1806  No. 24.

Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte

Sonntag, den 23. März.

Zeitgeschichte
oder
kleine Europäische Gazette.

Aus Paris, vom 12. März. Man sagt, der Kaiser werde seine Garde noch durch ein Regiment vermehren. Jedem, der hier eintreten will, wird aber vorher eine Ahnenprobe abgenommen. Nicht die vom alten Datum, aus der Bataille von Creci, Poitiers, Azincourt, sondern eine neuere und persönlichere, die in den Feldern von Fleurus, vor den Linien von Weissenburg, bei Lodi, bei Arcole, bei Marengo und Austerlitz, die Probe bestand: Hier ist die Rede von einem Adel, der auf die Kinder große Beispiele vererbt, der ihnen große Verpflichtungen auflegt, ohne daß er ihnen sonst irgend ein Vorrecht einräumt. (qui transmet aux enfans de grands exemples, de grands devoirs, sans aucuns droits.) Vier Blessuren sind hier das, was man in andern Stammbäumen die Geschlechtslinien nennt. Alle Soldaten sind in dieser Heldenfamilie mit einander bekannt, und werden auch als bekannt vom Kaiser angerufen. – Vergleiche No. 22. des Tartarus.

Aus Wien, vom 10. März. Herr v. Faßbender ist in voller Aktivität, und wird nächstens, mit einem besondern Auftrage seines Hofes beehrt, in's Reich gehen. Alle über diesen großen Staatsmann, in Norddeutschland roulierende, zum Theil völlig absurde Gerichte, sind demnach von selbst widerlegt.

In Sachen contra Polyidos.
Tartarus, große Gerichtsstube.
Daß die Tragödie, zu ihrer Handlung des Charakters, als Regulativ, gar wohl entbehren kann, hat schon irgend einmal einem Rezensenten, in einer von unsern gelesensten Literaturzeitungen rühmlichst eingeleuchtet. Wo ich nicht irre, war es Schillers Braut von Messina, mit ihrer, bei aller Sublimheit der Idee, eingestanden physiognomielosen Figuren, die ihm dazu den Anlaß gab: und es freute mich daher ganz ungemein, als ich diese so folgenreiche Behauptung, bei Gelegenheit des Polyidos, in ihrer Zeitung wiederhohlt sah. In der That wüßte ich auch nicht, was man mit so manchem vortrefflichen Produkt der neuern Schule, z. B. gleich dem Alarkos anfangen wollte, wenn es nicht zum Glück, von diesem Standpunkt der Kritik aus, eine Antike – оhnе Charakter, d. h. eine eigene Gattung von Theaterstücken gäbe, die das beliebte Marionettenprinzip zum Regulativ ihrer Kunst annähmen; mit andern Worten, die in der {94}

schönen Wuth ihrer Helden, so wie in ihrem übrigen Thun und Lassen, was Motivierung anbetrifft, völlig so frei und willkührlich zu Werke gingen, wie die grimmigen Tyrannen Nebukadnezar und Artaxerxes, oder der Feldhauptmann Holofernes, in den Haupt- und Staatsaktionen der Herren Dreher und Schütz. Irren wir nicht: so wird man wohl thun, auch dem König Minos im Polyidos, das eben neu aufgelegte Privilegium dieses Marionettenstils, ohne Präjudiz seiner übrigen Vorzüge, ein klein wenig zu gut kommen zu lassen. Ohne dieß könnte Manches in seinem Betragen, besonders für ein an streng klassische Umrisse, und deren durchgängig richtige und abgewogene Zeichnung verwöhntes Auge, brüskiert scheinen; ja seine so ausnehmend schön und leicht motivierte Tyrannei, z. B. gegen den Bothen, und Polyidos selbst, müßte, bei aller Sublimheit der beabsichtigten Idee, manchem übrigens recht verständigen Freunde und Schätzer des Alterthums, besondere einem altväterisch klassischen Gesichtspunkt aus, völlig ungereimt und lächerlich vorkommen. Indeß bescheiden wir uns gern, ein so strenges Prinzip, zu Gunsten der Kunst und gegen den jungen Künstler, in einer so charakterlosen Zeit, wie die unsrige, geltend zu machen. Warum sollte es nicht eben so gut Neugriechen, wie Altgriechen geben? Es bleibt demnach dabei, was die Elegante Zeitung gesagt hat: dieser Polyidos, d. h. nach obigen Ansichten, diese Antike, ohne Charakter, ist der glücklichste Versuch der Neuern, in den Stil der Alten zurückzubilden. Zwar ist bei den Alten, wo das Regulativ des Charakters sogar bis in's Metrum zurückgebildet erscheint, Manches auch in diesem Stück anders. So vernachläßigt unser Neugrieche z. B. häufig den Versetakt. Statt des tragischen, in gewichtigen Spondeen würdevoll einherschreitenden Senars, oder alten griechischen Trimeters, sucht er jenen lustigen, leichtfüßigen Jambus anzubringen, den die Alten, seiner eifernden Raschheit wegen, zu satirischen Gedichten und Pasquillen vorzugsweise auswählten. So enthält z. B. die 25. Seite nicht einen einzigen, echten Spondeus. Anderswo haben sich die Spondeen an die unrechten Stellen verirrt, wie z. B.

