1806 No. 39.
Elysium und Tartarus.
Zeitung für Poesie, Kunst und neuere Zeitgeschichte
Mittwoch, den 21. Mai.
Zeitgeschichte.
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Üeber die Politik der Römer. Gibbon 1. 71. „Diejenigen Fürsten, denen Rom aus ruhmrediger Dankbarkeit, oder Großmuth verstattet hatte, eine zeitlang ungewiß den Scepter zu führen, wurden von
ihren Thronen verstoßen, so bald sie ihre Bestimmung erfüllt, nämlich die überwundenen Völker an das Joch der Sieger gewöhnt hatten. Die freien Staaten und Völker, hatte ihre Erklärung zu Gunsten
der Republik gelautet, beehrte man eine zeitlang mit der Benennung: „Römische Bundsgenossen" bis dieser Titel auch endlich unvermerkt in eine wirkliche Knechtschaft ausartete." –
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Einige Charakterzüge Augusts. Meist nach Sueton. „Auf Vogelflug und andere solche Dinge achtete August sehr. Zog man ihm des Morgens den linken Schuh zuerst an: so nahm er das für eine üble
Vorbedeutung. Bei Aktium begegnete ihm ein Esel mit seinem Treiber. Der Esel hieß Nikon (der Sieger), der Treiber Eutychus (Glückauf), was war da natürlicher, als daß August siegen mußte, und daß
man den Esel, dem er diesen Sieg verdankte, hinterdrein, wie uns Sueton erzählt (Kap. 80, 92-96.) auf seinen Befehl ausdrücklich in Erz goß. August war kein Mann von sonderlich hohem Geschmack,
obgleich die Ars poetica unter seiner Regierung geschrieben wurde. Am liebsten sah er auf dem Theater jenen Pomp von Triumphaufzügen: das konnte ihn stundenlang ergötzen. Auch die Kunst der
Balladinen erfreute sich seines besondern Schutzes. Da er Alles heuchelte, und seine letzte Frage auf dem Sterbebett, noch die eines Aktörs war: nämlich ob er seine Rolle gut gespielt hatte? – so
heuchelte er denn auch natürlich Kunstgefühl. Er wollte deshalb sogar Horaz, den unschlüßigern Freund des Regulus und Brutus, der zwischen ihm und diesen Herren kapitulierte, kurzweg zu seinem
Sekretair machen, das dieser indessen klug genug war, unter dem Vorwand einer schwachen Leibeskonstitution, von sich abzulehnen. Ferner schien dem Herrn der Welt etwas daran gelegen zu seyn, daß
Horaz, dieser Sohn eines römischen Freigelassenen, ihm wenigstens etwas dedizierte; er forderte ihn deßhalb sogar förmlich in einem Handbillet auf, das noch bei'm Sueton übrig ist. Dieß Dokument
ist zu merkwürdig, als daß wir es nicht nächstens unsern Lesern, in der vortrefflichen Wielandschen Uebersetzung, mittheilen sollten: denn Alles, was den Charakter einer der Hauptpersonen des
sogenannten goldnen, römischen Zeitalters schildert, kann gar sehr dazu dienen, uns zu einer klaren Idee die- {158}
ses goldnen Zeitalters selbst, zu verhelfen. Als ein Zeichen seiner Vorherbestimmung zum Regenten Roms und des Parnasses, kann auch die Stelle bei'm Sueton gelten, wo er im 43. Kap. von August
erzählt: „als dieser noch kaum lallen gekonnt, habe er schon auf der großväterlichen Villa, den Fröschen in den Sümpfen, Stillschweigen geboten.
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Merkwürdiger Charakterzug des Julius Cäsar. Nach Sueton Kap. 24. ließ Julius Cäsar keine Gelegenheit zu einem Kriege aus den Händen, gerecht, oder ungerecht, das galt ihm gleich. Auch fiel er
sowohl Bundsgenossen, als friedliche Völker von freien Stücken an. Weil ihm aber Alles glücklich ablief, sagt Sueton mit klaren Worten: so sind ihm zu Ehren mehr öffentliche Dankfeste, als jemals
angestellt worden."
