1806.  No. 63.

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.

Mittwoch, den 20. August.

Zeitgeschichte.
–––
Ueber das Point d'honneur in der französischen Armee, und durch welche Mittel es hervorgebracht wird: oder wie und auf welchem Wege möchte Deutschland noch in dem jetzigen Augenblicke zu retten seyn? Von einem Rheinländer und vieljährigen Augenzeugen der französischen Lagerdisciplin.

Dem Verfasser sagen wir, für die Einsendung dieses trefflichen, sachreichen und tiefgefühlten Aufsatzes, unsern innigsten und wärmsten Dank. Des Zusammenhangs wegen, lassen wir ihn so gleich in zwei Stücken ununterbrochen fortlaufen. Apollo's Bogen und Leyer sollen nie in dieser Zeitschrift von einander getrennt werden.
D. Red.

Wenn man jemals Gelegenheit gehabt, die Regsamkeit, den Muth und die Todesverachtung, und zugleich die Folgsamkeit, die Geduld, die Ausdauer, den ganzen Grad geistiger und körperlicher Ausbildung der meisten Soldaten in den französischen Garnisonen, genauer zu beobachten: so findet man alles was sie, unter ihren größtentheils jugendlich-thätigen Anführern, im Felde zu leisten fähig sind, sehr begreiflich. Im Auslande ist man allgemein geneigt, jene sehr wesentlichen militärischen Vorzüge einer den Franzosen ganz eigenthümlichen, besonders günstigen Organisazion zuzuschreiben, und ich muß bekennen, daß auch ich ehemals den Wahn hegte, als stünden hierin die übrigen Nazionen weit hinter ihnen zurück. Ich stellte mir nämlich vor, alle Franzosen brächten schon zu ihren Regimentern, eine Lebhaftigkeit, eine Gewandtheit, überhaupt eine gewisse geistigere Reizbarkeit und Thätigkeit mit, wie der Deutsche sie nicht habe; allein ich überzeugte mich bald vom Gegentheil: hauptsächlich seitdem ich, in meinen Geschäften auf dem linken Rheinufer, so oft die vielen Konskribirten aus dem Innern Frankreichs, mit den Konskribirten der vier neuen Rheindepartementer vergleichen konnte.
Die Deutschen, ungeachtet sie größtentheils Einsteher (remplaçants) und folglich nicht bemittelt waren, hatten alle, in ihrer warmen, vollständigen und doch netten Kleidung, ein frisches, munteres Ansehn, sie sangen und scherzten, sie waren, im eigentlichsten Sinn des Wortes, kriegslustig. Die Franzosen hingegen, die ich gesehen, waren meistens ärmlich und elend gekleidet; ihre großen, runden Schlapphüte vermehrten den Ausdruck anscheinendenr Blödsinnigkeit, und da sie bisher nur Holzschuhe getragen, und überhaupt sehr vernachläßiget waren, so schritten sie weitbeinigt und so unbeholfen einher, daß sie, beim Marschiren, sich einander fast auf die Fersen traten. Aber kaum sind sie wenige Monate beim Regimente, so erkennt man sie nicht mehr. Sie sind nun lebhaft und gewandt, artig und schäkernd bei den Frauenzimmern, und wie es sich so oft erwiesen hat, tapfer im Feld und vollkommen brauchbare Soldaten gegen den Feind. {254}

