1806. No. 73.
Elysium und Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.
Sonntag, den 28. September.
Zwei Oden des Horaz, aus dem Nachlaß des seligen Herders.
Vorerinnerung.
Allen Freunden der naiven Grazie des Ausdrucks, hoffen wir mit diesen zwei, von einem der vertrautesten Mitbewerber um den Lorbeer echt poetischer deutscher Uebersetzungen, Herrn Major von
Knebel, aus Herders Nachlaß, mit Bewilligung der hochachtungswerthen Wittwe, Uns mitgetheilten Oden, ein angenehmes Geschenk zu machen.
D. Red.
Archytas. 1. Buch. Ode 28.
Dich, der die Erd‘ einst maß und zählte den zahllosen Meersand,
Dich beschränket anjetzt, Archytas,
Nah am Matinischen Ufer, ein Häufchen Staub, eine kleine
Gabe. Da frommete dir vor'm Tode
Nicht, daß in Aetherpallästen, daß sich dein Geist um den Weldpol
Rings im Laufe bewegt! Du starbest.
Archytas.
Starb dann Pelops Vater nicht auch, der der Götter Genoß war?
Nicht Tithonus, entführt in Lüften?
Minos nicht, den Zevs zu seinen Geheimnissen zuließ?
Auch Pythagoras ist im Orkus,
Ob er es gleich mit dem Schilde bewährte, daß er vor Troja
Schon gewesen; und ob er dem schwarzen
Tode wohl nichts als Sennen und Haut zurückließ. Der war,
Deiner Meinung doch auch, kein schlechter
Kenner der Wahrheit und der Natur! Es wartet auf Alle
Eine Nacht, und die Bahn des Todes
Tritt ein Jeder einmal. Den würget die Furie, Mavors
Zum Ergötzen; den schlucket das Meer ein.
Leichen der Jünglinge thürmen mit Alten sich über einander;
Kein Haupt schonet die schneidende Parze. – –
Also riß denn auch mich Orions Gefährte der Südwind,
Schnell hinab in Illyrischen Abgrund. –
Aber, o Schiffer, versäume du nicht, dem unbegrabnen
Haupt und meinen Gebeinen ein wenig
Fliegenden Staubes zu schenken. So werden, was dir der Eurus
Auf Hesperiens Fluthen dräute,
Dort die Wälder Venusiums büßen; und du entrinnst ihm.
Reicher Segen wird allenthalben {294}
Dir vom gütigen Zevs, von Neptun, dem Schützer Tarentums,
Niederströmen.
Vergißest du aber,
Was dem Todten gebührt, so häufst unschuldigen Enkeln
Schuld du; ja es erwartet dich noch
Recht und die strenge Wiedervergeltung. Flüche verfolgen
Dich sodann, und kein Opfer entsühnt dich. –
Eilest du gleich, o Schiffer; du darfst nicht lange verweilen;
Schenke mir dreimal ein Stäubchen, und segle.
An Pyrrha. Buch 1. Ode 5.
Wer wohl herzet dich jetzt, in der anmuthigen
Grotte, Rosenumkränzt, duftend in Wohlgeruch?
Welchem niedlichen Jüngling
Lockst du, Pyrrha, das blonde Haar?
Selbst nur lose geschmückt. O wie so oft wird Er
Ueber neues Geschick, über gebrochne Treue
Weinen, wenn er des Meeres
Schwarze Stürme verwundernd sieht,
Unkund ihrer. Anjetzt nennt er die Goldne dich,
Hofft dich immer ihm treu, immer so liebenswerth
Der Leichtgläubige trauet
Ach, dem trügenden Lüftchen sich.
Unglückselige die, denen, o glänzend Meer,
Ungeprüfet du lachst. Siehe, mein naß Gewand
Hängt dem Gotte der Fluth hier,
Des Entronnenen Dankgelübd‘.