„Und wenn es glückt, so ist es auch verziehn;
Denn jeder Ausgang ist ein Gottesurtheil."
Wäre die Verschwörung des Catilina geglückt: so würde schwerlich jetzt die schöne Rede des Cicero „Quam diu Catilina" in den Schulen exponiert: möglich sogar, daß sogar Catilina eine eben so
große Rolle, wie jetzt Julius Casar, in der Weltgeschichte spielte.
Dieser Julius Cäsar pflegte, nach Ciceros Zeugniß, beständig den Wahlspruch des Euripides im Munde zu führen:
„Nam si violandum est jus, regnandi gratia
Violandium est, aliis rebus pietatem colas!"
"Uebst du Verletzung des Rechts: so sey es Verletzung um Herrschaft,
Sonst und im Uebrigen üb' Frömmigkeit, wie sichs gebührt."
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Alter und Herkommen großer, nach und nach sehr berühmt gewordenen Geschlechtslinien. Des gütigen Titus, aus den unser Mozart eine sehr schöne Oper gemacht, zu der Metastasio den Text verfertigt,
seine Voreltern, waren gute ehrliche Leute, ihrem Stande nach, Accisbediente. Einem derselben sollen sogar, seiner strengen Redlichkeit wegen, Bildsäulen vom Staat errichtet worden seyn, welches
auch heut zu Tage nicht mehr zu geschehen pflegt. Vespasian schämte sich nie seiner niedrigen Abkunft. Pertinax war der Sohn eines Holzhändlers. Von Kaiser Artaxerxes sagte man, daß er als
Bastard, zwischen einer Lohgerbers Frau und einem gemeinen Soldaten, gefallen sey. Kaiser Aurelian bestieg als ein Bauernsohn den Thron, und Helena, Constantin des Großen Mutter, war eines
Schenkwirths Tochter.
Nachschrift.
Obige Bruchstücke sind aus einem, Rom 1806 in der päbstlichen Buchdruckerei erschienenen kleinen historischen Werke ausgezogen, das bei vielen höchst leidenschaftlichen, einseitigen und
übertriebenen Ansichten, doch, wie man sieht, eine sehr gute Zusammenstellung historischer, für die Zeit interessanter Notizen enthält.
Vies et oeuvres de peintres les plus célèbres de toutes les ecoles etc. par C. P. Landon, peintre etc. Paris chez Treuttel et Würz, Ecole Romaine, Raphael, Vol. I et II. Diesen zwei Bänden sind
bereits früher zwei andere, die Werke des Domenichino enthaltend, vorhergegangen. Die Unternehmung an sich ist eine nützliche Anwendung des erst durch Flaxmans Umrisse in häufigeren Gebrauch
gekommenen Kontourzeichnens, welche wir für zweckmäßiger halten, als wenn uns Künstler mit ihren eigenen Erfindungen in bloßen Umrissen beschenken, weil bei diesen letzteren mit Recht zu
befürchten ist, daß das Wesentliche einer malerischen Komposition darin sehr vernachläßigt werde, und daß der Künstler sich auf diesem Wege leicht dazu gewöhne, seinen Gegenstand bloß in Umrissen
zu denken, woraus denn am Ende nur gehaltlose Traumbilder entstehen. Dagegen reicht der bloße Umriß hin, von Gemälden, deren Hauptvorzüge Erfindung, Komposition, Zeichnung und Ausdruck sind, das
Wesentliche, den Gedanken und den Stil ihrer Darstellungen, mitzutheilen; und wenn dieß in möglichster Treue geschieht, so verdienen dergleichen Bestrebungen, musterhafte Werke der Kunst
gemeinnützig zu machen, alles Lob. Zum Theil kann man dieses auch dem vorliegenden Werke zugestehen, dessen I. Theil die Verklärung, die sieben in England befindlichen Kartons zu den Teppichen,
und die 52 Darstellungen der Logen des Vatikan, die Bibel Raphaels genannt, enthält.
