1806 No. 3.

Elysium.

Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte.

Mittwoch, den 8. Januar.

Zeitgeschichte.
–––––––
Fragen.
Zu einer Zeit, wo London und Paris, Konstantinopel und Petersburg, unter Uns, ihre eigenen Journale haben; wo Deutschland, von einem Ende bis zum andern, von Russen, Schweden, Franzosen, Engländern durchzogen wird; frägt es sich: ob es einigen Deutschen in dieser Zeitung vergönnt seyn wird, bloß deutsch, nur deutsch, nichts als deutsch zu seyn? –
Steigt die Kultur Europa's? oder ist sie bereits in ihrem Verfall? Sieht man die tapfern uralischen, nomadischen, kaukasischen Völkerstämme, mit dem Provenzalen, dem Languedokker, dem Burgunder und Gaskogner, wie vor dem Weltgericht, in den unermeßlichen Ebenen von Mähren bloß deßhalb zusammentreffen, damit diese Jene, oder Jene sich diese zu einem Muster und Vorbild nehmen? – –
Kann England je besiegt werden? Sehr schön sagt ein junger, geistvoller Schriftsteller von den Matrosen Nelsons, „wenn sie die Hüte schwenken, und die Stimmen, daß die Wolken verziehen von ihrem Grundbaß: Ich denke mir dabei die Worte des Kaisers im Götz von Berlichingen: Heiliger Gott! Heiliger Gott! Was ist das? Der Eine hat nur eine Hand, so hat der Andere ein Bein. Wenn sie denn erst zwei Händ' hätten, und zwei Bein: wie wolltet Ihr denn thun?"
Warum fehlt Uns Deutschen ein solcher Gemeingeist? Nelson war der Sohn eines Landpredigers, und erhob sich durch persönliches Verdienst bis zur ersten Admiralitätsstelle. Sein Titel als Lord erbt fort und geht auf seinen Bruder über, der bis jetzt auch nichts weiter, als ein bloßer Doktor der Theologie war? Ist vielleicht zwischen diesen Dingen ein Zusammenhang?

Etwas über die vielen Neujahrsgeschenke für Kinder auf das Jahr 1806.
Die Kinderfreunde vermehren sich jetzt in Deutschland so häufig, wie die Sperlinge, und fast von allen Dächern, worunter ein Buchladen ist, wird dieß Evangelium gepredigt. Kinderzeitungen, Kinderbibliotheken, das Alles ist an der Tagesordnung. Dabei haben die Kinder in Deutschland meist die unschätzbare Eigenschaft, daß sie sich mehr um die Kunst bekümmern, als die Alten; wenigstens scheint dieser Schluß aus der Menge von Bildersammlungen, die man für sie veranstaltet, richtig hervorzugehn. So hat Uns eben Herr J. P. {10}

Wilmsen mit einer neuen Gallerie merkwürdiger und seltener Thiere, zur Bildung junger Menschenkinder von 8 bis 9 Jahren, beschenkt, Herr Kunsthändler Dreissig hat sein altes sogenanntes Schacke – Schacke – Reiterpferd, oder sein A. B. C. Buch mit Bildern auch wieder vorgeführt. Den sichersten Weg aber zum menschlichen Herzen hat sich Herr F. A. Leo zu Leipzig mit folgendem Titel zu bahnen gewußt: Die Erwartung; oder bitte, bitte lieber Vater, gute Mutter, bestes Tantchen, lieber Onkel, schenk Uns dieses Bilderbuch! – Doch genug! Denn wollten wir fortfahren, bloß die Titel solcher Neujahrsgeschenke für Kinder abzuschreiben: so könnten wir mit einem solchen Titularbuch leicht einige Bogen anfüllen.
Daß sich die Welt doch jetzt überall so gleich sieht! Wo man hinkömmt, dasselbe Schauspiel – nämlich das einer kleinen allerliebsten Kinderkomödie! Mir wird oft dabei die Zeit so lang, daß ich, wie neulich die Zuschauer in Drurylane mein Damm the Child (zum Teufel mit dem Balg!) zwischen den Zähnen murmeln, oder gar laut ausrufen möchte. – Was gibt es heut Abend? Einen Ball für Kinder. Charmant! Und im Theater? Da treten gleichfalls Kinder auf. – Auch charmant! Und wenn man nach Hause kömmt, ergötzt man sich an dem Nachgenuß der Kinder, und spricht von den Kindern, mit den Kindern, und wie die Kinder. – Wieder charmant! Was man bei Nacht macht, weiß ich nicht; es werden vermuthlich auch wohl – – – Am Ende befürchte ich nur, daß aus diesem gar zu großem Ueberfluß an Kindern zuletzt noch gar ein Mangel an Männern entsteht, und daß sodann irgend ein Mann an der Grenze, der das Zeug dazu hat, auftritt, und die ganze Nation von Kindern und Kindsköpfen zusammenfaßt, und wie einen kleinen Duodezband, in seine Rocktasche steckt.
Gott verhüthe, daß ich wahr rede! Wiewohl sich nicht läugnen läßt, daß jetzt im Antritt des Jahres 1806, wo ich dieß schreibe, bereits ein guter Anfang mit dieser Operation gemacht ist!