Nachschrift
Wir können diese schöne Oben des Horaz nicht abbrucken lassen, ohne sie zugleich mit einer kleinen Nachschrift zu begleiten, welche wir dem Verdienst eines unsrer einsichtvollsten Kunstfreunde
schuldig glauben. Bekanntermaßen haben wir Deutschen neulich den ersten Band einer Uebersetzung der Werke des Quintus Horatius Flaccus (Heidelberg bei Mohr und Zimmer 1806.) durch Johann Heinrich
Voß erhalten, die in Rücksicht auf Würdigkeit metrischer Vorzüge, alle bis jetzt, zur Uebertragung des Horaz, in unsrer Sprache angestellten Versuche, als unzulänglich, hinter sich zurück läßt.
Nur so einseitigen und in der Hauptsache völlig ununterrichteten Referenten, wie die sind, welchen der Freymüthige hier, so wie fast überall, wo von Kunstsachen bei ihm die Rede ist, das große
Wort zu gönnen, Belieben trägt, kann es einfallen, zwischen solchen treuen Uebersetzungen der Klassiker, und freieren, wenn gleich nicht minder vortrefflichen Bearbeitungen derselben, wie z. B.
Terenzene Lustspiele von Herrn Geheimerath v. Einsiedel sind, eine für Voß nachtheilige Paralele zu ziehn.
Wir geben es zu: die Sache erlaubt allerdings einen abweichenden Gesichtspunkt. Wir kennen brave Männer genug, – läugnen es auch nicht, daß Herder selbst zu ihnen gehörte – die mit den Maximen
der neuen Uebersetzungskunst keinesweges völlig einverstanden sind. Was Johannes Müller noch neulich, in einem der vorigen Stücke des Elysiums, über das κατ εξουσιαν Uebersetzen der alten
Autoren, beibrachte, ist allen Lesern dieser Blätter gewiß noch im frischen Andenken. Solche Abweichungen im Urtheil müssen denn wohl in der Natur der Sache ihren Grund haben, und wir wollen
daher suchen, hier demselben ein wenig auf die Spur zu kommen. Vielleicht wird sich sodann, nach unsern Ansichten, als Resultat ergeben, daß es eben so ungerecht seyn möchte, einer freien
Bearbeitung den Zwang einer buchstäblichen Uebersetzung anzumuthen, als von einer treuen wörtlichen Uebersetzung zu fordern, daß sich dieselbe völlig so fließend, wie ein Original lesen, an den
Toiletten der Damen produzieren und auf den Theatern aufführen lasse. Es würde daher gut seyn – wenigstens möchten wir Niemanden den Wunsch verargen – wenn wir Deutschen, von jedem echt
klassischen Schriftsteller, wie z. B. von Terenz, von Shakespear u. s. w. zugleich eine treue Uebersetzung und eine freie geniale Bearbeitung aufzuweisen hätten. Betrachten wir nämlich das
Geschäft eines Uebersetzers: so zerfällt selbiges in zwei Branchen. Nach der ersten unterzieht er sich dem Versuch, sich den Charakter seines Originals; nach dem zweiten, sich auch die Form
desselben eigen zu machen. Im Genie selbst herrscht Form und Charakter, in wechselseitiger Durchdringung: zwischen beiden fällt, frei von allen didaktischen Beschränkungen, das geniale Produkt.
So das Original. Dem Uebersetzer wird auferlegt: daß er nicht nur die Rolle eines Shakespear, Homer, Ariost mit Glück vor dem Publikum durchspielen soll: sondern er hat es dabei auch mit dem
Wörterbuch, der Grammatik des Pedanten, der sein Griechisch, Englisch u. s. w. nach der Elle gelernt hat, so wie mit den, – durch den verschiedenen Genius der Sprache selbst, oft unüberwindlichen
Schwierigkeiten in der Nachahmung metrischer Formen, zu thun. Daraus folgt erstlicht: daß jeder Uebersetzung eine unendliche Aufgabe zum Grunde liege; zweitens: daß die Kunst, Charakter und Form,
selten aus dem Schwanken komme; drittens: daß eben daher auch der von uns angenommene Unterschied zwischen treuen Uebersetzungen und freien genialen Bearbeitungen wohl gegründet seyn möchte. Von
einer freien und genialen Bearbeitung fordern wir demnach auch mit völligem Recht, daß sie sich wie ein {295}
Original lesen lasse. Sie sorgt daher immer am angelegensten dafür, daß die Plastik nicht bloß Wörter, sondern ganze Sätze und naive Redensarten, und so viel wie möglich, immer unverletzt
übernimmt; denn die Grazien des Ausdrucks, sind wie Blumen des Sommers, die von dem geringsten harten Druck, in der Hand verwelken und hinsterben. Dieß gilt besonders für Schriftsteller, bei
denen weniger die Stärke der Ideen, als vielmehr die naive Grazie selbst zur vorwaltenden Eigenschaft gehört..