Von den Originalen hier zu sprechen ist überflüßig, da sie durch mehrere Abbildungen längst bekannt sind. Der hier von der Verklärung gelieferte Umriß ist mit Fleiß und Sauberkeit so treu kopirt,
als die Größe des gewählten Formats nur erlaubte, und um die Komposition besser auseinander zu sehen, hat man hier und dort die Schattenmassen leicht mit Strichen und Punkten angedeutet; doch
möchte wohl besser gewesen seyn, wenn man sich bloß begnügt hätte, dieß durch einen stärkeren Umriß der Schattenseite anzugeben. Mit gleich lobenswerther Treue des Ausdrucks sind auch die Kartons
kopirt. In den Umrissen der Logengemälde findet man hin und wieder Spuren jenes mechanischen Kontourenschreibens, welches zwar eine fertige aber gefühllose Sicherheit und Korrektheit verräth, die
bei Raphael, wo jede Linie Leben und Gefühl athmet, nicht wohl angebracht sind. Dasselbe Stre- {159}
ben nach grammatischer Korrektheit, worin die neuere französische Schule ihre Hauptstärke setzt, findet sich auch im II. Theile, in den 32 Nachbildungen aus der Fabel der Psyche, von denen wir
die in der Schule des Marcanton gestochenen Originalkupfer zur Vergleichung vor Augen haben. In diesen Darstellungen aus Raphaels letzter Zeit, welche in der Komposition die schöne Einfachheit
und gehaltvolle Präzision der Logengemälde haben, sind die Formen meistens derb und schwer, oft mehr als ein zarter weiblicher Charakter erträgt. Der Nachzeichner hat dieß zu vermeiden gestrebt,
dabei aber nicht selten die Eigenthümlichkeit des Raphaelischen Kontours mit verwischt; auch erscheinen die sämmtlichen Nachstiche hier im Abdruck verkehrt. Außer diesen enthält der zweite Band
noch den Tempelraub des Heliodor, das Wunder der Messe zu Bolsena (unter allen Blättern das schlechteste), des Petrus Befreiung aus bem Kerker, die Tugenden, Stärke, Klugheit, Mäßigung, ferner
die Figuren der Theologie, Jurisprudenz, Philosophie und Poesie, sämmtlich aus den Stanzen; deßgleichen Glaube, Liebe, Hoffnung, jede mit zwei Genien zur Seite, nach einer grau in grau gemalten
Skizze im Museum Napoleon; sieben verschiedene heilige Familien; eine heil. Margaretha; die heil. Cecilie; verschiedene Darstellungen aus der griechischen Mithologie; die 7 Planeten, und 4
Zeichen des Thierkreises, aus der Sala Borgia des Vatikan. Beide Theile enthalten in allem 124 Platten.
Anti-Kasperl.
Ein Gespräch beim Frühstück im Prater.
(Aus Wien eingeschickt.)
Unter den neubelaubten Kastanienbäumen hatte A* eben seine Tasse Kaffee geschlürft; ausgetönt war die Cherubinische Savoyarden-Romanze, da kam B* auf seinem schönen Engländer daher gesprengt,
stieg ab, und setzte sich zu seinem Freunde. Wie hast du den gestrigen Abend zugebracht? fragt er ihn.
A.. Abscheulich langweilig. Da führt mich das Unglück in das Henslerische Stück, den eisernen Mann. So was jämmerliches habe ich sobald nicht gesehen.
B.. Du urtheilst da ganz ohne den wahren Geschmack; wie ein zweiter Benkowitz etwa.
A.. Wie so?
B.. Du sollst nämlich wissen, diese wunderlichen Zeiten, die so Manches geben und nehmen, haben auch dem Leopoldstädter Theater, und seinen Dichtern etwas beschert, an das sie so wenig dachten,
als die Franzosen vor 7 Jahren an ihre jetzige Größe, Ruhm nämlich, Celebrität, und die Ehre das einzige, deutsche Nationaltheater gebildet zu haben.
A.. Scherz! – Bittere Ironie auf unsere bessern Bühnen!
B.. Nichts weniger! Der Beweise giebt es viele. Der Konsensus des Volks, und selbst des Adels. Denn hat nicht bei der Vermählung der schönen Fürstin Esterhazy Perinet das Gelegenheitsstück
verfertigt?
A.. Dein Völkerkonsens taugte schon in den ältesters Zeiten nichts, und jetzt gar, wo selbst der herrliche Alarcos beinahe Niemanden gefällt.