Sie erlangen überhaupt solche Fertigkeiten, eine solche wahrhaft militärische Bildung, und, was von dem größten Belang und Einfluß ist, ein so lebendiges Ehrgefühl, daß sich nun alles mit ihnen unternehmen und überwinden läßt. In der Folge, wenn der junge Mann seine Schule mit einigem Nutzen besucht hat, schnitzet man einen Unteroffizier aus ihm, einen Offizier, General, was man will: ihre meisten Anführer haben keinen andern Weg gemacht. Keinem sieht man aber späterhin seine Herkunft an. Denn jeder weiß sich nun überall, auch in guten Gesellschaften, anständig zu benehmen, und sich richtig, ja mit einer gewissen Zierlichkeit auszudrücken. Auch diese letzrere Art von Ausbildung ist in jedem Regimente, wie in der ganzen Nazion, nothwendig und allgemein.
Jene auffallende Verwandlung ist aber, wie ich schon bemerket, keinesweges die Folge einer den Franzosen ganz ausschließlich eignen Organisazion. Ueberhaupt bemerket man vielleicht, unter den Individuen dieser Nazion, eine eben so große Verschiedenheit der ursprünglichen Geistes- und Gemüthsanlagen, wie unter den übrigen Völkern; aber in keinem andern bekommen diese eine so allgemeine entschiedene Richtung, durch Sitten und öffentliche Meinung.
Ich will mich deutlicher erklären.
Der Franzose fühlet, gleich bei seinem Eintritt in das Regiment, eine wahre Verbesserung seines Zustandes, und zwar in dem Alter der höchsten Empfänglichkeit: denn er zählt erst zwanzig Jahre.
Es ist bekannt, daß, im Ganzen genommen, der französische Bauer weit schlechter lebt, wohnt und gebildet ist, als der deutsche. Denn ungeachtet seine Lage, durch die Revoluzion, allerdings sehr gewonnen hat, so ist deßwegen doch das Bedürfniß zur Erweiterung seiner Lebensgenüsse, bis jetzt wenigstens, in keinem hohen Grad in ihm erwacht. Aus solchen beschränkten Verhältnissen gelangt der Konskribirte zu seinem Regimente, noch sehr verwahrlos't am Geist wie am Körper. Er kann, in der Regel, weder lesen noch schreiben; er hat äußerst wenige Begriffe, er scheinet gleichgültig gegen alles, nur nicht gegen sein Dorf, seine Heimat, seine Eltern und seine Geschwister, die er, umher zerstreut, vieleicht desto herzlicher liebt. Er äußert dieß auch noch späterhin, mit einer liebenswürdigen Unbefangenheit, deren sich mancher deutsche Soldat, um einen Grad avanciert, wohl gar als seiner unanständig schämen würde.
Solchen Menschen empfange nun der rauhgebietende Ton und Stock der Offiziere, der unbarmherzige Prügel der Korporale, das Donnerwort einer steif pedantischen Wachtparade, so sinket fast unausbleiblich seine noch so unentwickelte Natur bald bis zur thierischen Wildheit herab, oder er erhebet sich höchstens bis zur Verschlagenheit, zur List oder zum Pfiff eines gepeinigten Sklaven. – Kein Wunder auch, daß ein Solcher alle Mittel hervorsucht, um seinen Zustand erträglich zu machen. Kommt er hingegen zu einem französischen Regimente, so gewinnt er in vieler Absicht. Man begnüget sich hier nicht damit, dem Rekruten, zum Zeichen seines neuen, ihm Ehre bringenden Standes, die kurzen, struppichten Haare in einen sehr charakteristisch gerade hinaus stehenden Zopf zu zwängen; man gibt ihm vielmehr außer seiner guten, vielleicht zu wenig knapp anliegenden Uniform, noch ein besonderes Kamisol, eine tuchene Mütze, wie der nächtliche Dienst sie verlangt, und auf den Winter, einen Schansloper, gleichfalls von Tuch, übrigens ziemlich unbekümmert um dessen Farbe. So ist unser Rekrut besser gekleidet als zu Hause. Und damit er auch besser wohne, so sind im Inneren des Reiches, die Kasernen schöne, große lichtvolle Gebäude, worin er, mit den übrigen Soldaten, sich nicht eng zusammengeschachtelt sieht, wie ehemals in seiner Bauerhütte. So ist auch seine Nahrung weit vorzüglicher.
Zwölf bis funfzehn Mann machen eine sogenannte Chambrée, in deren Kasse sie ihren Sold, bis auf weniges, zusammenlegen, um die Küche zu bestreiten; das Buch, worin die deßfalsigen Ausgaben verzeichnet sind, hängt in der Stube, zur Einsicht eines jeden Betheiligten. So erhält der Soldat Mittags seine gute Fleischbrühsuppe, mit dem darin befindlichen Gemüse, und seiner hinreichenden Porzion Fleisch. Abends hat er eine dicke Suppe von Hülsenfrüchten, und Butter oder Käse, und hierzu sein gut gebackenes, kräftiges, halb aus Weizen, halb aus Roggen bestehendes Kommisbrot. Der deutsche Soldat hingegen, der in seinem väterlichen Hause wohl gespeist, wohl gekleidet, wohl logiert war, erhält einen Rock der nicht wärmt, eine Weste, wo kein Stück vorn und kein Stück hinten reicht, sieht sich dabei auf schwarzes, schweres soidisant Brot beschränkt, und deckt das Defizit an Fleisch, das dadurch in seinem Magen entsteht, mit der militärischen Universaltinktur, d. h. mit einem Schluck Fusel, der, als sthenisches Mittel, bis auf die Prügel und Spießruthen, alles wieder gut machen soll.
Doch jener vortheilhafte Eindruck, den der französische Rekrute von dieser Seite erhält, ist bei weitem noch nicht das Bedeutendste,
Ihn erwartet und ergreift der alte, seit Jahrhunderten bestehende Geist des Regiments, oder vielmehr des ganzen im Lager versammelten französischen Heeres, ein Geist, der, hinauf reichend bis in die Zeiten des Ritterwesens und der Kreuzzüge, während und nach der Revoluzion, gleich tief und fest gewurzelt blieb: es ist der Geist militärischer Ehre, der gegenseitigen Achtung und Scho- {255}

