1806. No. 64.
Elysium und Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.
Sonntag, den 24. August.
Zeitgeschichte.
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Ueber das Point d'Honneur in der französischen Armee, und durch welche Mittel es hervorgebracht wird: oder wie und auf welchem Wege möchte Deutschland noch in dem jetzigen Augenblicke zu retten
seyn? Von einem Rheinländer und vieljährigen Augenzeugen der französischen Lagerdisciplin.
(Beschluß.)
So menschenfreundlich benimmt sich der französische Offizier gegen seine Untergebenen, daß man es zuweilen vergißt, hier die Blüthe der Nation vor sich versammelt zu sehen, die, bei dem in ganz
Europa überspannten, höchst unnatürlichen, und eben darum, wie ich voraus zu sehen glaube, sich bald selbst auflösendem Systeme täglich ungeheuerer anwachsender stehender Heere, dem Ackerbau und
allen übrigen nützlichen Beschäftigungen, wie dem Schoße ihrer Familien entrissen worden, um in ihren schönsten und hoffnungsreichsten Jahren, aller Gefahr des Müßigganges und der
Sittenverderbniß ausgesetzt zu seyn. Der Offizier nennt nicht allein schon den Rekruten seinen Kameraden; er betrachtet ihn auch so; die übrigens scharfen Grenzen der Subordinazion sind genau so
gezogen, wie das doppelte Verhältniß als Mensch und als Soldat es natürlich und nothwendig macht. Nie redet er ihn barsch an; und fordert der Dienst Strenge, so ist ihm keine andere Gewalt über
ihn eingeräumt, als daß er ihn verhaftet, und dann dem Ausspruche des Kriegsgesetzes übergibt, So erklärt es sich leicht, daß man nie einen Soldaten über irgend einen seiner Offiziere mit
Erbitterung sprechen hört. Er hat eine innere Achtung vor einem Stand, zu dem er selbst in der Folge gehört, und wo er bei der ersten vorkommenden Auszeichnung, auf jeden Grad Anspruch machen
kann. Dasselbe Motiv bewirkt auch die wechselseitige Achtung der Soldaten. Sie erzeigen sich diese aufs pünklichste, und wo dagegen gefehlet wird, da eilet man zum Zweikampfe, und macht seine
Händel mit der Klinge aus; freilich auch oft um unbedeutender Ursachen willen; aber kleinlich wäre es, diesen ins Große gehenden, wunderwirkenden Geist der französischen Armee deßhalb verbannen,
und dafür den bettelhaften Polizeistock, als Schiedsrichter der Subalternen einführen zu wollen; „Denn über das Leben noch gehet die Ehre," d. h. eine Kugel vor den Kopf ist besser, als 1 Jahr im
Zuchthause.
Jener Geist der Ehre ist allgemein verbreitet. Nie habe ich gesehen, daß ein französischer Soldat das Geringste als Almosen angenommen, oder stillschweigend durch einen Griff ans Gewehr u. s. w.
abgefordert hätte; selbst da nicht, als er keinen Sold erhielt. Plünderung gibt es wohl in der französischen Armee, aber keinen Diebstahl. Eben so wenig gebraucht er seine Liebesverständnisse mit
Mädchen, Beschließerinnen und Köchinnen dazu, sich von diesen heimlich Eßwaaren zustecken zu lassen; im Gegentheil legt er {258}
seine paar Sous dazu ans, seine Schöne mit großer Courtoisie zu bewirthen; dabei schleppt er auch wohl noch gar galant-ehrerbietig die alte Schwieger am Arm mit auf die Promenade.