B.. Jetzt gefallen jene Meisterstücke, weil die wahre und echte komische Kraft in ihnen ist, die hellste Charakteristik, die meiste Entfernung von der leidigen Sentimentalität, wovon sich nur der
geniale Schikaneder einigermaßen anstecken ließ.
A.. Unmöglich Freund, kann es Jemanden mit diesen Behauptungen Ernst seyn. Eine neue Ansicht ist das nun wohl, denn hier in Wien, wo man das Leopoldstädter Theater bloß der Mädchen und
Dekorazionen wegen besucht, hat noch Niemand diese Seite betrachtet. Aber richtig? Nein! Sieh nur die neueren Produkte jener Bühne (Hafner muß ich freylich ausnehmen) mit einem unbefangenem
ruhigem Blicke an. Was findest du, zu dessen Hervorbringung es nur der geringsten Bildung bedürfte ?
B.. Laß mir die Bildung weg. Gerade diese sogenannte Bildung ist es, welche die vielen mittelmäßigen Köpfe ins offene Feld der Schriftstellerei hervorruft. Leküre so mancher Art, Eitelkeit, wohl
auch Empfindung für das Schöne bilden dann einen so genannten Dichter, welcher freilich von dem durch eigne Phantasiekraft schaffenden Künstler sehr verschieden ist.
A.. Sehr richtig, aber auch nicht das geringste angeborne Talent zeigt sich in jenen Produkten. Eine ewig gleiche, immer wiederkehrende Handlung aus irgend einem schlechten Ritter- oder
Geisterromane entlehnt, die nämlichen Figuren in jedem Stücke, dieselben Späße, mit äußerst geringen Abwechselungen, ein gänzlicher Mangel an Allem, was die Sprache und der Dialog in seinen
Wendungen Zierliches, Gefälliges oder Artiges hat, dazu die elendeste Deklamation der Schauspieler, welche weder stehen noch gehen, noch sich mit Anstand bewegen können, wenn alles das ein
geniales Kunstwerk bildet, so wird es noch ungleich leichter als sonst, die Höhe des Parnasses bequem zu ersteigen. Beispiele sprechen deutlich. Seit Hensler die Direktion des benannten Theaters
übernahm, fand er es seinem Vortheile gemäßer, die Fabrizierung der Stücke {160}
einem hiesigen sehr schlechten Romanschreiber, Herrn Gleich, zu übertragen, und o Wunder, auf einmal kam der Geist über ihn, und er muß in die Reihe der genievollen Wiener Lustspieldichter auf
das schnellste nachgetragen werden, denn seine Schauspiele gleichen den Henslerschen, wie ein Ey dem andern. Und so will ich denn auch nächstens mein dramatisches Talent versuchen, und zum
eisernen Mann einen zweiten Theil komponiren, der alle jene gerühmten Vorzüge in sich vereinigen soll.
B.. Glück auf, und gelingt dein Wagestück, so soll Müller eine Musik dazu setzen, und dein Name an der Spree, Elbe, Newa, Ilm und Donau mit gleichem Triumpfe ertönen.
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Berlin bei Frölich. El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha, compuesto por Miguel de Cervantes Saavedra, Tom. V. et VI. 1804. 8. Mit diesen beiden Theilen, welche das Leben des Cervantes
von Pellicer, und einen erklärenden Kommentar zum Don Quixote enthalten, ist diese nette und korrekte Ausgabe, welche der Verlagshandlung sowohl, als dem Fleiße und der Sorgfalt des gelehrten
Herausgebers, Herrn Ideler Ehre macht, vollendet.
Der Text ist nach der besten spanischen Ausgabe, des D. Juan Antonio Pellicer kopirt, und wir können diese treue Kopie sowohl, als besonders den schätzbaren Kommentar, der auch für sich allein
verkauft wird, und dem berühmten Philologen Wolf in Halle zugeeignet ist, allen Freunden der spanischen Literatur empfehlen.
Napoleons Unterredung mit dem Schauspieler Talma.
