1806. No. 56.
Elysium und Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.
Sonntag, den 27. Juli.
Zeitgeschichte.
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Naive Geständnisse eines jungen pohlnischen Offiziers, unter Kosziusko, vor und während der Schlacht bei Dubienka.
Nachstehendes Bruchstück ist aus dem Ignaz von Jalonski, einer durch große, lebendige Anschaulichkeit der Details recht interessanten Geschichte, aus den Zeiten der polnischen Revolution u. s. w.
erzählt von dem durch anderweitige, geistvolle Versuche dem Publikum bereits rühmlichst bekannten Herrn Julius von Voß. Berlin und Leipzig bei Schmidt und Mittler 1806. Uebrigens würde es sehr
ungerecht von uns seyn, auf ein halb historisches, halb biographisches Werk, die strengen Kunstforderungen eines Romans anzuwenden. Nur als Beitrag zur Zeitgeschichte kann es seinen Platz in
Elysium verdienen, und so ist es auch von uns hier aufgeführt.
D. Red.
Während der Vorbereitung zum Treffen kam ein Gefühl über mich, dem höchst ähnlich, das man als Mitglied eines Leichenkondukts hat. Von Trommeln und Trompeten glaubte ich nur den Todtenmarsch zu
hören, der Waffenglanz schien mir dunkel. Der Name Feind klang mir genau wie Mörder; wie Furienreihen schienen mir die jenseitigen Glieder. Alle Sentenzen, die ich je über das gewisse Grab, und
des Lebens Nichtigkeit gehört hatte, fielen mir bei, und doch schien mir des Lebens Reitz eben jetzt tausendfach erhöht zu seyn. Ich wollte mich der ängstlich qualvollen Stimmung durch ein
hochherzig Wort entreißen, und besann mich vergebens. Des Todes Bild stand wieder vor mir, ich verwünschte es umsonst. Das Signal zum Aufbruch, das Vorwärts durchschauerte mich tief, ich setzte
den Fuß fort, wie zur Richtstatt. Eine gespannte Aufmerksamkeit auf den leisesten Vorgang, erhöhte meine Pulse fühlbar. Der Kanonendonner, von dem bereits thätigen Flügel, tönte mir, wie
Disharmonie aus der untersten Höllenkluft. Wie die Kanonen meiner Brigade auch ihr Mordspiel begannen, wards mir zum erstenmal leichter. Die Linie bewegte sich vorwärts, und die russischen Bälle
warfen sich uns entgegen. Ihr Aufwühlen des Sandes, ihr Schlangengezisch, ließ mich noch einmal hinter mich blicken, und selig pries ich die glücklichen fernen Fluren, wo keine Schlacht tobte.
Jedesmal, daß im Sand eine Staublinie entstand, warf mich ein Gedränge der Soldaten, die ausweichen wollten, mit Ungestüm rechts oder links. Allemal fiel mir das schwer auf die Brust. Plötzlich
hörte ich nah bei mir Geschrei, Eisengeräusch, und dumpfen Fall. Ich blickte hin. Einem Soldaten war das Haupt weggerissen, aus dem Rumpf rauchten aufsteigend zwei Blutsäulen, drei bis vier Mann
waren aus Schrecken mit niedergestürzt, ihre Waffen fie- {226}
len durcheinander. Da mahnte der Schrecken zu fliehen: Ignaz, murmelte ich, und wandte mein Gesicht; doch ein: Pfui der Schande! ergriff mich noch heftiger. Ich schrie mit Anstrengung meinen
Leuten zu: Vorwärts! sie folgten dem Gebot mit wilder Unordnung. Man drang weiter. Es schlugen mehrere Kugeln ein, und die Erscheinung verlor schon etwas an Furchtbarkeit. Nun dachte mein Kopf an
Schanzen und Wälle, und sie hatten in diesen Augenblicken den Reitz der glücklichen Inseln. Kosziusko jagte vor der Front hin, (auch bleicher als sonst,) und rief, so viel Kanonen und
Trommelallarm hören ließ, von Vaterland, Freiheit, Pflicht. Ignaz, rufte es in mir nach. Da riß ich mich zum Entschluß auf, und schrie ebenfalls: „Vaterland, Freiheit, Pflicht" in einem weg, und
wunderte mich, daß es mir nicht schon früher beigefallen war. Andre Offiziere schrien ebenfalls, die Soldaten auch. Man kam dem Feinde näher, ohnerachtet er aus Rauch und Dampf nicht mehr zu sehn
war. Mehrere Blitze nebeneinander belehrten mich, daß mein Bataillon auf eine Batterie träfe. Der Brigadier schrie: „auch die Batterie müssen wir haben." Da trat alles stärker an, aus dunkelm
Gefühl, daß dann die Gefahr vorüber sei. Nun änderten sich des Feindes Schüsse. Das feinere und dickere Sausen hub an. Sie schießen mit Kartätschen, schrie einer, und das ganze Bataillon stand.