S.43.
„Die Zukunft muß uns zeigen erst ob nicht die That
Zurückbleibt u. s. w."

S.5.
„Gehüthet von der Wehmuth bitter süßem Schmerz."

S.16.
Versagen kann ich dir des Herzens Mitleid nicht,"

Da doch die Regel dem 2ten, 4ten und 6ten Fuße allererst einen reinen Jambus auferlegt.
Untadelich schön ist dagegen folgender Vers S. 29.

„Der Götter Antlitz hab ich furchtlos oft gesehn.“

So stehen auch auf der 69. Seite einige Verse, die als Vorbilder könnten aufgestellt werden, aber die ungeläuterte Nachbarschaft, worin sie sich befinden, verräth nur zu deutlich, daß den Verfasser, bei ihrer Auffindung, mehr ein dunkeles Gefühl, als ein richtiges Prinzip der Anschauung geleitet hat. Verstöße, wie die folgenden, sind wenigstens nicht sehr geeignet, dieser Behauptung ihr Gewicht zu nehmen.

S. 13.
„Niemand, o Herr darf eingehn" u. s. w.

Und in einem dem Ohr noch weit mißfälligeren Grad S. 43.

„Gerad ausschreitend weicht er " u. s. w.

wo sogar die betonte Länge des Spondeus die Stelle der jambischen Kürze einnimmt.
S. 9. erhält, durch die verkehrte Anwendung einer Mittelzeit, der einfache Artikel Kraft und Nachdruck eines hinweisenden Fürwortes.

„Welch wild Geschrei ertönet hier vor dem Pallast?"

Auch sind Seansionen, wie S. 4.

„In's Meer hin schaut‘ ich lange, ob die wehenden
Wimpel erschienen von der Küste Hellas her."

im ersten Fall, wegen des unrechten Platzes; im zweiten wegen der falschen Anmuthung eines Spondeen, der keiner ist, schlechterdings unstatthaft. Eben so S. 49.

„Schaudernd bewundernd seines Grabes Herrlichkeit."

S. 20.
„Nun kehre wieder mit dem thränenvollen Blick
Nächtliche Trauer, hülle mich in dein Gewand!"

Besonders, wo sie so gehäuft erscheinen, wie S. 63.

„Grauenerfüllt nah' ich mich dir schreckengelähmt"

wo die drei reinen Chorijamben in einen Senar hinein gefoltert werden. Auch dem Trochaischen Tetrameter fehlt oft der nothwendige Ruhepunkt in der Mitte, und sehr zu tadeln ist der molossische Ausgang S. 12.

„Führten sie Apollos Priester zu dem heil'gen Dreifuß hin."

Der gerade die Wirkung thut, als wenn ein Senar mit einem Spondeus schlösse.
Der Orakelspruch ertönt in Hexametern. Einige davon sind sehr schön: doch in folgendem:

„Welcher euch Glaukos bringt des Königs Erzeugter zurück."

thun die 3 weiblichen Endamphibrache, verbunden mit der schlechten Diktion, eine übele Wirkung. Auch die zwei letzten Hexameter haben jeder einen Fehler im Takt, den wir hier nur andeuten wollen. Genug des Getadelten! Jetzt noch ein Vorschlag zur Güte zum Schluß dieser Rezension.