„Aerias tentasse domos, animoque rotundum
Percurisse Polum morituro."
ist durch das Herdersche:
„Da frommete dir vor dem Tode
Nicht, daß in Aetherpallästen, daß sich dein Geist um den Weltpol
Rings in Lüften bewegt."
dem Genius unsrer Sprache gemäß ausgedrückt, und wir möchten fast sagen, plastisch erschöpft: wenn gleich das Vossische:
„ – und es frommet dir gar nichts,
Daß du ätherische Häuser versucht und im Geiste den runden
Himmel durchschwebt, da der Tod dir bevorstand?"
als Uebersetzung sich unweit treuer und gefugter an das Original anschließt. Der plastische Ausdruck Aërias tentasse domos im Lateinischen klingt bei Voß fast ungewöhnlich, daher sich die
Strophe, wenigstens im Deutschen, nicht gut, als Original lesen läßt. Sie soll es aber auch nicht. So scheint Herders „Weltpol" plastischer, als Vossens runder Himmel wenigstens für unser Gefühl.
Dagegen hat die Vossische Uebersetzung, in der Musik des Metrums, und wenn ich so sagen darf, in der Festigkeit geschlossener Rythmen, vor der Herderschen Bearbeitung überall und unbedingt den
Vorzug, z. B.
„Mista senum et juvenum densantur funera |; nullum
Saeva caput Proserpina fugit."
„Greis‘ und Jünglinge häufet gemischt der Bestattende |; keines,
Hauptes verschont der Proserpina Mordlust.“
Nicht minder treffend und schön ist der periodisch-rythmische Schlußfall Horazens, in den vier ersten Zeilen des Originals, von Voß glücklich nachgeahmt und erreicht worden:
Dich des Meers und der Erd' und des zahllos wimmelnden Sandes
Weltausmesser beschränkt, Archytas
Hier des winzigen Staub's am matinschen Strande so kleines
Ehrengeschenk." –
wo das Herdersche „Gabe" für das lateinische „Munera“ viel zu kleinlaut abschnappt.
Doch wir bescheiden uns gern, den seligen, großen Mann, nach Vossens, oder Vossen, nach Herders Maßstab, richten zu wollen. Vielmehr geht der Zweck dieser Anzeige darauf hinaus, solcher nur zu
häufigen Illiberalität des Urtheils, in unserer Literatur, kräftig entgegen zu arbeiten. Eine Kritik, die, von einer Wielandschen Uebersetzung des Horaz, Vossische Hexameter, von einer Vossischen
Wielandische Grazie verlangt: die dem Verfasser des Polyidos seinen Ueberfluß an Trimetern zum Vorwurf macht, und Herrn v. Einsiedel, beim Terenz, seinen Mangel daran zum Verdienst anrechnet:
die, in der Schlegelschen Elegie Rom, Göthische Naivetät, und, in den Göthisch-Römischen Elegien, Schlegelsche Hexameter und Pentameter sucht, ist in unsern Augen keine Kritik; sie vermischt die
Gattungen, und weiß zuletzt selbst nicht, was sie will. Wechselseitige Durchdringung der Form und des Charakters steht freilich, als die höchste aber auch unerreichteste Kunstforderung da: und wo
sind die Neuern ihr je anders, als durch ziemlich langweilige Umwege, nahe gekommen? Der geneigte Leser wird es uns hoffentlich erlassen, für diese Behauptung aus Shakespear, Wieland, Lessing,
Voß, ja aus Göthe selbst, den Beweis zu führen.