Vorwärts! rief der Kommandeur. Sie standen. „Je eher ihr auf die Batterie seyd, je eher hat das Schießen ein Ende!" Das Bataillon trat an. Die Offiziere wiederholten, was der Kommandeur sagte.
Dieser fluchte, daß es nicht rascher vorwärts ging. Die Offiziere fluchten ihm nach, und die Gemeinen traten schneller. „Der Donner tausendmal auf euern Kopf! wenn ihr zurückgeht, habt ihr mehr
Schüsse auszuhalten als vorwärts! Drauf ins Teufels Namen." Da liefen die Polen vor. Ein tüchtiger Kartätschenschuß schlug in mein Peloton, es war alles durcheinander, keine Linie mehr
herzustellen. Man hatte den Soldaten das Schießen verboten, und nicht laden lassen, das einzige Mittel, daß das Verbot gehalten wird. Sie rissen die Patronen dennoch aus der Tasche, und knallten
viele los. Rauch, Getöse Verwirrung und Staub nahmen nun so überhand, daß nichts mehr sich unterscheiden ließ. Mir war selbst wohler, als die Leute auch Feuer gaben. Die Batterie, ach war sie
genommen, dachte ich, und murmelte ein Gebet. Ein Paar sehr nahe und laute Schüsse donnerten, jedesmal befahl ich meine Seele Gott und der Religion. Bald darauf fiel ich worüber. Ich glaubte mich
erschossen, sah aber daß ich über einen todten Russen gestürzt sei. Es lagen deren mehrere da, so viel der höllische Nebel zugab, wahrzunehmen; einige rührten sich krampfhaft. Rechts und links
klirrten Gewehre. Das Schießen schien weniger laut. „Ach dachte ich! wäre die Batterie genommen!" Da ging der Rauch etwas auf. – Die Polen waren schon über das Bordertreffen der Russen weg, die
Batterie lag schon hundert Schritt im Rücken, alles voll Todte, so hatten die polnischen Kugeln gewüthet. Nun ward allen der Triumph auf den bleich verzerrten Gesichtern lesbarer. „Ignaz, so
dachte ich bei mir selbst: der Muth leicht, ist es kostet nur den Willen." – – – –
Ein Staatsoffizier, außer Othem, kam indem gesprengt, pries mich, Ignatius, als glücklichen Eroberer der Batterie, und mahnte zugleich die Leute, sich wieder in die gehörige Gliederordnung zu
stellen. Nun nahm auch der Pulverdampf ab, wie ein sich entfernendes Gewitter. Noch wußte aber Niemand, woran er war, als Kosziusko mit einem zahlreichen Gefolge geritten kam, Jubel im Auge, die
Krieger als Helden begrüßend, und selbst mit tausendfachem Bravo von der Armee empfangen.
Tübingen, in der Cottaischen Buchhandlung 1806. Theater von Schiller. Zweiter Band. Enthält: Die Räuber. Die Verschwörung des Fiesko. Kabale und Liebe. Der Parasit.