Reise durch einen Theil von Teutschland, Helvetien und Oberitalien, im Sommer 1803. In Briefen an einen Freund. Drittes Bändchen. Mit 5 Kupfern. Berlin bei Himburg 1806.
Die ersten beiden Bändchen dieser Reise waren ziemlich arm und dünn an innerem Gehalt; denn außer einigen Notizen über die Schlachten von Hohenlinden und Marengo, über Genf, Voltaire, und den Zug Bonaparte's über den großen Bernhard, enthalten sie sehr wenig, das gedruckt und gelesen zu werden verdiente. Indessen haben sie das Verdienst einer fließenden Schreibart, und man reis’t leicht und schnell mit dem Verfasser, der aus der Gegend von Genf gebürtig, und wahrscheinlich preußischer Offizier ist, wie seine Aufmerksamkeit auf militärische Gegenstände und die Richtung dieser Briefe an einen Militär vermuthen lassen. Seine Reise geht von Berlin über München, Genf, den Mont Cenis, Turin, Alexandrien in die Bäder von Acqui, und von da über Genua, Mailand, den großen Bernhard wieder nach Genf und über Frankfurt nach Berlin zurück. Der vorliegende dritte Theil ist der reichhaltigste an lesenswerthen Sachen, obgleich er nur die Rückreise von Genf nach Berlin enthält. Das Interessanteste in demselben sind die fortgesetzten Nachrichten über Genf und Voltaire, über einige Alterthümer, die Forschungen über Hannibals Zug über die Alpen, und die Berichtigungen der im ersten Bande über die Schlacht von Hohenlinden gegebenen Nachrichten, von einem französischen Offizier des Moreau'schen Generalstabes. Dem Verfasser wurde in Ferney von der Wittwe Vagniere's, des ehemaligen Sekretairs und Vertrauten von Voltaire, eine noch ungedruckte Relation du voyage de Monsieur de Voltaire a Paris, et de sa mort, die Vagniere an seine Kinder geschrieben hatte, versprochen, und er macht Hoffnung zur öffentlichen Bekanntmachung derselben. Die Anekdoten von denen der Verfasser vorläufig einige mittheilt, werden wohl das Interessanteste in dieser Relation seyn. Sie drehen sich um den Kampf, den Voltaire noch auf seinem Todbette mit den Pfaffen zu bestehen hatte, die ihn bekehren oder wenigstens ein Zeichen der Bekehrung von ihm erpressen wollten; aber sein Witz und sein Muthwille, den sie bis zum Cynismus reizten, verließ ihn auch in diesem letzten Kampfe nicht, und er schlug alle Angriffe tapfer ab, um seinem im Leben behaupteten Charakter treu zu bleiben.
(Der Beschluß folgt im Tartarus.)

