1806  No. 23.

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Mittwoch, den 19. März.

Zeitgeschichte.

Doktor Luther und Nelson in Elysium.
Ein Dialog.
(Es ertönt eine sanfte Sphärenmusik, während Charons Nachen den fluthenden Styx bekämpft. Die Ueberfahrt ist sehr mühsam und gefährlich, bei dem wogenden Strom. Charons Schiffer-Latein ist fast zu Ende. Der Schatten im Nachen ergreift selbst das Steuerruder, und durch geschickte Wendungen, landet er in kurzem an dem stillen Gestade, an dem Doktor Luther auf und nieder geht.)

Charon.
So schlimm war die Ueberfahrt lange nicht. Aber du hast deine Sache gut gemacht – mußt wohl von Handwerk seyn – ein Engländer, nicht wahr?

Nelson.
Wie du sagst – Ein Britte. (Er gibt ihm Guinee.) Hier das Fahrgeld! Fahr nur zurück, am jenseitigen Ufer erwartet deiner eine große Schaar – Franzosen – Spanier auch – Britten.

Charon. (Besieht die Guinee.)
Herr, verzeiht! das Geld ist bei uns nicht im Kurs. S' ist Gold. – Es brauchen nur Obolen zu seyn.

Nelson. (Im Fortgehen.)
Laß dir die kleine Münze von den Franzosen wechseln. (Er geht Landeinwärts.)

Luther. (Geht auf ihn zu und reicht ihm die Hand.)
Willkommen, Bruder, im Lande der Ruhe! Woher des Landes?

Nelson. (reicht ihm gleichfalls die Hand.)
Geradesweges von Trafalgar.

Luther.
Trafalgar? Dieß Land kenn' ich nicht.

Nelson.
Es ist ein Vorgebirg an der spanischen Küste.

Luther.
Spanien kenne ich wohl; es ist das finstere Land, wo der Katholizismus zu Hause ist. Und was war da deine Bestimmung? Großinquisitor warst du wohl nicht daselbst – dazu bist du zu klein, hast ja nur Einen Arm und Ein Auge.

Nelson.
Ich bin kein Spanier, bin ein Britte – aber ich hab‘ an der spanischen Küste die vereinigte französische und spanische Flotte vernichtet.

Luther. (stuzt.)
So! – Also ein Großadmiral. Ist denn des Kriegens auf der Oberwelt noch kein Ende?

Nelson.
Wird's nie werden. Krieg ist die Quintessenz des Menschenlebens. Ohne Krieg ist kein Sieg und was ist göttlicher als Sieg? – Eine feindliche Kugel verwundete mich so, daß ich meinen baldigen Tod deutlich vor Augen sah, aber ich kann dir die Wonne meiner letzten Augenblicke nicht beschreiben, wie ich jeden Augenblick hörte, daß wieder ein feindliches Schiff gestrichen habe. So hatten ihrer 19 gestrichen, als meine Seele ihre {90}

Kajüte in Grund bohrte und der Lust wegen möchte ich das Drama gern schon noch einmal anfangen.

Luther.
Bei einer solchen Denkungsart wirst du hier deine Rechnung schwerlich finden, denn in Elysium thront ewiger Friede.

Nelson.
Desto besser. Ich liebe den Frieden von ganzer Seele, aber wenn mich der Feind neckt, so werfe ich mich auch mit meiner ganzen Kraft auf ihn, um ihn zu bezwingen. Sieg oder Tod ist dann mein Losungswort. – Doch, darf ich fragen, wer du bist?

Luther.
Ich bin Doktor Martin Luther.

Nelson. (ihn umarmend.)
Sey mir willkommen, Mann Gottes, im Lande der Ruhe! Ich streiche die Segel vor dir. Du hast mächtigere Feinde bekämpft, als ich. Weißt du schon, daß dir jetzt deine Nation ein Denkmal errichten will?

Luther. (empfindlich.)
Ein Denkmal? – jetzt erst ein Denkmal? – und bin bald 300 Jahre von der Oberwelt geschieden – und wozu noch jetzt ein Denkmal?

Nelson.
Laß mich aufrichtig sprechen, lieber Mann! deine Nation prostituirt sich durch das Denkmal, das sie dir errichten will. Ich will dir das, wenn du nicht böse werden willst, ein bisgen auseinander setzen.