Ueber die drei ersten Stücke dieser Sammlung im Detail mehr als ein Paar Worte zu sagen, halten wir um so überflüßiger, da sie jedem Gebildeten und Ungebildeten im deutschen Publikum hinlänglich
bekannt sind. Sie fallen in jene denkwürdige Periode deutscher Kunst, wo das Zeitalter, nach Lessings glücklichem Vorgang, sich endlich von den schnöden Fesseln der französischen Dichtkunst los
machte. Daß man dabei, wie es bei Revoluzionen zu gehen pflegt, die Grenzen überschritt; daß die Verspottung konvenzioneller Regeln, im Geist und Geschmacke Shakespears, nur zu bald in eine
völlige Verachtung ewig nothwendiger Formen, ja in eine gänzliche Formlosigkeit ausartete; daß selbst die Schönheit, die ihrer Natur nach in ruhiger, kunstloser Darstellung, zwischen Kraft und
Maß, wie zwischen zwei Polen, ewig mitten inne liegt, dabei in's Gedränge kam, so bald diese Periode der sogenannten deutschen Kraftgenies anhub, die gar nichts von irgend einem Maß in
Leidenschaften oder Ausdruck wissen, sondern nur immer packen, zerreißen und erschüttern wollten: das sind allbekannte Thatsachen, deren heilsame Belehrung eben so weit hinter uns liegt, als das
Extrem einer entgegengesetzten Erfahrung, eine bis zum unleidlichsten, genielosesten Pedantismus, getriebene, mechanische Formen- und Lei- {227}
stenkrämerei uns in unsern Tagen nahe ist. Die Räuber, Fiesko, Kabale und Liebe werden demnach, in der deutschen Literatur, immer zu den höchsten und lichtvollsten Punkten jener abgelaufenen
Sturm- und Drangperiode gehören, und es ist allerdings lobenswerth, daß sie der Verfasser, wenn nicht zur Nachahmung, doch zur Witzigung schwacher Zeitgenossen, die höchstens nur noch in Farben
und Tönen, aber nicht mehr wie Schiller, in Ideen zu debauchieren im Stande sind, in ihrer ganzen ersten, unveränderten Roheit, Nacktheit, und Urkräftigkeit der Gestaltung hat abdrucken lassen. –
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„Laß Hindernisse, wie Berge zwischen uns treten, ich will sie für Treppen nehmen und darüber weg in deine Arme fliegen!" sagt der feurige, liebeschwärmende Ferdinand zu seiner Luise in Kabale und
Liebe: nach diesem kolossalen Maßstab ist Alles bei Schiller angelegt und ausgeführt: Wort, Charakter, Leidenschaft, Gebehrde, jeglicher Ton, jeglicher Ausdruck trägt so zu sagen eine Tinte
davon, oder erinnert doch an jenen großen, kolossalen Umriß. Schillers Kunst, von seinem ersten bis zu seinem letzten Produkt, strebt unaufhörlich – nach dem Unendlichen. Da nun das Unendliche
mit dem Unbegrenzten eins ist: so sieht man wohl, warum die schönen Begrenzungen der Gestalt und des Charakters, so wie ihre Objektivität, überhaupt die schöne Natur, ihm, wie dem ihm so nah
verwandten Michael Angelo, selten, oder fast gar nicht gelingen wollte. – Ein zweites Kriterion echter Erhabenheit in der Kunst, daß sie unserm Gefühl so häufig eine Grenze gibt, verleitete ihn
dann und wann auf dem Wege der Mystik, zu einer Unwahrscheinlichkeit in Motiven, die einem bloß an Shakespear, oder griechischen Mustern, klassisch, d. h. populär gebildetem Kunstverstand, hier
und da für klaren Widerspruch gelten möchte.
Indem wir diese Eigenheiten Schillers mit aller Achtung gegen seine Originalität und sein Genie bemerken, müssen wir freilich einräumen, daß wir von keinem Stil, sondern einer Manier gesprochen
haben; denn was anders als Manier kann im Zerfall mit der Natur statt finden, wo keine wahrhafte und echte Objektivität herrscht? Ferner, da dem so ist, daß, wo der Sinn aufhört, gemeiniglich der
Unsinn anfängt: so möchte sich aus dieser Schillerschen Richtung in eine transcendentale Erhabenheit und auch gar Manches in den Erscheinungen unserer neuesten schönen Literatur, wie auf dem
Gebiethe ihrer Kritik, erklären lassen.
Was Schiller von Klopstock behauptete, daß ihm bange vor dem Kopf dessen sey, der diesen Autor zu seinem Lieblingsautor machen wollte, möchten wir mit eben dem Recht auf ihn selbst anwenden;
wenigstens hat man alle Ursache wo nicht vor dem Kopf, doch vor den Produkten dessen sich bange werden zu lassen, der Schillers Stil ohne Einschränkung, zu seinem Lieblingsstil macht.