Da wir neuerdings, durch das Studium der Griechen, wiewohl etwas spät, zu der Einsicht gekommen sind, daß ein wahres Kunstwerk, auch in der äußern Form, vollendet seyn müsse: mit andern Worten, da der Fortschritt in der Technik unter uns so groß ist, daß wir bald jedem Dichter, wie ehmals Themistokles dem Simonides werden zurufen können: „Du wirst ein schlechter Dichter seyn, {95}

wenn du die Verstöße gegen den Versrhythmus nicht umgehen kannst:" so fragt es sich, ob es nicht gut wäre, da man doch nun bereits ein Regulativ für Antiken ohne Charakter, gefunden hat, auch eins für antike Sylbenmaße, ohne Charakter, aufzusuchen.

In Sachen contra Minos, Aeakus und Rhadamanthus.
Tartarus, große Gerichtsstube.
(Unserm Grundsatz getreu, daß jeder in unserm Institut Angeklagte, eben so gut seinen Vertheidiger, als seinen Ankläger finden soll, lassen wir folgende gegen uns selbst gerichtete Aktenstücke unverändert abdrucken.)
Minos, Aeakus und Rhadamantus.

1.
Friedrich Kind.
Auszug eines Briefes vom 15. März. „Leid that es mir, daß Sie Friedrich Kind neulich in Nro. 20. ihrer Zeitung mit unter die Scribler aufzählten. Dieser hat wahrlich Talent, und als bescheidener Mensch verdient er Aufmunterung. Ich kenne ihn nicht von Person, weder mittelbar, noch unmittelbar: aber viele seiner Gedichte haben mich angezogen, und er ist kein Nachahmer. Wenn Sie nicht ganz und gar entgegengesetzter Meinung sind, wie ich nicht wünschen kann; so müssen Sie ihm, bei einer andern Gelegenheit, einmal Auszeichnung wiederfahren lassen."
I. H. V. d. j.

2.
Tiecks Minnelieder.
Auszug eines Briefes vom, 28. Febr. „In ihrem Elysium hat mir eins verdrossen, und im Tartarus eins erfreut. Schillers Urtheil über Tiecks Minnelieder Nro. 1, ist doch wahrhaftig unendlich armselig. Himmel, welch ein trivialer Spaß, mit dem Mobiliar der Minnelieder, mit dem Sperlinge! Beleuchten Sie dieß Alles nur eine Minute, mit künstlerischer Fakel, und sagen Sie, was man von solcher Kritik, von solchem Kunsturtheil sagen soll. Ist Ihnen an Mobiliar gelegen und dergleichen Reichthum von Ideen: so wenden Sie sich an Schmidt, an die Musen und Grazien in der Mark, an ihren Nürnberger Klempner Grübel und solcherlei Leute. Schiller, das will ich schwören, hat an diesem Urtheil, so wie es dasteht, heilig und gewiß keinen Antheil [Doch es ist wörtlich aus seinem Munde. D. Red.]. Gottlieb Hiller dagegen im Tartarus ist gar wacker aufgestellt."
W. K.