nung, der von dem Obersten bis zum Untersten, Jedem im Korps seine Rechte sichert. Nach solchen echten Ritterstatuten wird der ärmste und roheste Rekrute von allen seinen Kameraden, wie von seinen Vorgesetzten, zuvorkommend, liebreich und freundlich aufgenommen und behandelt. Man sucht überall sein Ehrgefühl zu wecken und zu beschäftigen. Die älteren Soldaten sind hierin seine natürlichen Vorgänger und Lehrer; ihr wirksamstes Bildungsmittel ist leichter Spott. Der Hauptmann vorzüglich sorget dafür, daß der junge Bursche gleich an Geist und Körper gewandt werde.
Und da bei jeder Kompagnie sich Tanz- und hauptsächlich Fechtmeister befinden, so lernet der Rekrute sich seines Körpers und seiner Waffe bedienen; das Fechten insbesondere setzt er in der Folge fort: so wird er immer geschmeidiger, gelenker, stärker.
Denn wenn man sich auch noch neulich, in einem um altpolitische Ansichten nie verlegnen deutschen Journal eben über diese Fechtübungen lustig machen wollte, so behalten sie darum doch ihren großen und fühlbaren Werth. Ohne die Deutschen mit den Persern, und die Franzosen mit den feinsinnigen, leicht beweglichen Griechen vergleichen zu wollen, kann ich mir doch leicht denken, daß wohl auch zuweilen die phlegmatischen Perser, pingui Minerva, in der dumpfen Mühseligkeit ihres sklavischen Zustandes, eigentlich gymnastischen, folglich weit vorzüglichern Uebungen der Griechen, als sehr kindisch und überflüßig, belächelt haben. –
Befindet sich eine französische Bühne in der Garnison, so versäumet der Hauptmann nicht, den Rekruten dazu anzuhalten, daß er auch diese möglichst oft besuche; und es kann desto öfter geschehen, da man überall die Vorkehrung getroffen, daß es ihn nur wenig koste.
Maßt sich ein älterer Soldat, von seinem natürlichen Uebergewicht über den noch unerfahrnen und unentwickelten Jüngling, einen plumpen und beleidigenden Gebrauch an: so überhebt man diesen der Selbstvertheidigung; einem geübteren Kameraden in der Kompagnie liegt diese förmlich ob. Dieser ist verbunden, seine Rechte und Ehre in Schutz zu nehmen gegen männiglich, und sich also auch für ihn mit dem Beleidiger zu schlagen. Ist dieß nicht völlig wieder so chevaleriemäßig jugendlich, wie mit der Einrichtung der Landsmannschaften, auf den meisten deutschen Universitäten?
Gottlob sind aber auch nun diese, mit den Duellen – und der Ehre zugleich, fast überall abgeschafft – Dagegen sind die Karzerstrafen möglichst verschärft; denn nur der Staat, wie die Tagsgeschichte klärlich beweist, hat Ehre: der Einzelne kann in Gottesnamen ehrlos setzn. – Doch zurück in die französischen Läger, damit wir dort weiter mit dem jungen Kriegsmann unsere Schule machen. Denn daß wir hier lernen können, wenn wir nur wollen: daran ist kein Zweifel: also immer ein wenig aufgemerkt, meine Herrn!
Kann – vielleicht schon nach einem halben Jahre – der junge Mann seine Waffe selber führen: so ist er emanzipirt, und er macht nun seine Ehrenhändel mit der Klinge selber aus. Wie bedenklich auch die Folge dieses unter dem französischen Militär sonach auf alle Weise beförderten und befestigten Uebels sey, indem jährlich sehr viele Menschen im Duell verstümmelt oder gar getödtet werden, so kann man doch, auf der andern Seite, ihm nicht gram seyn; wenigstens nicht abläugnen, daß man bis jetzt bei den übrigen Heeren Europas noch kein weiseres Mittel angewandt habe, das persönliche Ehrgefühl in gleicher Stärke aufrecht zu erhalten. Ich erinnere mich, bei dieser Gelegenheit, daß mir eines Tages ein französischer Offizier klagte: einer seiner schönsten Grenadiere habe so eben im Zweikampfe die rechte Hand verloren. Auf meine Frage: ob denn, durch die vorhandenen Duellmandate, der Thäter in einem solchen Falle nicht bestraft werde? versicherte mich der Offizier: er wisse kein Beispiel, und es sey überhaupt wohl unerhört, daß irgend ein im Zweikampfe Verwundeter, selbst in der Todesstunde, seinen Gegner den gerichtlichen Nachforschungen entdeckt habe; dieses streite durchaus gegen das persönliche Ehrgefühl und die herrschenden Begriffe von Bravheit.

