1806.  No. 71.

Elysium und Tartarus.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.

Sonntag, den 21. September.

Der Geburtstag in Liefland
oder
die Dresdner Bildergallerie im Kleinen, aufgesetzt und beschrieben von dem alten Kastellan des Hrn. Grafen Lubomirsky.
Graf von Karlowitsch, ein sehr jovialer und begüterter liefländischer Edelmann, besaß ein Landgut, unfern der Ostsee, das, seiner Lage nach, zu den romantischsten und schönsten der ganzen Gegend gehörte. Ein Freund Herders, dessen frühere Bekanntschaft er einst, während seines Aufenthalts zu Riga, durch einen glücklichen Zufall gemacht hatte, zeichnete er sich, nach Art der meisten Liefländischen Edelleute, zwar nicht durch eine tief wissenschaftliche Bildung; aber doch durch einen meist richtigen, nur in einigen Punkten etwas zu materiellen Geschmack, und einen feinen, jetzt immer seltener werdenden Kunstsinn aus. Er besaß dabei eine schöne Bibliothek; eine reiche Sammlung von Handzeichnungen und Originalgemälden; trieb leidenschaftlich Musik, und was besonders den Aufenthalt bei ihm jedem Fremden sehr angenehm machten mußte: sein Haus glich beständig einem Museum, wohin Gelehrte und Künstler aller Art um so lieber ihre Zuflucht suchten, weil sie voraus wußten, daß sie daselbst auf das liebreichste aufgenommen wurden. Sein Sohn, ein hoffnungsvoller junger Mann, stand seit 87 in pohlnischen Diensten. Noch minderjährig heirathete derselbe eins der liebreizensten Geschöpfe, die junge reiche Starostin Xavier, einzige Erbin des Fürsten Lubomirsky. Die feurige, feingebildete Pohlin, die von allen Grazien des Lebens begleitet, mit ihrem siebzehnten Jahr in den Ehestand trat, ahndete damals noch nichts von dem Unglück, das ihr und ihrem Vaterlande im Kurzen bevor stand, und daß sie in ihrem achtzehnten Jahr bereits wieder Wittwe seyn sollte. – Die pohlnische Revoluzion, Kosciusko an ihrer Spitze, brach aus. Der junge Graf besaß das Zutrauen dieses Chefs, der ihm in der Schlacht von Dubienka einen der wichtigsten Posten anvertraute. Hier legte Stanislaus Karlowitsch Beweise der unzweideutigsten, persönlichen Tapferkeit ab; aber leider wurde er auch ein Opfer davon; denn eben in dem Augenblick, als er die letzte russiche Batterie, mit dem Degen in der Hand, eroberte, stürzte er plötzlich, von einer Kanonenkugel getroffen, todt zu Boden, Seine Gemalin, als sie diese Nachricht vernahm, war völlig trostios; noch trostloser dadurch, als die Begebenheiten bald darauf in Pohlen eine Wendung nahmen, die sie völlig überzeugen mußte, daß der junge Held für eine gute Sache, aber vergeblich sein Blut versprützt hatte. {286}