Verführerisch genug ist er freilich dazu. Schillers Ideal ist ein tausendfarbiger, schöner Regenbogen, der mit dem einen Fuß luftig in den Wolken steht, während er mit dem andern immer vergeblich
und mit sichtbarer Bemühung die Erde sucht: in dem Ideal der Griechen dagegen ist beides eins; Himmel und Erde, Geist und Körper, die Insel der Seligen ist wirklich niedergestiegen, und die
Brücke geschlagen; worauf die Engel der Kunst auf- und absteigen. Je größer, origineller und anerkannter das Verdienst Schillers, um unsere Literatur und unser Zeitalter ist, so gewissenhafter
fordert es die Pflicht einer Kritik, die unberauscht von transcendentalen Schwindeleyen, sich in ewigen Kunstanschauungen nüchtern zu erhalten gewußt hat, dieses laut, öffentlich und freimüthig
zu sagen.
Ueber die Aufnahme des Parasiten in diese Sammlung hat man neulich dem Verleger, Herrn Cotta, in einem sehr harten Tone Vorwürfe gemacht, ja ihn sogar einer merkantilischen Spekulation dabei
beschuldigt. Für jeden, der Cotta näher kennt, ist unbegreiflich, wie ein Mitarbeiter der Eleganten Zeitung sich diese so auffallende Behandlung gegen einen Mann erlauben konnte, der vielleicht
mehr für deutsche Kunst und Künstler gethan hat, als ein halbes oder ganzes Dutzend unsrer jetzt lebenden Fürsten zusammen: und der übrigens humane Herausgeber der Eleganten Zeitung wird gewiß
bereit seyn, Hrn. Cotta, für diese ihm so unverdient zugefügte Kränkung, die ihm gebührende Satisfaktion zu geben.
Der Parasit selbst – nach einem französischen, übrigens etwas handlungsleeren Original, das Schillern wohl vorzüglich durch die Entwickelung der psychologischen und intriganten Parthien im
Charakter des Selincourt zur Bearbeitung anzog – ist an sich ein durchgängig reines, kaltes, bloßes Verstandesprodukt, bis auf den Schluß, wo plötzlich, zur großen Ueberraschung des Zuschauers,
ein Funke von Genialität aufleuchtet. Wir meinen die sehr interessante Situation, welche der Autor durch die Lossagung seines Selincourt von einem Memorial, das er erst mit großer
Unverschämtheit, in Gegenwart des rechten Verfassers, für das seine ausgab, und nicht nur die Lobeserhebungen, sondern auch einen Gesandtschaftsposten dafür als Belohnung von dem Fürsten
anzunehmen kein Bedenken trug, zu bewirken gewußt hat; denn so bald wie Selincourt hört, daß die Sache bei Hofe schief geht; daß der Minister durch dieses Memorial gestürzt sey, erklärt er sich
geradezu und roh: „es sey nicht von ihm" wo denn der rechte Autor auf das edelmüthigste hervortritt, sich dazu bekennt, und da der Fall des Ministers bloß fingirt ist, die Jenem zugedachte
Belohnung und Gesandtenstelle erhält. Unstreitig ist diese Scene die beste des ganzen Stücks und so vortrefflich behandelt, daß sie, der Erfindung und Idee nach, besonders als Kulminationspunkt
des fünften Akts, zu den Situationen gehört, die der {228}
Kunst des ersten und größten Meisters Ehre machen würden. Wie in der Emilia Galotti das liegengebliebene Billet der Gräfin Orsina: so spielt auch hier der Zufall mit dem Memorial eine Hauptrolle,
und man müßte sehr wenig vertraut mit dem Gang des Schillerschen Geistes seyn, wenn man nicht einsehen wollte, daß gerade diese räthselhafte Auflösung, die seiner Lieblingsidee vom Schicksal so
nahe lag, ihn für das Ganze interessiren mußte. –
Maria Paulowna, Erbprinzessin von Sachsen-Weimar und Eisenach, Großfürstin von Rußland, kaiserl. Hoheit. Von Herrn Prof. Jagemann gezeichnet und in punktirter Manier gestochen von Herrn C.
Müller, bunt abgedruckt.
Die nette Arbeit an diesem Brustbild verdient gelobt zu werden. Zwar ist das schon vor einiger Zeit erschienene, und also den Liebhabern bereits bekannte Profil- Bildniß Sr. Durchl. des Herrn
Herzogs von Sachsen-Weimar, welches Hr. Müller in gleicher Manier gestochen, vielleicht ähnlicher gerathen, allein das gegenwärtige Blatt scheint uns in Rücksicht der Behandlung jenem weit
vorzuziehen. Wenn Herr Müller ferner so gute Vorschritte macht, und künftig vorzügliche Werke großer alter Meister zu stechen unternimmt, so kann es nicht fehlen, daß er Stücke liefert, die in
den Kupferstichsammlungen auf einen ehrenvollen Platz gegründete Ansprüche zu machen haben.