Vom Exerziren. Dieß lernt der Rekrute – aber spielend. So oft ich auch, aus einem Interesse, das einem Deutschen vorzüglich eigen seyn muß, diesen Uebungen, von ihrem ersten Anfang an, beigewohnt, so habe ich doch, zu meiner beruhigendsten Freude, nie bemerket, daß es für ihn etwas anders gewesen wäre, als ein dem Jugendlichen Alter angemessenes Spiel; besonders da man sich dabei auf wenige Stunden der kühleren Tageszeiten beschränkte, um nicht die Lust, und mit ihr die Fassungskraft der jungen Leute zu ermüden und abzustumpfen. In den Zwischenzeiten treiben sie sich neckend und muthwillig herum, und kennen daher jene eselhafte Verdrossenheit nicht, die so natürlich in Trägheit und Widerspenstigkeit ausartet, und so den Stachel des Treibers niemals entbehren kann. Es verstehet sich von selbst, daß beim Exerziren weder Stock noch Fuchtel jemals sichtbar oder gar fühlbar werden: denn dieses, bei allen andern Truppen für unumgänglich nothwendig gehaltene militärische Erziehungsmittel, kann sich, in dieser seiner Bestimmung, der Franzose nicht einmal denken, und die Unteroffiziere führen es nie bei sich: sie überlassen, bedauernd, la claque dem geduldigen, umständlichen Deutschen. Diable! setzen sie {256}

hinzu: ne nous traitera pas comme les animaux!
Keine rauhe Zurechtweisung, kein Fluch, noch weniger ein Schimpfwort wird dem Rekruten beim Exerzieren zugerufen; man äußert im Gegentheil, eine achtende, gutmüthige Geduld gegen ihn, die ich oft bewundern mußte; auch wann ganze Kompagnien und Bataillone in den Waffen geübt wurden. Indem man dabei alles Unnöthige, Kleinliche und Pedantische des Pritschmeisters vermeidet, und sich nur an das Zweckmäßige, Nothwendige so daß die jungen Leute überall sehen, daß man es gut mit ihnen meine, erwecket dieß ihren muntern Eifer in solchem Maß, daß sie das Exerzieren nicht einmal auf ihren bestimmten Unterricht beschränken. Weit mehr lernen sie noch in ihren Kasernen von ihren älteren Kameraden, die sich in der Zwanglosigkeit ihrer Muße, eben so wie die jungen Bursche, ein Vergnügen daraus machen, ihre freien Stunden mit Unterricht auszufüllen. Man darf sich also nicht wundern, unter den französischen Rekruten, im Wesentlichen, einen so schnellen Fortschritt anzutreffen. Dieß geht so weit, daß man sie in kurzer Zeit schon jeder feindlichen Armee, sogar in der französischen, leichten Infanterie entgegen stellen kann; diesem wichtigsten Theil der Armee, wozu jeder Einzelne eine vorzügliche Gewandtheit des Geistes und des Körpers mitbringen muß, indem er, selten neben ganzen Massen kämpfend, mehr seiner eignen Einsicht und Thätigkeit überlassen ist. Allerdings gibt es unter den Rekruten auch Nachläßige und Hartlernige; aber diese werden von ihren Kameraden so lange spottend geneckt, bis es hilft; gewöhnlich müssen sie noch in außerordentlichen Stunden das Versäumte nachholen; die Widerspenstigen kommen in Arrest: dieß ist aber ein äußerst seltener Fall. Oft konnte ich mich doch nicht ganz des Lachens erwehren, wenn ich dem Unterrichte der jungen Kavalleristen auf ihren hierzu eigens bestimmten alten Pferden, zusah. Da hier das Manöver weit komplizirter ist, als bei der Infanterie, so ward es auch den Exerziermeistern weit saurer; ihre Ungeduld stieg zuweilen bis zur Wuth; aber sie ließen diese doch nur an der leidenden Kreatur, durch einige Püffe an den Pferden aus; Stoßen und Schlagen der Rekruten selbst durfte von ihnen auf keine Weise gewagt werden. Ein hartes Wort sogar wird in diesem Fall für Beleidigung gehalten.
(Der Beschluß folgt im Tartarus.)