Unterdessen hatte der alte Schwiegervater sie mehrmals, recht dringend eingeladen, zu ihm nach Liefland auf sein Landgut zu kommen. Anfangs ging auch ihm der Verlust seines Sohnes sehr nah; in der Folge aber tröstete er sich, nach seiner sanguinischen Gemütheart, leichter; besonders in der Gesellschaft einer jungen, reizenden Leibeigenen, die die Gräfin von ihren pohlnischen Gütern mitbrachte, und ihrem Schwiegervater, nach wiederholtem Ansuchen, endlich, zum Geschenk überließ. Das Mädchen hieß Sapieha. Sie spielte die Zitter, und sang dazu sehr artige pohlnische und liefländische Nazionalliedchen. Drei Jahre hindurch verlebte die Familie so gute und böse Tage mit einander auf ihrem Landgut. Die junge Gräfin Xavier kam nur selten in die Stadt; sie litt noch immer sehr schmerzhaft. Nach und nach indeß behauptete die Zeit auch über sie ihr Recht, und sie fühlte sich nun wieder zu ihrer vorigen Lieblingsbeschäftigung aufgelegt. Es war dieses das Studium der Kunst, das sie einst, von ihrem 13. bis 15. Jahr, während ihres Aufenthaltes zu Dresden, mit dem alten Fürsten Lubomirsky, mit eben so warmen, als anhaltenden Eifer, trieb.
Einst feierte man auf Karlowitsch des alten, jovialen Schwiegervaters, fünf und funfzigsten Geburtstag, und schon lange vorher sann sich die junge Gräfin einen Plan zu dieser Feier aus, der, sobald er nur recht in Erfüllung ging, nicht schöner seyn konnte. Sie hatte nämlich die Periode der pohlnischen Unruhen, wo eine Menge von Kunstsachen, aus den Sammlungen der Großen, zu Warschau, Krakau u. s. w. von ihren alten Besitzern abhanden gekommen und meist um Spottgeld vertrödelt worden, dazu genutzt, diese Schätze, wo sie nur immer wußte und konnte, zu billigen Preisen an sich zu bringen. Außer unzähligen andern Artikeln, befand sich darunter auch eine Parthie, unvergleichlicher Kopien, aus der berühmten Dredner Bildergallerie, wohin sonst die Pohlen, besonders unter August des Prächtigen Regierung, so fleißig wallfahrteten. Einige darunter schienen, nach den zuverläßigsten Werkmahlen, in der Nähe von Mengs entstanden zu seyn; andere sind wenigstens von ihm retouchiert worden.
Die sehr originelle und zugleich pikante Idee, wovon die Gräfin bei dieser neuen Familiensammlung ausging, war keine andere, als dem Grafen, ohne sein Vorwissen, in einem entfernten Pavillon des Schlosses, eine Dresdner Bildergallerie im Kleinen anzulegen, und ihn damit, wie mit einem Geburtstagsangebinde, zu seinem fünf und funfzigsten Geburtstage, zu überraschen. Dieser Plan reussierte auch unvergleichlich. Die Sachen wurden eben so, wie zu Dresden, in zwei Sälen, einem innern und einem äußern, auf das Sorgfältigste arrangiert. Ich, der Kastellan des Herrn Grafen Lubomirsky, und der Bruder der Gräfin hatten dabei die Rolle der beiden Herren Inspektoren übernommen. Wir promenierten dem zu Folge, in seidnen Strümpfen, Harbeuteln und in allem übrigen Apparat, in den Galleriegängen auf und ab. Zurerst präsentirte sich eine Schaar fremder Künstler, worunter einige junge Liefländer von Adel ihre Rolle ganz ausnehmend gut spielten. Als Männer von Genie brachten sie auswärtige Rekommendationsschreiben, die sie den Herren Inspektoren, unter den devotesten Reverenzen abgaben, und wobei sie dann zugleich von der Kopie dieses oder jenen Galleriegemäldes etwas verlauten ließen. Ihr Gesuch wurde denn auch bewilligt; nur früher oder später, nach Maßgabe des Landes, von wannen sie kamen, und je nachdem dieses bei den Herren Inspektoren in einem guten oder bösen Geruch stand; doch konnte man ihnen die allgemeine Komplaisance, ohne ungerecht zu seyn, nicht absprechen. Bald darauf erschien auch eine Parthie Damen; ebenfalls junge meist junge schöne Fräulein aus unserer Gegend, und auch diese versicherten die Herren Inspektoren, mit dem außerordentlichsten Enthusiasme, daß sie, so zu sagen, vor Verlangen brennten, der Natur, mit Lineal, Kohlstaub, Pastell, hinter Flohrrahmen und ähnlichen Vorrichtungen, so recht con amore auf die Spur zu kommen und derselben alle ihre Charme abzulauschen.
Da die Malerei nun bekanntlich eine schöne Kunst ist: so wäre es doppelt unhöflich gewesen, diesen schönen Supplikantinnen ihre Bitte abzuschlagen, d. h. der allgemeinen Kunstliebe einen so empfindlichen Streich zu spielen. Jede derselben erhielt demnach sogleich, auf ihre Petition, Bild, und konnte in aller Grazien, oder was oft gleichgeltend seyn mochte, in ihrem eignen Namen, das Geschäfte des Blumenstickens, oder Kopierens, oder Illuminierens anfangen.
Zuletzt erschienen auch Fremde. Es strömten Berliner, Weimaraner, Göttinger Studenten und Prager Akademisten, kurz Zuschauer aus allen Weltgegenden, herbei, und nun gab es erfreuliche Geschäfte und brav Dukaten einzustreichen, und das schien für uns Herren Inspektoren, besonders für mich, den alten Kastellan, des Herren Grafen Lubomirsky, bei weitem das Beste bei der ganzen Sache zu seyn. Nachdem der Rumor so einige Viertelstunden fortgewährt, erfolgte auch der allgemeine Aufbruch. Das Finale gab der Galleriebediente, der mit einer Stentorstimme, zu verschiedenen Malen, durch die Galleriegänge „Alle heraus!" und „Wir gehn!" – rufen mußte: wodurch denn der Lärm in dieser Maskerade immer toller wurde und, so zu sagen, seine höchste Höhe erreichte, denn nun ging es erst bunt unter und durch einander: indem einige von den Künstlern von ihren Staffeleien aufsprangen, und den Galleriebedienten, damit er sie mit verschließen sollte, einen Gulden in die Hand drück- {287}