3.
Grotesken, Gatiren und Naivitäten vom J. D. Falk. – Item dessen Johannes von der Ostsee.
„F. indem er diese Zeitung herausgibt, muß in Kollision mit seinen eignen Werken kommen; denn die Grotesken, Satiren und Naivitäten, so wie der größte Theil des Johannes von der Ostsee, muß, ohne Gnad' und Barmherzigkeit, in den Tartarus.
Ich nahm den Johannes von der Ostsee, mit großer Vorliebe, in die Hand, und dachte an – aber wie wurde ich getäuscht. Ich las bis S. 116. ohne angezogen zu werden. Die ersten 7 Briefe von der Jugendgeschichte des Joh. von der Ostsee, von Seite 116-165. erst habe ich mit wahrhafter Bewegung gelesen, und noch einmal gelesen, und alle meine Liebe für – ist dadurch wieder rege geworden. Diese Briefe beurkunden genug, daß dieser Johannes einen herrlichen Stoff aus der Vorwelt mit in sein hiesiges Daseyn gebracht, daß er ausgerüstet ist für die Kunst und ihre Herrlichkeit. Diese Briefe allein berechtigen ihn das Buch mit den Worten zu schließen: „Ein Gott hat mich getrieben und ich habe es nicht lassen können," wenn etwas dazu berechtigen und es verzeihlich machen kann, am Schluß eines solchen Buches Solches zu sagen. Denn wenn man noch von dem widrigen Eindruck der Wiener Klatschereien, und der unnützen Lamentos voll ist, und das ganze Buch nun so durchgelesen hat, das gar nichts enthält, als Einzelnes, und in welchem die herrlichen Jugendgeschichtbriefe so verlassen, fremd und vereinzelt dastehen: so klingt wahrlich der ernste Schluß des Buches, wie eine Gotteslästerung, wie ein Schmähen des Heiligen, das nur zum ernsten und wahrhaften Leben heraufziehen will.
Sagen Sie mir, um ihrer Liebe willen zu dem Verfasser, wie kommt F. dazu, solches Zeug zusammen zu schreiben, er, der es doch hinlänglich beurkundet hat, daß alle Schönheit und Liebe des menschlichen Herzens in ihm lebt und webt, und daß sein Geist mit Kraft gerüstet und mit Feinheit geschmückt ist, uns in die heiligen Geheimnisse des Gemüthes und Lebens einzuweihen, und uns in die Tempel der Kunst zu leiten, um uns zu zeigen, wessen wir lebend theilhaftig seyn können. Lassen Sie ihn seiner ersten Werke gedenken, die aus der freien Flamme seines jugendlichen Daseyns hervorgegangen sind, eh – –  o lassen Sie ihn in sein menschlich schönes Eigenthum zurückkehren, und nicht länger auf glänzendleere Eroberungen ausgehn!  – –
Auch sein Almanach, mit den Grotesken, Satiren u. s. w. hat mir durchaus nicht genügt. Der Schmidt von Appolde, die Hirten an der Krippe, der Graf und {96}

die kleine Tirolerin, so wie die Feldpredigt, enthalten, vorzüglich die ersteren, geniale herrliche Spuren, und schießen einzeln wahrhafte Lichtstrahlen: aber das Ganze jedes Einzelnen ist unkünstlerisch und ein schlechtes Gemisch, das locker zusammenhängt, und sich in seinen eigenen Ingredienzien widerstreitet. Warum soll ich Ihnen verhehlen, daß ich den Allmanach unwillig aus den Händen gelegt.
W. K.

4.
Prinzessin mit dem Schweinerüssel.
Auch von ihr hatte ich mehr erwartet, als ich hinterher gefunden habe. Der Titel, wie überhaupt der Stoff, ist viel zu komisch gegen die Behandlung, und läßt die letztere weit hinter sich. Die ewige Ironie, der scheinbare Untergang alles Idealen im Realen (welche sich der Verfasser wie es scheint selbst vorgiebt.) ist an sich eine wunderschöne Aufgabe, die man aber meiner Meinung nach, durchaus nicht mit Schweinerüsseln lösen kann, als welche allein und für sich genommen, gar zu todt real, an einer Prinsessin hingegen, gar zu pikant, ideal sind. Das Ideale kann man nur dann, als im Realen untergehend darstellen, wenn man Ideales in die Realität hinab zieht, und darin, wie eine sogenannte, nackte Wahrheit herum ziehen läßt, die Manchem zum Verdruß, Vielen zum Spektakel, aber fast allen zu Nutz, Frommen und behaglichem Gelächter dient. Indeß ist ganz gewiß, daß auch bei alle dem, was einem in dieser Posse Widerwärtiges begegnet, echte Genialität und große ironische Manier im Einzelnen ausgedruckt ist, und wahrlich schon mit dem Einen wäre viel gewonnen, wenn man es klar begreifen wollte :

„Es bringt kein Gut's, daß man in die Länge
So bei den Schweinen seinem Leid nachhänge:
Ein Kerl, der immer spekuliert,
Wird nie ein guter Schweinehirt."

worin wahrhaft Aristophanisches Doppels-Salz liegt. Alles was der Verfasser überhaupt von seiner Ansicht der komischen Kunst, und von ihrem Verhältniß zur ernsten sagt, ist durch und durch wahr: wie denn der göttliche Ernst, in der Ironie der Alten, allerdings das letzte Problem aller wahrhaften Satire und burlesken Poesie ist.
W. K.