Luther.
Böse werden – in Elysium? – Hast du schon vergessen. – –

Nelson.
Verzeih einem Ankömmling aus dem Lande, das bloß durch Leidenschaften regiert wird, wenn er sich in die bessere Ordnung der Dinge noch nicht zu finden weiß! Also zur Sache! Schon vor einigen Jahren vereinigte sich eine Gesellschaft in deinem Vaterlande – dem Mannsfeldischen – und forderte Deutschland zu Beiträgen auf, um dir ein Monument zu errichten. Von allen Seiten flogen die Thaler und Gulden, und bis jetzt sind – etwas über sechszehn tausend Thälerchen zusammen. Wenige Tage, nach meiner Entkörperung, war zu dem Monument, das meine geehrte Nation mir errichten will, schon mehr als dreimal so viel unterzeichnet.

Luther.
Deine Nation ist auch dreimal reicher als die meinige, und hat – –

Nelson.
Mehr public esprit, und weiß Verdienste mehr zu schätzen und zu belohnen – Doch dieß bei Seite! – Nun sollst du aber einmal die Debatten über die Art deines Monuments und über den Ort, wo es errichtet werden soll, lesen oder hören. Von den Schriften, Rissen und Zeichnungen davon, könnte man schon eine eigene Bibliothek formiren. Alle öffentliche Blätter sind damit angefüllt. Bald soll dein Denkmal von Bronze, bald von Marmor seyn, bald soll es dir in Eisleben, bald in Wittenberg, bald sogar auf dem Bloxsberge, wo die Hexen wohnen, errichtet werden. Nebenbei will man von den sechzehntausend Thälerchen noch Chausseen bauen, Schulseminarien errichten, und weiß Gott, was alles noch! Was sagst du nun zu diesem allen, lieber Luther?

Luther.
Daß meine Nation eine schulgerechte Nation ist, die gemeiniglich, über dem Debattiren, den eigentlichen Gegenstand, den sie debattirt, aus den Augen verliert, und dann den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Aus eben diesem Grunde geht bei ihr alles den Schneckengang. Uebrigens muß ich dir unverholen gestehen, daß ich von den Denkmälern, welche dem scharfen Zahne der Zeit nicht zu trotzen vermögen, nicht viel halte. Das Lutherthum, das muß mein schönstes Denkmal seyn und bleiben. – –

Nelson. (etwas empfindlich.)
Davon will man jetzt eben so wenig mehr wissen, als vom Pabstthum.

Luther.
Ist also nach mir wieder ein neuerer Reformator aufgestanden?

Nelson.
Einer? Schockweise wachsen sie, wie die Pilze aus der Erde, über Nacht auf. Dein System haben sie so beschnitten, daß so viel wie gar nichts mehr davon zu sehen ist. Ueberhaupt treibt man jetzt Religion nur pro forma. In Frankreich war es unter Robespierre eine zeitlang sogar bei Lebensstrafe verboten, an einen Gott zu glauben.

Luther.
Das war wohl nur dein Scherz. Wie kann man denn den Glauben an Gott verbieten? Und an wen sollte man denn sonst glauben?

Nelson.
An die Vernunft.

Luther.
Hat denn aber der König von Frankreich solchen Frevel geduldet?

Nelson.
Der war längstens guillotinirt, als die Vernunft die Regierung antrat.

Luther.
Und wie lang hat sie denn regiert?

Nelson.
Ungefähr 6 Wochen.

Luther.
Dann starb sie?

Nelson.
In den sechs Wochen, wie gesagt.

Luther.
Aber du sagtest vorhin, der König von Frankreich sey guillotinirt worden: was heißt denn das?

Nelson.
Ja, so. Diese Methode ist dir auch noch unbekannt. Hör‘ an! Du hast doch wohl so Mäusefallen gesehen, mit Löchern. In ein solches Mauseloch nun wird der Kopf gesteckt. An der Maschine ist oben ein scharfes Beil aufgezogen, das, bei Berührung einer Feder, herabfällt, und ihn in einem Nu vom Köper trennt.

Luther.
Und wer hat denn den König von Frankreich köpfen – guillotiniren wollt ich sagen – lassen?

Nelson.
Sein Volk, oder vielmehr die Repräsentanten desselben. {91}

Luther.
Und warum?