ten; Andere die Störung verwünschten und ihr Malergeräth verdrüßlich auf die Seite warfen, nebenbei auch wohl ihrem Zorn auf die Herren Inspektoren, durch ein Paar Dutzend Flüche Luft machten, daß sie durch ihr frühzeitiges Weggehen an allem Schuld wären, statt daß sie mit dem Licht gehen und kommen, und dem Künstler so, zur nöthigen Vollendung seiner Arbeit, Zeit lassen sollten. Kurz, wenn über die Kopien der übrigen Gemälde sich auch noch hier und da einige Scrupel erhoben: so mußte Jeder wenigstens einräumen, daß die Kopie der Dresdner Bildergallerie selbst ganz vortrefflich gerathen sey. Mir, dem alten Kastellan des Fürsten Lubomirsky, und meinem Herren Kollegen, wurden von den anwesenden Damen, die Dresden aus einem früheren Aufenthalt kannten, über die Perfekzion, womit wir unsere Rollen spielten, gar viele Komplimente gemacht.
Zufördert machten wir damit den Anfang, daß wir die hohen Herrschaften in den drei Gängen der Gallerie herum führten. Und sonderbar genug, daß mir, als einem völlig Unterrichteten bei der Sache, es doch begegnen konnte: wenn ich so in der einen Ecke der Gallerie stand, und meinen Herren Kollegen, an der andern Ecke, etwa wie folgt, perorieren hörte: „Bemerken Sie, meine Herren und Damen, im Vorbeigehn die Vortrefflichkeit dieses Titianischen Kolorits, den reichen Pinsel in diesen Paul Veronese, diese unvergleichliche Arbeit des Van Dyk" u. s. w. ich ebenfalls immer glaubte in Dresden und in der angenehmen Gesellschaft der dortigen Herren Inspektoren zu seyn.
Ich wußte verschiedene Histörchen auswendig, z. B. von dem Mann auf Pauls Kirchhof zu London, mit dem es in puncto puncti nicht so recht richtig war, und der deßhalb noch in seinem hohen Alter Kirchbuße thun mußte: diese kamen mir nun besonders zu gut, und jedesmal, daß ich sie anbrachte, hatte ich die Satisfakzion, die hohen Herrschaften recht laut und herzlich lachen zu hören.
Von Coreggios Magdalene erzählte ich auch, was ich wußte, nämlich, daß dieß Bild einst zu Dresden, wegen der schönen Perlen im Rahmen, gestohlen worden sey. Das gab denn Gelegenheit zu hundert naiven Fragen und Antworten, besonders von Seiten der Damen, die gern wissen wollten, wie man das Bild wieder bekommen, wo die Perlen davon geblieben wären? u. s. w. und dadurch kam die Konversazion, auf einen sehr angenehmen Fuß, so wie sie gewissermaßen noch heut zu Tage, in allen deutschen Visitenzimmern, fortdauert. Zur Abwechselung rezitierte ich ein Paar altdeutsche Verse, als Unterschriften, zu Gemälden des Lucas Cranach, z. B.

„Da man 1519 zalt,
Was ich (Lucas Cranach) 55 Jahr alt.“

ober:

Da man MDXXXIII zalt:
Was ich Joachen Reyle XXXIIII. Jahr alt. "