Heidelberg bei Mohr und Zimmer 1806. Des Quintus Horatius Flaccus Werke. Von J. H. Voß. Erster Band. Oden und Epoden.
Je dornenvoller, durch die sich selbst aufgelegten Schwierigkeiten, das Ziel ist, das sich die Vossische Uebersetzerkunst gesteckt hat, je schöner und anlockender sind die Rosen, die ihm blühen,
da wo der Uebersetzer dasselbe glücklich erreicht. In Vossens Odyssee, Iliade und Hesiodus, gibt es genug Parthien, die sich völlig, mit der Leichtigkeit, eines Originals lesen lassen: auch in
seinen Werken des Horaz ist kein Mangel daran. Wenn man von Original spricht: so weiß man schon, was dieser Ausdruck bei einem Manne, wie Voß, sagen will. Unverkümmert, bis auf die kleinsten
metrischen Schönheiten, nächstdem mit dem gründlichsten, lautersten Verständniß des Textes: so daß die Arbeit zugleich für den besten Kommentar des übersetzten Autors gelten kann: also ist man
gewohnt die alten Klassiker aus seinen Händen wieder zu erhalten. Man erstaunt, wenn man dabei an die Schwierigkeiten denkt, die Voß bloß in dieser Rücksicht, zu besiegen hatte. Und nun erst
seine Anforderungen metrischer Kunst. Man kann wohl sagen, daß er hier und da in {296}
denselben, für unsere Sprache, das Unmögliche geleistet hat. Seine Oden des Horaz müßten daher schon, als einer der besten Kommentare, als eins der ersten, tiefgedachtesten und gründlichsten
Lehrbücher, über die lyrischen Sylbenmaße der Alten, in Beispielen aufgestellt, auf Schulen und Universitäten, allgemeinen Eingang finden; ja, nach der Zahl der von ihnen abgezogenen Exemplare,
gewissermaßen als eben so viel in die Welt ausgesandte Apostel, zur Verbreitung des echt klassischen Geistes der Griechen und Römer männlich das ihrige beitragen: aber es gibt für diese Arbeiten,
so unschätzbar ihr Verdienst auch schon von dieser Seite zu nennen seyn möchte, einen noch weit höhern Gesichtspunkt. Was sie, unter didaktischen Einschränkungen, die sich jede Uebersetzung als
nothwendig auflegen muß, nicht zu leisten vermögend waren: was ihnen demnach zur Ausbildung eines völligen ästhetischen Produkts fehlt: das wird, in eigenen deutschen Originalwerken und in freien
Schöpfungen des Genies, von denen die strenge Vossische Disciplin, bloß als Prodromus zu betrachten ist, von der freudigen Kunst der Allemannen, nicht mehr in todten Büchern, sondern auf den
Theatern und vor den öffentlichen Volksversammlungen, von Deklamatoren, Rhapsoden und Schauspielern, auf das vollkommenste geleistet und erfüllt werden.
Sodann, und wann dieser Zeitpunkt eintritt – und er wird, er muß eintreten – da alle Zeichen da sind, daß sich das, zuerst von Voß und Klopstock mit heiligem Ernst in Besitz genommene Land, schon
jetzt als eine für Deutschland und von Deutschen eroberte Provinz ansehen läßt – sodann, sag' ich, wird auch Niemand mehr über den unfreundlichen Zwang in Sylbenmaßen, oder über die Gewalt, so
ein Dichter der Sprache anthut, sich zu beklagen Ursache haben: eben so wenig, wie es jetzt Jemand einfällt, daß er sich über den schönen Fluß der Hexameter in Vossens Luise beschwert: so wird
auch keine Klage statt finden, daß ein Lustspiel oder Trauerspiel, in Trimetern geschrieben ist, sobald erst ein recht tüchtiges Werk in dieser Versart, nicht im Buch, sondern auf dem Theater,
vorhanden ist. Immer aber, und wo dieß wird Voß, durch sein formelles, einziges Verdienst, an dieser Erscheinung, als einer der Hauptstifter der neuen poetischen Schule, thätig, Antheil nehmen.
