sie so sanft ruhn u. s. w.“ Welch ein Romanenunsinn! Eben so ist die Erzählung von den letzten Augenblicken {112}

seines Lebens, wo bei seinem Tode von vielen Umstehenden, und die von seinem Begräbnisse, wo von einigen hundert Zuschauern die Rede ist, mit sehr vielen Unwahrheiten vermengt, und wer dem Andenken Schillers und der Wahrheit ein Opfer bringen will, der wird dazu beitragen, diese Schrift zu vernichten.

Wien 1805. b. Joh. Baptist Wallishauser. Der travestierte Telemach. Erster Theil. Neu bearbeitet von Joachim Perinet.
Mitten unter einem Wust von Gemeinheiten und Trivialitäten aller Art, schlagend treffender Witz und unverkennbar tüchtige Spuren, von echtem großen, komischen Genie, wiewohl bei völlig ausgeartetem, nahe zu verwilderten Stil, und provinzialem ungeläuterten Geschmack. Für einen künftigen, deutschen Moliere möchten indeß diese so verschrienen Wiener Produkte eine eben so gute Fundgrube für Bonmots seyn, wie das alte Theatre Italien es einst, seinem Stoff nach, für den Franzosen gewesen ist. Sie verdienten daher eben so gut, wie jenes, daß man sie sammelte. Ueberall leuchten in ihnen Aristophanische Funken: aber freilich nur dem echten eingebornen Genie, dem, wie Schiller richtig bemerkt, selbst das Gebildete wieder Stoff ist, möchte es vorbehalten seyn, sie aus diesem Schutte zu einer Flamme zu sammeln, und davon auf dem, besonders in unserm kalten, feuchten, regnichten, arkturischen Nord vor lauter Thränengüssen, fast erloschenem Heerde des Comus, ein heiliges, fröliges Feuer anzufachen. Zur Probe wollen wir hier nur eine kleine Olympusscene ausheben, dessen Bewohner, wie man schon von Blumauer her weiß, die Wiener Dichter, mit aller Freiheit der alten Atellanen, zu behandeln gewohnt sind.

Jupiter
(Nimmt so eben ein Bild des Jupiter Ammon von der Wand, putzt es mit einem Abstauber ab, klopft es auf den Boden aus, und zertritt etwas.)

„Die verdammten, stinkenden Wanzen
Thun mich sogar noch im Bilde –
Am besten hilft Terpentin und Firnis:

(indem er den Rahmen mit einem Federkiel bestreicht.)

Das ist auch so'n Rezept vom weiland Doktor Hirneis.
Mir thut leid, da ich Wanzen und Fliegen prokreirt:
Des Organs, das mir jetzt auf die Nase hofiert.

(putzt es ab.)

Das Ungeziefer kann auch kein Respekt vor dem Bilde haben; Denn man weiß nicht, it's g'stochen, g'malen, oder g'schaben?
Kein Wunder, wenn die Unterwelt kein Respekt vor mir hat, Wenn man solche Bilder von mir herumtragt in der Stadt.
Das ist ein elender Schmierer und Pinselkratzer,
Das ist weder ein Füger, noch ein Platzer!
He Ganymed! (läutet am Glockenzieher.) mein Frühstück!"
u. s. w.

Kleiner Tartarus.
Tartarisches Gesandtenceremoniel. Wie ein souverainer Prinz in der Tartarei, mit dem Filz auf dem Kopf, unter einem Zelte von Filz, vor einer Festung – von Filz, die Gesandten fremder Mächte, z. B. eines Prinzen Schnudi maltraitieren darf: davon hat uns der Dichter der Evakathel ebenfalls S. 43. ein merkwürdiges Pröbchen geliefert.

Tartarchan.
Schlagt's die Fliegen nieder mit dem Fliegenwedel
Und spießt's mir hernach auf eine Gabelnadel!
(zum Hofpoeten.)
Und er mach mir, für 100 Scudi,
Ein Pasquill, und heiß'n Lumpen den Schnudi!

Baumschnabel.
Wie soll ich ihn einen Lumpen nennen:
Ich hab' ja nicht die Ehr' ihn zu kennen:
Ja kennt‘ ich ihn so gut, wie Ewr. Durchlaucht,
Herr Tartarchan, da ging's vielleicht!

Indem kömmt der Envoye' des Prinzen Schnudi. Der Tartarchan gibt ihm eine Audienz, überwirft sich mit ihm und befiehlt Sr. Exzellenz in's Loch zu werfen.

Tartarchan.
Du, jag' den Gesandten zum Guguck!

Diedeltapp.
Was? Mich? Das möcht' ich sehen! Kalmuk!
Schimpft ihr das Völkerrecht so unerlaubter Weis'?

Baumschnabel.
Mach uns da nicht viel Mäus‘!

Tartarchan.
Jetzt hat er Zeit, jetzt geht der Herr !
Nein, das duld' ich kein' Ewigkeit mehr!
He, Soldaten, bringt's eine Festung daher!
(Die Wache rollt eine Festung aus Filz auf Rädern herein.)
Nun fort mit ihm, hinaus!

Diedeltapp.
Ihr wißt kein‘ Lebensart, ihr Spottleut‘ in dem Haus!

Alle.
Hinein mit ihm, hinaus!

Evakathel.
Jammer und o Graus!
(Envoye Diedeltapp wird in die Filzfestung eingesperrt, und fortgerollt.)

Baumschnabel. (sieht nach Allem.)
Gebt's Acht, sonst tritt er uns noch gar den Boden aus!

Schade, ewig Schade darum, daß, bei solchen echt genialen Vorzügen, Philipp Hafner keinen mehr geläuterten Geschmack besaß, und daß der Plan zu diesem Stücke, wie zu den meisten seiner übrigen, so höchst fehlerhaft ist. Als Studium und Fundgrube indeß, können seine Werke nie genug empfohlen werden.
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Rechtes u. linkes Rheinufer. Wenn das Projekt des Wasserarchitekten Hrn. Marcel in Straßburg, noch zu Stande kömmt: so wird Herr Buchhändler Willmanns zu Frankfurt seine schönen Ansichten des Rheinufers, noch um ein Paar Pastillansichten vermehren können. Denn Herr Marcel hat sich nichts mehr und nichts weniger in den Kopf gesetzt, als den Rhein wirklich nach Paris, und auf den Platz zu leiten, wo ehedem die alte Bastille gestanden hat.