Heidelberg und Frankfurt 1806 bei Mohr und Zimmer. Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, gesammelt von L. A. v. Arnim und Clemens Brentano.
Volkspoesie, d. h. eine solche, die unter dem Volke und für das Volk entstanden ist, erweiset vorzüglich das durch ihren Werth, daß in ihr ein frisches, kräftiges Leben, natürliche Laune und eine wahrhafte Naivität herrscht, während die gebildete Poesie nicht selten in bloß erlernte Wortfügungen ausartet, und bald in schwachen Nachah- {11}

mungen austönt, bald mit erkünstelten Vorstellungen sich überladet. Wer aber die Naturpoesie der sogenannten Kunstpoesie geradezu entgegensetzen wollte, der würde der letztern, wo sie echt ist, sehr Unrecht thun, indem diese so wenig unnatürlich ist, daß sie vielmehr jene erst vollendet. Was jene oft nur zu sagen strebt, das sagt diese völlig, und wenn jene mit halb entwickelten Gedanken, in halb zulangender Rede, gewöhnlich nur Gemüthern von gleicher Kultur ganz genügt, so befriedigt diese, durch Verbindung eines tiefern Gefühls, mit einer größern Gewandheit in der Darstellung, den schon gebildeten Geist. Man würde aber den Unterschied zwischen einer Volks- und Kunstpoesie vielleicht gar nicht kennen, wenn eine freiere Wechselwirkung aller Kräfte und eine Belebung der ganzen Maße des Volks, zu einer gemeinsamen Bildung für unsere Zeiten möglich oder zu erwarten wäre. Die Trennung ist so ungeheuer auffallend, daß, während der eine Theil in Roheit lebt, der andere in gebildeter Weichlichkeit hinschwindet. Sehr verdienstvoll ist es, unter solchen Umständen, Volkslieder zu sammeln, und sie als eine gesunde Hausspeise in die Wohnungen der kultivirten Städter zu bringen, und auch diese Sammlung kann theilweise dazu dienen, daß sie einen verzärtelten Geschmack, einen geschwächten und schläfrigen Sinn für ein unverdorbenes und frisches Naturleben wieder aufwecken und stärken hilft. Sehr viele dieser Volkslieder, wie z. B. „Der Kommandant zu Gross Wardein" sind schon in der Idee und Anlage höchst poetisch: andere wie „Es hätt ein Bur ein Töchterli" – „Das Mägdlein will ein Freyer haben" – „Es ging ein Schreiber spazieren aus" – „Es sind einmal drei Schneider gewesen" – besonders aber „Ich war noch so jung und doch schon so arm" sind mit Recht poetisch zu nennen, so wie die Natur selbst, mit hellem Sinn aufgefaßt, die vollkommenste Poesie ist.

Des Antonius Fischpredigt, so wie „Der Herr der stellt ein Gastmahl an" gehören gewiß zu den drolligsten Stücken in ihrer Gattung. Auch die, welche jetzt auf Soldatenlieder denken, werden hier in der Husarenbraut, oder in dem Husarenglauben kein übles Muster finden. Unter andern lautet es in dem letzten so:

Da heißts: Husaren, insgemein
Schlagt die Pistolen an,
Greift durch, den Säbel in der Hand,
Haut durch den nächsten Mann!
Wenn ihr das Fransche nicht versteht,
Verkürzt Euch das Gespräch;
Das Reden ihm sogleich vergeht,
Putzt Ihr den Kopf ihm weg. [Nach einer andern Lesart.]

Die Zartfühlenden werden die Wassersnoth, die Romantischgesinnten den verlornen Schwimmer bewundern, die Resoluten aber diese Schwankrede gern hören:

Wenn du zu mein Schätzel kommst,
Sag: Ich ließ sie grüßen;
Wenn sie fraget, wie mir's geht?
Sag: auf beiden Füßen.
Wenn sie fraget: ob ich krank?
Sag: ich sey gestorben;
Wenn sie an zu weinen fangt,
Sag: ich käme morgen.
(Die Fortsetzung im Tartarus.)