In einer Zusammenkunft des französischen Kaisers mit Talma, dem ersten jetzt lebenden tragischen Schauspieler des Theatre françois, soll erster geäußert haben, er wünsche, daß die
Tragödiendichter, statt ihre Helden nach den Grundsätzen gewöhnlicher Menschen reden und handeln zu lassen, und ihnen immer nur Motive von Tugend und Moral unterzulegen, lieber verständen, nach
Weise des Alterthums, das Schicksal wirken zu lassen; und nach seiner Meinung würde man in neueren Zeiten oft die Politik als ein solches Schicksal ansehen können; und daß Philipp der Schöne in
den Tempelherrn eine wichtigere und interessantere Rolle gespielt haben würde, wenn Reynouard die Macht derselben besser zu entwickeln verstanden hätte.
Miscellen.
Schiller und Madam Albrecht, oder die Kunstverwandten.
Während eines früheren Aufenthaltes zu Leipzig, sah man Schiller häufig in Gesellschaft der als Schauspielerin und Dichterin zugleich berühmten Madam Albrecht. Einst während der Meßzeit wurde
beschlossen, vor das Petersthor zu gehen, und eine Komödie von – – Hunden, die daselbst gespielt wurde, in Augenschein zu nehmen. Gesagt, gethan! Madam Albrecht, von Schiller geführt, begab sich
mit ihm auf den Weg. Ein lustiger Kopf, der, als dieser Entschluß gefaßt wurde, mit von der Parthie war, benutzte die Zwischenzeit dazu, daß er voraus lief, und den Herrn Direktor der
Hundekomödie von der Ehre des vornehmen Besuches, der ihm bevorstand, auf das vollständigste zu prävenieren suchte. Bald darauf erschienen Schiller und Madam Albrecht an der Kasse, wo sich
zwischen ihnen und dem Direktor folgendes Gespräch entspann. Direktor. „Wen er die Ehre habe vor sich zu sehn?" – „Schiller." – Direktor. Außerordentlich erfreut, den großen Mann in der Nähe
kennen zu lernen, den er bis jetzt immer nur in der Entfernung verehrt. Und Madam? „Die Schauspielerin Albrecht." – Direktor. Nicht minder erfreut, einer so edeln Kunstverwandten persönliche
Bekanntschaft zu machen. – Somit wurden beide, unter vielen Ceremonien, in die Bude komplimentiert. Zuvor erkundigte sich Schiller noch, was das Entre kostete. Darauf erwiederte ihm aber der
Direktor gar höflich: er mache sich ein wahres Vergnügen daraus, so hohen Gönnern und Kunstverwandten, nicht nur für jetzt ein freies Entree zu verstatten, sondern er nehme sich auch zugleich die
Freiheit, Ihnen für die ganze Zeit seines Aufenthalts zu Leipzig, ein Freibillet anzubieten.
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Matthisson und sein Lohnbedienter.
Der berühmte Dichter Matthisson hatte neulich auf einer Reise, wo ich nicht irre, nach Berlin, einen Bedienten, der bei jeder Gelegenheit viel enthusiastische Vorliebe für schöne Gegenden an den
Tag legte. So versicherte er ihn unter andern einmal; zwischen Meißen und Dresden besonders habe er die Gegend so schön gefunden, daß ihm noch ganzer acht Tage der Hals davon weh gethan. Als sich
Matthisson, der nicht wußte, wie die Schönheit und das Halsweh zusammen kämen, deßhalb näher bei ihm erkundigte, erwiederte der Bediente: Ja sehen Sie, das ist man vom vielen Umkucken!
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Haben Sie sonst schon gedient?
Eine Anekdote aus einer freien Reichsstadt.
Als der Kronprinz von Dännemark sich vor einigen Jahren in derselben aufhielt, hatte ihm der Magistrat zur Ehrenbezeigung einen Kapitain von dortigen Stadt-Militair zur Begleitung gegeben. Der
Kronprinz behandelte denselben sehr artig und zuvorkommend. Einst in der Komödie, als er in der Loge hinter ihm stand, frug er ihn unter andern: Haben Sie auch sonst schon gedient? Der Kapitain
erwiederte; unterthänigst aufzuwarten: 18 Jahr bei der seligen Frau Bürgermeisteria L ... in der .... straße.
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