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Zeitschwingen
oder
Weimarisches Unterhaltungsblatt
Mittwoch, – 25 – 1. Oct. 1817
Der Korn Jude.
(Niedergeschrieben an der St. Jakobskirche, als der Ernte- Wagen vor derselben stand.)
Erkennt ihr ihn,
Zu dem jetzt alle Herzen erglüh'n?
Kniet nieder,
Singt Lieder,
Ihr Väter, ihr Mütter!
In Sturm und Gewitter
Hat Gott uns die neue Hoffnung erbaut:
Zu ihm, zu ihm empor geschaut!
Zu ihm in Krieg, zu ihm in Pest,
Zu ihm, wo Mensch den Menschen verläßt;
Zu ihm, dem ewig liebenden Geist,
Der Purpurmäntel im Sturme zerreißt,
Und Kronen wie Glas an Felsen zerschmeißt,
Ihm zollet Dank
Mit Jubelsang
Und Glockenklang! –
Allein, allein,
Was fällt mir so schwer auf's Herz wie Stein?
Was sitzet so schwarz auf der goldnen Frucht?
Was schattet, als wär' es von Gott verflucht?
Das ist nicht jener liebende Geist,
Der Nackende kleidet, Hungrige speist
Das ist kein Christ,
Der Korn-Jud' es ist.
Kniet nieder,
Singt Lieder,
Ihr Väter, Ihr Mütter!
Du wirst ihn finden
Mit seinen Gründen
Am Tage der Vergeltung,
Wo himmlische Schnitter
Die Garben binden,
Du ewig liebender, richtender Geist,
Der Purpurmäntel im Sturme zerreißt,
Und Kronen wie Glas an Felsen zerschmeißt!
Falk.
Es hat vorstehendes Gedicht der geniale Dichter mit der Bleifeder niedergeschrieben auf offnem Markt, in dem Augenblicke, wo der Aerntewagen vor der St. Jakobskirche stand, als ein Impromptü,
seine damals prophetischen Gefühle ausdrückend. Wir haben es uns {98}
zugeeignet, und theilen es als einen bedeutsamen Nachtrag zu dem Aufsatz im XII Num. d. Bl. mit.
Die Redaktion.
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