Der Offizier, besonders der von der Infanterie, zeiget sich gewöhnlich von einer achtungswürdigen Seite. Er, der in der Regel, nur durch Muth und Thätigkeit, oft durch recht glänzende Handlungen
im Felde, zu seiner Stelle befördert worden – er lebet und geht still vor sich hin; er behilft sich gerne, ihn verfolgen keine Schulden. Nicht die geringste Bramarbasie, Anmaßung oder Pralerei,
macht seinen Umgang lästig oder dem Neutralen gefährlich. Jedem Kinde geht er gutmüthig aus dem Wege. Befindet er sich mit Bürgerlichen in Gesellschaft, so veranlaßt er nie Unannehmlichkeiten
oder Händel, durch rohe, plumpherrische Sitten. Er selbst hat vielmehr etwas so wahrhaft Bürgerliches in seinem Wesen und Benehmen, daß man oft Mühe hat, in ihm den tapfern Krieger, den Zögling
des Cäsars der neueren Zeiten, zu erkennen. Besonders war es mir, nach jenen so glänzenden Feldzügen auffallend, daß sie schienen unter einander sich das Wort gegeben zu haben, derselben nie mit
der geringsten Großsprecherei zu erwähnen; im Gegentheile ließen sie ihren Feinden, selbst denen von der geringsten Bedeutung, gerne Gerechtigkeit widerfahren, und schrieben wohl ihre eigenen
Siege ganz zufälligen Dingen zu, z. B. den Anführern, ihrer Uebermacht u. s. w. So sieht man, daß auch das eigentliche, echte Kriegsgenie sich immer selbst unbewußt handelt. Aber diese nämlichen
schlichten und anspruchlosen Menschen greife man an ihrer Ehre an, oder man schicke sie gegen den Feind, und sie werden einen Muth, und zugleich eine praktisch-militärische Einsicht zeigen, die
das Erstaunen und die Bewunderung der Welt machen.
Ich weiß sehr wohl, daß unter dem Drucke eben dieses Militärs, dessen Vorzüge ich jetzt gebührend aus einander zu setzen gesucht, ein großer Theil von Europa noch in diesem Augenblicke seufzet.
Aber ich weiß auch, wem es eigentlich zuzuschreiben sey. Ja, ich darf kühn die Frage aufwerfen: welches andre Heer, genau in denselben Verhältnissen, nicht noch weit größere Exzesse verüben, ja
weit gegründetere Klagen auspressen würde? Man denke nur hierbei ein wenig an Norddeutschland, und was dieses, nur noch vorigen Winter, von freundschaftlichen Durchmärschen gelitten hat. Darf und
soll ich noch andere Zeugen aufrufen?
Seit einiger Zeit will es Mode werden, vom französischen Soldaten, als Soldaten, mit weniger Achtung zu sprechen; man sucht hierüber sich eine unglückliche Illusion zu machen, die eben so sehr
gegen die Klugheit streitet, wie gegen die Gerechtigkeit. Man leget den letzten, so folgenreichen Siegen der Franzosen bei Austerlitz u. s. w. solche Ursachen unter, die ich mich schäme nur
anzuführen; geschweige daß ich sie untersuchen, oder gar widerlegen sollte; man preiset dagegen den stilen, bis zum Heldenmuth festen und ausharrenden Sinn der Deutschen; spricht von leicht
aufflackerndem und schnell auch wieder verloschenen französischen Strohfeuer u. s. w. Auch ich bin von unsern Nazionalvorzügen wahrhaft, auf das innigste und bis zum Stolze überzeugt; aber
deßwegen sind die französischen Heere nicht weniger achtungswerth, durch alles das, was sie schon geleistet, und was sie diesem Moment zu leisten im Stande sind: ihrem Haupte den Lorbeer eines
wohlerworbenen Ruhms durch Worte entreißen zu wollen, dünkt mich wahrhaft kindisch, und keinesweges dem Edelmuthe und der augenblicklichen Lage der Sachen gemäß. Das französische Heer ist und
bleibt vor der Hand für Europa durch den von uns geschilderten ihm beiwohnenden Geist, von der größten und furchtbarsten Wichtigkeit: es ist, durch alle seine Theile, wie aus einem Guß
organisirt. General, Offizier, Unteroffizier, Gemeiner – jeder steht, in der Regel, an der Stelle, wohin er sich selbst gestellt, und hilft das Ganze, in stolzem Gefühl, und gleichsam zum
Repräsentanten des Schicksals erhoben, zweckmäßig bilden; und eben dieses große Nazionalgefühl ist vielleicht die bedeutendste Folge der Revolution. Um sich demnach gegen diese französischen
Chevaliers – Ritter der Ehrenlegion – denn das sind sie wahrhaft und in der That – mit Erfolg behaupten zu können – muß man ihnen, und das äußerst bald, nicht Kriegsknechte; nein deutsche
Chevaliers, d. h. ein total verändertes System militärisch-pädagogischer Zucht und Ordnung entgegen stellen; zugleich aber sorgen, daß die alten Schulmeister der Wachparaden, die nur immer den
Stock mit der Faust, aber nie das Genie der Nation mit dem Kopf fassen, bei dieser neuen und begeisterten Einrichtung der Dinge, völlig aus dem Spiel kommen. Wenn eine Aufopferung hierbei
geschehen muß: so wurde noch nie von dem Geist der Zeit irgend eine allgemein und mit lauterer Stimme abgefordert: sehet zu, daß sich diese Stimme, die noch patriotisch erklingt, wenn ihr sie
länger verhört, nicht wende, und über den rauchenden Ruinen Deutschlands und den Gräbern eurer bessern Vorfahren, zermalmend fortspreche.