Miscellen.

Echtes Point d'Honneur bei der französischen Armee. Als unter Ludwig XV. der Graf St. Germain auf den unsinnigen Gedanken gekommen war, auch bei den französischen Regimentern die Stockschläge einzuführen, und somit das edle und mächtige Motiv des individuellen Ehrgefühls barbarisch zu zernichten, traten mehrere dergestalt Gemishandelte vor die Fronte, und entleibten sich selbst, um ihre Schande nicht zu überleben. So sah man sich, glücklicher Weise, genöthigt, das empörende Bestrafungsmittel wieder aufzugeben, und das persönliche Ehrgefühl stand wieder in seinem vollen Glanz. Wie, und in welchem Grade es benützt werden könne, davon hatte unter andern der Marschall Richelieu, im siebenjährigen Kriege, einen sehr auffallenden Beweis gegeben. Die Franzosen waren auf Minorka gelandet, und überließen sich dort allzu sehr den Ausschweifungen des Trunks. Der Marschall ließ darauf den Truppen bekannt machen, man werde Port-Mahon bestürmen; aber kein Soldat, der von nun an sich noch berauschen werde, könne an der Ehre dieser gefährlichen und glorreichen Unternehmung Theil nehmen. Von diesem Augenblick an, enthielten Alle sich des gewohnten Fehlers.
––––––
Courtoisie des Franzosen, gegen das Frauenzimmer, wo er in Garnison liegt. Irgend einer Frauensperson hart, oder unanständig zu begegnen, hält der Franzose für die größte Infamie. So befand ich mich einmal, zur Zeit des Direktoriums, zufällig unter mehreren Soldaten, unfern unserer fliegenden Brücke. Ein General ging nach derselben hin, und sie erkundigten sich unter einander, wer das sey: „C'est un Général, un vrai lourdaut“ sagte Einer, der sehr unansehnlich, und so elend gekleidet war, daß ihm die Ellenbogen durch die Ermel sahen, und der Hut kaum mehr auf dem Kopfe sitzen blieb: „il y a quelques jours, que je l'ai vu au Spectacle, où il tourna le dos à une Dame, de la manière la plus malhonnête." und damit machte er die Stellung des Generals sehr bezeichnend nach, und alle übrigen äußerten laut und rücksichtsvoll ihre Bewunderung und ihren Tadel.
––––––
Abneigung des französischen Militairs vor persönlichem Arrest. Ein Soldat, der sich immer durch sein gutes Betragen ausgezeichnet, sah sich von einem Juden im Handel betrogen, und in seiner Aufwallung verwundete er ihn, halb unvorsetzlich. Er wurde von dem würdigen Platzkommandanten, einem Generale, zum Arreste verurtheilt; da er aber im Bataillone das Lob hatte, noch nie mit irgend einer Militairstrafe belegt worden zu seyn, so stieß er sich aus Verzweiflung, im Angesichte des Generals, ein Messer in die Brust. Glücklicherweise fiel man ihm noch schnell genug in die Hand: das Messer war noch nicht tief eingedrungen, und der Mensch wurde gerettet.
––––––
Druckfehler.
Im letzten Stücke Nr. 62, beliebe der Leser Rütli statt Riedli zu lesen.