Nelson.
Weil er den Kopf schon vorher verloren hatte, noch ehe er guillotinirt wurde. –

Luther.
Und nun?

Nelson.
Ist Frankreich ein Kaiserthum.

Luther.
Ein Kaiserthum – Frankreich ein Kaiserthum? Und wie sieht es denn in Deutschland aus?

Nelson.
Von Herzen schlecht. Du würdest es nicht mehr kennen, wenn du es sehen solltest. Gegenwärtig ist es der blutige Kriegsschauplatz zwischen den Franzosen, Kaiserlichen und Russen. Lieber Luther, deine Landsleute, die Deutschen, das Herz der Welt, das Herz von Europa sind kein Volk mehr. Das feste Band, zwischen Kaiser und Reich, das Euch sonst so respektabel machte, ist so gut, wie aufgelöst. Es ist der Ball, mit dem Frankreich nach Belieben spielt.

Luther.
Wie sieht es denn mit dem Pabst aus?

Nelson.
Schlecht. Selbst in Frankreich wird es bald mehr Kirchen, als Priester geben.

Luther.
Und der Großtürk?

Nelson.
Ist so gefährlich für Europa nicht mehr, als zu deiner Zeit. Ich denke, er wird es in Europa nicht mehr lange machen.

Luther.
Und deine Nation?

Nelson.
Ist noch die alte – fest in ihren Grundsätzen und Thaten – noch nicht besiegt – immer selbstständig – keines andern Kreatur – hat sie jetzt den Alleinhandel zur See, und Freund und Feind muß ihr auf diesem Wege zollen.

Luther.
Du sprachst vorhin von den Russen, sind sie denn noch so wild und so bärtige Moskoviter, wie sonst?

Nelson.
Bewahre! Sie sind meist ein gebildetes, biedres Volk. Ueber sie herrscht auch ein Kaiser, der die Humanität selbst ist, und als er in Deutschland war, aller Herzen für sich gewann.

Luther.
Wie heist er denn?

Nelson.
Alexander – groß, aber in einem ganz andern, edlern Sinn, als jener macedonische.

Luther.
Heil ihm, wenn er groß ist, durch Weisheit und Herzensgüte! Du wirst überhaupt hier deine Begriffe von Größe ganz umformen müssen, und manchen, der diesen Beinamen auf der Oberwelt führte, hier vergeblich, suchen. Du wirst sie bemitleiden, wenn du erst hier einheimisch geworden bist, die menschlichen Ameisen und über ihr Streben und Toben auf der Oberfläche, nach so ärmlicher Größe mehr als einmal die Achsel zucken. Von allen diesen großen Welteroberern, den Tschinkiskanen, den Alexandern, wirst du keinen hier finden. Sie leiden die Folgen ihrer irdischen Größe in dem Tartarus. Dort in jenem schneeweißen, glänzenden Gebäude, der Tempel des Friedens genannt, wohin ich dich führen werde, und dessen Priester ich bin, wirst du ein Buch finden, das dich mit ganz andern Namen bekannt macht, und worin dir eine ganz neue Welt, im Umgang mit seligen Geistern, aufgeschlossen wird. Komm, Nelson!
Lolo.

Ueber einige alte und neuere Schicksalsfabeln. Oedipp –  Macbeth – die Braut von Messina.
Wir haben neulich den Zweck der alten Epopee, in eine Apotheose des Mannes, nach seinen beiden Haupteigenschaften, des Muths und der Klugheit; den der Tragödie dagegen, in eine Apotheose des Weibes, nach seinen beiden Haupteigenschaften, der Sitte und der Anmuth – zwischen beiden die Liebe, und wie wir hinzufügen, die Religion – gesetzt: mit dieser, auf einer echten Basis beruhenden Ansicht, wollen wir jetzt zur Betrachtung, einiger der vornehmsten Schicksalsfabeln der alten und neuen Zeit, des Sophokleischen Oedipps, des Shakspearschen Macbeth und der Schillerschen Braut von Messina vorschreiten. Die Epopee, wie wir weiter vernommen, beflügelt den Muth; sie ist es, die den Sterblichen zu dem Range eines Gottes erhebt: die Tragödie dagegen, als eine fromme Dienerin der Religion, zähmt den Uebermuth, und legt dem feurigen Roß der Leidenschaft Zaum und Gebiß an. Den Tyrannen, den Mächtigen der Erde, der sich in stolzem Dünkel vermaß, oder über seine Nebenbrüder erhub, beugt sie, Demuth, in den Staub, und zwingt ihn zur Anerkennung des Gottes in seinem Innern, dessen ewigen Gesetzen Niemand ungestraft Hohn sprechen darf. Erkühnt er sich dessen dennoch: so fällt er in die Hände der Erinnyen, furchtbare Strafgöttinnen, die schon ein unwillkührliches Vergehen eben so strenge bestrafen, wie einen willkürlichen Fehltritt. Weder Muth, noch Tapferkeit schützt vor ihren Schlangengeißeln, und selbst die Weisheit eines Oedipps, der so klug die Räthsel der Sphinx löste, verfängt sich in ihrem schlüpfrigen, gefahrvollen Labirinth.