Auch entging es mir nicht, in einer Anbetung der heiligen drei Könige des Albrecht Dürer, daß die heiligen drei Könige Sporen an ihren Füßen trugen, vermuthlich, wie sich Jemand witzig genug ausdrückte, um mit dem Morgenstern gleichen Schritt zu halten. Die Art, wie ein alter König, Balthasar, Melchior, oder wie er sonst heißen mochte, dem Christkindlein gar Lieb und freundlich seine Finger zum Spielen gab: indeß. eine andere Figur, wo ich nicht irre, ein Kalenderheiliger, gar angelegentlich in seinem Kalender nachblätterte, um zu sehen, auf welchen Tag Weihnachten falle und das Christkind eigentlich geboren sey? erhielt nicht weniger meinen Beifall. So bewunderte ich auch die sterbende Maria, von eben dem Meister, die stille und schöne Fassung in allen ihren Zügen, und die ausgelöschte Kerze, und den heiligen Johannes, der sich ihr voll göttlicher Ruhe und Ergebung näherte. Dafür tadelte ich, aber in einer Kreuzführung, die Gemeinheit der Physignomien, besonders des Heilands, dem Simon von Cyrene sein Kreuz tragen half, desto lauter, und hatte es kein Hehl, daß der ehrliche Albrecht Dürer, statt der Göttlichkeit einer idealischen Gesichtsbildung, für diesmal sein Modell eher von einem Fuhrmann, dem sein Karrn im Koth stecken geblieben, scheine entlehnt zu haben. Daß das Vernehmen zwischen Preußen und der Stadt Nürnberg, schon damals nicht groß mag gewesen seyn, sehe man daraus, weil Albrecht Dürer, auf dieser Kreuzigung, einen preußischen Adler angebracht. Als eine originelle Erscheinung in der Kunst, merken Sie, meine Herren und Damen – hier erhub ich meine Stimme etwas lauter – auf diesen Hasen des Albrecht Dürers in Wasserfarben. Welch ein frommes Detail der Ausführung! Welch eine Richtigkeit in der Zeichnung. Dieser Zug und Schwung der Haare, kann er je übertroffen werden? Wahrlich, unser alter, braver Nürnberger Meister befand sich auf dem richtigsten, dem besten Weg und wer so anfängt, er durfte, nur fortfahren, um zuletzt mit einer Madonna della Sedia aufzuhören.
(Die Fortsetzung und der Beschluß folgt.)

Ueber den neuen Französischen Adel, und wodurch er von dem deutschen abweicht.
Nach einem, unter dem 14. Aug. von dem Senat zu Paris erlassenen Dekret, behält es sich der Kaiser vor, zur Aufmunterung von Verdiensten, oder als Belohnung rühmlicher Auszeichnungen, in Zukunft aus jedem großen Gutsbesitzer Frankreichs, einen Herzog, Großherzog, Fürsten u. s. w. zu machen. Dieser Titel erbt sodann, {288}

mit dem Recht der Erstgeburt und des Güterbesitzes, für das älteste männliche Mitglied der Familie, auf ewige Zeiten fort. Der Staat bekümmert sich nicht weiter um diese Erbfolge, legt ihr auch in so weit keine belästigenden Rechte oder Abgaben auf. In allen übrigen aber sind diese Fürsten, Herzöge u. s. w. den andern Staatsbürgern Frankreichs gleich; besonders genießen sie, als Eigenthümer, schlechterdings keine Privilegien, Freigüter etc.
Diese lobenswerthe Einrichtung Napoleons, scheint, der Form nach, der des Englischen Adels am nächsten zu kommen, wo auch oft der älteste Sohn, als Herzog im Parlament sitzt, oder wie Nelson, als Admiral einer Flotte befiehlt; während der zweite Bruder sich, als Kaufmann, oder Geistlicher, im Volke verliert. Durch dieses Recht der Erstgeburt behauptet die Familie, in ihrem Oberhaupt, einen gewissen Glanz, ohne daß sie doch jemals dem Volke, dem sie in den mehresten Zweigen angehört, ganz entfremdet wird. Herr Rehberg hat die Vorzüge des englischen Adels von dieser Seite gehörig auseinander gesetzt. (Siehe auch Elys. u. Tart. Nr. 21. u. 22.) Es ist ein schönes Ding darum, wenn eine dem Staate so nützliche Form, wie der Adel, frisch bleibt, d. h. nicht jedem neueren Verdienste todt abgeschlossen, oder erstarrt entgegen tritt.

Miscellen.

Gespräch im Reich der Todten, zwischen Keith, Schwerin, Winterfeld, Ziethen und Friedrich dem Großen.
Neulich begegneten Keith, Schwerin, Winterfeld, Ziethen und Friedrich der Große einander auf einer Allee im Elysium.
Friedrich, was würdest Du wohl thun? hub der alte Ziethen an, wenn Du jetzt wieder auf die Oberwelt zurückkehren solltest?“
„Vor allen Dingen, mein lieber Ziethen,“ gab ihm der König zur Antwort, „würde ich Frankreich mit seinen eignen Waffen zu bekriegen suchen.“
„Die Dinge haben sich freilich in den 10 bis 15 Jahren, daß die Franzosen oben waren, verzweifelt geändert“ – nahm der alte und bedächtige Schwerin das Wort. So sind z. B. aus Frankreichs Königen – Kaiser, aus seinen Gemeinen – Offiziere, aus seinen Offizieren – Generäle, und aus seinen Generälen – Herzöge, Fürsten und Marschälle geworden.“

Friedrich.
Folglich muß man mit dem Zeitalter Schritt halten! –

Ziethen.
– Marsch! Vorwärts!