Neuestes Schreiben aus Elysium vom 6ten Jan.
So viel wir wissen, ist August Schlegel aus dem Tartarus glücklich abgegangen: ob er aber eben so glücklich in Elysium ankommen wird, das mag Gott wissen. Was hier echte Poeten sind, behaupten fest, er komme nicht; denn ein bloß mechanisches Talent gebe kein Recht zu einem Platze in Elysium. Zwischen Horaz und Lucian steht seit vielen Jahren ein Stuhl leer: – möge er noch lange unbesetzt bleiben – wir wissen nur so viel, daß ein edler Deutscher, der jetzt noch lebend der Achtung seiner bessern Mitwelt genießt, ihn dermaleinst einnehmen wird. Von diesem nun theilte Uns Lucian ein gewürztes Briefchen mit, aus dessen Inhalt ich dir doch einige Stellen mittheilen muß: „Seit wann ist es wohl, so schreibt ihm unter andern sein sublunarischer Kunstfreund, daß Rhadamanthus, dieser gestrenge Herr, einen so hohen Werth auf das Kunststück, reine Pentameter und Hexameter [Es ist hier die Rede von Schlegels künstlich gemachten Spondäen, wodurch er, wie es in der Rezension heißt, Voß zu überbiethen sucht.], nach den Regeln der Griechischen und Lateinischen Prosodie, in einer dazu ganz und gar nicht geeigneten Sprache zu schmieden, legt, daß die daher entstehende Ungeschmeidigkeit und einem deutschen Ohr schwer zu ertragende Härte bei ihm in gar keine Betrachtung kömmt, und er überhaupt sich wenig daraus zu machen scheint, ob diese vermeinte Vollkommenheit, die kein deutscher Leser verlangt, noch ihren Mangel an Klopstocks und selbst Vossens Hexameter vermißt, auf Unkosten der wesentlichsten Erfordernisse zu einem schönen Gedicht, erkünstelt worden sey, oder nicht? In der That, wenn ich diesen Pseudo-Rhadamanthus seine Kollegen, bei allen Mächten des Himmels und der Hölle, beim Tänarus und Tartarus beschwören höre, das Verdienst zu ehren, wo {12}

man es finde – und am Ende besteht dieses Verdienst bloß in einer mit sichtbarer, hörbarer, fühlbarer, Sisiphischer Mühseligkeit erreichten, allenfalls einem Primaner der Schulpforte Ehre machenden anstrengenden Beobachtung einer unsrer Sprache fremden Prosodie und Versifikazion: so ist es (mit ihrer Erlaubniß) schwer sich des Verdachtes zu erwehren, daß der besagte Richter, durch irgend einen Beweggrund, welcher es auch seyn mag, zu einem so Christmilden und Nachsichtsvollen Endurtheil bestimmt worden sey. – Aber auch dem Redaktör dürfte mit einigem Recht zur Last gelegt werden, daß er Uns, in einem Prozeß von solchem Belang, einen wichtigen Theil der Akten untergeschlagen, nämlich die genaue Untersuchung des Poetischen Verdienstes der Schlegelschen Elegie, und die gehörige Motivirung des Verdammungsurtheils, welches Minos und Aeacus über den angeblichen Virtuosen auszusprechen bereit waren. Mit dem richterlichen Wort: „es werde dem Beklagten sein Mangel an Poesie strenge verwiesen" geschieht der Sache, dünkt mich, noch lange kein Genüge; nicht zu gedenken, daß es nicht einmal sehr billig ist, einem Versmacher einen Mangel zu verweisen, woran er selbst ganz unschuldig ist, und wofür Gott und die Natur allein verantwortlich sind. Doch über alles dieß, mein lieber Lucian, wäre noch so viel zu sagen, daß dies Blatt keinen Raum dazu hat. Ich muß demnach schließen, und bitte dich die Versicherung anzunehmen, daß meine Freundschaft für Euch kein Schatten ist, und daß sie mir hoffentlich bis in Elysium nachfolgen wird.
W.
N. S. Möchte es doch unsern Elysäischen Freunden öfter gefallen, zu unserer und des ganzen Publikums Belehrung, Uns solche Briefchen, aus der Brieftasche ihres sublunarischen, alten, Lucianischen Kunstfreundes mitzutheilen.
D. Redaktör.
–––––––
Miscellen.