Mögen daher die freundlichen Moiren, in dem freundlichen Heidelberg, sein der Kunst so theures Leben noch lange beschützen, und wenn auch ihm endlich die finstre Stunde schlägt, von der es in der
Ode an Posthumus 14. 2. B. so schön heißt:
„Ach Erb' und Wohnung und das getreue Weib,
Verlassen mußt du, keiner der Bäum' auch dort
Wird, außer ernsten Grabcypressen
Dich, der so kurz sie gepflanzt, begleiten!"
so möge dieß wenigstens nicht eher geschehen, als bis, unter den seligen Schatten der Dichter Elysiums, ihm keiner mehr entgegen tritt, dem er nicht eben so wie Homer, Hesiodus, Theokrit, Virgil,
Ovid, Horaz fromm und verständig, bei Lebzeiten, die klingende Harfe getragen hat.
Miscellen.
Erläuterung des Kupfers, als Beilage zu Cottas Naturbeobachtungen.
Die idealische Erschaffung des Baums, im wundervollen Haushalt der Natur, ist von Herrn Cotta, in seiner oben angezeigten Schrift, auf eine sehr glückliche Art aus einander gesetzt. Die Abbildung
stellt einen frisch abgebrochenen Zweig, mit einigen Blättern, von dem Himbeerstrauche vor. Dieser wurde von Hrn. Cotta in die rothe Farbe gestellt, die er denn auf folgende Art in sich sog. Um
die holzigten Kanäle, worin die rothe Farbe aufschoß, dem Auge bemerklicher zu machen, wurde nicht nur dem untern Theil des Zweiges, sondern auch noch einem Theil des untersten Blattstieles, wo
ein solcher Kanal hinzog, von unserm Naturforscher die Rinde abgelöst. Nach dieser Operation erkennt man sehr deutlich, wie der rothe Saft in der Pflanze cirkuliert; erst in die zuführenden
Kanäle des Blattes tritt; dann wieder sich sammelt und in mehrere Adern verbreitet, bis er in seiner Zirkulation zu den obern Blattheilen gelangt. Nach unzähligen Experimenten des Herrn Cotta,
darf man es nämlich als erwiesen annehmen, daß der rohe Erdsaft nie weder im Mark, noch in der Rinde aufsteigt, sondern er steigt bloß im Holz des Baumes: daher denn auch nur dieses, wenn man es,
frisch abgebrochen, in die rothe Farbe stellt, in seinen Kanälen, die Färbung der rothen Flüßigkeit annimmt. – An Licht und Sonne gehörig destilliert und gekocht, cirkuliert er nun zurück in die
Rinde. Daher sind auch viele Rinden, wie zum Beispiel die von Zimmt gewürzhaft. Auch Gummi, Harz sind Produkte, die eine starke Destillation des an sich rohen, wässerigten und unschmackhaften
Erdsaftes voraussetzen. Was das Auge nun so bei den Versuchen mit gröberen Pflanzenarten beobachtet, muß ihm in der Folge, bei den feineren, als Vernunftschluß, oder Glaube, zu statten kommen. So
kocht und destilliert denn die Natur, mit Hülfe von Licht und Sonne, am Holze des Birnbaums, Kirschbaums und Apfelbaums so lange, bis sie zuletzt wirklich Birnen, Kirschen und Aepfel
hervorbringt, und so ihren idealischen Kreislauf beschließen kann. So erscheint uns denn die Frucht, z. B. des Apfels als ein Extrakt des ganzen Apfelbaums, in dem, als solchen, Holz, Rinde, Mark
u. s. w. nothwendig wieder vorkommt. Und so ist es denn auch in der That. Nimmt man z. B. einen frisch abgebrochenen Zweig von jungen Aepfeln, und stellt ihn in die rothe Farbe: so sieht man sehr
bald ein ordentliches holzigtes Gerüste, oder Gerippe zum Vorschein kommen, woherum sich der Ballen ansetzt, und ohne das auch wirklich der Apfel nur ein Wulst von geronnenem Saft, oder eine
unförmliche Fleischmasse seyn würde, die aus einander fallen müßte. – –
Hierzu ein illuminierter Kupferstich.
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