„Doch was kein Verstand der Weisesten sieht:
Das ahndet in Unschuld ein frommes Gemüth.“

Und so zeigen sich dem Auge denn auch hier versöhnend die mit in die Handlung verflochtenen, hohen weiblichen. Gestalten, und vollbringen, wie im gemilderten Kontrast, indem sie die schönste Harmonie des Universums, die der sittlichen Weltordnung, aus ihrem Innern wiederklingen lassen, die höchste Apotheose ihres Geschlechts. Töchter des Himmels und der Hölle, einander, wie völlig entgegengesetzt, sind sie doch im Grund nicht unterschieden, als nach ihrem Zweck; denn was diese bloß rächen, das stellen jene dar: nämlich das Schöne selbst. Aber auch außer ihnen, und damit nicht Alles durch ein gänzlich aufgehobenes Gleichgewicht um den Zuschauer in Schwanken gerathe, steht in den Tragödien der Alten noch eins fest, nämlich der Chor; gleichsam ein Angelstern, in diesem allgemeinen Schiffbruch der Götter, mitten auf einem Meer von Tugendgefahren, ein großer göttlicher Halt, ein Fels für Tausende; ein selig lockendes Eiland, das ruhig spiegelnd vom Ufer den Stürmen zusieht, mit welchen die unten von Leidenschaft wild Umhergetriebenen zu kämpfen haben. {92}

„Und du, o Menschenschifflein du,
Fahr immer zu, immer zu!"

Daher besteht er denn auch meistens bei den Griechen aus Jungfrauen, Jünglingen, Greisen und solchen Personen, in deren Busen das heilige Kleinod der Ruhe, durch den hohen Drang des äußern Lebens, entweder noch keine Störung erlitt, oder die in den Stürmen desselben, vielfältig erprobt, sich eben dadurch ein Recht erwarben, den Unglücklichen mit weisem Rath an die Hand zu gehn. Daher fließt ihr Mund bald über, von jugendlichen Anbetungen der Gottheit und der Gestirne; bald singt er, in erfahrnen Wechselgesprächen, dem Handelnden einen sinnvollen Spruch zu, wie Gott weise Mäßigung im Glück, im Unglück Standhaftigkeit und willige Ergebung in die Wege der Vorsehung, dem Menschen anbefahl; besonders aber werden diejenigen, deren Gewissen rein ist, und die in frommer Unschuld des Herzens vor Gott leben, in erhabenen Hymnen, mit antwortenden Gegenstrophen, von ihm selig gepriesen. Nach solch einen sublimen Ideengang ist wenigstens der Oedipp des Sophokles gedichtet worden, und bei der näheren Auseinandersetzung der Schönheiten desselben, werden wir auch auf diesen Punkt wieder zurückzukommen, Gelegenheit haben.