Winterfeld.
Sollte das nur in Deutschland praktikabel seyn?

Friedrich.
Pah! pah! Alles ist dort praktikabel, wenn man es nur recht anfängt.

Schwerin.
Für meine Pommern sag' ich gut.

Friedrich.
Zuvörderst also, und da wir auf dem Punkt sind, mit den stehenden Armeen gegen eine ganze Nation nichts Entscheidendes mehr ausrichten zu können, so müßten wir den Versuch machen, zur Anfeurung des Patriotismus bei dem Landmann und Bürger durch Aufhebung gehässiger Privilegien, Exemtionen des Adels u. s. w. die ganze Nation in unser Interesse zu ziehen.

Winterfeld.
Aber die Folgen, die Folgen!

Friedrich.
Daran sind wir. Also die erste Folge: Ich würde die Franzosen mit einer kräftigen, aus dem Kern deutscher Bürgerschaft und Landleute kernhaft zusammengesetzten, und nun, da es ihr Interesse gilt, auch patriotisch entflammten Armee angreifen, sie in einer tüchtigen Bataille zu schlagen und von dem deutschen Boden, worauf sie nichts zu schaffen haben, zu vertreiben suchen.

Ziethen.
Wo? wie? wann? Fritz? Befiehl! Soll ich meine Husaren reiten lassen?

Friedrich.
Zweite Folge. Man würde mich, und zwar mit einigem Recht, sodann den Befreier von ganz Deutschland nennen.

Winterfeld.
Die dritte Folge seh ich schon von weitem.

Friedr.
Auch würde ich sie selbst herbeiführen. Ich würde mich nämlich – und das ohne Umstände – noch auf dem Champ de Bataille – zum Kaiser von Deutschland erklären und mir selbst die Krone auf mein Haupt setzen.

Ziethen.
Bravo, bravissimo, Ihro Kaiserliche Majestät! Und wenn's so kömmt – oder Gott vergib mir die Sünde! – man müßte ein Schuft seyn, sonst kann in der Welt Niemand etwas dawider haben!

Friedr.
Die letzte Folge brächte es denn so mit sich, daß ich auch an Belohnungen für meine brave Armee denken müßte. Nun käme es also darauf an, zu versuchen, ob meine Gemeinen, vom Feldwebel abwärts, es sich auch etwa wollten gefallen lassen, so wie in Frankreich, aus Gemeinen – Offiziere, aus Offizieren – Generäle, und aus Generälen – Fürsten, Herzöge und Großherzöge, oder sonst etwas Gut's zu werden? Ich würde deßhalb bei meinem lieben Keith, bei meinem braven Schwerin, bei meinem tapfern Winterfeld zuerst anfragen. Auf den Fall der Genehmigung habe ich dann die Ehre, auch ihm, mein lieber Ziethen, als Großherzog, hiermit förmlich mein Compliment abzustatten.“ Hier lachte der König ein wenig, und rückte dazu, wie er pflegte, an seinem Hut.
„Danke, danke, Ihro Kaiserliche Majestät,“ rief Ziethen, dem die Freude aus den Augen funkelte, und strich dabei einmal über das andere seinen Knebelbart.
Major v. Kleist, der nicht weit davon stand, lachte ebenfalls. Der König aber, der es gewahr wurde, fuhr hastig fort: „Auch Ihn, mein lieber Kleist, den ich in meinem Leben so oft vergessen habe, werde ich diesmal wahrhaftig nicht vergessen. Er soll mir allerwenigstens General, und das mit 7 bis 8000 Thalern Tafelgeldern werden, – damit er alle arme Teufel von deutschen Poeten, denen auch bei meinen Lebzeiten so wenig von meiner Gunst zufloß, täglich an seinem Tische gratis traktiren kann.“ Kleist verneigte sich mit einem tiefen und bescheidenen Bückling, und sagte: „Ewr. Majestät sehen selbst im Scherz weiter, als Andere im Ernst. Allerdings ist der Weg, den Sie gezeichnet, der Weg des echten Genies, und der sicherste, wo nicht der einzige, dem Deutschland, in seiner jetzigen Krisis, seine Rettung verdanken kann; aber wer wird ihn einschlagen?“