In Wahrheit, das Schelten, die Flüche, der Korporalstock die Fuchtel, das Schamlose, alle Scham im {259}
Züchtigenden, wie im Züchtlinge ertödtende Gassenlaufen, sind eben so wenig, wie Knute und Podoggen, jetzt noch ein souveraines Mittel, um Souveraine auf ihrem Throne und die wankenden Staaten
Europas im Gleichgewicht zu erhalten. Man sollte doch endlich, durch eine neue und schreckliche Erfahrung, den sturmvolten Tag bei Austerlitz, der so viele uralte Throne der Christenheit zu Boden
warf, und die übrigen sämmtlich in ihren Grundvesten erschütterte, anfangen sein Augenmerk auf ganz andere Dinge zu richten, als die Kindereien der Wachparade, die Proprete der Stiefletten, oder
die Stecknadel der Gammaschen. Zeit ists, die höchste Zeit, daß wir von diesen mechanischen Spielereien zurückkommen, die, falls wir noch länger bei ihnen beharren wollten, leicht unsern Söhnen
die Freiheit, unsern Töchtern ihre Ehre, unsern Fürsten ihre Throne kosten könnten?
Jedem Deutschen klingt übrigens die Behauptung bis zur Unerträglichkeit arrogant, wenn man ihm, wie einige vom Militar wirklich gethan, zur Beschönigung solcher herrschenden Barbareien, gerade
ins Gesicht sagt: „den französischen Soldaten könne man wohl menschlich behandeln, aber nicht den deutschen, weil der gemeine Mann bei uns zwar einer thierischen Furcht, aber keines echten Point
d'Honneur fähig sey." – Nun denn, wenn dem also ist – wir fragen Euch im Namen der Nazion – zuerst: wer heißt euch eure Armeen aus den Hefen des Pöbels zusammensetzen, und diesen nachher unsers
höchstes Kleinod, die Vertheidigung des deutschen Nationalruhms, anvertraun? Und denn: welcher Verständige, der den herrlich geschlossenen Gildengeist deutscher Innungen und ehrenfester, uralter,
wohlhergebrachter Handwerksverfassungen kennt, der alles Ehrlose, wie einen unreinen Tropfen Bluts aus seiner Korporation ausstößt, wo kein Meister seinen Gesellen mit einem Schlag, oder
ehrrührigem Worte anrühren darf; wo ungestraft kein Dieb, kein Schelm in Arbeit genommen wird, ohne daß sich nicht auch zugleich das ganze Handwerk für beschimpft erklärt: wagt die ungereimte
Behauptung, daß der gemeine Mann in Deutschland keines Esprit de Corps, seines echten Point d'Honneur fähig sey? – Unehrliche Verräther an Gott, ihrem Vaterlande, ihrer ehrlichen Nation und ihrem
rechtmäßigen Monarchen sind es, die eine solche, Sklaven und Leibeignen, aber keinem freien, deutschen Mann geziemende Sprache am Throne ihrer Fürsten führen.