An Torquatus.
Horaz. Epist. 1, 5.
Kannst du bewirthet mir ruhn auf des ehrbaren Archias Lager,
Furchtlos lauter Gemüs' aus mäßigem Napfe zu schmausen;
Werd' ich mit sinkender Sonne daheim dich erwarten, Torquatus.
Weine vom anderen Jahre des Taurus trinkst du, gespündet.
Zwischen Minturnä's Gesümpf und den Felsanhöhn Sinuessa's.
Wenn du was besseres hast, so lade mich; oder erduld' hier.
Längst schon glänzet der Heerd, und blinkt dir reinlicher Hausrath.
Laß ehrfüchtiger Hoffnung Gedünst, und das Werben um Reichthum,
Moschus Sache zugleich. Der Geburtstag morgen des Cäsar
Schenkt uns festliche Feier und Schlaf; frei wird uns erlaubt seyn,
Mit ausströmenden Herzen die Sommernacht zu verplaudern.
Wozu soll mir das Glück, wenn unvergönnt der Gebrauch ist?
Wer aufsparet dem Erben zu Lieb', und allzu genau kargt,
Wohnet dem Tollen nicht fern. O gezecht, und Blumen gestreuet!
Selbst ich voran! und mög' ich der Sinn' unmächtig erscheinen?
Was bringt Trunkenheit nicht an den Tag? Das Geheimniß enthüllt sie;
Hoffnungen leiht sie Erfolg; in die Feldschlacht drängt sie den Feigling;
Mühebeladenen hebt sie die Last ab; Künste vertraut sie.
Wen nicht schuf der Pokal mit gesegneter Fülle zum Redner?
Wem nicht unter dem Drucke der Armuth gab sie Erlösung?
Das auch leist' ich nach Wunsche dir nicht unfähig, noch ungern
Daß kein widerndes Polstergedeck, kein schmutziges Handtuch,
Rümpfe die Nas‘; und daß nicht mangele Kanne wie Schüssel,
Dir zu zeigen dich selbst; daß nicht im traulichen Kränzlein
Sey, wer ein Wort aus der Schwelle verschleudere; daß auch gesellt sey
Gleich vollkommen und gleich. Den Septicius werd' ich zum Buta,
Und so kein früherer Schmaus und ein holderes Mädchen ihn abhält,
Noch den Sabin dir stellen; auch mehreren Schatten ist Raum da.
Nur zu drange Gelage sind leicht mißfällig durch Geißduft.
Schreib, mit wie vielen zu seyn du begehrst; laß ruhn die Geschäft', und,
Während am Vorsaal laurt der Klient, schlüpf' hinten durchs Pförtlein.
Heidelberg. Voß.
––––––––
Miscellen.

Regensburg, vom 5. März. Graf Sternberg, hiesiger Domherr und Vizepräsident des kurfürstl. Landesdirektoriums, hat eine gedruckte Einladung zirkulieren lassen, um dem großen Astronomen Keppler, der hier 1630. auf seiner Durchreise nach Wien – verhungert ist, ein Denkmal errichten zu lassen. Es soll in einer kolossalen Büste von karrarischem Marmor bestehen:

So hoch war noch kein Sterblicher gestiegen,
Als Keppler stieg, und starb vor Hungersnoth:
Das macht', er wußte nur die Geister zu vergnügen:
Drum ließen ihn – die Körper ohne Brot.
Kästner.
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Hannover, vom 6. März. Der Stadt Hamburg sind, nach den letzten Briefen, 8 Millionen Franken, der Stadt Bremen 4 und Lübek 3 Millionen Kontribution aufgelegt. Vermuthlich werden auch diese 3 Städte bald von fremden Truppen vorläufig besetzt werden. (Aus der Würzb. Zeit.)
Abschied der deutschen Reichsstädte. Aus dem Johannis von der Ostsee. Tübingen b. Cotta 1805.

„Als sich zu ihrem Untergang
Einst deutsche Freiheit neigte:
Doch jede Muse im Gesang
Noch ihren Priester zeigte.

Als Göthe kam zu dem Parnaß,
Von Frankfurts Traubenhöhen,
Aus Biberach, wo Wieland saß
Und Klopstock war zu sehen.

Da sprach betrübt die alte Kunst,
Als sich die Künstler setzten:
„Herr Albrecht Dürer, da mit Gunst,
Schaut her, es sind die letzten.

Gib, Vater Hollbein, ihnen Ehr',
Im Tanz der Pieriden:
Nun klirren Waffen und Gewehr;
Mein Reich ist nun verschieden.

Sie wollen nur, was nutzt und frommt
In Zukunft ihren Staaten:
Geliebten Kinderchen, nun kommt,
Fliehn wir vor den Soldaten!

Kommt, lasset uns auf andern Höhn
Nun Lorbeerkränze winden:
Die sollen scharfes Auges sehn,
Die uns hier wieder finden.“