Billig merken wir noch an, daß beide Künstler, sowohl Herr Müller als Herr Prof. Jagemann, von Ihro der Frau Erbprinzessin kaiserl. Hoheit für das Brustbild derselben, ansehnlich sind beschenkt
worden.
Miscellen.
Der Priesterrock. Herr Suckling, ein Geistlicher von Norfolk, hatte einen Streit mit einem benachbarten Edelmann, der ihn insultirte, und zuletzt sagte: „Doktor, Ihr Priesterrock schützt Sie."
Worauf jener erwiederte: „mich mag er wohl schützen, aber Sie nicht;" zog ihn aus, und drosch den Landjunker, bis er genug hatte.
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Einige Anweisungen zu Frauenzimmerbriefen. Eine französische Dame, wie der Engländer Walpole erzählt, schrieb folgenden Brief an ihren Mann: Je vous écris, parceque je n'ai rien à faire; je
finis, parceque je n'ai rien à dire. „Ich schreibe Ihnen, weil ich nichts zu thun habe; ich schließe, weil ich nichts zu sagen habe."
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Mann und Liebhaber. Frau D. sagte von einer jungen Dame, die einen Mann, den sie liebte, geheirathet, und viele Freunde in der Stadt zurück ließ, um sich mit ihm auf das Land zu begeben: sie hat
ein und zwanzig Schillinge in eine Goldguinee umgesetzt.
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Weibliche Rache. Einer der größten Reize der Herzogin von Marlborough, war eine überschwengliche Menge des schönsten Haares, worin der Herzog oft zu wühlen pflegte. Eines Tages, als sie an ihrer
Toilette saß, und böse auf ihn war, schnitt sie diese bezaubernden Locken ab und warf sie ihm ins Gesicht.
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Ein Land, das in einer todten Sprache regiert wird. Georg I., König von England, konnte nicht Englisch sprechen; sein erster Minister, Sir Robert Walpole, weder Deutsch noch Französisch; sie
sprachen allemal lateinisch zusammen. Man kann denken, daß es nicht leicht war, ein Land in einer todten Sprache zu regieren, die keiner von beiden gut und die überdieß, für die heutigen
Gebräuche und eine sehr intrikate Verfassung, wovon Ihro Majestät keine sehr deutliche Vorstellung haben konnte, nicht sehr biegsam erfunden ward.
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D'Alemberts Urtheil über Voltaire. D'Alemebert sagte von Voltaire, er habe allen möglichen Vortheil aus seinem Geiste gezogen; er habe ihn, wie einen Schwamm, bis auf den letzten Tropfen
ausgedrückt.
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Der Dichter und die Nachtigall. Sylvio Antoniano, ein berühmter italienischer Improvisatore, war auf dem Lande, und hatte, an einem schönen Frühlingsabend, angefangen, mitten in einer
zahlreichen, in einem Lustwäldchen versammelten Gesellschaft, zu improvisiren. Eine Nachtigall, ohne Zweifel durch den Gesang des Dichters herbeigelockt, und wie von einem schönen Wettstreit
beseelt, begann von dem Gipfel eines Baumes mit einer außerordentlichen Lebhaftigkeit zu singen. Das Erstaunen der Zuhörer über diesen unerwarteten Wettkampf, lieh den Versen des Dichters und dem
Gesange des Vogels einen neuen Reiz. Sylvio selbst, durch diesen Umstand begeistert, verließ seinen Gegenstand, womit er angefangen hatte, richtete sich an die Nachtigall selbst, und lobte die
Schönheit ihrer Stimme, und den Zauber ihres Gesanges, in so rührenden und wohlklingenden Versen, daß alle, die ihn hörten, davon bis zu Thränen gerührt wurden.
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Heraklitus und Demokritus zugleich. Zu einem kleinen Fürsten, der durchaus König werden wollte, sagte Bonaparte: „mais après avoir fait pleurer Vos sujets pendant tant d'années, Vous voulez faire
rire tout le monde? – mais n'importe!"
Aus Bülows Feldzug von 1805. Thl. II, p. 113.
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Schwarzer und rother Adlerorden. Ebd. – Ein preußischer General pflegte, wenn er bei gutem Humor war, zu sagen, er gebe gern den schwarzen Adlerorden darum, wenn er den rothen nur wieder los
werden könnte.
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