Heidelberg. Voß ist munter und wohl auf. Sein Orpheus, sein Theokrit, sein Hesiodus, Alles das ist nun unter der Feder. Er arbeitet Stück für Stück noch einmal aus, oder glättet die Werke, wie er zu sagen pflegt, am Nagel des Daumens. Solche von Leidenschaft hervorgetriebenen, ungemessenen Angriffe, wie die von Prof. Herman, daß er kein Griechisch verstehe, mit einem fremden Kalbe gepflügt u. s. w. achtet kein Mann, von Vossens Verdienst. Das ist Spreu im Winde; deßgleichen ist schon viel auf seinem Wege verweht.

An Johann Heinrich Voß.
Ritterlich kämpft dein Geschoß; dein Arm hat Manchen gespellet,
Voß, wie dir Heine bezeugt einst und auch Adelung jetzt:
Tapferster, welchem sein Schwert blank stählete Luther zum Zweikampf:
Oft auch gezuckt auf den Mann, traf's im Gespaltenen – Stroh.

Oliviersche Buchstabiermethode. Fortschritt.
Nach Doktor Saifferts neuem Alphabet, empfangen die Buchstaben unter andern auch folgende Taufnamen: Beller, Gauckser, Murmler, Brummer, Scheucher, Tschischer, Aechzer, Flenner u. s. w.

„Ehrlicher Doktor, empfang nun den Lohn deiner Spracherfindung,
Den, entzög ich dir ihn, kaum dir ein Anderer reicht;
Damen verehren dicht nicht! Geh! Hüthe die Gänse mit Gaucksern!
Rülpser – erstickst du daran, keiner versucht dir sie nach. Beller verschafft dir genug dein Genie, auch Murmler und Brummer,
Scheucher und Tschischer dazu; nur der Bewunderer fehlt: Hast du den Aechzer vielleicht für deine Zukunft erkoren, Saiffert, gelehrtester Mann, nimm auch den Flenner dazu!
E. D.

Aus London. Daß die Kindermanie so schnell auf unsern Theatern zu Ende ging, verdanken wir vorzüglich den Englischen Courtisanen. Im Pfeifen und Zischen suchen sie ihres Gleichen. Was diesen Punkt betrifft, so sind sie gewiß im ganzen hiesigen Publikum die ausgelassensten. Kinder sind schon, dem ganzen Interesse ihres Standes nach, nicht sehr bei ihnen beliebt, und wie es scheint, wollen sie auch selbst auf dem Theater nichts mit ihnen zu thun haben.
Leipzig. Die Erscheinung des Landvogts zu Pferde in Wilhelm Tell, hat der Aufführung des Stücks einen großen Zulauf verschafft. In Wien ist übrigens dergleichen was Altes. – Im Richardt Löwenherz sah ich ein 10 bis 12 ausgediente Dragonerpferde sich auf dem Theater weidlich herumtummeln, so daß mir, der ich mit Frau und Kind unten im Parterr saß, oft angst und bange wurde, die Bestien möchten über die Köpfe der Zuschauer und die Bänke hinweg, Uns einen ungebethenen Besuch abstatten. Dennoch war das Haus leer, und Gallerie und Logen kaum mittelmäßig gefüllt. Nur da, als es Schikaneders Direktorklugheit dahin brachte, daß in der Oper Palmyra ein lebendiges Kameel aus Schönbrunn auftrat, zog das wundersam neue und unerhörte Schauspiel auch eine wundersam neue und unerhörte Menschenmenge herbei. Auf jeden Fall befindet sich die dortige Theaterkasse bei dieser Art Gastrollen weit besser, als andere Theater bei den ihrigen; schon darum, weil sie dem fremden Aktör aus Schönbrunn

Der kömmt auf allen Vieren,
Die Welt zu amüsiren,"

nicht die Hälfte von ihrer Einnahme abgeben darf. –
–––––––
Erklärung.
Da der in Nr. 2. dieser Zeitung eingerückte Artikel aus London bei dem hier kantonnirenden Militair Mißvergnügen erregt hat: so ergreift der Redaktör mit Vergnügen die Feder, um zu erklären, daß es ihm nie einfallen konnte, damit weder diesem Stand, noch irgend einem seiner geachteten Mitglieder zu nahe treten zu wollen, sonst würde dieser Aufsatz gewiß nicht ins Publikum gekommen seyn.
D. Redaktör.