So seht Euch doch nur um mit hellem Auge, auf allen euern deutschen Universitäten, wo derselbige Esprit de Corps, wie in der französischen Armee, noch bis auf den heutigen Tag. fortdauert. Der
Sohn des Reichsbarons, des vornehmsten Grafen, wie des geringsten Handwerksmanns, leben hier neben einander, in brüderlicher Gemeinschaft. Ein Jeder von ihnen ist Student, und behauptet, als
Solcher, unveräußerlich seine Rechte – im Nothfall mit dem Degen in der Hand. Schimpfwörter oder Stockschläge sind unerhört. So rettet selbst in Garnisonen, wo zahlreiches Militär steht, die
Furcht, durch gereiztes Point d'Honneur, sein Leben aufs Spiel zu stellen, den guten Ton zwischen Offizieren und Studenten, und bringt so eine wechselseitige Artigkeit hervor, die kein
Polizeimandant je zu bewirken im Stande wäre. Noch mehreres ist in unserer alten ehrwürdigen Universitätsverfassung, was mit der neuer Einrichtung der französischen Armeen vollkommen
übereinstimmt, z. B. gleich die löbliche Gewohnheit, daß man dem jungen, unerfahrnen Ankömmling einen älteren Landsmann (senior) zuordnet, der, bis er selbst fechten kann, seine Sache indeß
übernimmt; überhaupt ihn instruiert und vor jeder persönlichen Beleidigung sicher stellt. Aus diesem allen mache ich den natürlichen Schluß: so gut, wie sich das Point d'honneur, auf deutschen
Universitäten, unter Menschen von ganz verschiedenem Stand und äußerst verschiedenen Graden von Fähigkeit und Bildung, hat einführen lassen, oder vielmehr sich selbst eingeführt hat: eben so gut
kann es auch, in den Feldlägern der Deutschen so bald man es nur recht anfängt, wieder herrschend werden. Wo und wenn dieß aber geschieht, werden auch die Korporalstöcke sogleich zerbrochen
werden, und Ehre eine Angelegenheit der ganzen Armee, nicht aber bloß das Prärogativ eines kleinen Korps von Offizieren seyn. Nach dieser unbefangenen Ansicht der Dinge wird man es hoffentlich
dem Verfasser erlassen, über eine jetzt in Deutschland, bei manchen Regierungen, ebenfalls häufig vorkommende Gewohnheit, die Bürger, bei jeder Gelegenheit, mit Polizeischlägen, oder gar mit
Miltärstrafen belegen zu lassen, seine Meinung zu sagen: Um, wie man sich selbst höchst weise ausdrückt, keinen Status in Statu, sondern lauter ruhige Bürger!!! zu haben, hat man den Esprit de
Corps, wo er noch, wie bei den Handwerkern, u. s. w. wirklich im Volke vorhanden war, geflissentlich, oft durch die härtesten Maßregeln, zu Grunde gerichtet, damit so, nach Corps für Corps
aufgehobener Ehre, nichts übrig bleibt, als der leidende Gehorsam des Soldaten und der Maschine, als die schnellsten Mittel, womit ein Oberhaupt der Regierung seinen Willen, oder seine Willkühr,
ohne Widerspruch ins Werk richten kann. So behandelt man die Deutschen, ein sich selbst verkennendes und darum auch häufig verkanntes treffliches Volk, das vielleicht mehr {260}
als irgend ein anderes, ein schönes Gleichgewicht in sich trägt, von richtigem Verstande und innigem, schlichten Gefühl, von ruhiger Stille und rüstiger Kraft, von hoher und doch bescheidener
Genialität, und von weiser Liebe zum Gewohnten, zur Ordnung, zur sittenerhaltenden Förmlichkeit; ein Volk, das, vertraut mit den Tiefen der Philosophie und der Poesie, und der eigenen Natur, für
alles Wahre, Gute, Schöne und Edle, einen zarten und kräftigen Sinn hat, wie seit den Griechen, kein anderes, und nun in sein Misgeschick ergeben ist, bis zur Erduldung des augenblicklichen
Unrechts, und der schändlichsten Vernachläßigung, und vorübergehenden Schmach. Denn es ist nicht leicht, und beweglich, und veränderlich, bald warm und bald kalt, wie die wandelnde Luft; es
gleichet vielmehr dem still und in sich mächtig strömenden Rhein: schon lange sausten die Winde über ihn hin, und sie regten, anscheinend, ihn nicht auf; aber allmälig wallen und empören sich
seine Wogen; brausen und schäumen nun um so heftiger, und stürmen noch wild und zerstörend fort, haben die Winde sich auch schon wieder gelegt. So in seinem endlich aufgereizten Zorne, zerreißt
er die alten Dämme, und zerschmettert die güterbelasteten Schiffe, und verschlinget den schwebenden Kahn, und die Versinkenden schreien vergeblich um Hülfe."
