Zeitung für die elegante Welt.
153.
Donnerstag – 23 Dezember 1802. {1221}
An die Welt.
Weimar im Dezember 1802.
Was ich bedarf, konnte ich in dir nicht finden.
Mein Innres must' ich tief in mir ergründen;
Im rohen Kampf feindseliger Gestalten
Mich selbst gestalten.
Nun, da ich tief in mir dies Selbst gefunden,
Ist mir der Mißklang außen auch verschwunden.
Ich laß die Narren, närrisch, wie sie's treiben,
Nun tichten, schreiben.
Du hast, o Welt, Gesang und Glanz und Spiele:
Du hast der Narren, wie der Tage viele:
Soll ich – ein größrer Narr – solch Thun zu wenden,
Mein Seyn verschwenden?
Soll ich – wie bald – in Charons Nachen landen?
Und hätte, ewige Natur, Dich nicht verstanden?
Was Großes das Jahrhundert sich erzielet,
Es nicht gefühlet?
Nein, heil'ges Streben will mein Herz ergreifen,
Der Menschheit Großes auf mein Haupt zu häufen:
Dies will ich, mitten unter Irrlichtsschimmern,
Und dann zertrümmern.
Zwar seh‘ ich Freunde, die darob mich schelten,
Wir stehn getrennt, wie auf verschiedenen Welten:
Mein Rufen dringt nicht mehr zu ihren Ohren,
Sie sind verlohren. {1222}
Doch muthig in dem Kampf mit dir bestanden,
Entreiß dich, Herz, den lang gewohnten Banden!
Ihr Freunde, die nur Zank und Zwietracht weidet,
Fahrt hin und scheidet!
Falk.
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