5.
Bernhardi und Pellegrin.
Ihr Urtheil No. 22. über die, von Bernhardi und Pellegrin, zu Ehren Schillers, gehaltene Todtenfeier, unterschreibe ich nicht ganz. Die Ideen haben Sie selbst zwar nach Verdienst poetisch gefunden: aber das ermüdend Eintönige in der Ausführung, worauf Sie hinzudeuten scheinen, will mir keinesweges einleuchten. Wie es ist, halte ich dieß Produkt für das freieste und gelungenste Spiel der Phantasie, das bis jetzt, durch Schillers allzu frühen Hintritt, veranlaßt worden ist. Die meisten seiner bisherigen Nekrologisten begnügten sich damit, bloß Rollen aus seinen Werken auszuschreiben: die Verfasser dagegen haben Schiller, mit freier poetischer Kraft, auf's neue gestaltet; nämlich in den Personen der Stücke, die sie aufführen, und indem sie uns ihn selbst als Kind zeigen. Wie fein, kräftig und zart folgende Stelle aus Wallensteins Mund sich vernehmen läßt, darüber will ich sie selbst unbedenklich zu Richtern setzen:

„Die Sterne, die ich oft zu Rath gezogen,
Sie haben meinen Untergang gewollt;
Mir hat ein Heer, mir hat ein Freund gelogen,
Ein Freund sey dir bei deinem Liede hold,
Und alle meine Sterne dir gewogen:
So haben Fürsten Thränen mir gezollt;
Dann schmücke dich, statt meiner Königskrone,
Ein ewig grüner Lorbeerzweig zum Lohne!"
––––––––
Kleines Elysium.

Weimarisches Hoftheater. Mittwoch den 19. März.
Streit und Liebe. Gegenstück zu Scherz und Ernst, von Stoll, in 2 Aufzügen. Herr Stoll aus Wien, der sich mehrere Jahre hindurch bei uns aufhielt, und der nun in wenigen Wochen uns – und den Damen untreu wird, hat uns, in diesem kleinen Stück, ein zweites, recht angenehmes Gastgeschenk zurückgelassen. Wie Scherz und Ernst, besteht auch hier das Ganze nur aus zwei Personen. Wir wollen den Plan nicht verrathen. Der Ausführung fehlt es weder an Geist noch Grazie. Einiges dünkt uns indeß zu ausgesponnen. Die Verse sind fließend; das Kolorit lebediger, wie in Scherz und Ernst; die Zeichnung pikanter und bei weitem nicht so verblaßt; kurz, man bemerkt mit Vergnügen einen Fortschritt. Das Einzige, was wir empfehlen möchten, ist, genaueres Maß der Situationen. Hier zur Probe einige Verse aus dem Monolog, den das hiesige Publikum besonders mit dem ausgezeichnetsten Beifall aufgenommen hat:

„Wie Adam wandl’ ich hier hier allein im Paradies,
Eh ihm sein Herr und Gott die Gartenthüre wies,
Wo bis zum Mund herab die goldnen Früchte hangen;
Drum sey auf deiner Huth vor Weibern – und vor Schlangen.
Einst war der Apfel süß und Eva war so treu:
Da waren auf der Welt zum Glück nicht mehr als zwei:
Wir Männer müssen jetzt, in Oestreich oder Preußen,
Wo uns ein Apfel lockt, in – einen sauern beißen."

Für das Kostüm möchten wir wohl, wenn dieß noch möglich ist, bei einer zweiten Vorstellung, eine kleine Abänderung erbitten. Stellen, wie die folgende, die der Dichter, über das verkleidete weibliche Offizierchen, das wie im Kriege blessiert, eine Binde um das eine Auge trägt, dem erstaunten Liebhaber in den Mund legt, scheinen wenigstens eine die reizenden weiblichen Formen mehr enthüllende als verhüllende Uniform, nöthig zu machen.

Doch jetzt gewahr ich's erst – ein wunderschöner Junge:
Nehmt ihm ein Auge noch, dem reizenden Adon:
So ist es Amor selbst, Cytherens holder Sohn.“