Durch Koalizionen (Masse, Korps) hat man geglaubt, den Feinden Tete zu machen und die Ehre der Nation (Esprit) die man ihr genommen hatte, durch eine Menge Ausländer, die man herbei trommelte, zu
ersetzen: vor dem Esprit selbst erschraken sie, wie vor einem Gespenst: aber ohne ein Korps großer Koalizionen getraute man sich kaum irgend etwas auszurichten. Zu dem unnatürlichsten,
wandelbarsten und zerbrechlichsten Mittel also hat man, in kleinlicher Scheu vor dem Großen, weit lieber seine Zuflucht genommen, als zu den unermeßlichen Kräften einer herrlichen in sich großen
und unerschöpflichen Nation: und so wird man, mit dem elenden, momentanen Nothbehelf, eines schwachen, verkehrten und halben Widerstandes und einer zaghaften, sich selbst verurtheilenden,
politischen Kriecherei fortfahren, sich in immer tiefere Abgründe des Verderbens zu stürzen, und das in Staub getretene Vaterland, und die Ehre der Vorfahren, und die Leiber zarter Jungfrauen,
entweder der thierischen Roheit nordischer Horden, oder dem südlichen Uebermuth siegreicher, jugendlicher Legionen Preis zu geben. Alles dieses läßt sich leicht voraussehen, wie schon vieles
Anderes vorausgesehen worden ist: nur den Schlendrians-Empirikern will es noch immer nicht einleuchten. In ihrer erschrockenen, trägen und selbstischen Weisheit finden sie es bequemer, den hohlen
Diatriben eines Genz ein durch Sophistereien aller Art bestechenes Ohr zu leihen, oder sich durch die Deklamation eines Hauptmann Archenholz einschläfern zu lassen, der noch immer, auf seinem
alten Standpunkt des siebenjährigen Krieges Posto fassend, von wesentlichen Verbesserungen in der französischen Armee, von aufgelebtem jugendlich begeistertem Nationalgeist nichts wissen will,
sondern von der Vortrefflichkeit seiner Taktik, wie von einem seligmachenden Credo überzeugt, Alles den schlechten Dispositionen der Alliirten und den Fehlern übel unterrichteter Heerführer
beimißt. So verhallt ihnen fortdauernd der täglich lautere Nothschrei des Vaterlandes, aus dem Munde seiner besseren, zu seiner Schmeichelei erkauften Schriftsteller, wie aller übrigen denkenden
und fühlenden Mitbürger Deutschlands. In ihrer hohlen Aufgebläthheit sprechen sie wohl noch gar verächtlich herabsehend von Stubengelehrten, Stubenpolitikern – Sie! – Aber es wäre wirklich
interessant, einmal die Bilance zu ziehn, und gebührend nachzuweisen, was diese nämlichen Stubenpolitiker, seit so langer Zeit voraus gesehen, auf was sie so wiederholt aufmerksam gemacht, und
auf welche passendere, der Nation unendlich würdigere und vortheilhaftere Mittel sie standhaft, wiewohl vergeblich gedrungen haben; wahrhaftig die Herren Kabinetspolitiker würden kurzichtig und
geistesarm genug dastehn. Alles ist leider! nur zu buchstäblich eingetroffen; bloß darum, weil Menschen ohne Genie, ohne Tugend, und ohne Charakter, gegen Menschen von Genie, Tugend und
Charakter, ewig Unrecht behalten müssen. Viele von ihnen büßen schon jetzo für die verrosteten Pläne, womit sie das Vaterland retten wollten, in dem zermalmendsten Grad, und sie werden's noch
mehr, bis die Nationen sich selber erheben, und zürnende Schatten der Edelsten sich retten werden, von der Ohnmacht, die ihr Wirken in einer Staatsmaschine begräbt, die nur immer Maschinen auf
dem Schauplatz fordert. Alsdenn erst kommt die Zeit, wo das Genie der Nation mehr gilt, als knechtischer Gehorsam, Frankreich und Deutschland, wie Sonne und Mond, wieder in sein altes, großes,
ewiges und jetzt durch eine verschobene Politik, höchst unnatürlicher Weise verschobenes Gleichgewicht tritt; ein Gleichgewicht, was keine Chimäre ist, oder bloß in der Einbildung gilt; nein ohne
welches die ganze Natur verarmt, und zerstörend mit allem ihrem Reichthum in sich selber zerfällt; so wie, mit dessen Anerkennung, große Nationen, wie alle übrigen und selbstständigen Kräfte des
Universums, Sonne, Monden und Planeten, in ewiger Wechselwirkung, angezogen und abgestoßen, neben einander ruhig, fortdauern.
Thal Ehrenbreitstein im Julius 1806.
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